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Gründe sind vielfältig

Chefin von italienischem Kaffee-Riesen schlägt Alarm: Espresso erreicht bis Jahresende kritische Preismarke

Für Einheimische wie viele Urlauber ist in Italien ein Espresso tägliche Pflicht. Steigende Preise lassen erste Unternehmen aber auf Alternativen setzen.

Rom – Der morgendliche Espresso an der italienischen Bar – auch für viele Deutsche im Italien-Urlaub das erste Ritual des Tages. Doch diese Tradition wird für Einheimische wie Touristen immer teurer. Was einst für 87 Cent zu haben war, kostet heute bereits über 1,30 Euro. Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.

Viele Urlauber freuen sich in Italien über einen frischen Espresso am Morgen. Die Preise steigen jedoch immer weiter an – das sind die Hintergründe. (Symbolbild)

Cristina Scocchia, Geschäftsführerin des italienischen Kaffee-Riesen Illycaffè, warnt vor einem dramatischen Preissprung. „Der Preis der Rohware, der grüne Kaffee, hält sich auf einem sehr hohen Niveau, um die 380 Cent pro Pfund, dreimal der historische Durchschnitt“, erklärte sie beim Meeting in Rimini, wie ilsole24ore.it schreibt. Ihre düstere Prognose: „Es wird geschätzt, dass er in den kommenden Monaten zwei Euro erreichen könnte.“

Kaffeepreise in Italien steigen deutlich an – das hat verschiedene Gründe

Die Gründe für den Preisschock sind vielfältig. Der Klimawandel dezimiert die Ernten in Brasilien und Vietnam, während US-Zölle von 50 Prozent auf brasilianische Importe zusätzlich das Angebot verknappen, meldet das italienische Portal. Dazu kommen gestiegene Energiekosten, Transportprobleme durch die Suez-Krise und neue EU-Umweltvorschriften, die besonders kleine Produzenten belasten.

Bereits jetzt zeigen sich erhebliche Unterschiede: In Bozen zahlen Kaffeetrinker mit 1,50 Euro italienweit am meisten, während in Catanzaro der Espresso noch unter einem Euro zu haben ist. Seit 2021 sind die Preise landesweit um 19 Prozent gestiegen – in manchen Städten wie Pescara sogar um 34 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland kostet ein Espresso meist zwischen zwei und 3,50 Euro.

Latte Macchiato, Cappuccino & Co.: Was ist was?

Latte macchiato mit Cantuccini
Der Latte Macchiato ist bekannt für seine drei Schichten: Zuerst wird Milch in ein hohes Glas gegeben, darauf platziert man dann ganz sanft einen festen Milchschaum und zum Schluss wird ein einfacher Espresso in einem dünnen Strahl durch die Milchschaumdecke in das Glas hineingegossen. Der Espresso setzt sich über der Milch fest, während der Milchschaum aufgrund seiner Leichtigkeit und geringeren Temperatur oben bleibt.  © Natalia Rüdisüli/Imago
Tasse Espresso
Um Espresso herzustellen, wird heißes Wasser mit hohem Druck durch fein gemahlenes Kaffeemehl gepresst. Die Bohnen wurden zuvor dunkel geröstet. Die helle Schicht an der Oberfläche wird als Crema bezeichnet. Der fertige Espresso wird anschließend in einer kleinen Tasse von circa 40 Milliliter Fassungsvermögen serviert. © BreakingTheWalls/Imago
Zwei Tassen Kaffee
Der doppelte Espresso oder Espresso doppio ist genau das: Zwei einfache Espresso in einer Tasse. Der Espresso lungo hingegen wird „verlängert“, indem doppelt so viel Wasser verwendet wird als beim Einfachen.  © Imago
Tasse Cappuccino, Milchschaum in Herzform, Liebe
Der Cappuccino wird zu einem Drittel aus Espresso  und zu zwei Dritteln aus aufgeschäumter, warmer Milch zusammengesetzt. Auf diese Weise setzt sich die Crema des Espresso auf den Milchschaum ab, auf den manche Baristas hübsche Motive für ihre Gäste zaubern. Das Getränk wird in einer bauchigen Tasse serviert.  © McPHOTO via www.imago-images.de
Espresso Macchiato
Für einen Espresso Macchiato wird ein Espresso zubereitet. Anschließend wird dieser mit einem Schuss heißer aufgeschäumter Milch in einer kleinen Tasse serviert. © CSP_divio/Imago
Tasse Cafe au Lait, Milchkaffee.
Beim Milchkaffee wird kein Espresso, sondern einfach Filterkaffee mit Milch gemischt. Beides sollte im Idealfall in einem Verhältnis von 50:50 stehen. Café au Lait ist einfach erklärt die französische Variante zu unserem Milchkaffee. Der einzige Unterschied ist, dass der Milchkaffee hin und wieder auch mit einem kleinen Milchschaum serviert wird, was bei einem Café au Lait nicht vorgesehen ist.  © imago stock&people
Dalgona Kaffee
Für Dalgona-Kaffee wird Instantkaffee mit Zucker und heißem Wasser aufgeschlagen. Dieser Kaffeecreme-Schaum kommt auf heiße Milch oder wahlweise kalte Milch mit Eiswürfeln. © Ramon Lopez/Imago
Mokka Kaffee auf Tablett
Unter Mokka verstehen wir den türkischen Kaffee. Für die arabische Kaffee­spezialität wird Kaffee­pulver mit Wasser und Zucker aufge­brüht und in kleinen Tassen serviert. Meist wird zweimal aufgekocht. © YAY Images/Imago
Cafè Americano schmeckt ähnlich wie Filter­kaffee. Es handelt sich um einen doppelten Espresso, der dann mit Wasser verdünnt wird. Das Misch­verhältnis entspricht dabei 1:3.
Cafè Americano schmeckt ähnlich wie Filter­kaffee. Es handelt sich um einen doppelten Espresso, der dann mit Wasser verdünnt wird. Das Misch­verhältnis entspricht dabei 1:3. © YAY Images/Imago
Frappé selber machen
Frappé ist die Kurzform von Café frappé, einem Eiskaffee aus löslichem Kaffee, Wasser und Milch, der besonders in Griechenland, aber auch in anderen südosteuropäischen Ländern beliebt ist.  © MONNKA/Imago

Milliardengeschäft in Italien: Kaffeepreise steigen immer weiter an

Für Italiener geht es um mehr als nur Cents, schreibt today.it. Mariagrazia Lupo Albore von Unimpresa erklärt: „Für italienische Verbraucher ist die Frage nicht nur wirtschaftlich. Kaffee macht weniger als ein Prozent der jährlichen Familienausgaben aus, hat aber einen enormen symbolischen Wert“. Täglich gehen 95 Millionen Espressi über italienische Bar-Theken – ein Ritual, das nun unter Preis-Druck gerät. Laut Tagesschau geben Italiener pro Jahr sieben Milliarden Euro für Espresso oder Cappuccino aus.

Die Kaffee-Industrie reagiert bereits: Unternehmen experimentieren mit Alternativen zu traditionellen Kaffeebohnen, diese reichen von Kichererbsen bis zu Dattelkernen. Gleichzeitig setzen sie verstärkt auf Premium-Segmente und Portionskapseln, die Gewinnmargen von bis zu 60 Prozent ermöglichen. Die goldene Ära des günstigen italienischen Espressos scheint vorbei. Für deutsche Urlauber bedeutet das: Der kleine Schwarze wird bald nicht mehr der günstige Genuss sein, den sie aus vergangenen Italien-Reisen kennen. Auch viele Pizza-Preise in Italien stiegen in den vergangenen Monaten und Jahren deutlich an. Zudem sorgten Cappucino-Preise für hitzige Debatten. (rd)

Rubriklistenbild: © imagebroker/Imago

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