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Rekordverluste im März

Putins bittere Pleite: Russlands Frühjahrsoffensive fällt flach – dreht die Ukraine den Krieg?

Die Verteidiger machen schnelle Fortschritte in ihrer Entwicklung, jeder Meter Ukraine kommt Putin teuer zu stehen. Russlands Niederlage wird möglich.

„Massive Verluste und winzige Gewinne für eine schwindende Macht“ attestieren Seth G. Jones und Riley McCabe den aktuellen Angriffsbemühungen von Wladimir Putins Invasionsarmee im Ukraine-Krieg. Die Analysten des „Center for Strategic and International Studies“ (CSIS) benennen das, was auch anderen Beobachtern immer deutlicher wird: dass die Verteidiger die jetzt im fünften Jahr laufende „Spezialoperation“ der Russen drehen. Alexey Yusupov sieht in dem Abnutzungskrieg eine Wette beider Seiten auf Zeit. Und die läuft möglicherweise für die Verteidiger günstiger, so der Analyst der „Friedrich-Ebert-Stiftung“ gegenüber dem ZDF.

Neue Hoffnung für die neuen Kräfte: Rekruten der Ukraine während ihrer Grundausbildung. Im Ukraine-Krieg mehren sich die Zeichen, dass dem Aggressor Wladimir Putin und seiner Invasionsarmee die Kräfte ausgehen. Was aber noch lange keinen Sieg der Ukraine bedeutet.

In diesem Frühling liege etwas Seltsames in der Luft, behauptet Francis Farrell – tendenziell gewännen die russischen Truppen nach der Pause durch den Winter wieder an Tempo, konstatiert der Autor des Kyiv Independent. Allerdings hat dieses Jahr anders angefangen, so Farrell: „Statt wie üblich im Frühjahr wieder an Fahrt aufzunehmen, stagnierten die russischen Gebietsgewinne, sodass Moskau angesichts seiner anhaltend hohen Verluste so gut wie nichts vorzuweisen hat.“ Analysten deuten vorsichtig an, dass dieses Jahr eine Wende bedeuten könnte. Die Ukraine hätte diesen, ihnen aufgezwungenen Krieg inzwischen besser verstanden, meint beispielsweise Mick Ryan. Der Autor der schwedischen Essay-Plattform „Engelsberg Ideas“ sieht „mehrere frühe Anzeichen dafür, dass sich der Kriegsverlauf zugunsten Kiews verschiebt“, wie er schreibt.

Russland taumelt: Abgespeckte Militärparade legt nahe, dass die Angst bis in den Kreml geschlichen sei

Analysten beurteilen generell die jüngst abgespeckte Version der Militärparade zum Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland dahingehend, dass die Angst bis in den Kreml geschlichen sei: die Angst davor, dass die Ukraine weite Schläge bis hinein auf den Roten Platz führen könne. Die gesteigerten Langstrecken-Kapazitäten der Ukraine sind ein Anzeichen dafür, dass Russland dazu übergehen mag, die eroberten Territorien zu halten, anstatt weiter Boden gutzumachen zu versuchen. Und wenn auch nur, um eine bessere Ausgangsposition in Verhandlungen zu erhalten – was auch in der Vergangenheit gescheitert war. Ganz offensichtlich hat sich der Preis an Menschenleben für eroberten ukrainischen Boden enorm erhöht.

„In der Offensive um Pokrowsk beispielsweise erreichten sie eine durchschnittliche Vorwärtsgeschwindigkeit von lediglich 70 Metern pro Tag. Dies ist langsamer als bei den brutalsten Offensiven des letzten Jahrhunderts, einschließlich der berüchtigten Schlacht an der Somme im Ersten Weltkrieg.“

Seth G. Jones & Riley McCabe, Center for Strategic and International Studies

Die ohnehin schon unerhörten Verlustzahlen des bisherigen Kriegsverlaufs hätten sich in diesem Jahr zu einer katastrophalen Bilanz ausgewachsen, konstatiert Mick Ryan: „Die Kosten pro Quadratmeile (2,59 Quadratkilometer) sind von etwa 120 russischen Soldaten im Jahr 2025 auf 780 in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 gestiegen.“ Die Ukraine ist offenbar erfolgreicher darin geworden, die Russen in ihren Stellungen festzunageln und die eigenen Verteidigungslinien besser zu halten – der Fortschritt vollzieht sich weitestgehend nur noch Schritt für Schritt: Russland habe zwischen Januar und Mai 2026 rund 150 Quadratmeilen Territorium hinzugewonnen und damit die Hälfte dessen, was der russische Angriffsschwung im gleichen Zeitraum des Vorjahres eingebracht hätte.

Militärparade am Tag des Sieges: Putins Verluste werden in Moskau deutlich

Am 9. Mai feiert Russland den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland.
Am 9. Mai feiert Russland den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland. Eingeführt wurde der Feiertag bereits 1965. Bis heute wird er in Moskau mit einer Militärparade.  © afp
Russische Soldaten stehen in einer Formation vor der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau.
Am 9. Mai stehen russische Soldaten in einer Formation vor der Militärparade in Moskau. © Pavel Bednyakov/dpa
Nordkoreanische Soldaten stehen in einer Formation vor der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau.
Auch Soldaten aus Nordkorea sind bei der Militärparade zum Tag des Sieges am 9. Mai in Moskau vor Ort. © Pavel Bednyakov/dpa
Nordkoreanische Soldaten warten auf den Beginn der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau.
Hier warten die nordkoreanischen Soldaten auf den Beginn der Militärparade. © Pavel Bednyakov/dpa
Kremlchef Putin kann die Militärparade zum 9. Mai im Schutz einer Waffenruhe abnehmen.
Präsident Wladimir Putin sagte in seiner Rede, dass die russische Armee in der Ukraine gegen „aggressive“, von der Nato unterstützte Streitkräfte kämpfe. Die „große Leistung“ der Roten Armee im Kampf gegen Nazi-Deutschland inspiriere die heutigen Soldaten bei ihrem Einsatz in der Ukraine, fügte er hinzu. Moskaus Sache sei „gerecht“. © Imago
Der russische Präsident Wladimir Putin (M, hinten) nimmt an einer Zeremonie zur Niederlegung von Blumen am Grab des Unbekannten Soldaten an der Kremlmauer in Moskau teil.
Der russische Präsident Wladimir Putin nimmt an einer Zeremonie zur Niederlegung von Blumen am Grab des Unbekannten Soldaten an der Kremlmauer in Moskau teil.  © Alexander Nemenow/AFP
Tag des Sieges in Russland
Hier ist Putin nur verdeckt zu sehen. © Alexander Nemenov/dpa
Russische Soldaten marschieren am 9. Mai während über den Roten Platz in Moskau.
Russische Soldaten marschieren am 9. Mai während der Militärparade über den Roten Platz in Moskau. © Igor Iwanko/AFP
Gäste nehmen an der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau teil.
Gäste nehmen an der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau teil. © Maxim Shipenkov/dpa
Russische Militärjets überfliegen die Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau.
Russische Militärjets überfliegen die Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau.  © Maxim Shipenkov/dpa
Russische Soldaten, die an der sogenannten „militärischen Spezialoperation“ in der Ukraine beteiligt sind, marschieren am 9. Mai 2026 während der Militärparade zum Tag des Sieges über den Roten Platz in Moskau.
Russische Soldaten, die an der sogenannten „militärischen Spezialoperation“ in der Ukraine beteiligt sind, marschieren am 9. Mai 2026 während der Militärparade zum Tag des Sieges über den Roten Platz in Moskau. © Igor Iwanko/AFP
Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko (links) begleitet Putin bei der Militärparade.
Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko (links) begleitet Putin bei der Militärparade. © Pavel Bednyakov/dpa
Moskau am Donnerstag, den 7. Mai 2026, zwei Tage vor der Parade zum Tag des Sieges. Unweit des Roten Platzes sammeln sich an diesem Tag bereits Rekruten der Russischen Armee für Proben.
Die Vorbereitungen für die Militärparde liefen auch im Jahr 2026 im Vorfeld bereits auf Hochtouren. Moskau am Donnerstag, den 7. Mai 2026, zwei Tage vor der Parade zum Tag des Sieges. Unweit des Roten Platzes sammeln sich an diesem Tag bereits Rekruten der Russischen Armee für Proben. © dpa
Unweit der Großen Steinernen Brücke stellen sich Marine-Kadetten auf, um einer nächtlichen Probe für die Siegesparade in Moskau zu Ehren des Tages des Sieges am 9. Mai teilzunehmen.
Unweit der Großen Steinernen Brücke stellen sich Marine-Kadetten auf, um an einer nächtlichen Probe für die Siegesparade in Moskau zu Ehren des Tages des Sieges am 9. Mai teilzunehmen. © afp
Rekruten der russischen Armee besprechen sich vor Beginn der Generalprobe zur Militärparade am Tag des Sieges in Moskau.
Rekruten der russischen Armee besprechen sich vor Beginn der Generalprobe zur Militärparade am Tag des Sieges in Moskau. © afp
In den vergangenen Jahren haben bei der Parade zum Tag des Sieges in Moskau zwischen 9.000 und 11.000 Soldaten teilgenommen. Darunter Einheiten der Marine, der Luftwaffe und der Infanterie.
In den vergangenen Jahren haben bei der Parade zum Tag des Sieges in Moskau zwischen 9000 und 11.000 Soldaten teilgenommen. Darunter Einheiten der Marine, der Luftwaffe und der Infanterie. © dpa
Eine Marschkolonne aus etwa 40 Soldaten probt die Militärparade in Moskau.
Eine Marschkolonne aus etwa 40 Soldaten probt die Militärparade in Moskau. Bewaffnet sind die Soldaten mit Kalaschnikow-Gewehren des Typs AK-12, das aktuelle Standard-Sturmgewehr der russischen Armee. Gekleidet ist der Trupp einheitlich in modernen Felduniformen mit schwarzen Beretten, was sie als Teil der Marine-Infanterie erkennbar macht. © dpa
Im Hintergrund der Soldaten ist ein Wohnhaus an der Kotelnitscheskaja-Uferstraße zu sehen.
Im Hintergrund der Soldaten ist ein Wohnhaus an der Kotelnitscheskaja-Uferstraße zu sehen. Es handelt sich dabei um einen der als „Sieben Schwestern“ bekannten Wolkenkratzer im stalinistischen Baustil, die sich in der russischen Hauptstadt finden. © dpa
Zwischen den Paradeproben gönnen sich die russischen Rekruten in Moskau eine Pause.
Zwischen den Paradeproben gönnen sich die russischen Rekruten in Moskau eine Pause. © afp
Daily life in Moscow
Die russische Hauptstadt ist Zentrum der Feierlichkeiten rund um den Tag des Sieges. Neben der traditionellen Militärparade sind zahlreiche weitere Veranstaltungen geplant. © IMAGO/Natalia Kolesnikova
Ganz Moskau ist vor den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges geschmückt. Auf der Moskwa-Brücke, östlich des Kreml gelegen, wehen bereits Tage vor der eigentlichen Siegesparade Fahnen mit der Aufschrift „Sieg“.
Ganz Moskau ist vor den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges geschmückt. Auf der Moskwa-Brücke, östlich des Kreml gelegen, wehen bereits Tage vor der eigentlichen Siegesparade Fahnen mit der Aufschrift „Sieg“. © afp
Vor dem am östlichen Ende des Kreml gelegenen Spasskaja-Turm („Erlöser-Turm“) werden bereits die Tribünen und sonstigen Anlagen für die Feierlichkeiten am Tag des Sieges errichtet.
Vor dem am östlichen Ende des Kreml gelegenen Spasskaja-Turm („Erlöser-Turm“) werden bereits die Tribünen und sonstigen Anlagen für die Feierlichkeiten am Tag des Sieges errichtet. Auf dem Roten Platz werden auch die Ehrengäste von Russlands Präsident Wladimir Putin ihren Platz einnehmen, um von dort die Siegesparade durch Moskau verfolgen zu können. © dpa
Die Sonne scheint und die Stimmung in Moskau scheint wenige Tage vor dem 9. Mai 2026 gut.
Die Sonne scheint und die Stimmung in Moskau wirkt wenige Tage vor dem 9. Mai 2026 gut. Das zumindest gilt für diese beiden jungen Menschen, die wenige Tage vor der großen Militärparade an einer Reihe von Fahnen vorbeilaufen, die zu Ehren des Tags des Sieges in Moskau aufgehängt wurden. © afp
Auf diesem Foto aus Moskau ist ein goldener Stern zu sehen, unter dem in kyrillischer Schrift geschrieben steht: „Heldenstadt Moskau“.
Auf diesem Foto aus Moskau ist ein goldener Stern zu sehen, unter dem in kyrillischer Schrift geschrieben steht: „Heldenstadt Moskau“. Der Schriftzug findet sich auf zahlreichen Plakaten und Fahnen. Den Titel erhielt die russische Hauptstadt bereits in der Sowjet-Zeit. Er soll den Heldenmut der Stadtbevölkerung während des Zweiten Weltkriegs, in Russland als „Großer Vaterländischer Krieg“ bezeichnet, ehren. © afp
Bei der Militärparade zum Tag des Sieges am 9. Mai in Moskau finden sich auch jedes Jahr folkloristische Darbietungen, die an die Zeit des Zweiten Weltkriegs erinnern sollen.
Bei der Militärparade zum Tag des Sieges am 9. Mai in Moskau finden sich auch jedes Jahr folkloristische Darbietungen, die an die Zeit des Zweiten Weltkriegs erinnern sollen. Junge Rekruten schlüpfen in historische Uniformen und tanzen mit Frauen, die traditionelle Kleidung aus der Zeit der 1940er tragen. © dpa
Vor dem monumentalen Eingangstor der Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft üben hunderte Tänzerinnen und Tänzer den „Siegeswalzer“ ein.
Vor dem monumentalen Eingangstor der Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft üben hunderte Tänzerinnen und Tänzer den „Siegeswalzer“ ein. Im Hintergrund ist ein Modell des sowjetischen Siegesordens, des „Pobeda“, zu sehen – geschmückt mit dem Staatswappen der UdSSR und umrahmt mit roten Fahnen, auf denen das Wort „Sieg“ prangt. © dpa
Sogar Kavallerie-Einheiten nehmen an der Militärparade durch Moskau am Tag des Sieges teil.
Sogar Kavallerie-Einheiten nehmen an der Militärparade durch Moskau am Tag des Sieges teil. Hier zu sehen sind drei Soldaten, die im Stil der russischen Kosaken mit traditionellen Uniformen an den Proben für die Parade teilnehmen. Sie tragen den langen dunklen Mantel der Kosaken, Tscherkesska genannt, dazu die traditionelle Pelzmütze (Papakha) und den typischen kosakischen Säbel (Schaschka) sowie den Dolch (Kindschal). © dpa
Diese Offiziere tragen bereits zu den Proben der Militärparade in Moskau, zwei Tage vor dem eigentlichen Tag des Sieges, bereits ihre Paradeuniformen.
Diese Offiziere tragen bereits zu den Proben der Militärparade in Moskau, zwei Tage vor dem eigentlichen Tag des Sieges, ihre Paradeuniformen. Die blaugrünen Jacken mit Stehkragen und roten Paspeln sind typisch für das russische Heer. © imago
Auch Veteranen und aktive Soldaten nehmen an den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges in Moskau teil.
Auch Veteranen und aktive Soldaten nehmen an den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges in Moskau teil. Diese Soldaten, teils hochdekoriert, entspannen sich einige Tage vor der Militärparade in der russischen Hauptstadt. Der Mann in der Mitte trägt dabei unter der klassischen Tarn-Uniform der russischen Armee ein blau-weißes Hemd, das sogenannte Telnyashka. Es wird traditionell von russischen Luftlandetruppen oder Marine-Infanteristen verwendet. © afp
Unter den aktiven Soldaten, die vor dem Tag des Sieges in Moskau eintreffen, sind auch verletzte Veteranen.
Unter den aktiven Soldaten, die vor dem Tag des Sieges in Moskau eintreffen, sind auch verletzte Veteranen. Ob sie sich die Verletzungen auf dem Schlachtfeld im Ukraine-Krieg zugezogen haben, ist nicht bekannt. © afp
eimlicher Hauptdarsteller bei der Militärparade in Moskau am Tag des Sieges ist Russlands Machthaber Wladimir Putin
Heimlicher Hauptdarsteller bei der Militärparade in Moskau am Tag des Sieges ist Russlands Machthaber Wladimir Putin, hier zu sehen auf dem Roten Platz vor Beginn der Feierlichkeiten. Geschmückt ist Putin mit dem Georgsband am Revers, in Russland ein Symbol für militärische Tapferkeit und den Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. © afp
Im vergangenen Jahr rollte noch eine gigantische Militärparade durch Moskau.
Im vergangenen Jahr rollte noch eine gigantische Militärparade durch Moskau. Dieses Jahr finden die Feierlichkeiten am Tag des Sieges aber in abgespeckter Version statt. © dpa
Der Ukraine-Krieg zwingt Russland offenbar dazu, selbst im tausende Kilometer entfernten Moskau Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.
Der Ukraine-Krieg zwingt Russland offenbar dazu, selbst im hunderte Kilometer entfernten Moskau Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Dazu gehören Flugabwehrgeschosse, die sich auf zahlreichen offiziellen Einrichtungen in der Hauptstadt befinden. © afp
Kurz vor dem Tag des Sieges wurde ein Wohnhochhaus in der Mosfilmowskaja-Straße getroffen.
Sie sollen Drohnenangriffe während der Militärparade verhindern. Moskau ist im Verlauf des Ukraine-Kriegs immer wieder zum Ziel ukrainischer Drohnen geworden. Kurz vor dem Tag des Sieges wurde ein Wohnhochhaus in der Mosfilmowskaja-Straße getroffen. © dpa
Tausende Soldaten und Polizeikräfte sollen am Tag des Sieges einen reibungslose Militärparade gewährleisten.
Auch das Sicherheitspersonal in der Hauptstadt selbst wurde massiv erhöht. Tausende Soldaten und Polizeikräfte sollen am Tag des Sieges eine reibungslose Militärparade gewährleisten. © imago
Zu den Sicherheitskräften gehören auch Nationalgardisten, die in russischen Militärfahrzeuge des Typs Tigr in der Haupstadt unterwegs sind.
Zu den Sicherheitskräften gehören auch Nationalgardisten, die in russischen Militärfahrzeugen des Typs Tigr in der Haupstadt unterwegs sind. © afp
Eine strategische russische Atomrakete vom Typ Topol-M (Nato-Code: SS-27 Sickle B) fährt bei der Militärparade zum Tag des Sieges über den Roten Platz.
Aus Angst vor ukrainischen Angriffen müssen die Bewohnerinnen und Bewohner Moskaus bei der diesjährigen Militärparade offenbar auf schweres Militärgerät verzichten. Waren im Vorjahr noch strategische Atomraketen des Typs Topol-M Teil der Parade, sind dieses Jahr wohl weder Panzer noch Raketen zu sehen. © dpa

Eingedenk der Tatsache, dass die kleineren Gewinne auch viel mehr Menschenleben auf russischer Seite gefordert haben. Laut dem britischen Sender LBC sollen die Russen im März 2026 so hohe Verluste provoziert haben wie noch in keinem Monat zuvor im gesamten Ukraine-Krieg: 35.000 Kräfte. Nahe der Stadt Saporischschja seien die Russen genauso zum Stehen gebracht worden wie in der nach wie vor umkämpften Stadt Pokrowsk; im Verwaltungsbezirk Donezk sollen den Russen jeweils nur strategisch unbedeutende Siege ermöglicht worden sein, so der Kiyv Independent. Der Ukraine scheint somit Zweierlei gelungen zu sein: Einerseits konnten sie ihre Fronten stabilisieren.

Offensiven stagnieren: durchschnittliche Vorwärtsgeschwindigkeit von lediglich 70 Metern pro Tag

„In der Offensive um Pokrowsk beispielsweise erreichten sie eine durchschnittliche Vorwärtsgeschwindigkeit von lediglich 70 Metern pro Tag“, schreiben Jones und McCabe. Laut den CSIS-Analysten seien die Offensiven selbst an der französischen Somme schneller vorwärtsgekommen – also während eines der berüchtigsten und brutalsten Angriffe des Ersten Weltkriegs. Trotz des enorm hohen Einsatzes von Menschen und Material ist Russland in den vergangenen zwei Jahren aber wiederholt daran gescheitert, die tief gestaffelte Verteidigung nachhaltig zu durchbrechen. In dieser „Wette auf Zeit“, als die Alexey Yusupov diesen Abnutzungskrieg beschreibt, setzen beide Seiten darauf, dass ihren jeweiligen Gegnern die Kosten über den Kopf wachsen und ihn zum Aufgeben zwingen.

Andererseits scheint ihnen möglich geworden zu sein, den Krieg bedrohlich nah an den Kreml heranzutragen. Putins Angst spüre man schon seit Monaten, zitiert das ZDF den Militärexperten Gustav Gressel angesichts dessen, dass Russland während seiner Militärparade erstens das Internet zeitweise abgeschaltet hat, um die Kommunikation zu feindlichen Drohnen zu unterbinden, und zweitens auf die Zurschaustellung von Militärtechnik verzichtete. „Krieg ist letztlich ein Lernwettbewerb. Die Seite, die schneller beobachtet, analysiert und sich anpasst als ihr Gegner, erlangt einen Vorteil, den Masse allein nicht ausgleichen kann“, schreibt Mick Ryan. Der ehemalige General der australischen Armee sieht aktuell den schnelleren Lernfortschritt auf Seiten der Verteidiger.

Tomahawk-Krise: Donald Trump sei jederzeit ein Dolchstoß in den Rücken der Ukrainer zuzutrauen

Von Russlands Schwung aus den Anfangstagen der völkerrechtswidrigen Invasion ist kaum noch etwas vorhanden. Die bisherige „Wette auf die Zeit“ hat also die Ukraine für sich entschieden – obschon Russland immer noch länger aushalten könnte als die Ukraine. Immerhin soll Russland weiterhin 75.000 Quadratkilometer und damit rund zwölf Prozent der Ukraine erobert haben und etwa 120.000 Quadratkilometer, also etwa 20 Prozent, der Ukraine kontrollieren, wie die CSIS-Analysen ergeben. Allerdings stagnieren die russischen Gebietsgewinne seit mindestens zwei Jahren. Schlimmer noch: Die russische Wirtschaft bewege sich weit unterhalb der Möglichkeiten einer Großmacht, behaupten Jones und Riley – ihnen zufolge schwinde Russlands militärische wie wirtschaftliche Macht unaufhörlich.

Die Ukraine wiederum stellt mittlerweile genau das Gegenteil dar: „Entscheidend für Kiew ist, dass die ukrainische Verteidigungsindustrie der neuen Ära zu einem strategischen europäischen Gut geworden ist“, so Mick Ryan. Die ukrainischen Rüstungsgüter wie der Flamingo-Marschflugkörper werden sogar als Kandidaten für die Portfolios von NATO-Partnern gehandelt. Aufgrund der von den USA verschuldeten Tomahawk-Krise wird in Deutschland sogar vorgeschlagen, mit der Ukraine gemeinsam Marschflugkörper oder Mittelstreckenraketen zu entwickeln. In der in der Ukraine ausgetragenen Auseinandersetzung David gegen Goliath scheinen die Kontrahenten die Rollen zu tauschen. Analysten warnen allerdings davor, die Ukraine verfrüht zum Sieger zu küren. Russland taumelt, steht aber weiterhin – auch zu seinen Zielen.

Auch Putin verteidige beharrlich seine Macht, urteilt Alexey Yusupov. Und US-Präsident Donald Trump sei jederzeit ein Dolchstoß in den Rücken der Ukrainer zuzutrauen. Nicht zuletzt drängt Mick Ryan weiterhin auf „einen entsprechenden Schwung im Informationsraum“, wie er schreibt. Putin müsse daran gehindert werden, mit seinen Behauptungen die westliche Unterstützergemeinschaft zu entzweien. Die Ukraine könne sich kaum leisten, dass ihnen die Unterstützung wegbreche – das hätte auch Erschütterungen in den Schützengräben zur Folge. Noch ist Russland ein gefährlicher Gegner; noch kann Russland mehr Soldaten rekrutieren, als an der Front verloren gehen. Noch drückt Russland in jeder Nacht gegen die Verteidigungsstellungen und auf die Moral der Zivilbevölkerung.

Wichtig sei, dass die Ukraine den russischen Bären ins Wanken gebracht und an den Rand des wirtschaftlichen Ruins gedrängt hat. Das müsse die Welt erfahren, um über diesen Kipppunkt hinaus zur Ukraine zu stehen, so Mick Ryan in seinem Essay für die „Engelsberg Ideas“. „Putins Theorie des Kriegssieges – nämlich die westliche politische und gesellschaftliche Geduld zu überdauern und dadurch einen größeren Willen zu demonstrieren – ist bisher nicht substanziell widerlegt worden.“ (Quellen: Center for Strategic and International Studies, Friedrich-Ebert-Stiftung, Kyiv Independent, Engelsberg Ideas, LBC) (hz)

Rubriklistenbild: © Roman Pilipey / AFP

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