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Merz mit Statement in der Tagesschau
Söder startet Konfrontationskurs mit Merz wegen Israel-Entscheidung
Friedrich Merz erfährt in der Union wachsenden Druck. Die CSU lehnt besonders deutlich seine Entscheidung ab, Waffenlieferungen an Israel zu reduzieren.
Berlin/München – Der Schritt von Friedrich Merz, die deutschen Waffenlieferungen an Israel einzuschränken, kam unerwartet – sogar für die Union selbst. In der CDU ist man sich uneinig und in der CSU stellt man sich sogar offen gegen den Bundeskanzler. Markus Söder hält die Entscheidung von Merz für grundfalsch, berichtet die Bild.
Der bayerische Ministerpräsident fühlt sich demnach von Merz‘ Entscheidung, keine Waffen mehr nach Israel zu liefern, die im Gazastreifen eingesetzt werden könnten, übergangen. Söder sei über das Vorgehen des Bundeskanzlers nicht informiert worden, schreibt die Bild weiter. Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Alexander Hoffmann, sagte gegenüber dem Blatt: „Die CSU war an dieser Entscheidung nicht beteiligt und wir halten sie für bedenklich.“
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CSU-Politiker kritisiert Merz‘ Israel-Entscheidung scharf: Krisensitzung am Sonntag
Hoffmann fuhr fort: „Das wäre eine Abkehr von Jahrzehnten außenpolitischer Kontinuität gegenüber Israel und als solche zumindest erklärungsbedürftig. Wir werden dazu interne Gespräche in der Koalition führen.“ Ein erstes Gespräch dazu gab es am Sonntag: Die Arbeitsgruppe Außenpolitik der Unions-Bundestagsfraktion kam zu einer Sondersitzung zusammen.
Die Beratungen fanden wegen der parlamentarischen Sommerpause per Videoschalte statt. Der 14-köpfigen Gruppe sitzt der CDU-Politiker Jürgen Hardt vor, sein Stellvertreter ist sein Parteikollege Roderich Kiesewetter. Als Gast soll Merz‘ außenpolitischer Berater Günter Sautter an der Sitzung teilgenommen haben. Merz hatte am Freitag erklärt, es würden „bis auf Weiteres keine Ausfuhren von Rüstungsgütern“ mehr an Israel genehmigt, „die im Gazastreifen zum Einsatz kommen können“.
Merz erklärt sich intern gegenüber Union: Beschränkung der Rüstungsgüter nur mit Blick auf Gaza
RTL, ntv und das Magazin Stern berichteten am Sonntag von einem internen Papier des Kanzleramts, wonach Merz klarstellt, dass die Entscheidung keine grundsätzliche Kehrtwende in der deutschen Nahost-Politik bedeute. „Die Entscheidung über weitere Rüstungsgüter ist ausdrücklich auf einen möglichen Einsatz in Gaza beschränkt; sie stellt auf die derzeitigen, dort herrschenden Umstände ab“, zitieren die Medien das Papier.
„Wir stehen fest an der Seite Israels“, betonte das Papier weiter. „Das Existenzrecht Israels bleibt unverhandelbar. Deutschland unterstützt Israel weiter dabei, seine Existenz und seine Sicherheit zu verteidigen. Israel hat das Recht, sich gegen den Terror der Hamas zu verteidigen, der den Krieg im Gazastreifen ausgelöst hat.“
Kanzler mit Statement nach kontroverser Israel-Entscheidung: „Keine Waffen, die diesen Konflikt betreffen“
Ähnliches betonte der Kanzler in einem Interview mit den ARD-„Tagesthemen“am Sonntag. Seine Entscheidung sei nicht kurzfristig gefallen. „Die Diskussion darüber gibt es seit vielen Wochen. Ich hab sie auch mit der israelischen Regierung, mit dem israelischen Ministerpräsidenten geführt. Es hat eine Entscheidung – eine für uns überraschende Entscheidung – des israelischen Kabinetts gegeben, nämlich jetzt den militärischen Konflikt im Gazastreifen noch einmal zu verschärfen und darauf hat es eine Reaktion gegeben. Nämlich keine Waffen mehr zu liefern, die diesen Konflikt betreffen.“ Die Grundsätze der deutschen Israel-Politik blieben jedoch unverändert, betonte Merz.
Zuvor war der Schritt von Merz bereits auf scharfe Kritik in der CSU gestoßen. Der Bundestagsabgeordnete Stephan Pilsinger sagte der Augsburger Allgemeinen: „Ich war wie viele andere relativ überrascht von der Entscheidung.“ Er fügte hinzu: „Unklar ist für mich, was das heißen soll: keine Waffen, die im Gazastreifen eingesetzt werden können.“
Kritik an Merz‘ Israel-Entscheidung aus der CSU: „relativ überrascht von der Entscheidung“
Es müsse gefragt werden, „was passiert, wenn die israelische Regierung den Spieß umdreht und wir auch keine Unterstützung mehr aus Israel bekommen – sei es bei der Luftabwehr oder bei Mossad-Informationen zur Terrorabwehr“, sagte Pilsinger unter Bezug auf den israelischen Geheimdienst. „Aktuell profitieren wir sicherheitspolitisch gefühlt mehr von Israel als Israel von uns.“
Auch der außenpolitische Experte der CSU, Stephan Mayer, kritisierte den teilweisen Rüstungsexportstopp scharf. „Ich bin überzeugt: Israels Sicherheit darf gerade jetzt nicht geschwächt werden. Ein genereller Exportstopp würde einem demokratischen Partner in einer akuten Bedrohungslage die Möglichkeit nehmen, seine Bevölkerung wirksam zu schützen“, sagte Mayer der Augsburger Allgemeinen.
Ähnlich deutlich äußerte AfD-Co-Chef Tino Chrupalla. „Unsere Position, was zum Beispiel Waffenlieferungen in Krisen- und Kriegsgebiete angeht, ist klar: Die haben wir von Anfang an, auch im Wahlprogramm, immer abgelehnt und dazu stehen wir auch“, sagte Chrupalla am Sonntag im ZDF-„Sommerinterview“. Chrupalla sprach mit Blick auf die Versorgung der Zivilbevölkerung zudem von „Verbrechen“ im Gazastreifen, die „gesühnt werden“ müssten. Israel bleibe aber „ein Partner und auch ein befreundetes Land“. (sischr/afp)