Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies.
Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen
Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.
Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für
. Danach können Sie gratis weiterlesen.
Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
Gold wert: Russland ist knapp an allen Komponenten von First-Person-View-Drohnen. Die meisten Einzelteile stammen aus China. Peking pocht darauf, dass das Land mit „Dual-use“-Gütern sehr besonnen handle.
Vom Golfwagen bis zur Spielekonsole: Putin wäre verloren ohne Hunderte Tonnen Technik-Importe aus China. Liefert Peking jetzt eine komplette Waffe?
Peking – „China hat niemals tödliche Waffen an eine Konfliktpartei geliefert und kontrolliert Dual-Use-Güter streng“, sagt Mao Ning. Gegenüber der Zeitung Global Times lehnt die Sprecherin des Außenministeriums der Volksrepublik China, wie sie sagt, „haltlose Anschuldigungen und politische Manipulation entschieden ab“. Bereits im September 2024 hat die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, Wladimir Putins Invasionsarmee habe in China ein Waffenprogramm zur Entwicklung und Produktion von Langstrecken-Kampfdrohnen für den Einsatz im Krieg gegen die Ukraine gestartet, so die Nachrichtenagentur, die dafür zwei Quellen eines europäischen Geheimdienstes vorliegen haben wollte.
Russland hat im laufenden Abnutzungskrieg gegen die Ukraine offenbar zu einer neuen Lösung greifen müssen. Weil der Krieg am Boden stagniert. Im vergangenen September hatte Wladimir Putin verlauten lassen, dass er die Drohnenproduktion forcieren wolle – für unbemannte Luftfahrzeuge jeglicher Art, wie ihn die Tass zitiert hat: „Wir müssen den Bedarf der Streitkräfte vollständig decken. Zu diesem Zweck müssen wir die Produktion unbemannter Fahrzeuge kontinuierlich steigern, ihre taktischen und technischen Eigenschaften auf verschiedene Weise verbessern, einschließlich der Einführung künstlicher Intelligenz, und sie unter Berücksichtigung der Kampferfahrung ständig modernisieren.“
Komplette Drohne aus China? „Der erste konkrete Beweis“ seit Beginn des Ukraine-Krieges
Um das zu verwirklichen, ist Russland offenbar gezwungen zu improvisieren beziehungsweise auf andere Quellen zurückzugreifen. Wie Ukrinform kürzlich gemeldet hat, sieht sich Russland offenbar dazu gezwungen, in seinen Shahed-Drohnen zunehmend amerikanische Komponenten durch chinesische zu ersetzen; einerseits um sie vor elektronischen Kampfsystemen zu schützen, wie die ukrainische Nachrichtenagentur schreibt, andererseits könnten die westlichen Sanktionen ihre Wirkung zeitigen. „Chinesische Hersteller liefern ihnen Hardware, Elektronik, Navigations-, Optik- und Telemetriesysteme, Motoren, Mikroschaltungen, Prozessormodule, Antennenfeldsysteme, Steuerplatinen und Navigationssysteme“, sagt Oleh Alexandrow, der Sprecher des ukrainischen Auslandsgeheimdienst gegenüber dem Magazin Politico.
„Würde China beispielsweise den Export von Miniatur-Elektromotoren nach Russland verbieten – die dort außer für die Drohnenmontage kaum Verwendung finden –, käme die gesamte Produktionskette zum Stillstand.“
Wie Reuters andeutet, will Russland allerdings westlichen Sanktionen vollständig ausweichen und auch seinen Partner China davon frei halten – mit einem Kniff: David Albright erklärte gegenüber Reuters, IEMZ Kupol könne westliche Sanktionen gegen Russland umgehen, indem es eine Produktionsstätte in China aufbaue und dort Zugang zu modernen Chips und Fachwissen gewinne, so der ehemalige UN-Waffeninspekteur. IEMZ Kupol ist eiine Tochtergesellschaft des russischen staatlichen Waffenkonzerns Almaz-Antey und habe ein neues Drohnenmodell namens Garpiya-3 (G3) entwickelt und sogar schon im Flug getestet – das soll das Unternehmen jedenfalls Anfang 2024 gegenüber dem russischen Verteidigungsministerium geäußert haben, so die Geheimdienstquellen. Die Brisanz an den Dokumenten: Chinesische Spezialisten sollen an der Entwicklung der Drohne beteiligt gewesen sein.
G3-Drohnen könnten mit einer Nutzlast von rund 50 Kilogramm über 1.900 Kilometer weit fliegen, soll Kupol angekündigt haben – Kupol habe demnach an seinem Hauptsitz im russischen Ischewsk sieben in China hergestellte Militärdrohnen in Empfang genommen, darunter zwei G3, so die Geheimdienst-Dokumente. Denen zufolge sei das „der erste konkrete Beweis, den ihre Behörde seit Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 für die Lieferung ganzer in China hergestellter Drohnen an Russland gefunden habe“, schreibt Reuters.
Putins Pläne: Gesichert ist, dass Russland weiter offensiv auf die Shahed-Drohne setzt
Weiterhin sollen die Dokumente nahe legen, die G3 sei eine verbesserte Version der Garpiya-A1-Drohne und von chinesischen Experten auf Grundlage von Bauplänen der Garpiya-A1 neu entwickelt worden – allerdings warnt Samuel Bendett vor angeblichen Beweisen weitgehender chinesischer Verstrickungen in die russische Drohnenflotte. Der Analyst des US-Thinktanks Center for a New American Security (CNAS) wirft in die Diskussion ein, dass die chinesische Regierung „zögern würde, sich wegen der Unterstützung der russischen Kriegsmaschinerie internationalen Sanktionen auszusetzen“, wie ihn Reuters zitiert. Ihm fehlten unwiderlegbare Beweisen.
Gesichert ist jedoch, dass Russland weiter offensiv auf die Shahed-Drohne setzt: „Ab September 2024 steigerte Russland im Rahmen einer anhaltenden Druckkampagne den Einsatz von Shahed-Drohnen erheblich und erhöhte die Zahl von etwa 200 Starts pro Woche bis März 2025 auf über 1.000 pro Woche“, schreiben Benjamin Jensen und Yasir Atalan in einer aktuellen Studie. Darin sprechen die beiden Analysten des Thinktanks Center for Strategic and International Studies (CSIS) von einer „Drohnensättigung“. Russlands Fokus auf diese Drohne iranischen Ursprungs beruhe auf der „Abnutzungslogik“.
Russland interessiere weniger, dass sie treffe, sondern eher, dass sie bedrohlich gegen die ukrainische Luftverteidigung anfliege – in Massen, wie die beiden Analysten andeuten. „Entscheidend ist die kombinierte Wirkung der Terrorwaffe auf Zivilisten und die Belastung der Luftabwehr. Indem Moskau den Himmel mit Billigwaffen überschwemmt, führt es einen Zermürbungsfeldzug, der sowohl den Willen des ukrainischen Volkes als auch die Einsatzbereitschaft seines Luftabwehrnetzes untergräbt.“
Partner im Ukraine-Krieg: „China hält Wladimir Putins Kriegsmaschinerie am Laufen“
Das Magazin Politico spricht aktuell von einem „Tech-Rennen“, in dem Russland Schritt halte. Aktuell scheint Russland Erfolg zu verknüpfen mit dem Einsatz von Glasfaserkabeln. „Die Idee ist großartig, denn man operiert in absoluter Funkstille und kann daher von keinem Radarsystem erfasst werden“, sagt „Yas“. Gegenüber dem Magazin The War Zone hat der Kommandeur der 12. Spezialkräftebrigade Asow gemutmaßt, dass via Glasfaser gelenkte Drohnen die Zukunft künftiger Kriege mitbestimmen sollten. Beide Seiten versuchen sich in technischen Innovationen auszustechen.
„China hält Wladimir Putins Kriegsmaschinerie am Laufen“, behauptet aktuell Julia Monn: Aufgrund von Zahlen des chinesischen Zolls sei Russlands Gier auf Fahrzeuge, Werkzeugmaschinen, Elektronik und Industriekomponenten unendlich gewachsen, schreibt die Autorin der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Das Bedürfnis Russlands reicht dabei vom kleinsten Mikrochip bis zum ausgewachsenen Lastwagen. Auch die viel diskutierten ungepanzerten Golfwagen, mit denen russische Infanteristen in Ermangelung von Schützenpanzern an die Front bugsiert werden, sollen aus chinesischer Produktion stammen, was der Business Insider berichtet hat.
Putins Kniff: Videospiele – das Umgehen von Sanktionen wird dadurch zum Kinderspiel
Prinzipiellv verbergen unendlich viele Güter „Dual-Use“-Optionen, also die Möglichkeit der gleichzeitigen zivilen wie militärischen Nutzung – das Umgehen von Sanktionen wird dadurch zum Kinderspiel. Meint Kaja Kallas, wie die NZZ die EU-Außenbeauftragte zitiert: „Sogar durch Elemente wie Videospielkonsolen, denn offenbar sind es die, mit denen sie die Drohnen betreiben. Der NZZ zufolge gilt China als weltweit führender Produzent der marktbeherrschenden Spielekonsolen japanischer Marken wir der Sony Playstation oder der Nintendo Switch sowie einem US-amerikanischen Produkt wie der Microsoft Xbox – den Umsatz, den China durch den Handel mit Russland generiert, beziffert die NZZ-Autorin auf Hunderte Millionen Dollar. Monatlich.
China sei die Wurzel der russischen Drohnenproduktion, behauptet auch das Magazin The Insider – dort sei Putins Rüstungsmaschinerie auch zu stoppen. Zunächst hat Russland den Einsatz und den Wert von Drohnen völlig falsch eingeschätzt und hat noch dazu einen immensen Verlust an konventioneller Rüstungstechnik auszugleichen. Daneben stecken viel Energie und Geld im Ausbau des russischen Atomwaffenprogramms. Russland könnte drauf und dran sein, seine Kapazitäten zu überdehnen.
Besuche im Weißen Haus: Trumps legendäre Momente im Oval Office
Wie das Insider-Magazin aktuell schreibt, biete Russland zwar Kapazitäten zur Produktion größerer Starrflügeldrohnen; dem Land fehlten aber die Möglichkeiten im laufenden Kriegsgeschehen die Industrie für eine Großserienproduktion der meisten Komponenten von First-Person-View-Drohnen – obwohl diese Teile weder besonders hoch technisiert noch teuer seien. Die Insider-Autoren kalkulieren für das Anlaufen einer solchen Produktionsserie mindestens ein Jahr.
Ihnen zufolge wäre das Rad des russischen bewaffnetem Imperialismus insofern leicht anzuhalten: „Würde China beispielsweise den Export von Miniatur-Elektromotoren nach Russland verbieten – die dort außer für die Drohnenmontage kaum Verwendung finden –, käme die gesamte Produktionskette zum Stillstand.“ (KaHin)