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Krieg im Iran

Straße von Hormus blockiert, Dubai unter Beschuss: Golfstaaten gehen mit Trump ins Gericht

Mit einem Krieg konfrontiert, den sie sich nicht ausgesucht haben, gehen die politischen Führungen des Nahen Ostens mit den USA ins Gericht.

Teheran – Knapp 48 Stunden lang blickten die Golfstaaten in den Abgrund eines zerstörerischen totalen Krieges gegen ihre kostbarsten Ressourcen. Das Mullah-Regime im Iran hatte auf Donald Trumps Ultimatum, die Straße von Hormus wieder zu öffnen, mit Drohungen reagiert, Raketen- und Drohnenangriffe auf Öl-, Gas-, Wasser- und sogar Nuklearanlagen auszuweiten. Es war nicht das erste Mal, dass Trump die Region in den Mittelpunkt eines seiner großen Hasardspiele gestellt hatte.

Prinz Faisal bin Farhan, Außenminister Saudi-Arabiens, sieht sich und sein Land in den Iran-Krieg gezogen. (Archivbild)

Doch der Iran-Krieg hat hier viele überrascht und die herrschenden Eliten am Golf gezwungen, die Grundlagen ihres wichtigsten Sicherheitsbündnisses infrage zu stellen. Der US-Präsident mag seine Drohungen gegen das Mullah-Regime am Montag zwar zurückgenommen haben, doch das Chaos bleibt. Während der Krieg weiter tobt, erwägen die hochgradig geheimniskrämerischen Golfstaaten hinter verschlossenen Türen alles – vom Kriegseintritt bis zur völligen Neuausrichtung ihrer Beziehungen zu Amerika.

Das Vertrauen in Donald Trump und die USA war wohl schon gebrochen, als der Krieg ausbrach. Wenige Stunden bevor der Konflikt am 28. Feb. überhaupt begann, versicherten Golfstaaten der Welt noch, dass der Frieden zwischen Iran und Amerika nahe sei. Eine US-Marineeinsatzgruppe mochte zwar in Schlagdistanz zu Teheran eingetroffen sein, doch Omans Außenminister, der vermittelt hatte, beharrte: „Ein Friedensabkommen ist in unserer Reichweite.“

Erschüttertes Vertrauen in Washington und Schock über Kriegsbeginn im Iran

„Das große Ganze ist, dass ein Abkommen in unseren Händen liegt“, sagte Badr al-Busaidi. Er hatte seinen Appell an die Diplomatie kaum beendet, als amerikanische und israelische Flugzeuge ihren Vernichtungsschlag begannen. In einem der allerersten Einsätze der Kampagne töteten Raketen Ali Chamenei, Irans obersten Führer, in seinem Komplex in Teheran. Seither, so das Pentagon, habe es 8.000 iranische Ziele getroffen und die Marine des Landes weitgehend zerstört.

Trumps Angriffe und die Vergeltung des Mullah-Regimes stürzten die Region in ihre schwerste Krise seit Jahrzehnten. Die Schifffahrtsader, die die Öleinnahmen fließen lässt, ist blockiert. Eine der wichtigsten Gasanlagen der Welt wurde schwer beschädigt, mehrere Raffinerien wurden getroffen. Schimmernde Städte, die den Traum eines sorglosen Lebens verkörpern, sind mit Raketen und Drohnen bombardiert worden.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Der Iran-Krieg beginnt am 28. Februar 2026 mit Angriffen aus Israel und den USA auf Teheran. Noch am ersten Tag wird auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. © AFP
Iran-Krieg - Iran
Immer wieder schlagen Raketen in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Umgebung ein. Die Menschen vor Ort berichten von zitternden Fenstern, in sozialen Medien kursieren Bilder von Rauchschwaden. In Teheran leben rund 15 Millionen Menschen.  © Vahid Salemi/dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Präzisionsschläge auf relevante militärische Ziele – erstmals auch mit Drohnen, die von den Shaheds kopiert worden sind: „LUCAS kostet etwa 35.000 US-Dollar pro Plattform und ist ein kostengünstiges, skalierbares System, das modernste Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher US-Langstreckensysteme mit vergleichbarer Wirkung bietet“, sagt der Marineoffizier Tim Hawkins gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ). US-Präsident Trump hat sich für den Angriff gegen den Iran vermutlich von den Waffen seines Gegners inspirieren lassen: Erstmals haben die USA Kamikaze-Drohnen eingesetzt, veröffentlicht das „US Central Command“ (CENTCOM).  © dpa
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Die Angriffe gehen ohne Unterlass weiter. Dieses Standbild aus einem vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellten Video zeigt den Start einer Rakete von einem Schiff der U.S. Navy zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“. © dpa
Raketenabwehrsystem Iron Dome
Der Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt zahlreiche Geschosse ab. Über Tel Aviv kommt es zu entsprechenden Explosionen. © Jack Guez/AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Auch am Tag feuert das israelische Luftabwehrsystem, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
Dennoch kommt Israel nicht ungeschoren davon. Hier verbinden Rettungskräfte einen verwundeten Mann und leisten erste Hilfe am Ort eines direkten Einschlags einer iranischen Rakete in Tel Aviv. © Tomer Neuberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
An einer anderen Stelle in Tel Aviv ist ein Feuerwehrmann dabei, ein brennendes Auto zu löschen. © Tomer Neuberg/dpa
USA Iran
Dieses offizielle Foto des Weißen Hauses, veröffentlicht am 28. Februar 2026 auf dem Account „White House X“, zeigt US-Vizepräsident JD Vance (Mitte), die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard (zweite von links), und US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) im Lagezentrum in Washington, D.C. © AFP
Trump Iran
Ein weiteres offizielles Foto des Weißen Hauses zeigt Donald Trump im Gespräch mit Stabschefin Susie Wiles (rechts), während US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) die Aktivitäten der „Operation Epic Fury“ gegen den Iran von einem nicht genannten Ort aus überwacht. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb Trump später auf „Truth Social“. © AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Was ist das Ziel der Operation Epic Fury (Einsatz Gewaltiger Zorn)? US-Präsident Trump begründet die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. © Leo Correa/dpa
Un-Sicherheitsrat
Der US-Angriff ruft die Vereinten Nationen auf den Plan: Der Sicherheitsrat ist zu einer Notfall-Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte die Botschafter, die Aktion berge die Gefahr, „eine Kette von Ereignissen auszulösen, die in der instabilsten Region der Welt niemand mehr kontrollieren kann“, wie die UN berichten. Israels Botschafter Danny Danon hatte die Angriffe als gerechtfertigt dargestellt und als einen notwendigen Akt, um eine existenzielle Bedrohung abzuwehren. © Spencer Platt/AFP
Minab-Mädchenschule
Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit fast 200 Toten eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt.  © Ali Najafi/AFP
Proteste in London
Weltweit gehen noch am ersten Abend des Iran-Kriegs Exil-Iranerinnen und -Iraner auf die Straßen und feiern den Tod von Ajatollah Chamenei. Dieses Bild zeigt eine Demonstration vor der iranischen botschaft in London. © Vuk Valcic/Imago
Angriff auf den Iran - Berlin
Auch auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehen die Menschen spontan auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demo in der Türkei
Anders sieht es in der Türkei aus: Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul machen Demonstranten Donald Trump und Israel für die Eskalation verantwortlich. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Iran und die Tötung von Ajatollah Chamenei, indem sie eine US-Flagge verbrennen. © Ozan Kose/AFP
Angriff auf den Iran - Indien
578889050.jpg © Mukhtar Khan/dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier steigt Rauch nach einem iranischen Drohnenangriff im Hafengebiet von Dubai auf. © Fatima Shbair/dpa
Angriff auf den Iran – Katar
Folgen der Rache des Iran: Die USA betreiben in al-Udeid eine Militärbasis. Die liegt im Fokus des Iran – allerdings befindet sich rund 30 Kilometer entfernt die Stadt Doha; und die wird kaum durch die Luftabwehr der US-Basis abgedeckt.  © dpa
Iran-Krieg - reaktionen
US-amerikanisch-israelische Luftschläge – Schockwellen in der gesamten Welt: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hätten Demonstranten im pakistanischen Karatschi vor dem Konsulat „Tod Amerika! Tod Israel!“ skandiert; Reuters-Reporter hätten Schüsse gehört und in den umliegenden Straßen Tränengas wahrgenommen. Die Nachrichtenagentur spricht von mindestens 23 getöteten Demonstranten; davon zehn im Hafen von Karatschi, wo Sicherheitskräfte des US-Konsulats gefeuert hätten auf Demonstrierende nach deren Durchbruch durch die äußere Mauer. Elf Menschen seien demnach in der nördlichen Stadt Skardu ums Leben gekommen – die Menge soll ein UN-Büro in Brand gesetzt haben; zwei Tote verzeichnet Reuters in Pakistans Hauptstadt Islamabad. © Imago
Weitere Bilder der Straßenschlachten, die sich in Teilen Pakistans nach dem US-Angriff auf den Iran ereigneten.
Explosionen im Iran, Beben in Pakistan: „Pakistans Westgrenzen befinden sich im Kriegszustand“, sagt Muzzammil Aslam gegenüber Arab News. Der Finanzminister der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen, sollte der Iran seine Rachegelüste gegenüber dem Westen ausleben und damit den gesamten Nahen Osten in den Abgrund reißen. Die Wirtschaftskraft des Landes hängt an den Arbeitern in den Golfstaaten, die im Visier des Iran liegen und Anschläge auf ihre Energieindustrie befürchten müssen.  © dpa
Angriff auf den Iran - Irak
578899115.jpg © Hadi Mizban/dpa
Beirut
Der Iran-Krieg führt auch zu einer neuen Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz feuert als Reaktion auf die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Raketen in Richtung Israel ab. Daraufhin greift das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon an, vor allem im Süden des Landes und in den Vororten der Hauptstadt Beirut (im Bild). Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. © AFP
Angriff gegen den Iran - Luftverkehr
Der Iran-Krieg legt zu Beginn auch den Flugverkehr teilweise lahm. Hier prüft ein Reisender die Abflugzeiten am internationalen Flughafen Beirut Rafik Hariri, da viele Fluggesellschaften nach den Angriffen auf den Iran ihre Flüge gestrichen haben.  © Hassan Ammar/dpa
Stra0ße von Hormus
Dieses Satellitenbild, aufgenommen von 2026 Planet Labs PBC am 2. März 2026, zeigt Rauchwolken, die nach einer Explosion im Hafen von Bandar Abbas an der Straße von Hormus von einem Schiff aufsteigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist weitgehend zum Erliegen gekommen.  © 2026 Planet Labs PBC/AFP

Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Kuwait, Bahrain und Oman fanden sich seit mindestens drei Wochen in einem Krieg wieder, den sie nicht gewählt hatten. Die vergangenen drei Wochen haben lang gehegte politische Grundannahmen über ihr Bündnis mit Trump erschüttert und sie wütenden Vergeltungsschlägen eines verwundeten, aber immer noch schlagkräftigen iranischen Regimes ausgesetzt.

Golfstaaten in einer ungewollten Frontstellung zu Iran

„Im Idealfall würden sie sich wünschen, dass die Amerikaner die Uhr einfach zurückdrehen“, sagte ein ranghoher westlicher Beamter. „Das wollten sie nicht.“ „Aber es ist nun einmal passiert, und daher werden sie sich dem stellen.“ Die Stabilität, die sie gesucht hatten, um ihre Volkswirtschaften wachsen und transformieren zu lassen, ist dahin. Die Beziehungen zu Iran sind kollabiert, nachdem sie in den vergangenen Jahren versucht hatten, eine Détente aufzubauen.

Einerseits fürchten sie, dass, sollte das iranische Mullah-Regime nun überleben, sie es mit einem rachsüchtigen und unerbittlichen Schurken-Nachbarn zu tun bekämen. Zugleich aber sorgen sie sich, dass die USA in den Versuch hineingezogen werden, die iranische Führung zu ersetzen, was nur Chaos bringen und Washingtons Verbündete am Golf mit den Trümmern zurücklassen würde. Die Krise dürfte sie auch dazu veranlassen, ihre Sicht auf ihre eigene Sicherheit und ihren Schutz grundlegend zu ändern.

Der Golf trägt die Hauptlast von Irans Vergeltung

Israel und Amerika mögen Iran angegriffen haben, doch es sind die Golfstaaten, die den Großteil von Teherans Zorn zu spüren bekommen haben. Sobald Raketen in Teheran einschlugen, begann Iran, eigene Drohnen und Raketen über den Golf zu feuern. Allein die VAE erklären, sie hätten in drei Wochen rund 2.000 dieser Angriffe erlebt. Die Luftverteidigungssysteme haben sich gut bewährt und in den ersten Wochen mehr als 90 Prozent der anfliegenden Bedrohungen abgeschossen, sodass die Zahl der Opfer gering blieb.

Doch der Anblick von Drohnen, die knapp am Flughafen von Dubai vorbeischrammen oder in Wohnwolkenkratzer einschlagen, passt nicht zum Markenversprechen der Stadt als Oase der Stabilität, Sicherheit und des unbeschwerten Lebens. Dubai ist gut kapitalisiert, doch seine Lebensadern – Verkehr, Geschäft und Tourismus – stehen unter Druck. Das Flugaufkommen hat sich halbiert, Hotels und Einkaufszentren waren bis zu den Eid-Feierlichkeiten an diesem Wochenende nahezu leer. Schon lange vor der aktuellen Krise hatten viele gefragt, ob der rasante Immobilienmarkt der Stadt nicht überfällig für eine scharfe Korrektur sei.

Auch Saudi-Arabien versucht, ein Touristenziel zu werden, und will nicht als Kriegsgebiet wahrgenommen werden. Unterdessen haben iranische Angriffe auf den Gaskomplex Ras Laffan als Vergeltung für einen israelischen Schlag auf das eigene Feld South Pars 17 Prozent von Katars Exportkapazität für verflüssigtes Erdgas (LNG) lahmgelegt. Das wird Schätzungen zufolge 20 Milliarden US-Dollar an jährlichen Einnahmeverlusten verursachen. Am gefährlichsten aber ist, dass Iran die Straße von Hormus nahezu vollständig geschlossen hat.

Blockierte Ölwege und begrenzte Reaktionen der Golfmonarchien

Die Ölförderer am Golf sollen in den ersten beiden Wochen von Irans Blockade 15 Milliarden US-Dollar an Einnahmen verloren haben. All das mussten sie erdulden, obwohl sie immer wieder betont haben, dass dies nicht ihr Krieg sei. Im Gegenzug haben die Golfkönigreiche bislang Zurückhaltung geübt, obwohl einige von ihnen, insbesondere die Saudis und die VAE, über schlagkräftige moderne Armeen verfügen.

Nach einem Gipfel der Golfstaaten in der vergangenen Woche erklärten sie, Irans Angriffe „können unter keinen Umständen gerechtfertigt werden“. Sie forderten Teheran auf, „seine Angriffe sofort einzustellen“ und sich „an die Prinzipien guter Nachbarschaft zu halten“. Doch hinter verschlossenen Türen und fernab der Sprache diplomatischer Kommuniqués sind sie auf beide Seiten wütend und stehen vor zwei dringlichen Fragen. Was können sie nun gegen Iran unternehmen? Und wie können sie mit Trump umgehen?

Die Golfkönigreiche hatten seit Langem schwierige Beziehungen zum Mullah-Regime in Teheran, vorwiegend wegen dessen Stellvertretermilizen wie der Hamas, der Hisbollah und den Huthi-Milizen. Doch in den vergangenen Jahren waren sie um Deeskalation bemüht. In den Wochen vor Trumps Kampagne hatten sie versucht, den Krieg zu verhindern. Irans wütende Vergeltung gegen sie, als die Bombardements begannen, hat Schock und beträchtlichen Zorn ausgelöst.

Dieser Druck aus Iran wird politisch und moralisch nach hinten losgehen, und wir behalten uns selbstverständlich das Recht vor, militärische Maßnahmen zu ergreifen.

Prinz Faisal bin Farhan, Außenminister Saudi-Arabiens

„Ich hätte mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können, dass Katar – Katar und die Region – solch einem Angriff ausgesetzt sein würden, insbesondere von einem brüderlichen muslimischen Land im Monat Ramadan, das uns in dieser Weise angreift“, sagte Katars Energieminister Saad al-Kaabi diese Woche. Bislang haben die Golfkönigreiche zur Vorsicht gemahnt, aus Sorge, dass der Krieg nur eskalieren würde, wenn sie reagieren.

Die Angriffe des Mullah-Regimes haben jedoch lang bestehende rote Linien überschritten. Nach dem Schlag gegen Ras Laffan warnte Prinz Faisal bin Farhan, der saudische Außenminister, die Geduld mit Teheran gehe zu Ende. „Dieser Druck aus Iran wird politisch und moralisch nach hinten losgehen, und wir behalten uns selbstverständlich das Recht vor, militärische Maßnahmen zu ergreifen, wenn dies als notwendig erachtet wird“, sagte er.

Neue Härte der Golfstaaten und Furcht vor einem „Restregime“ in Iran

Öffentliche Äußerungen saudischer, anderer Golf- und katarischer Beamter seien „ungewöhnlich hart geworden“, sagt Özçelik vom Royal United Services Institute, einem sicherheits- und verteidigungspolitischen Thinktank. „Diese Staaten sind Schwergewichte am Golf, und ihre Lenkung könnte nun einen neuen Kurs für die künftigen Beziehungen zwischen USA und Golf sowie Golf und Iran vorgeben. Hinter verschlossenen Türen und mit gedämpften Stimmen könnten sie die USA dazu drängen, weiterzumachen, bis diese Bedrohung entschiedener geschwächt ist.“ Sie sagt, einige der Monarchien seien „besorgt, dass ein überlebendes Rumpfregime in Iran in seiner künftigen Aggression gegen den Golf ungebremst wäre, in dem Wissen, dass das Losschlagen gegen eine Vielzahl von Zielen, einschließlich Wasser- und Energieinfrastruktur, dem Golf seinen Anschein von Stabilität geraubt hat“.

Trotz aller Bemühungen Amerikas ist das Mullah-Regime im Iran laut Tulsi Gabbard, der US-Geheimdienstdirektorin, „intakt“ – wenn auch „weitgehend geschwächt“. Dennoch fürchten Golfstaaten, dass es ihnen keine Stabilität bringen wird, Trump zu drängen, den „Job zu Ende zu bringen“ und das Regime zu stürzen. Sie müssen mit Iran aus nächster Nähe leben und argumentieren, sie verstünden dessen Funktionsweise weit besser als Washington. Das Regime ist verfestigt, und sie sehen keine offensichtlichen internen Alternativen.

Man kann ein Regime nicht ohne Stiefel auf dem Boden stürzen. Es wird einfach ein weiteres Vietnam. Es gibt keine internen Alternativen.

Bader al-Saif, Universität Kuwait

Bader al-Saif, Assistenzprofessor an der Universität Kuwait, sagte: „Wenn Leute sagen, bringt den Job zu Ende – was heißt das? Die Vorstellung, einen abgeschlossenen Job zu haben, ist einfach nicht klar. Man kann ein Regime nicht ohne Stiefel auf dem Boden stürzen. Es wird einfach ein weiteres Vietnam. Es gibt keine internen Alternativen.“ „Ein riesiges Land mit mehr als 92 Millionen Menschen in eine Bühne für Chaos und Zersplitterung zu verwandeln, ist ein sehr großes Problem für uns am Golf. Es gäbe Flüchtlinge, Terroristen, Schurkengruppen, ein Abfließen von Nuklearmaterial. Die ganze Vorstellung, wir würden sagen, lasst uns einfach die Amerikaner drängen, dieses Regime zu verfolgen, ist phantastisch. Wir haben sehr hart für Détente gearbeitet.“

Dann ist da noch die Frage, wie man mit Amerika umgehen soll. In den Tagen unmittelbar nach Kriegsbeginn kritisierte ein prominenter Emirati-Tycoon Trump scharf dafür, die Golfregion in den Konflikt hineingezogen zu haben. Die Kommentare von Khalaf Al Habtoor, einem milliardenschweren Immobilienentwickler, wurden später aus den sozialen Medien entfernt, jedoch erst, nachdem sie weithin diskutiert und häufig zustimmend aufgenommen worden waren. „Wer hat dir das Recht gegeben, unsere Region in einen Krieg mit Iran hineinzuziehen?“, schrieb er. „Und auf welcher Grundlage hast du diese gefährliche Entscheidung getroffen? Hast du die Kollateralschäden kalkuliert, bevor du abgedrückt hast? Und hast du bedacht, dass die ersten, die unter dieser Eskalation leiden werden, die Länder der Region selbst sind!“

Er stellte auch infrage, ob Trump im Auftrag Israels handelte. Al-Busaidi, Omans Außenminister, hat Washington vorgeworfen, die Kontrolle über seine Außenpolitik verloren zu haben. Diese Woche rief er Amerikas Verbündete dazu auf, zu helfen, die USA aus dem Krieg herauszulösen. „Die größte Fehlkalkulation der amerikanischen Regierung war natürlich, dass sie sich überhaupt erst in diesen Krieg hineinziehen ließ“, sagte er. „Dies ist nicht Amerikas Krieg, und es gibt kein realistisches Szenario, in dem sowohl Israel als auch Amerika bekommen, was sie von ihm wollen.“ Amerika war lange Zeit das Sicherheitsbollwerk des Golfs, insbesondere während der Tankerkriege in den 1980er-Jahren und als es 1990 Desert Shield und Desert Storm startete, um Kuwait und Saudi-Arabien vor Saddam Hussein zu schützen. Der Golf werde Amerika nicht den Rücken kehren, sagte Anwar Gargash, ein ehemaliger Außenminister der VAE, vergangene Woche. „In diesem Krieg sehen wir, wie wichtig die Verbindung zu Amerika ist“, sagte er. Irans Angriff mindere „in keiner Weise die amerikanische Rolle. Ich denke, er stärkt sie.“

Dennoch ist die aktuelle Krise im Iran nicht das erste Ereignis, das Golfstaaten daran zweifeln lässt, ob sie sich wie früher auf Washington verlassen können. Sie waren frustriert über die gedämpfte amerikanische Reaktion, als die iranisch unterstützten Huthis im Jemen 2019 saudische Ölanlagen angriffen. Die Führung der VAE war so enttäuscht von der fehlenden US-Reaktion, nachdem die Huthis 2022 Abu Dhabi attackierten, dass sie sich weigerten, amerikanische Beamte zu treffen. Washington entschuldigte sich dem Vernehmen nach später.

Trump genehmigt US-Waffenhandelt mit arabischen Verbündeten

So wie Europas NATO-Staaten entscheiden, dass sie sich nicht länger auf transatlantische Garantien verlassen können, kommen Golfstaaten zu dem Schluss, dass sie ihre Sicherheitsrisiken streuen müssen. Al-Saif sagte: „Die Beziehung wird fortbestehen. Unsere Verteidigung ist mit den USA quasi verdrahtet. Aber der US-Sicherheitsschirm ist nicht mehr das, was er in den 1990er-Jahren war. Wir haben eine Episode nach der anderen erlebt, in der die Amerikaner dieser Rolle nicht gerecht wurden.“ „Das ist nur eine Fortsetzung, und wir haben unsere Partner bereits diversifiziert. Wir müssen unsere Handlungsfähigkeit zurückgewinnen, und wir müssen bestimmen, wie wir das weiterentwickeln.“ Das könnte beinhalten, sich Europa und dem Fernen Osten anzunähern. Wahrscheinlich wird es auch bedeuten, die eigene Verteidigung zu stärken und mehr Waffen zu kaufen, um sich selbst zu schützen.

Vergangene Woche genehmigte das US-Außenministerium potenzielle Waffenverkäufe im Wert von mehr als 16 Milliarden US-Dollar an Raketen, Drohnen, Radarsystemen, Munition und Luftverteidigungssystemen an die VAE, Kuwait und Jordanien. Arshin Adib-Moghaddam von der Londoner School of Oriental and African Studies sagte: „Die Bedrohung der Öl- und Gasproduktion ist nur die Spitze des Eisbergs – die Auslagerung der Sicherheit an die USA selbst hat sich als gescheitertes Modell erwiesen. Ich denke, es wird eine grundlegende Verschiebung geben, Sicherheitsgarantien jenseits der USA zu diversifizieren. Die Verschiebungen sind in der Tat gewaltig. Der Persische Golf wird nie mehr derselbe sein.“ (Dieser Artikel von Ben Farmer entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk)

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