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Aus Angst vor Angriffen fahren aktuell nur wenige Öltanker durch die Straße von Hormus. Für die Weltwirtschaft könnte das zum Problem werden.
Mit der Straße von Hormus hat der Iran ein Ass im Ärmel. Immer weniger Tanker passieren die Meerenge im Persischen Golf, aus Angst vor Angriffen des Irans auf Schiffe, die den Seeweg versuchen zu passieren. Hinzu kommt eine indirekte Blockade der Versicherer. Diese weigern sich nämlich, Kriegsschäden zu versichern. Sieben der wichtigsten Haftpflicht-Versicherer der Schifffahrtsindustrie haben ihre Geschäfte in der Golf-Region ausgesetzt, wie ntv berichtet.
Ein hochrangiger Vertreter der iranischen Revolutionsgarde bestätigte laut iranischen Medien: Die Meerenge sei geschlossen. Die Folge: Öl- und Gas-Preise steigen drastisch an, was sich schon jetzt bemerkbar macht. An den deutschen Tankstellen klettern die Benzinpreise. In den deutschen Großstädten wie München oder Berlin kostet der Liter Super E5 mittlerweile um die zwei Euro.
Straße von Hormus geschlossen: Öl-Preise steigen auch am fünften Tag des Iran-Kriegs
Und auch am fünften Tag des Iran-Kriegs stiegen die Öl-Preise erneut. Im asiatischen Handel legte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent am Mittwoch um 2,9 Prozent auf 83,7 Dollar zu. Der Preis für die US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) kletterte um 2,6 Prozent auf 76,5 Dollar. Analysten halten Preise von über 100 Dollar pro Barrel Rohöl im Fall eines längeren Konflikts für denkbar.
Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg
Die Investmentbank Bernstein etwa revidierte ihre Brent-Prognose für 2026 von 65 auf 80 Dollar, sollte der Iran-Krieg länger andauern, gehen die Analysten sogar von einem Ölpreis zwischen 120 und 150 Dollar aus. In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt warnt die Wirtschaftsweise Veronika Grimm vor den Auswirkungen auf die Energiemärkte. Nicht nur Öl, sondern auch der Gas-Preis steigt: „Da der Gas-Preis über langfristige Lieferverträge an den Ölpreis gekoppelt ist, wirken sich auch steigende Ölpreise indirekt auf den Gasmarkt aus“, schreibt Grimm.
Grimm warnt vor Folgen für die deutsche Wirtschaft sollte Öl-Preis weiter steigen
Diese Entwicklung infolge des Iran-Kriegs treffe Deutschland in einer „wirtschaftlich angespannten Lage“. Insbesondere energieintensive Branchen wie Chemie, Stahl, Glas oder Papier stünden seit Längerem unter Druck. „Ein erneuter Energieschock würde Produktionskosten erhöhen, Margen belasten und Investitionen weiter verzögern. Steigende Rohölpreise schlagen zudem rasch auf Transportkosten, Kraftstoffpreise und industrielle Vorleistungen durch – mit Folgewirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungsketten“, so die Wirtschaftsweise im Handelsblatt.
Europa müsse nun kurzfristig mögliche Marktverwerfungen begrenzen, um Vertrauen in die Stabilität der Energieversorgung zu sichern. „Zweitens dürfen fiskalische Spielräume nicht in gleicher Weise überdehnt werden wie in den vergangenen Ausnahmephasen“, mahnt Grimm. Mit Blick auf die Europäische Zentralbank schreibt sie, dass für die Geldpolitik ein anspruchsvolles Spannungsfeld entstehe. „Steigende Energie- und Transportkosten könnten die Inflation erhöhen und Zweitrundeneffekte auslösen.“
Trump will Öl-Tanker durch US-Marine eskortieren lassen und für „Sicherheit des Seeverkehrs“ garantieren
Um den steigenden Öl-Preisen entgegenzuwirken, hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, festsitzenden Öltankern im Persischen Golf Geleitschutz zu geben. „Falls nötig, wird die US-Marine so schnell wie möglich damit beginnen, Tanker durch die Straße von Hormus zu eskortieren“, schrieb Trump am Dienstag in seinem Onlinedienst Truth Social. Er stellte Reedereien zudem vergünstigte Risikoversicherungen und Garantien der USA in Aussicht. Damit wollten die Vereinigten Staaten für „die finanzielle Sicherheit des gesamten Seeverkehrs“ sorgen, erklärte der US-Präsident.
Noch scheinen die Reedereien Trumps Angebot jedenfalls nicht angenommen zu haben. Wie auf Internetseiten wie „Vesselfinder“ zu sehen ist, warten zahlreiche Tanker auf beiden Seiten der Straße von Hormus. Und die Uhr tickt. Die Ölraffinerien im Persischen Golf haben ohne Abnahme ihres Öls bald keine Lagerkapazitäten mehr, schreibt Bloomberg. Die Folge: Die Raffinerien müssen ihre Verarbeitungsraten drosseln, was das Öl-Problem weiter verschärfen wird. (Quellen: AFP/dpa/ntv/Handelsblatt/Bloomberg/eigene Recherche) (sischr)