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Experte Alexander Görlach

Wie Trumps Venezuela-Aktion ausgerechnet China hilft – und einen Partner gefährdet

Trumps Venezuela-Coup könnte größere Folgen haben, warnt Experte Alexander Görlach: Womöglich reibt sich China die Hände. Eine Analyse.

Ungewöhnlich klar (und gleich mehrfach) hat sich Chinas Regierung offiziell zu Wort gemeldet und Washingtons Vorgehen gegen Venezuela gebrandmarkt. Am Samstag, dem Tag der Militäraktion und der Verhaftung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro und seiner Frau Cilia, geißelte ein Regierungssprecher das Vorgehen als imperialistisch und klaren Bruch des internationalen Rechts. Am Montag forderte Peking die unverzügliche Freilassung des Paares. 

Donald Trump will in Venezuela durchgreifen – und sendet damit wohl auch ein Signal für Chinas Machthaber Xi (re.).

China ist ein enger Partner Venezuelas. Noch am Tag von Washingtons Überfall befand sich eine Delegation Pekings in Caracas zu Konsultationen. Letztlich ist dieses enge Verhältnis Caracas nun zum Verhängnis geworden. Denn Donald Trump will mit der Besetzung Venezuelas ein Signal an Südamerika senden: Eure Länder liegen in der Einflusszone der USA. Die Staaten der Region sollen nicht mehr mit China und Russland zusammenarbeiten. 

Trumps Venezuela-Schlag könnte sich zum Ernstfall entwickeln

Die Konfrontation über Venezuela könnte sich zum Ernstfall zwischen den USA und China entwickeln, nicht nur in Lateinamerika, sondern vor allem auch in Asien. Denn wenn Washington es sich herausnimmt, seine Einflusszone zu markieren, dann dürfte Peking seinerseits das Gleiche tun. In der Tat ist der Zungenschlag von Chinas Machthaber Xi Jinping in der Vergangenheit nicht anders als der Donald Trumps gewesen. Es ist ein erklärtes Ziel chinesischer Politik, die USA als Hegemon zu vertreiben. Asien für Asiaten, lautet verkürzt die Losung, mit der Xi den Anrainerstaaten in der Region einen Wechsel der Hegemonialmacht von Amerika zu China schmackhaft machen will.

Vor allem in Taiwan wird man besorgt auf diese Entwicklung blicken. Das demokratische Inselland, dem Xi Jinping die Annexion und die militärische Besatzung angedroht hat, wenn es sich nicht fügt, wurde gerade zwischen den Jahren zu einem Schauplatz chinesischer Machtdemonstration. Chinas Marine hat die Insel und ihre Häfen blockiert und so gezeigt, dass sie das Eiland von der Außenwelt abschneiden kann. Die Insel verfügt nur über Energiereserven für zwei Wochen. Danach würde es dunkel auf Taiwan – und die Halbleiterindustrie, die Taiwans Wirtschaftskraft ausmacht, käme zum Erliegen. Mit fatalen Konsequenzen für die gesamte Weltwirtschaft. 

Militärparade in Peking: China präsentiert unter den Augen von Putin und Kim neue Superwaffen

Eine strategischen Interkontinentalraketen von Typ DF-61 wird bei der Militärparade zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gezeigt.
Eine strategischen Interkontinentalraketen von Typ DF-61 wird bei der Militärparade zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gezeigt. © Andy Wong/AP/dpa
Chinesische Bomber des Typs Xian H-6 während der Militärparade in Peking.
Chinesische Bomber des Typs Xian H-6 während der Militärparade in Peking. © Hector RETAMAL / AFP
Chinesische Kampfflugzeuge - Shenyang J-16 (r.), Chengdu J-20 Mighty Dragon (mitte), and Shenyang J-35 (l.) - fliegen während der Militärparade in Peking.
Chinesische Kampfflugzeuge - Shenyang J-16 (r.), Chengdu J-20 Mighty Dragon (mitte), and Shenyang J-35 (l.) - fliegen während der Militärparade in Peking. © GREG BAKER / AFP
Militärparade in Peking: China hat die interkontinentalen ballistischen Raketen DF-5C zur Schau gestellt.
Militärparade in Peking: China hat die interkontinentalen ballistischen Raketen DF-5C zur Schau gestellt. © GREG BAKER / AFP
Fahrzeuge mit der Laser-Waffe LY-1 fahren während der Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens vorbei. China zeigte erstmals während der Parade diesen sogenannten Hochenergie-Lasers (HEL), der zur Abwehr von Schwärmen kleinerer Drohnen oder Lenkwaffen dienen könnte.
Fahrzeuge mit der Laser-Waffe LY-1 fahren während der Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens vorbei. China zeigte erstmals während der Parade diesen sogenannten Hochenergie-Lasers (HEL), der zur Abwehr von Schwärmen kleinerer Drohnen oder Lenkwaffen dienen könnte. © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade in Peking: Ein chinesischer Soldat posiert vor HHQ-9C Boden-Luft-Raketen.
Militärparade in Peking: Ein chinesischer Soldat posiert vor HHQ-9C Boden-Luft-Raketen. © Pedro PARDO / AFP
Eine chinesische Drohne während der Militärparade in Peking.
Eine chinesische Drohne während der Militärparade in Peking. © Pedro PARDO / AFP
Militärparade zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Helikopter fliegen eine Formation über Peking.
Militärparade zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Helikopter fliegen eine Formation über Peking. © Greg Baker/AFP
Militärparade in Peking: Soldatinnen marschieren in Reih und Glied am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.
Militärparade in Peking: Soldatinnen marschieren in Reih und Glied am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.  © Johannes Neudecker/dpa
Stargast bei der Militärparade in Peking: Kremlchef Wladimir Putin
Stargast bei der Militärparade in Peking: Kremlchef Wladimir Putin © Sergei Bobylev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Ebenfalls zu Gast bei der Militärparade in Peking: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un
Ebenfalls zu Gast bei der Militärparade in Peking: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un © Alexander Kazakov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Militärparade in Peking: Xi Jinping bei seiner anschließenden Ansprache
Militärparade in Peking: Xi Jinping bei seiner anschließenden Ansprache © Jade Gao/AFP
Vor Militärparade in Peking
Der chinesische Staatschef Xi Jinping hat zur Militärparade am 3. September illustre Gäste geladen. Darunter ist auch der russische Präsident Wladimir Putin. Schon vor der Parade haben sie bei einem Treffen in Peking ihr gutes Verhältnis betont. Putin und Xi betonten außerdem, zur Militärparade anlässlich des 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges der jeweils anderen Seite gekommen zu sein. © Sergei Bobylev/dpa
Vor Militärparade in Peking - Treffen Xi und Putin
Am 1. September hatten sich Xi und Putin beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) für eine neue Weltordnung ausgesprochen. Die russlandfreundliche SOZ gilt Gegengewicht zu westlichen Bündnissen. Putin hatte erklärt, das eurozentrische und euroatlantische Modell habe sich überlebt. © dpa
Vor Militärparade in Peking - Ankunft Gäste
544732808.jpg © Pang Xinglei/dpa
Kim Jong un
Kim Jong-un verlässt sein Land überaus selten. Die Militärparade in Peking ist für ihn das erste Treffen mehrerer Staatschefs überhaupt. Es wird erwartet, dass er Xi Jinping und Wladimir Putin in Peking auch zu persönlichen Gesprächen trifft.  © afp
Vor Militärparade in Peking
Wichtige Vertreter aus dem Westen werden bei der Militärparade in Peking nicht im Publikum sein. Dabei ist aber der serbische Präsident Aleksandar Vučić (hier bei seiner Ankunft). © Lintao Zhang/dpa
Vor Militärparade in Peking - Ankunft Gäste
Auch der slowakische Regierungschef Robert Fico ist vor Ort (hier am Flughafen von Peking). Beide stehen vor allem dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nahe. © Jade Gao/dpa
Militärparade China
China erinnert am 3. September an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg. Nach 2015 zum 70. Jahrestag hält die Volksrepublik damit zum zweiten Mal eine Militärparade anlässlich des Gedenkens an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg ab. Die letzte große Militärparade in Peking fand 2019 statt. Damals erinnerte die herrschende Kommunistische Partei an den 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik 1949. © Wang Zhao/afp
Militärparade China
Mit Zehntausenden Männern und Frauen will China bei der diesjährigen Militärparade anlässlich des 80. Jahrestages des Sieges im Widerstandskrieg gegen Japan seine Kampffähigkeit unter Beweis stellen.  © Pedro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Insgesamt sollen 45 Formationen über den Platz des Himmlischen Friedens in Peking laufen und fliegen. Darunter sind ausgewählte Einheiten des Heeres, der Marine, der Luftwaffe, aber auch der Luftabwehrtruppen.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
Zudem will die Staatsführung in der rund 70-minütigen Vorführung Hunderte Panzer und Militärfahrzeuge sowie Kampfflugzeuge und Hubschrauber zur Schau stellen.  © Pedro Pardo/afp
Militärparade China
Schon seit geraumer Zeit trainieren am Stadtrand von Peking Einheiten in der Sommerhitze für die Militärparade.  © Pesro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Die Parade fällt in eine Zeit, in der Peking im Südchinesischen Meer und der Taiwanstraße unter westlicher Kritik zunehmend militärischen Druck aufbaut.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
Alle gezeigten Waffensysteme sollen aus chinesischer Herstellung stammen. Darunter soll neue, bisher nicht gezeigte Ausrüstung sein, unter anderem Drohnen, elektronische Störsysteme, Hyperschallwaffen sowie Raketen- und Luftabwehrsysteme. © Pedro Pardo/afp
Militärparade China
Die bei der Parade zur Schau gestellten Waffen könnten Hinweise auf einen möglichen zukünftigen Konflikt mit Taiwan liefern. Es wird erwartet, dass dabei eine neue Serie von Anti-Schiffs-Raketen, die Ying Ji („Adlerangriff“), vorgestellt wird. Diese Marschflugkörper sowie ballistische und Hyperschallraketen könnten entscheidend sein in einem Gefecht mit der US-Marine. © Pedro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Die Parade wird auch die Rolle der Kommunistischen Partei der Volksrepublik beim Sieg über Japan herausstellen. © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Dabei sind sich die Historiker außerhalb Chinas weitgehend einig, dass das Hauptverdienst für diesen Sieg Chiang Kai-sheks Nationalisten zukommt, die damals den größten Teil Chinas regierten © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
2015 würdigte die Kommunistische Partei die nationalistischen Soldaten, indem sie Veteranen zur Parade einlud. © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Auch ausländische Mächte trugen zur Niederlage Japans bei, darunter die als „Flying Tigers“ bekannten US-Piloten. Sie einzubeziehen, wäre eine versöhnliche Geste gegenüber der Regierung in Washington. © Johannes Neudecker/dpa
Siegesparade Moskau
Als Anerkennung der damaligen Unterstützung der Sowjetunion könnten russische Soldaten mitmarschieren – so wie auch chinesische Soldaten an der Moskauer Parade im Mai teilnahmen. © Kirill Kudryavtsev/afp
Übung zur Militärparade in Peking
In der Militärkapelle spielen laut staatlichen Medien 80 Hornisten mit, die für die 80 Jahre seit der Kapitulation Japans stehen.  © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Die insgesamt mehr als 1000 Musiker stehen in 14 Reihen – Sinnbild für die Jahre des chinesischen Widerstands.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
In der offiziellen Geschichtsschreibung Chinas begann der Krieg mit der japanischen Invasion der Mandschurei 1931. © Wang Zhao/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Groß angelegte Militärparaden in China sind selten. Peking selbst will die Parade und seine wachsende militärische Macht als einen Beitrag zum Frieden verstanden sehen. © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
AFP__20250820__69ZJ7G6__v2__HighRes__TopshotChinaJapanHistoryWwiiMilitaryParade.jpg © Pedro Pardo/afp
Vor Militärparade in Peking - Treffen Xi und Putin
Nach der Parade wird Xi voraussichtlich eine Ansprache halten. Beobachter erwarten Kommentare zu den USA und zu Taiwan, das China als Teil der Volksrepublik betrachtet. © Sergei Bobylev/dpa

Pekings Luftwaffe überfliegt die Insel schon seit Längerem, auch ein Manöver wie das vergangene ist nicht neu. Im Netz kursieren sogar von offizieller Seite geteilte Animationen, die den Bombenhagel auf Taiwans Städte simulieren. Die Kriegsgefahr ist real, auch wenn Xi Jinping stets betont, nur dann militärisch einzugreifen, wenn sich die Taiwanesen nicht mit dem Mutterland „wiedervereinigen“ lassen. Gerade erst hat der US-Kongress den Verkauf von Waffen im Wert von elf Milliarden US-Dollar an Taiwan genehmigt. So sieht kein Land aus, das kampflos die weiße Fahne hissen wird.

Die Überlegungen der chinesischen Führung dürften nun, nach den Ereignissen von Caracas, noch einmal neu um die Frage kreisen, ob China international isoliert werden würde, sollte es tatsächlich den demokratischen Inselstaat überfallen. Denn während die Welt mit Schock und Staunen auf die Ereignisse in Venezuela schaute, wurde einmal mehr deutlich, dass es kein Land und keine Institution auf der Welt gibt, die die USA einhegen könnten. Wenn Amerika sich entscheidet, seine Interessen militärisch durchzusetzen, hat internationales Recht das Nachsehen. China, das in vielem das anstrebt, was es als den Ausnahmestatus der Vereinigten Staaten von Amerika begreift, wird sich das merken und gegebenenfalls als Karte gegen Taiwan ziehen – wenngleich Taiwan, mit vollem Namen Republik China, nicht in der Weise international als Staat anerkannt ist wie Venezuela.

Chinas neue Rechnung dank Trump? Einflusszonen, Grenzen – und Taiwan im Fokus

Peking insistiert, Maduro und seine Frau freizulassen, weil es sich dabei um den Präsidenten eines souveränen Staates handelt, der Immunität genießt. Allerdings hat die Nomenklatura unter Xi im Zuge der verschärften sogenannten Sicherheitsgesetze die rechtliche Grundlage dafür geschaffen, Taiwans Präsident und Regierung zu verhaften und in der Volksrepublik als Aufrührer und Separatisten vor Gericht zu stellen. China beansprucht Jurisdiktion über seine Landesgrenzen hinaus. Indem es Taiwan als einen Teil Chinas betrachtet, fallen auch die Taiwanesen nach dieser Logik unter Pekings Jurisdiktion. 

Es gehört zum vollen Bild, zu betonen, dass China, anders als die USA, es bisher bei Kommuniques, Drohungen und Manövern belassen hat. Ideologisch allerdings sind Trump und Xi desselben Geistes Kind. Nicht zuletzt deshalb mag sich der eine oder die andere in Peking nun ausrechnen, in einem großen Deal die Einflusszonen neu zu verhandeln, imaginierte Grenzen zu ziehen und dabei Taiwan aus dem Orbit Washingtons herauszulösen. 

Ob Xi Jinping am Ende wirklich gegen Taiwan, und damit unter Umständen auch die USA, in den Krieg zieht, hängt nach wie vor einzig von der Frage ab, ob er glaubt, einen Krieg gewinnen zu können. Ein Debakel à la Putin in der Ukraine will sich Chinas Machthaber nicht zuziehen. Bislang war Peking eher vorsichtig abwartend. Aber je mehr Donald Trump die USA und ihr Militär entgegen seiner Wahlkampfversprechen in mehr und mehr Kriege und Konfrontationen involviert und somit den Fokus auf Asien verliert, könnte Xi Jinping sich Erfolg versprechen und einen Angriff auf Taiwan starten. (Alexander Görlach)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Dilara İrem Sancar/Anadolu

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