Modelle, Historie und Visionen
Schatten aus Stahl an der Front: Panzer gestern, heute und morgen

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Der helle Wahnsinn – hier die Mündung eines russischen T-80: Innerhalb des Geschützrohres eines Panzers wird ein Geschoss durch den hohen Druck der sich ausbreitenden Gase nach dem Entzünden von Schießpulver massiv beschleunigt. Innerhalb des Rohres wirken Kräfte bis zu einem Meganewton (Mn). Ein Meganewton entspricht etwas mehr als 100 Tonnen. Die Kraft, mit der das Geschoss eines Panzers beschleunigt wird, übersteigt also deutlich sein eigenes Gewicht von etwas mehr als 60 Tonnen, wie beim Abrams M1 oder Leopard 2. Die Kraft der Explosion entspricht eher dem Gewicht eines ausgewachsenen „leichten“ Blauwals.
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Der Leopard 2A8 – die aktuelle Version beim Roll-Out auf der Panzer-Teststrecke des Rüstungskonzerns KNDS im November 2025. Insgesamt 123 Stück des jüngsten Modells des Bundeswehr-Kampfpanzers bekommt die Panzertruppe; damit wächst sie bis auf 430 Einheiten. Die Waffe bedeutet einen kompletten Neubau, der 2027 in die Truppe integriert worden sein soll. Erstmals in der Geschichte der deutschen Panzerwaffe werde in diesem Fahrzeug serienmäßig ein abstandsaktives Schutzsystem eingebaut, so die Bundeswehr: das Trophy-System des israelischen Herstellers Rafael. Als erstes wird die Panzerbrigade 45 in Litauen mit den neuen Fahrzeugen ausgerüstet. „Das verschafft den Kräften der NATO ein Plus an Kampfkraft“, schreibt die Bundeswehr.
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Der Leopard A1 – Deutschlands rüstiger Rentner: Im Jahr 2025 wird der Leopard-Kampfpanzer 60 Jahre alt. Er ist „das erste, später auch international erfolgreiche Großwaffenprogramm des deutschen Heeres, das im Inland entwickelt und produziert wurde“, schreibt Buchautor Thomas Haslinger. Der Kampfpanzer wurde am 09. September 1965 an die Bundeswehr ausgeliefert und machte auch international Karriere. Das Foto zeigt eingemottete A1 der belgischen Armee, die im Zuge des Ukraine-Krieges wieder flottgemacht und an die Ukraine geliefert wurden. Laut dem Rüstungsbauer KNDS sei der Leopard 1 in einer Gesamtstückzahl von mehr als 4.700 Exemplaren gefertigt worden „und ist in neun Ländern auf fünf Kontinenten auch heute noch in der Nutzung“, wie das Unternehmen 2025 auf seiner Website schreibt.
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Der Leopard 1A5 – der erste in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte Kampfpanzer; hier zu sehen während eines Gefechtstrainings im Ukraine-Krieg. „Durch kontinuierliche Kampfwertsteigerungen befindet sich das System immer noch auf einem modernen Stand der Technik“, schreibt die Rüstungsschmiede KNDS über das mittlerweile 60 Jahre alte Leopard-Modell. Von 1964 an wurden 4.700 Exemplare gebaut. Mit der Ukraine haben beziehungsweise hatten mehr als ein Dutzend Staaten die Waffe in ihren Panzertruppen. In der Bundeswehr ist die Waffe vor etwas mehr als 20 Jahren ausgemustert worden. Im Ukraine-Krieg steht der Panzer erstmals in Gefechten.
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Der Unterschied – die NATO hatte zu Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022 einen zahlenmäßig deutlichen Vorteil gegenüber der Russischen Föderation. Der ist nicht nur dadurch gewachsen, weil Russland im Ukraine-Krieg seine Panzer-Armada nahezu aufgerieben, sondern weil einige Länder der westlichen Verteidigungsallianz ihre Landstreitkräfte inzwischen deutlich vergrößert haben; beispielsweise Polen durch Zukauf von südkoreanischen Black Panther-Kampfpanzern. Vor allem die Türkei und Griechenland bilden das Rückgrat der westlichen Panzerflotten; zumindest zahlenmäßig. An modernen Kampfpanzern liegen sie gleichauf mit den westeuropäischen Zentralmächten wie Frankreich oder Deutschland. Wobei gerade Deutschland im Kalten Krieg beinahe das Zehnfache an schweren Panzerfahrzeugen hat aufbieten können. Die künftig entscheidende Frage wird sein, wie sich Russland im Panzerbau vom Ukraine-Krieg wird erholen können.
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Der Abrams-M1A1-Kampfanzer – das Arbeitspferd der US-Armee: Ein König im Irak, in der Ukraine ein Bettelmann: Die größte Schwachstelle der fast 70 Tonnen schweren rollenden Festung sind die Filter in den Ansaugöffnungen. Sie verhindern, dass Dreck und Ablagerungen den empfindlichen, aber leistungsstarken Motor des M-1 verschmutzen und zerstören und erfordern regelmäßige Pflege. Wenn die vierköpfige Besatzung eines Abrams versäumt, die Filter ihres Panzers etwa alle zwölf Stunden zu reinigen, kann dies den Motor stark beschädigen. Dann bleibt keine andere Wahl, als den Motor und das Getriebe auszubauen und wegzuschicken für eine langwierige Überholung.
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Der M1A1-Kampfpanzer – russische Zivilisten posieren schadenfroh vor einem Abrams-Wrack, während einer Ausstellung von Kriegsbeute in Moskau im Juni 2024. Mitte 2025 gelten in den Medien 26 oder 27 der von den USA eingangs des Krieges gelieferten 31 Exemplare des M1A1 Abrams als unbrauchbar – entweder teilweise oder vollständig. Im Stern sinnierte Autor Gernot Kramper über das letztendlich erschreckende Verblassen westlicher Technik, wie gerade der des M1A1 Abrams: „An und für sich ist der Verlust nicht verwunderlich, aber der ruhmlose Untergang des gewaltigen Militärgeräts schockiert dann doch.“
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Der Abrams M1A1-Kampfpanzer der australischen Armee, der an die Ukraine ausgeliefert wurde, wird auf ein Schiff verfrachtet. Für den Transport von US-amerikanischen Militärgütern war während des Ukraine-Krieges vor allem Bremerhaven die logistische Drehscheibe Europas: Dort landen Militärfrachter an, löschen das schwere Gerät und transportieren das vorrangig per Bahn die fast 2.000 Kilometer in die Ukraine. Die NATO wird Bremerhaven zum Logistik-Hub ausbauen. Die Bundesregierung investiert in den kommenden Jahren bis 2031 mehr als 1,3 Milliarden Euro in den militärischen Ausbau der Hafen-Infrastruktur. Ohne Bremerhaven ist die logistische Verbindung zwischen den europäischen und dem US-amerikanischen NATO-Partner kaum denkbar.
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Der Merkava – Israel war nach dem Sechstagekrieg 1967 gezwungen, seine Abhängigkeit von französischer oder britischer Rüstungskooperation aufzugeben; und beispielsweise einen eigenen Panzer zu entwickeln – sogar unabhängig von Embargos, wie Ralf Raths vom Deutschen Panzermuseum erläutert; also aus eigener Industrie und eigenen Rohstoffen. Anders als andere Panzer ist er um die Besatzung herum gebaut worden, erklärt Raths; um diese bestmöglich zu schützen; beispielsweise mit der Platzierung des Motors am Bug statt am Heck. Außerdem befindet sich in der Panzerung statt Luft häufig Diesel – bei Auftreffen eines Geschosses würde sich durch die Entzündung mit dem Treibstoff die kinetische Energie des Geschosses teilweise entladen.
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Der T-90 Proryv (Durchbruch) pflügt durch ein Übungsgelände. Der neben dem T-14 Armata als am weitesten entwickelte, aber um ein Vielfaches günstigere T-90 in seinen verschiedenen Versionen gilt als die Zukunft der russischen Panzerwaffe. Technisch sei der T-90 eine Kombination des Fahrgestells eines T-72 mit den Systemen des Turms des T-80. Ralf Raths als Direktor des Deutschen Panzermuseums in Munster betont die Verwandtschaft aller T-Modelle, die in Antrieb, Panzerung und Feuerkraft kontinuierlich weiter entwickelt worden seien, aber bis zum T-14-Armata keine revolutionäre neue Technik geboten hätten. Der T-90 ist evolutionär, anders als dessen Nachfolger T-14 Armata, der aufgrund seiner kompromisslosen Konzentration auf Technik und Sensorik eher als revolutionär zu bezeichnen ist.
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Ob Leopard, Abrams oder Armata: Panzer dominieren das Schlachtfeld der Moderne und sind der Stolz der Armeen. Unser Überblick zeigt alte Legenden, aktuelle Prunkstücke und Modelle der Zukunft.
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