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Aktuelle Lage bleibt angespannt

Iran testet die Hormus-Route: Angriffe und Drohungen lassen Trumps Abkommen wackeln

Der Iran beansprucht die Straße von Hormus – und testet, wie weit der Druck auf die USA und Golfstaaten trägt. Derweil steht ein Bundeswehr-Einsatz im Raum.

Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi ließ mit Blick auf die aktuelle Debatte um die Straße von Hormus keinen Zweifel an Teherans Anspruch: Der Seeweg werde „innerhalb der kommenden 30 Tage wieder vollständig unter die Verwaltung des Iran gestellt“, sagte er bei einem Besuch in Bagdad. Die Verantwortung für die Meerenge liege allein beim Iran und „jegliche Einmischung oder der Versuch, parallele Strukturen zu schaffen, würde die Lage weiter verkomplizieren.“

Handelsschiffe in der Straße von Hormus. (Archivbild)

Für Analysten ist die Aussage im Kontext der aktuellen Lage im Iran-Krieg keine leere Drohung: Hinter dem jüngsten Angriff auf ein Frachtschiff in der Meerenge sehen sie einen kalkulierten Versuch Teherans, den Machtanspruch auf die Straße von Hormus zu untermauern.

Straße von Hormus: Iran manifestiert Anspruch – Abkommen im Iran-Krieg vor Herausforderung

Knapp zwei Wochen nach Unterzeichnung des Abkommens zwischen den USA und dem Iran flammt der Konflikt wieder auf. US-Streitkräfte griffen in der Nacht auf Sonntag zum zweiten Mal seit der Einigung iranische Ziele an. Darunter waren Luftabwehrstellungen, Drohnenlager und Überwachungsinfrastruktur, wie das Regionalkommando Centcom mitteilte.

Vorausgegangen war ein Angriff auf ein Frachtschiff vor der Küste des Omans am Donnerstag, für den Washington den Iran verantwortlich macht. Am Samstag wurde nach Angaben der britischen Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt ein weiteres Frachtschiff getroffen. Die Revolutionsgarden ihrerseits attackierten US-Militärstützpunkte in Kuwait und Bahrain.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Der Iran-Krieg beginnt am 28. Februar 2026 mit Angriffen aus Israel und den USA auf Teheran. Noch am ersten Tag wird auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. © AFP
Iran-Krieg - Iran
Immer wieder schlagen Raketen in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Umgebung ein. Die Menschen vor Ort berichten von zitternden Fenstern, in sozialen Medien kursieren Bilder von Rauchschwaden. In Teheran leben rund 15 Millionen Menschen.  © Vahid Salemi/dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Präzisionsschläge auf relevante militärische Ziele – erstmals auch mit Drohnen, die von den Shaheds kopiert worden sind: „LUCAS kostet etwa 35.000 US-Dollar pro Plattform und ist ein kostengünstiges, skalierbares System, das modernste Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher US-Langstreckensysteme mit vergleichbarer Wirkung bietet“, sagt der Marineoffizier Tim Hawkins gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ). US-Präsident Trump hat sich für den Angriff gegen den Iran vermutlich von den Waffen seines Gegners inspirieren lassen: Erstmals haben die USA Kamikaze-Drohnen eingesetzt, veröffentlicht das „US Central Command“ (CENTCOM).  © dpa
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Die Angriffe gehen ohne Unterlass weiter. Dieses Standbild aus einem vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellten Video zeigt den Start einer Rakete von einem Schiff der U.S. Navy zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“. © dpa
Raketenabwehrsystem Iron Dome
Der Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt zahlreiche Geschosse ab. Über Tel Aviv kommt es zu entsprechenden Explosionen. © Jack Guez/AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Auch am Tag feuert das israelische Luftabwehrsystem, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
Dennoch kommt Israel nicht ungeschoren davon. Hier verbinden Rettungskräfte einen verwundeten Mann und leisten erste Hilfe am Ort eines direkten Einschlags einer iranischen Rakete in Tel Aviv. © Tomer Neuberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
An einer anderen Stelle in Tel Aviv ist ein Feuerwehrmann dabei, ein brennendes Auto zu löschen. © Tomer Neuberg/dpa
USA Iran
Dieses offizielle Foto des Weißen Hauses, veröffentlicht am 28. Februar 2026 auf dem Account „White House X“, zeigt US-Vizepräsident JD Vance (Mitte), die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard (zweite von links), und US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) im Lagezentrum in Washington, D.C. © AFP
Trump Iran
Ein weiteres offizielles Foto des Weißen Hauses zeigt Donald Trump im Gespräch mit Stabschefin Susie Wiles (rechts), während US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) die Aktivitäten der „Operation Epic Fury“ gegen den Iran von einem nicht genannten Ort aus überwacht. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb Trump später auf „Truth Social“. © AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Was ist das Ziel der Operation Epic Fury (Einsatz Gewaltiger Zorn)? US-Präsident Trump begründet die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. © Leo Correa/dpa
Un-Sicherheitsrat
Der US-Angriff ruft die Vereinten Nationen auf den Plan: Der Sicherheitsrat ist zu einer Notfall-Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte die Botschafter, die Aktion berge die Gefahr, „eine Kette von Ereignissen auszulösen, die in der instabilsten Region der Welt niemand mehr kontrollieren kann“, wie die UN berichten. Israels Botschafter Danny Danon hatte die Angriffe als gerechtfertigt dargestellt und als einen notwendigen Akt, um eine existenzielle Bedrohung abzuwehren. © Spencer Platt/AFP
Minab-Mädchenschule
Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit fast 200 Toten eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt.  © Ali Najafi/AFP
Proteste in London
Weltweit gehen noch am ersten Abend des Iran-Kriegs Exil-Iranerinnen und -Iraner auf die Straßen und feiern den Tod von Ajatollah Chamenei. Dieses Bild zeigt eine Demonstration vor der iranischen botschaft in London. © Vuk Valcic/Imago
Angriff auf den Iran - Berlin
Auch auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehen die Menschen spontan auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demo in der Türkei
Anders sieht es in der Türkei aus: Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul machen Demonstranten Donald Trump und Israel für die Eskalation verantwortlich. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Iran und die Tötung von Ajatollah Chamenei, indem sie eine US-Flagge verbrennen. © Ozan Kose/AFP
Angriff auf den Iran - Indien
578889050.jpg © Mukhtar Khan/dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier steigt Rauch nach einem iranischen Drohnenangriff im Hafengebiet von Dubai auf. © Fatima Shbair/dpa
Angriff auf den Iran – Katar
Folgen der Rache des Iran: Die USA betreiben in al-Udeid eine Militärbasis. Die liegt im Fokus des Iran – allerdings befindet sich rund 30 Kilometer entfernt die Stadt Doha; und die wird kaum durch die Luftabwehr der US-Basis abgedeckt.  © dpa
Iran-Krieg - reaktionen
US-amerikanisch-israelische Luftschläge – Schockwellen in der gesamten Welt: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hätten Demonstranten im pakistanischen Karatschi vor dem Konsulat „Tod Amerika! Tod Israel!“ skandiert; Reuters-Reporter hätten Schüsse gehört und in den umliegenden Straßen Tränengas wahrgenommen. Die Nachrichtenagentur spricht von mindestens 23 getöteten Demonstranten; davon zehn im Hafen von Karatschi, wo Sicherheitskräfte des US-Konsulats gefeuert hätten auf Demonstrierende nach deren Durchbruch durch die äußere Mauer. Elf Menschen seien demnach in der nördlichen Stadt Skardu ums Leben gekommen – die Menge soll ein UN-Büro in Brand gesetzt haben; zwei Tote verzeichnet Reuters in Pakistans Hauptstadt Islamabad. © Imago
Weitere Bilder der Straßenschlachten, die sich in Teilen Pakistans nach dem US-Angriff auf den Iran ereigneten.
Explosionen im Iran, Beben in Pakistan: „Pakistans Westgrenzen befinden sich im Kriegszustand“, sagt Muzzammil Aslam gegenüber Arab News. Der Finanzminister der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen, sollte der Iran seine Rachegelüste gegenüber dem Westen ausleben und damit den gesamten Nahen Osten in den Abgrund reißen. Die Wirtschaftskraft des Landes hängt an den Arbeitern in den Golfstaaten, die im Visier des Iran liegen und Anschläge auf ihre Energieindustrie befürchten müssen.  © dpa
Angriff auf den Iran - Irak
578899115.jpg © Hadi Mizban/dpa
Beirut
Der Iran-Krieg führt auch zu einer neuen Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz feuert als Reaktion auf die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Raketen in Richtung Israel ab. Daraufhin greift das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon an, vor allem im Süden des Landes und in den Vororten der Hauptstadt Beirut (im Bild). Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. © AFP
Angriff gegen den Iran - Luftverkehr
Der Iran-Krieg legt zu Beginn auch den Flugverkehr teilweise lahm. Hier prüft ein Reisender die Abflugzeiten am internationalen Flughafen Beirut Rafik Hariri, da viele Fluggesellschaften nach den Angriffen auf den Iran ihre Flüge gestrichen haben.  © Hassan Ammar/dpa
Stra0ße von Hormus
Dieses Satellitenbild, aufgenommen von 2026 Planet Labs PBC am 2. März 2026, zeigt Rauchwolken, die nach einer Explosion im Hafen von Bandar Abbas an der Straße von Hormus von einem Schiff aufsteigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist weitgehend zum Erliegen gekommen.  © 2026 Planet Labs PBC/AFP

Doch Analysten lesen die Lage komplexer. Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) in Washington sieht hinter den Angriffen auf die Golfstaaten den Versuch, diese zur Akzeptanz der iranischen Kontrolle über die Straße von Hormus zu zwingen. Zugleich könnte es ein Signal an weitere Golfstaaten sein, dass der Iran militärisch gegen sie vorgehen könnte, sollten sie die USA dabei unterstützen, den iranischen Machtanspruch in der Meerenge zu untergraben.

Iran-Krieg aktuell: Teheran lotet wohl aus, wie Angriffe derzeitige Lage beeinflusst

Gregory Brew, leitender Analyst bei der Eurasia Group, bringt es auf den Punkt: Demnach würde Teheran ausloten, wie weit es in der derzeitigen Lage im Iran-Krieg gehen könnte, um seinen Einfluss geltend zu machen. „Wenn schon eine minimale militärische Maßnahme ausreicht, um die Route über omanische Gewässer zu blockieren und den Schiffsverkehr auf Routen zu lenken, die der Iran kontrollieren kann – warum sollte man es dann nicht versuchen?“, schrieb Brew auf X. Die Risiken seien gering, solange Teheran darauf vertrauen könne, dass die USA nicht zu einem aggressiveren Vorgehen zurückkehrten.

Wurzel des Konflikts ist die bewusste Unschärfe des Rahmenabkommens. Nicole Grajewski von der Pariser Elitehochschule Sciences Po sagte der New York Times, die Übergangsvereinbarung habe „bewusst auf flexible Formulierungen gesetzt, weil dies wahrscheinlich der einzige Weg war, sie zum Abschluss zu bringen“. Doch genau diese Unschärfe führe nun dazu, dass beide Seiten versuchten, vor Ort Fakten zu ihren Gunsten zu schaffen. „Flexibilität hält nur so lange, wie beide Seiten denselben vagen Bestimmungen eine ähnliche Bedeutung beimessen“, so Grajewski.

Bundeswehreinsatz in der Straße von Hormus – viele Voraussetzungen „nicht erfüllt“

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Debatte über einen möglichen Bundeswehreinsatz zur Minenräumung in der Straße von Hormus neue Brisanz. Thomas Röwekamp (CDU), Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Bundestag, dämpfte entsprechende Erwartungen deutlich. „Wir haben im Moment viele Voraussetzungen, die noch nicht erfüllt sind“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Neben der Frage, ob die Waffenruhe halte, brauche es auch die Zustimmung des Iran. Im Abkommen sei die Verantwortung für die Sicherheit der Meerenge „eindeutig an den Iran und den Oman adressiert“. Zudem forderte Röwekamp eine klare internationale Rechtsgrundlage: „Ich würde mir wünschen, dass es gelänge, ein eindeutiges Mandat entweder der Europäischen Union oder der Vereinten Nationen zu haben.“

Völkerrechtsprofessor Pierre Thielbörger von der Universität Bochum betont laut Tagesschau, die UN-Resolution vom März sei zu einem Zeitpunkt verabschiedet worden, „als ein iranischer Seemineneinsatz noch nicht konkret zur Debatte stand“. In der Folge enthalte sie nicht eine ausdrückliche Autorisierung militärischer Maßnahmen. Ohne iranische Zustimmung oder ein neues UN-Mandat stünde ein Minenräumeinsatz rechtlich auf wackeligen Füßen. Deutschland hat bereits zwei Marineschiffe in Richtung Dschibuti verlegt. Sollte ein Bundestagsbeschluss gefasst werden, sagte Röwekamp, „sind wir dann innerhalb von 14 Tagen in der Lage, sie in den Einsatz zu schicken.“ Wann dieser Zeitpunkt kommt, bleibt angesichts der erneuten Eskalation aber offen. (Quellen: AFP, dpa, Tagesschau, New York Times) (fbu)

Rubriklistenbild: © Wen Xinnian/Xinhua/dpa

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