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Kanzler historisch unbeliebt
AfD zieht in neuer Umfrage erstmals an Union vorbei – Merz stürzt auf historischen Tiefstwert
Die AfD überholt die Union erstmals im ARD-Deutschlandtrend und liegt nun bei 27 Prozent. Kanzler Merz stürzt bei der Beliebtheit weiter ab.
Ein Jahr nach dem Start der schwarz-roten Koalition ist die Stimmung in der Bevölkerung auf einem historischen Tiefpunkt. Laut dem ARD-„Deutschlandtrend“ von Infratest dimap sind aktuell nur 13 Prozent der Deutschen mit der Bundesregierung zufrieden – fünf von sechs sind unzufrieden. Dieser Wert wurde im Deutschlandtrend bei anderen Bundesregierungen nur dreimal unterboten: bei Rot-Grün im November 2003 und März 2004 (jeweils 11 Prozent) sowie bei Schwarz-Gelb im Juni 2010 (12 Prozent). Dabei war die Koalition im Mai 2025 noch mit einem moderaten Rückhalt von 42 Prozent gestartet.
Die Unzufriedenheit schlägt sich unmittelbar in der Sonntagsfrage nieder. Erstmals überholt die AfD im ARD-„Deutschlandtrend“ die Union: Die Partei kommt auf 27 Prozent – ein Plus von zwei Prozentpunkten gegenüber April. Die Union verliert zwei Prozentpunkte und liegt nun bei 24 Prozent. Auch in den Umfragen anderer Forschungsinstitute war die AfD zuletzt vor CDU und CSU stärkste Kraft.
AfD zieht im ARD-Deutschlandtrend erstmals an Union vorbei
Die SPD bleibt unverändert bei 12 Prozent. Die Grünen verbessern sich leicht um einen Punkt auf 15 Prozent, die Linke verharrt bei 10 Prozent. Das BSW bleibt bei 3 Prozent, die FDP verbessert sich um einen Prozentpunkt auf 4 Prozent.
Partei
Umfragewert
Union
24 Prozent (-2)
AfD
27 Prozent (+2)
SPD
12 Prozent
Grüne
15 Prozent (+1)
Linke
10 Prozent
BSW
3 Prozent
FDP
4 Prozent (+1)
Andere
5 Prozent (-2)
Das Vertrauen in die Regierungsarbeit ist in zentralen Politikfeldern massiv eingebrochen. Nur noch 24 Prozent trauen der Bundesregierung zu, die deutsche Wirtschaft wieder zu stärken – 31 Prozentpunkte weniger als im Juni 2025. Lediglich 23 Prozent glauben, dass die Koalition für mehr soziale Sicherheit sorgen kann. Am stabilsten hält sich das Vertrauen in der Migrationspolitik: Jeder Dritte (34 Prozent) traut der schwarz-roten Koalition zu, irreguläre Migration wirksam zu begrenzen – nur vier Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Die Bundesregierung verweist in diesem Bereich auf Erfolge: Nach Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge ist die Anzahl der Erstanträge im vergangenen Jahr um 50 Prozent gesunken.
Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern
Bundeskanzler Merz erreicht neuen Tiefpunkt – historisch schlechter Beliebtheitswert
Besonders kritisch fällt die Bilanz für Bundeskanzler Friedrich Merz aus. Seine Zufriedenheitswerte sind von 39 Prozent kurz nach Amtsbeginn im Juni 2025 auf aktuell 16 Prozent gesunken – der bislang schlechteste Wert für einen amtierenden Bundeskanzler im Deutschlandtrend. 82 Prozent der Befragten sind der Ansicht, Merz kommuniziere nicht überzeugend. Drei Viertel trauen ihm nicht zu, das Land gut durch eine Krise zu führen. Sieben von zehn (69 Prozent) halten ihn dem Amt des Bundeskanzlers nicht für gewachsen. Unions-Anhänger stehen ihm in dieser Frage noch mehrheitlich zur Seite: 67 Prozent von ihnen finden, er sei seinem Amt gewachsen.
Auch intern wird die Kritik am Bundeskanzler lauter. Unionsfraktionschef Jens Spahn räumte ein: „Viele unserer Erfolge sind in zu viel öffentlichem Streit und Zank untergegangen.“ 87 Prozent der Befragten sind unzufrieden, wie die Regierung ihre Politik den Bürgern erklärt. 84 Prozent bemängeln den Umgang der Regierungsparteien untereinander. Vizekanzler Lars Klingbeil sieht Handlungsbedarf: Die Regierung müsse „sich gemeinsam aus dieser Situation wieder herausbewegen“.
Für den „Deutschlandtrend“ befragte infratest dimap 1.303 Wahlberechtigte ab 18 Jahren vom 4. bis 6. Mai 2026 zufällig telefonisch und online. Die Umfrage ist repräsentativ. Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet; nachlassende Parteibindungen und kurzfristigere Wahlentscheidungen erschweren die Gewichtung der Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf etwaige Wahlausgänge.