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„Existentielles Risiko“

Ungarn-Wahl 2026: Orbán zittert – droht jetzt eine Manipulation der Ergebnisse?

Putin-Freund Viktor Orbán muss laut Umfragen bei der Ungarn-Wahl 2026 zittern: Droht eine Manipulation der Ergebnisse? Die Grünen warnen. Zu Recht?

Er gilt als Europas bekanntester Autokrat, als enger Verbündeter von Russlands Präsidenten Wladimir Putin und als unbequemer Störenfried in der EU: Viktor Orbán. Er regiert Ungarn seit 16 Jahren mit harter Hand. Doch an diesem Sonntag (12. April) könnte damit Schluss sein – erstmals steht der Ministerpräsident mit seiner Regierungspartei Fidesz vor einer echten Abwahl. Sein Herausforderer Peter Magyar (Tisza) führt in einem Großteil der aktuellen Umfragen. Europa schaut deswegen gespannt nach Budapest: Eine Ablösung Orbáns würde nicht nur Ungarn verändern, sondern auch die EU – in ihrer Sicherheitspolitik, ihrem Umgang mit Russland und ihrem inneren Zusammenhalt.

Muss um seine Wiederwahl in Ungarn zittern: Ministerpräsident Viktor Orban.

Doch die Hoffnung auf einen Wandel wird überschattet von wachsender Sorge: Russland soll den Wahlkampf aktiv beeinflusst haben, auch die USA mischen mit – und die Bundesregierung? Die hat entsprechende Berichte bislang lediglich „zur Kenntnis“ genommen. Droht am Ende sogar eine Manipulation der Ergebnisse bei der Ungarn-Wahl 2026? Während die Grünen warnen, beschwichtigen andere Experten. Orban selber kündigte am Sonntag (12. April) an, die Wahlergebnisse der Parlamentswahl anerkennen zu wollen.

Ungarn-Wahl 2026: Orban muss zittern – droht eine Manipulation der Ergebnisse?

Anton Hofreiter, Vorsitzender des Europaausschusses im Bundestag, erhob im Vorfeld der Ungarn-Wahl trotzdem schwere Vorwürfe gegen die EU-Kommission und die Bundesregierung. Beide Institutionen hätten dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán „viel zu lange sein Autokraten-Dasein durchgehen lassen“, sagte Hofreiter der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Anlass ist die wachsende Sorge vor einer Einflussnahme auf die Ergebnisse der Wahlen in Ungarn – von russischer und amerikanischer Seite.

Dass diese Sorge eine konkrete Grundlage hat, belegt ein Schreiben des Auswärtigen Amts, das dem Spiegel vorliegt. Darin antwortet Außenstaatssekretär Géza von Geyr auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Julian Joswig. Die Bundesregierung habe entsprechende Medienberichte über russische Wahlkampfeinmischung lediglich „zur Kenntnis“ genommen. Auch der OSZE-Zwischenbericht des Büros für Demokratische Institutionen und Menschenrechte (ODIHR) vom 27. März 2026 werde nur zitiert: Darin werde „ausländische Einflussnahme als einer der zentralen Aspekte im Wahlkampf genannt“, so das Auswärtige Amt.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Tatsächlich wurde der Wahlkampf zur Ungarn-Wahl 2026 von vielen Schmutzkampagnen überschattet. Die Einmischung des Kremls geht laut einem Bericht der Washington Post dabei weit über Social-Media-Kampagnen hinaus. Ein vom europäischen Geheimdienst authentifizierter Bericht soll belegen, dass russische Agenten KI-gestützte Fake-Videos zur Diskreditierung von Tisza-Kandidaten erstellten – und sogar die „Inszenierung eines Attentats auf Viktor Orbán“ erwogen, um den Wahlkampf emotional zu kippen.

Kremlsprecher Peskow wies die Berichte als „Desinformation“ zurück. András Telkés, ehemaliger stellvertretender Chef des ungarischen Auslandsgeheimdienstes, sieht das anders: „Die Russen werden alles tun, um Orbán an der Macht zu halten.“ Dass Moskau dabei auf direkte Kanäle nach Brüssel zurückgreifen konnte, macht die Sache noch brisanter: Außenminister Szijjártó soll bei EU-Treffen regelmäßig mit Lawrow telefoniert und ihn live informiert haben – „Moskau hat im Grunde jahrelang bei jedem einzelnen EU-Treffen mit am Tisch gesessen“, so ein europäischer Sicherheitsbeamter gegenüber der US-Zeitung.

Parlamentswahl in Ungarn: Grünen-Politiker Hofreiter warnt vor russischem Einfluss

Auch vor diesem Hintergrund zeichnet Grünen-Europapolitiker Hofreiter ein düsteres Bild der Interessenlage Orbáns bei der Parlamentswahl in Ungarn: „Orbán hat kein Interesse an sicheren und freien Wahlen. Eine Wahl, aus der er nicht siegreich hervorgeht, ist für ihn ein existenzielles Risiko.“ Der Kreml habe den ungarischen Wahlkampf zu seinem „Spielfeld“ gemacht. Orbán habe das Einmischungsangebot Putins „dankend angenommen“ und die russische Führung im Gegenzug „regelmäßig mit sensiblen Informationen aus EU-Treffen belohnt.“

Neben Russland sieht Hofreiter auch Washington als Akteur: „Die Einmischungsversuche von JD Vance haben gezeigt, dass auch die USA ihre anti-europäischen Interessen in Ungarn verfolgen.“ Tatsächlich trat Vance kurz vor der Wahl gemeinsam mit Orbán in Budapest auf und erklärte, es gehe um die Zukunft der westlichen Zivilisation – US-Präsident Donald Trump schaltete sich per Handy dazu und rief: „Ich liebe Ungarn, und ich liebe Viktor.“

Russische Wahlbeobachterin löst Angst vor Wahlbetrug bei Ungarn-Wahl aus

Die Zweifel an der Neutralität der Wahlbeobachtungsmission selbst befeuern die Debatte zusätzlich. Laut Spiegel ist eine Wahlbeobachterin der OSZE-Parlamentarischen Versammlung, Daria Bojarskaja, eine ehemalige Dolmetscherin Putins. EU-Parlamentarier forderten ihren Abzug aus der Mission. Der Präsident der Parlamentarischen Versammlung, Pere Joan Pons Sampietro, wies die Vorwürfe jedoch zurück – er habe „volles Vertrauen in das Personal.“ Joswig, der die Wahl für den Europarat beobachtet, ist skeptisch: „Offenbar schleuse der Kreml eigene Leute in die OSZE – also in die Organisation, die die Wahl überwachen soll.“ Da die OSZE sich nach Einschätzung der Europarat-Beobachter uneinsichtig zeigt, diskutieren diese derzeit, ob sie überhaupt gemeinsame Statements zum Ablauf der Wahl veröffentlichen.

Joswig kritisierte die Bundesregierung in dem Bericht für ihre Untätigkeit scharf. „Das Problem ist erkannt“, sagte er. Aber „statt sich auf mögliche Szenarien vorzubereiten – etwa darauf, was passiert, wenn die Wahl manipuliert wird –, tut die Bundesregierung nichts.“ Sie setze auf das „Prinzip Hoffnung.“ Hofreiter formuliert es grundsätzlicher: „Ob Wahlfälschung oder eine Hängepartie in Folge uneindeutiger Mehrheitsverhältnisse – das alles sind Szenarien, auf die sich die EU-Kommission und die Bundesregierung vorbereiten müssen.“

Orban gegen Magyar – dieses Ergebnis sagen die aktuellen Umfragen zur Ungarn-Wahl voraus

Die letzten Umfragen vor der Wahl zeigen Orbán unter erheblichem Druck. Das ungarische Meinungsforschungsinstitut Médian, das Orbáns Erdrutschsieg vor vier Jahren korrekt vorhergesagt hatte, sieht die Oppositionspartei Tisza unter Herausforderer Péter Magyar bei 138 bis 142 der insgesamt 199 Parlamentssitze – und damit deutlich über der für eine Zweidrittelmehrheit erforderlichen Schwelle von 133 Mandaten. Fidesz käme demnach nur auf 49 bis 55 Sitze. Das Aggregationsportal Politpro.eu, das verschiedene Umfragen bündelt, bestätigt das Bild: Tisza liegt bei 48,7 Prozent, Fidesz bei 40,8 Prozent. Das trump-nahe Institut McLaughlin & Associates hingegen sieht Fidesz mit 42,6 Prozent knapp vor Tisza mit 37,3 Prozent.

Die Umfragelage ist damit uneinheitlich – mehrere Institute stehen in der Kritik, parteinah finanziert zu werden. Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Die Umfragen erfassen ausschließlich Parteipräferenzen und beziehen keine Prognosen zu den 106 Direktkandidaten der Einzelwahlkreise ein. Orbán selbst reagierte auf die schlechten Werte mit einer Offensive auf Facebook, warf der Opposition vor, „vor nichts zurückzuschrecken, um die Macht zu ergreifen“, und sprach von „frei erfundenen Vorwürfen des Wahlbetrugs“. Magyar konterte, Fidesz begehe „seit Monaten Wahlbetrug und kriminelle Handlungen“ – und kündigte an: „Tisza wird diese Wahl gewinnen.“

Am Sonntag zeigte sich Viktor Orbán bei der Stimmabgabe zur Parlamentswahl in Ungarn kämpferisch – signalisierte aber zugleich Bereitschaft, eine mögliche Niederlage zu akzeptieren. „Ich bin hier, um zu gewinnen“, sagte Orbán nach der Stimmabgabe in einem Budapester Wahllokal laut dem Spiegel. Gleichzeitig betonte er: „Die Entscheidung des Volkes muss respektiert werden.“ Sein Herausforderer Péter Magyar rief die Wählerinnen und Wähler dazu auf, Unregelmäßigkeiten zu melden – denn „Wahlbetrug ein sehr schweres Verbrechen ist“, so Magyar.

Wahlen in Ungarn: Wahlkreise als Trumpf – wie das System Orbán schützt

Selbst wenn Magyar die Wahl in Ungarn gewinnt, ist ein schneller Machtwechsel aber keineswegs garantiert. Das ungarische Wahlsystem, das Orbán nach seinem Amtsantritt 2010 zu seinen Gunsten umgebaut hat, könnte zum entscheidenden Faktor werden. 106 der 199 Mandate werden in Einzelwahlkreisen vergeben – und diese sind so zugeschnitten, dass oppositionsstarke Städte auf mehrere Kreise aufgeteilt sind, die jeweils viel ländliches Umland einschließen. „Es ist eine Situation vorstellbar“, sagte Wahlforscher Robert Laszlo vom Thinktank Political Capital kürzlich laut der Nachrichtenagentur dpa, „dass Tisza um ein bis drei Prozentpunkte mehr Stimmen hat als Fidesz – und trotzdem Fidesz die Mehrheit der Parlamentsmandate hat.“

Es sind vergleichsweise freie Wahlen.

Thorsten Benner vom Global Public Policy Institute (GPPi)

Tobias Winkler (CSU), Mitglied im Europaausschuss des Bundestages, sieht im Wahlrecht ebenfalls die größte Hürde für die Opposition bei der Ungarn-Wahl: Am Ende würden wahrscheinlich die Direktwahlkreise eine große Rolle spielen, denn sie könnten den „Bürgerwillen am Ende im Parlament stark verzerren“, warnte er auf Anfrage der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Deswegen gelte es, den Zeitraum nach dem Wahltag sehr genau zu beobachten: „Durch die aktuelle Zweidrittelmehrheit besteht auch in der Übergangszeit noch die Möglichkeit für die regierende Partei, es dem Gegner schwer zu machen. Wir dürfen dem Wahltag mit Spannung entgegenblicken, die Zeit danach müssen wir aber ebenfalls genau im Blick behalten.“

Thorsten Benner vom Global Public Policy Institute (GPPi) teilt diese Einschätzung. „Die größte Frage ist, ob und wie Orbán eine Machtübergabe nach einem möglichen Sieg der Opposition sabotieren wird“, sagte er unserer Redaktion. Gewinne Tisza keine Zweidrittelmehrheit der Sitze, könne sie „kaum regieren, weil sie gefangen ist in einer von Orbán systematisch ausgehöhlten Verfassungsordnung.“

Mit einer Zweidrittelmehrheit hingegen könnte Magyar Orbáns Verfassungsänderungen zurückdrehen – und den Weg für eingefrorene EU-Milliarden freimachen, die Tisza für den Haushalt dringend benötige. „Wenn Tisza ‚nur‘ eine einfache Mehrheit der Mandate erringt, wird es ein steiniger, fast unmöglicher Weg zu einer schnellen De-Orbanisierung Ungarns“, so Benner.

Manipulation der Ergebnisse bei der Ungarn-Wahl 2026 – das sagen die Experten

Winkler ordnet die Wahl in einen größeren europäischen Kontext ein: „Die Wahl ist von großer Tragweite, über Ungarn hinaus. Die Positionierung des Ministerpräsidenten gegen eine europäische Außen- und Sicherheitspolitik berührt auch deutsche Sicherheitsinteressen.“ Beim Thema Manipulation der Ergebnisse bei der Ungarn-Wahl mahnt er zur Differenzierung: Großangelegte Fälschungen der Stimmzählung hält er für unwahrscheinlich – „die Delegitimation hingegen schon.“

Benner sieht das ähnlich: Es würden „vergleichsweise freie Wahlen sein im Rahmen dessen, was in einem Land möglich ist, in dem sich die Orbán-Regierung über mehr als ein Jahrzehnt Medien, Wirtschaft und andere zentrale Institutionen zur Beute gemacht hat.“ (Quellen: Eigene Recherche, dpa, Washington Post, Spiegel, Handelsblatt, Welt, Politpro.eu) (jenko)

Rubriklistenbild: © Denes Erdos/dpa

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