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Russlands Wirtschaft im Visier

Schwimmende Kriegskasse: Wie eine Blockade von Putins Schattenflotte den Krieg beenden könnte

Putins Schattenflotte ist längst im Visier westlicher Sanktionen. Russlands Wirtschaft gerät unter Druck. Ein Analyst erklärt, welche Auswirkungen drohen.

Am 28. Februar 2026 seilten sich belgische Spezialkräfte von einem Hubschrauber auf das Deck eines Tankers ab. Die MT Ethera war in der Nordsee unterwegs, voll beladen mit russischem Öl. Belgiens Premierminister Bart De Wever sprach von einer „schwimmenden Kriegskasse“ – und meinte damit nicht nur diesen einen Tanker. Wenige Tage später stoppte die schwedische Küstenwache den Frachter Caffa vor Trelleborg. Bewaffnete Einheiten enterten das Schiff, das unter falscher Flagge fuhr und mutmaßlich zu Putins Schattenflotte gehört. Ein Besatzungsmitglied wurde festgenommen, verdächtigt der Urkundenfälschung und schwerer Verstöße gegen das Seesicherheitsgesetz. Zehn der elf Besatzungsmitglieder sind russische Staatsangehörige.

Fürchtet um seine Schattenflotte: Russlands Präsident Wladimir Putin.

„Unser Auftrag ist es, die Vorschriften auf See durchzusetzen“, sagt Daniel Stenling, operativer Leiter der schwedischen Küstenwache. „Wir werden gegen Schiffe vorgehen, die sie verletzen.“ Die Einsätze zeigen, wie sehr Schattenflotte aus Russland inzwischen ins Visier westlicher Behörden geraten ist. Welche wirtschaftlichen Folgen ein konsequentes Vorgehen gegen das Netzwerk haben könnte – und wo seine Schwachstellen liegen –, erklärte der ukrainische Analyst Dmytro Kornienko gegenüber der Frankfurter Rundschau.

Russlands Wirtschaft im Visier: Schattenflotte umgeht Sanktionen

Russlands sogenannte Schattenflotte operiert seit Jahren in den Grauzonen des internationalen Seerechts. Rund 1300 Schiffe weltweit gelten als Teil dieses Netzwerks und wickeln nach Schätzungen des European Policy Centers (EPC) mehr als zwölf Prozent des globalen Seehandels ab. Was einst primär der Umgehung westlicher Sanktionen diente, ist inzwischen zu einem strategischen Instrument geworden: Die Flotte stützt Russlands Kriegswirtschaft – und damit die Finanzierung des Ukraine-Kriegs.

Das System dahinter ist simpel. Tanker fahren unter Billigflaggen oder verschleiern ihre Identität technisch. Ihre automatischen Identifikationssysteme – die AIS-Transponder, die Schiffe auf Navigationskarten sichtbar machen – werden abgeschaltet. Auf offener See wechseln Tanker ihre Ladung von Schiff zu Schiff, um die Herkunft des Öls zu verschleiern. Weil westliche Versicherer diese Schiffe längst meiden, hat Russland eigene Alternativversicherungen geschaffen.

Das Risiko ist erheblich: Schätzungsweise 60 Prozent der Schiffe verfügen über keinen ausreichenden Versicherungsschutz. Gleichzeitig liegt ihr Durchschnittsalter bei 25 bis 30 Jahren – ein potenzielles Umweltproblem, besonders in sensiblen Gewässern wie der Ostsee. Welche Folgen ein Unfall haben könnte, simulierte Greenpeace vergangenen Monat. „Das Letzte, was die ohnehin schwer bedrohte Ostsee braucht, ist eine Ölpest“, warnte der Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. „Die Simulationen zeigen, wie dadurch das Ökosystem für Jahrzehnte belastet wird.“

Sanktionen gegen Putins Schattenflotte: Russlands Wirtschaft gerät unter Druck

Europa versucht, Russlands Ölexporte wirtschaftlich unter Druck zu setzen. Mit dem 20. Sanktionspaket verschärfte die EU im vergangenen Monat ihre Maßnahmen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte am 6. Februar, die neuen Regeln sähen ein „vollständiges Verbot von Seeverkehrsdiensten für russisches Rohöl“ vor. „Dadurch werden die Energieeinnahmen Russlands weiter sinken und es wird schwieriger, Abnehmer für russisches Öl zu finden.“ Die Kyiv School of Economics schätzt, dass ein konsequent durchgesetztes Paket den russischen Ölexport bis Ende 2026 um täglich 1,4 Millionen Barrel reduzieren könnte – ein Rückgang von rund 18 Prozent.

Doch der wirtschaftliche Druck entsteht nicht nur durch Sanktionen. Die Ukraine hat die Schattenflotte von Präsident Wladimir Putin längst selbst ins Visier genommen. Seit Ende 2024 greift Kiew systematisch russische Ölterminals, Hafeninfrastruktur und Tanker an – mit Drohnen, die über das Schwarze Meer und das Asowsche Meer operieren. Laut der Analyseplattform Geopolitical Intelligence Services (GIS) zeigt sich darin eine strukturelle Schwäche Russlands: Viele Tanker operieren isoliert und sind nur schlecht geschützt – und damit vergleichsweise leichte Ziele. Zugleich räumen die Analysten ein, dass Russlands alternatives Rohölhandelsnetz trotz Sanktionen bestehen bleiben könnte.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz. © Philipp Schulze/dpa
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben. © JONATHAN NACKSTRAND/afp
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bradley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechenden Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren. © U.S. Army/dpa
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil. © Björn Trotzki/Imago
Aus Großbritannien stammt der Kampfpanzer vom Typ Challenger 2. Dabei handelt es sich um einen der modernsten Panzer weltweit. Im Gegensatz zu den meisten anderen modernen Kampfpanzern ist der Challenger 2 mit einer 120-Millimeter-Kanone mit gezogenem Lauf ausgerüstet. Auch auf lange Entfernung sind zuverlässige Treffer zu erwarten. So soll ein Challenger 2 im Golfkrieg von 1991 einen irakischen Panzer auf fast fünf Kilometer Entfernung ausgeschaltet haben. Die Chobham-Panzerung sorgt für einen enorm guten Schutz. Als Nachteile gelten das hohe Gewicht, die komplizierte Logistik und die eingeschränkte Mobilität.
Aus Großbritannien stammt der Kampfpanzer vom Typ Challenger 2. Dabei handelt es sich um einen der modernsten Panzer weltweit. Im Gegensatz zu den meisten anderen modernen Kampfpanzern ist der Challenger 2 mit einer 120-Millimeter-Kanone mit gezogenem Lauf ausgerüstet. Auch auf lange Entfernung sind zuverlässige Treffer zu erwarten. So soll ein Challenger 2 im Golfkrieg von 1991 einen irakischen Panzer auf fast fünf Kilometer Entfernung ausgeschaltet haben. Die Chobham-Panzerung sorgt für einen enorm guten Schutz. Als Nachteile gelten das hohe Gewicht, die komplizierte Logistik und die eingeschränkte Mobilität. © Spc. Nicko Bryant Jr./Imago
Der Marder hat schon mehr als 50 Jahre auf dem Buckel, ist aber noch immer bei der Bundeswehr im Einsatz. Gebaut wurde der Marder mitten im Kalten Krieg. Er dient den Panzergrenadieren als Gefechtsfahrzeug und Führungspanzer. Durch seine Geschwindigkeit sollen die Infanteristen den Kampfpanzern folgen können. Mit 600 PS bei 35 Tonnen ist er gut motorisiert. Bewaffnet ist der Marder mit einer 20-Millimeter-Kanone. Die Besatzung besteht aus Kommandant, Richtschütze, Fahrer und sechs Grenadieren.
Der Marder hat schon mehr als 50 Jahre auf dem Buckel, ist aber noch immer bei der Bundeswehr im Einsatz. Gebaut wurde er mitten im Kalten Krieg. Der Marder dient den Panzergrenadieren als Gefechtsfahrzeug und Führungspanzer. Durch seine Geschwindigkeit sollen die Infanteristen den Kampfpanzern folgen können. Mit 600 PS bei 35 Tonnen ist er gut motorisiert. Bewaffnet ist der Marder mit einer 20-Millimeter-Kanone. Die Besatzung besteht aus Kommandant, Richtschütze, Fahrer und sechs Grenadieren. © Philipp Schulze/dpa
Die NLAW ist eine Panzerabwehrlenkwaffe aus schwedischer Produktion. Sie dient zur Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen sowie Gebäuden. Sie kann von einem einzelnen Menschen transportiert und eingesetzt werden. Der Start mit der geschulterten Waffe kann liegend, kniend oder stehend erfolgen. Ihre Reichweite liegt bei bis zu 600 Metern. Verfehlt die Rakete das Ziel, so zerstört sie sich nach einer Flugzeit von 5,6 Sekunden selbst. Die NLAW ist ein Wegwerfartikel und kann nur einmal abgefeuert werden.
Die NLAW ist eine Panzerabwehrlenkwaffe aus schwedischer Produktion. Sie dient zur Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen sowie Gebäuden. Sie kann von einem einzelnen Menschen transportiert und eingesetzt werden. Der Start mit der geschulterten Waffe kann liegend, kniend oder stehend erfolgen. Ihre Reichweite liegt bei bis zu 600 Metern. Verfehlt die Rakete das Ziel, so zerstört sie sich nach einer Flugzeit von 5,6 Sekunden selbst. Die NLAW ist ein Wegwerfartikel und kann nur einmal abgefeuert werden. © Sergei Supinsky/afp
Das Patriot-System dient zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern, Drohnen und Raketen kürzerer Reichweite. Es besteht aus mehreren Komponenten: Das Bodenradar erkennt Flugobjekte, der Leitstand berechnet deren Flugbahn, programmiert die eigenen Raketen und koordiniert deren Abschuss, das Startgerät verfügt über bis zu acht Raketenwerfer, der erforderliche Strom kommt von einem Fahrzeug mit Generatoren. Das Patriot-System kann gleichzeitig bis zu 50 Ziele beobachten und fünf bekämpfen. Die maximale Kampfentfernung liegt bei etwa 68 Kilometern. Die Entwicklung des Boden-Luft-Lenkwaffensystems reicht in die späten 1960er-Jahre zurück, eingeführt wurde es in den frühen 1980er-Jahren, seitdem wurde es immer wieder modernisiert.
Das Patriot-System dient zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern, Drohnen und Raketen kürzerer Reichweite. Es besteht aus mehreren Komponenten: Das Bodenradar erkennt Flugobjekte, der Leitstand berechnet deren Flugbahn, programmiert die eigenen Raketen und koordiniert deren Abschuss, das Startgerät verfügt über bis zu acht Raketenwerfer, der erforderliche Strom kommt von einem Fahrzeug mit Generatoren. Das Patriot-System kann gleichzeitig bis zu 50 Ziele beobachten und fünf bekämpfen. Die maximale Kampfentfernung liegt bei etwa 68 Kilometern.  © Kevin Schrief/dpa
Beim Multiple Launch Rocket System (MLRS) handelt es sich um ein Mehrfachraketenwerfer-Artilleriesystem auf Kettenfahrgestell. Die Typenbezeichnung des US-amerikanischen Militärs lautet M270. Bei der Bundeswehr wird es unter dem Namen MARS (Mittleres Artillerieraketensystem) geführt. Das System trägt zwölf Raketen, die Ziele in bis zu 40 Kilometer Entfernung treffen.
Beim Multiple Launch Rocket System (MLRS) handelt es sich um ein Mehrfachraketenwerfer-Artilleriesystem auf Kettenfahrgestell. Die Typenbezeichnung des US-amerikanischen Militärs lautet M270. Bei der Bundeswehr wird es unter dem Namen MARS (Mittleres Artillerieraketensystem) geführt. Das System trägt zwölf Raketen, die Ziele in bis zu 40 Kilometer Entfernung treffen. © Jeon Heon-Kyun/dpa
Die türkische Kampf- und Aufklärungsdrohne Bayraktar TB2 ist seit 2016 im Einsatz. Der Name geht auf ihren Erfinder Selçuk Bayraktar zurück, den Schwiegersohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die Drohne erreicht eine Flughöhe von 7300 Metern. Sie ist 6,5 Meter lang, besitzt eine Spannweite von zwölf Metern und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 222 Kilometern pro Stunde. Beim ukrainischen Angriff auf das russische Flaggschiff „Moskwa“ soll die Drohne einen Angriff vorgetäuscht haben, bevor zwei Neptun-Raketen das Schiff trafen.
Die türkische Kampf- und Aufklärungsdrohne Bayraktar TB2 ist seit 2016 im Einsatz. Der Name geht auf ihren Erfinder Selçuk Bayraktar zurück, den Schwiegersohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die Drohne erreicht eine Flughöhe von 7300 Metern. Sie ist 6,5 Meter lang, besitzt eine Spannweite von zwölf Metern und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 222 Kilometern pro Stunde. Beim ukrainischen Angriff auf das russische Flaggschiff „Moskwa“ soll die Drohne einen Angriff vorgetäuscht haben, bevor zwei Neptun-Raketen das Schiff trafen. © Birol Bebek/afp
Im Ukraine-Krieg kommen auch zahlreiche unbemannte Kamikaze-Drohnen zum Einsatz. Die Switchblade 300 ist zusammengeklappt so handlich, dass sie in jeden Rucksack passt. Sie wird mithilfe von Druckluft aus einem Rohr abgeschossen und verfügt über vier schwenkbare Flügel, die im Flug wie Springmesser herausspringen. Sie hat eine Reichweite von knapp zehn Kilometern und kann einige Zeit über ihrem Einsatzgebiet verweilen, ehe sie im Sturzflug angreift. Der Gefechtskopf der Switchblade 300 hat eine Sprengladung, die einer 40-Millimeter-Granate entspricht.
Im Ukraine-Krieg kommen auch zahlreiche unbemannte Kamikaze-Drohnen zum Einsatz. Die Switchblade 300 ist zusammengeklappt so handlich, dass sie in jeden Rucksack passt. Sie wird mithilfe von Druckluft aus einem Rohr abgeschossen und verfügt über vier schwenkbare Flügel, die im Flug wie Springmesser herauskatapultiert werden. Sie hat eine Reichweite von knapp zehn Kilometern und kann einige Zeit über ihrem Einsatzgebiet verweilen, ehe sie im Sturzflug angreift. Der Gefechtskopf der Switchblade 300 hat eine Sprengladung, die einer 40-Millimeter-Granate entspricht.  © Lcpl. Tyler Forti/Imago
Das norwegische Luftabwehrsystem NASAMS wurde entwickelt, um Flugzeuge, Hubschrauber, Marschflugkörper und unbemannte Luftfahrzeuge zu identifizieren, anzugreifen und zu zerstören. Es ist in der Lage, 72 Ziele gleichzeitig zu treffen. Ihre weitreichendsten Raketen können Ziele bis maximal 50 Kilometer abschießen. Eine Batterie besteht aus zwölf Raketenwerfern, acht Radar-Stationen, einer Feuerleitzentrale, einem Kamera- und einem Kontroll-Fahrzeug. Seit 2005 schützt das System die US-Hauptstadt Washington, D.C.
Das norwegische Luftabwehrsystem NASAMS wurde entwickelt, um Flugzeuge, Hubschrauber, Marschflugkörper und unbemannte Luftfahrzeuge zu identifizieren, anzugreifen und zu zerstören. Es ist in der Lage, 72 Ziele gleichzeitig zu treffen. Ihre weitreichendsten Raketen können Ziele bis maximal 50 Kilometer abschießen. Eine Batterie besteht aus zwölf Raketenwerfern, acht Radar-Stationen, einer Feuerleitzentrale, einem Kamera- und einem Kontroll-Fahrzeug. Seit 2005 schützt das System die US-Hauptstadt Washington, D.C. © Robin Van Lonkhuijsen/dpa
Die Ukraine kann im krieg gegen Russland auch auf Bushmaster-Panzerfahrzeuge aus australischer Produktion zurückgreifen. Sie sind dank ihrer gepanzerten Stahlplatten explosionssicher und für alle Umgebungen geeignet. Auch eine Reifenpanne hindert den Bushmaster nicht an der Weiterfahrt. Das Fahrzeug bietet Platz für insgesamt zehn Soldaten einschließlich ihrer Waffen und Ausrüstung. Übliche Bordwaffen sind 5,56-Millimeter- und 7,62-Millimeter-Maschinengewehre.
Die Ukraine kann im Krieg gegen Russland auch auf Bushmaster-Panzerfahrzeuge aus australischer Produktion zurückgreifen. Sie sind dank ihrer gepanzerten Stahlplatten explosionssicher und für alle Umgebungen geeignet. Auch eine Reifenpanne hindert den Bushmaster nicht an der Weiterfahrt. Das Fahrzeug bietet Platz für zehn Soldaten einschließlich ihrer Waffen und Ausrüstung. Übliche Bordwaffen sind 5,56-Millimeter- und 7,62-Millimeter-Maschinengewehre. © Russell Freeman/Imago
Die Geschichte des M113 ist schon mehr als 60 Jahre alt. Das auch gerne als „Battle Taxi“ bezeichnete Militärfahrzeug war der erste moderne Truppentransportpanzer. Die Möglichkeit, in einem leichten, schnellen, schwimmfähigen und per Flugzeug transportablen gepanzerten Fahrzeug elf Infanteristen durch ein Kampfgebiet zu befördern, kam einer Revolution gleich. Seit der Markteinführung 1960 wurden mehr als 80.000 Fahrzeuge herstellt. In der Standardausführung verfügt der M113 über ein 12,7-Millimeter-Maschinengewehr als Hauptwaffe.
Die Geschichte des M113 ist schon mehr als 60 Jahre alt. Das auch gerne als „Battle Taxi“ bezeichnete Militärfahrzeug war der erste moderne Truppentransportpanzer. Die Möglichkeit, in einem leichten, schnellen, schwimmfähigen und per Flugzeug transportablen gepanzerten Fahrzeug elf Infanteristen durch ein Kampfgebiet zu befördern, kam einer Revolution gleich. Seit der Markteinführung 1960 wurden mehr als 80.000 Fahrzeuge herstellt. In der Standardausführung verfügt der M113 über ein 12,7-Millimeter-Maschinengewehr als Hauptwaffe. © Björn Trotzki/Imago
Der PT-91 Twardy („Der Harte“) ist eine modernisierte Version des Panzers T-72 aus der Sowjetzeit. Der PT-91 ist seinem Vorbild äußerlich nach wie vor sehr ähnlich, besitzt jedoch gegenüber dem Original einige Verbesserungen. Dazu gehören eine im Vergleich zum Basismodell deutlich präzisere Feuerleitanlage, ein Laserwarnsystem, eine Wärmebildkamera und eine Reaktivpanzerung.
Der polnische PT-91 Twardy („Der Harte“) ist eine modernisierte Version des Panzers T-72 aus der Sowjetzeit. Der PT-91 ist seinem Vorbild äußerlich nach wie vor sehr ähnlich, besitzt jedoch gegenüber dem Original einige Verbesserungen. Dazu gehören eine im Vergleich zum Basismodell deutlich präzisere Feuerleitanlage, ein Laserwarnsystem, eine Wärmebildkamera und eine Reaktivpanzerung.  © Imago
Der Gepard ist ein Flugabwehrpanzer, der Teil der Heeresflugabwehr der Bundeswehr war, bis er 2010 außer Dienst gestellt wurde. In der Zwischenzeit wird er nur noch von anderen Armeen verwendet, so auch von der Ukraine. Der Gepard wurde in erster Linie entwickelt, um die Panzer- und Panzergrenadiertruppe vor angreifenden Flugzeugen und Hubschraubern im niedrigen Höhenbereich zu schützen. In der Ukraine ist vor allem der Suchradar von Vorteil, mit dem feindliche Drohnen schnell erkannt angegriffen werden können. Der Gepard verfügt über 35-Millimeter-Maschinenkanonen.
Der Gepard ist ein Flugabwehrpanzer, der Teil der Heeresflugabwehr der Bundeswehr war, bis er 2010 außer Dienst gestellt wurde. In der Zwischenzeit wird er nur noch von anderen Armeen verwendet, so auch von der Ukraine. Der Gepard wurde in erster Linie entwickelt, um die Panzer- und Panzergrenadiertruppe vor angreifenden Flugzeugen und Hubschraubern im niedrigen Höhenbereich zu schützen. In der Ukraine ist vor allem der Suchradar von Vorteil, mit dem feindliche Drohnen schnell erkannt und angegriffen werden können. Der Gepard verfügt über 35-Millimeter-Maschinenkanonen.  © Michael Mandt/afp
Italienische Panzerhaubitzen M109L werden über Udine und Österreich in die Ukraine geliefert.
Ende April 2023 lieferte Italien klammheimlich über die nordöstliche Region Friaul-Julisch Venetien und Österreich 30 schwere Panzerhaubitzen M109L in die Ukraine. Das Foto vom Transport ist am Bahnhof Udine entstanden. Laut italienischer Tageszeitung „La Repubblica“ erhält Kiew vom Nato-Mitglied insgesamt 60 Stück der Standard-Haubitze des Verteidigungsbündnisses. Die M109L zeichnet vor allem ihre schwere 155mm-Kanone aus. © Twitter@Topolin28714725
Ein gepanzerter MaxxPro-Truppentransporter der US-Streitkräfte. (Symbolfoto)
Zu Beginn ihrer Gegenoffensive hatten die ukrainischen Streitkräfte mit Hilfe der Vereinigten Staaten laut „Magazin für Europäische Sicherheit & Technik“ einen Bestand von 580 sogenannter MRAPs (Mine Resistant Ambush Protected Vehicle) aufgebaut. Dabei handelt es sich um Truppentransporter mit hohem Minenschutz. Etliche davon gingen im Frühsommer 2023 verloren, vor allem gepanzerte MaxxPro (Beispiel-Foto), was Videos brennender Exemplare bei Twitter beweisen sollten.  © IMAGO / ZUMA Wire
Ein Radpanzer Stryker der US-Streitkräfte.
Die USA haben der Ukraine im Verlauf des ersten Halbjahres 2023 bis zu 90 Radpanzer vom Typ Stryker geliefert. Der hochmobile Schützenpanzer mit einer Länge von knapp sieben Metern und einer Breite von 2,72 Metern soll Truppenverlegungen binnen kurzer Zeit ermöglichen, weil er mit bis zu 100 km/h deutlich schneller ist als viele Kettenpanzer. Mit bis zu 39 Millimetern Außenhülle ist er jedoch vergleichsweise schwach gepanzert. © IMAGO / ABACAPRESS
Ukrainische Soldaten werden an schwedischen Schützenpanzern CV 90 ausgebildet.
Das Combat Vehicle 90 (CV 90) gilt als einer der modernsten Schützenpanzer der Welt. Entwickelt wurde der Panzer in den 1990er Jahren vom britischen Rüstungskonzerns BAE Systems AB für die Streitkräfte Schwedens. Das skandinavische Land stellte der Ukraine im Frühjahr 2023 nach und nach 50 der Schützenpanzer bereit, die die 40-mm-Ma­schi­nen­ka­no­ne 40/70B auszeichnet. Bis zu acht Infanterie-Soldaten können mit dem CV 90 mitten in die Schlacht gefahren werden. © IMAGO / TT
Aus Frankreich soll die Ukraine bereits im März 2025 drei Modelle des Kampfjets „Mirage 2000“ erhalten
Aus Frankreich soll die Ukraine bereits im März 2025 drei Modelle des Kampfjets „Mirage 2000“ erhalten. Bei den Maschinen soll es sich laut Medienberichten um Modelle der Variante „Mirage 2000-5“ handeln. Eine offizielle Bestätigung der Lieferung steht noch aus. Frankreich verfügt selbst über 26 modernisierte Kampfjets des Typs „Mirage 2000-5“. © KHALED DESOUKI/AFP
Ein Leopard-1-A5 der belgischen Armee, der in Deutschland produziert wurde. (Archivfoto)
Der Leopard 1A5 ist eine kampfwertgesteigerte Variante des „Leos“ 1 aus deutscher Produktion und Vorgänger des Leopard-2-Kampfpanzers der Bundeswehr. Zwischen 1986 und 1992 wurde im A5 eine neue Feuerleitanlage sowie erstmals ein Laserentfernungsmesser eingebaut. Anfang 2023 hatte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) der Ukraine 178 Exemplare in Aussicht gestellt. Beim Nato-Gipfel im Juli erfüllte Deutschland die zwischenzeitlich genannte Zielgröße von 25 gelieferten Leopard-1-A5 im Sommer 2023. © IMAGO / StockTrek Images
Die F-16 wurde in den 1970er Jahren als wendiger, vergleichsweise kostengünstiger und vielfältig einsetzbarer Kampfjet.
Die F-16 wurde in den 1970er Jahren als wendiger, vergleichsweise kostengünstiger und vielfältig einsetzbarer Kampfjet entwickelt. Sie trägt den offiziellen Spitznamen „Fighting Falcon“ (Kämpfender Falke), ist aber auch als „Viper“ bekannt. Der einstrahlige Kampfjet ist mit einer 20-Millimeter-Kanone mit mehreren Läufen bewaffnet und kann mit Luft-Luft-Raketen und Bomben ausgestattet werden. Nach Angaben der US-Luftwaffe erreicht die F-16 Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 2400 Kilometern pro Stunde und kann mehr als 860 Kilometer entfernt liegende Ziele anfliegen, ihre Raketen abfeuern und zum Startpunkt zurückkehren.  © PETRAS MALUKAS/afp
Die USA haben Atacms-Raketen an die Ukraine geliefert.
Die USA haben Atacms-Raketen an die Ukraine geliefert. Nach Abschuss vom Boden fliegen sie eine ballistische Kurve und sollen wieder am Boden detonieren. Obwohl sie als schwer abzufangen gelten, sind sie im Vergleich zu Marschflugkörpern nicht annähernd so präzise. Das liegt vor allem an der Geschwindigkeit. In der Spitze erreichen sie mehr als dreifache Schallgeschwindigkeit (Mach 3). Dieses hohe Tempo von rund 3700 km/h macht es auch deutlich schwerer, die Rakete zu kontrollieren. Bisher haben die USA Atacms mit einer gedrosselten Reichweite von 165 Kilometern geliefert. Die Ukraine wünscht sich aber Atacms mit einer Reichweite von 300 Kilometern. © U.S. Army/Imago
Kampfflugzeug des Typs „Gripen“ aus Schweden
Eigentlich sollte die Ukraine bereits im März 2024 die erste Lieferung von Kampfflugzeugen des Typs „Gripen“ aus Schweden erhalten. Bislang sind aber keine Modelle des von der Firma Saab hergestellten Kampfjets im Kampf gegen Russland. Das wiederum liegt an der Lieferung der F16-Kampfjets an die Ukraine. Um die Luftwaffe des Landes und ihre Piloten nicht zu überfordern, wurde die Lieferung und Ausbildung des Personals an den schwedischen Flugzeugen zunächst ausgesetzt. Geplant sind die Lieferungen nun für 2025. © Sandor Ujvari/dpa

Dennoch wächst der wirtschaftliche Druck. Nach aktueller Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes ist die Lage der russischen Wirtschaft deutlich schlechter als offiziell dargestellt. Moskau versuche, „durch geschönte Zahlen die wahren Kosten seines Angriffskrieges gegen die Ukraine zu verschleiern“, schrieb der Nachrichtendienst auf der Plattform LinkedIn. Auch der ukrainische Analyst Dmytro Kornienko sieht diese Entwicklung. „Nach unserer Einschätzung wird das aktuelle Haushaltsdefizit im Jahr 2026 tatsächlich zwischen sechs und acht Billionen Rubel liegen“, sagt der Gründer der Analyseplattform Resurgam gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Mit einer vollständigen Blockade der Schattenflotte in Ostsee und Schwarzem Meer würde es sogar auf elf bis 14 Billionen Rubel steigen.

„Das stellt ein kritisches Niveau für die makroökonomische Stabilität der Russischen Föderation dar“, sagt Kornienko. „Insbesondere, da sie vom internationalen Bankensystem abgeschnitten ist.“ Der Grund für die Dramatik dieser Zahlen: Öl finanziert nicht nur direkt jeden dritten Rubel im russischen Staatshaushalt. Auch rund ein Drittel der nicht-ölbasierten Branchen hängt indirekt von diesen Einnahmen ab. Ein Einbruch träfe daher die gesamte Wirtschaft – nicht nur den Energiesektor.

„Kinetische Sanktionen“ gegen Russlands Wirtschaft – „selbst begrenzte Maßnahmen zeigen Wirkung“

„Kinetische Sanktionen“, wie Kornienko die ukrainischen Angriffe auf Russlands Ölwirtschaft nennt, hätten wiederholt messbare Effekte. In bestimmten Phasen seien die Verschiffungen deutlich zurückgegangen. Dennoch hat diese Strategie Grenzen. Die Schattenflotte ist groß, ihre Routen flexibel. Beschädigte Infrastruktur kann repariert, Tanker können umgeleitet werden. Zudem fehlen der Ukraine die Mittel, solche Angriffe dauerhaft in großem Maßstab zu führen – auch wegen Einschränkungen durch westliche Partner.

„Aber selbst begrenzte Maßnahmen zeigen Wirkung“, sagt Kornienko. „Das Ende des Krieges liegt im Erreichen wirtschaftlicher Erschöpfung der Russischen Föderation.“ In europäischen sicherheitspolitischen Debatten taucht deshalb immer wieder die Frage auf, ob Russland seine Ölexporte auf alternative Routen verlagern könnte – etwa über die Nordostpassage. Kornienko hält das für eine Fehlannahme. „Das ist technisch unmöglich“, sagt er.

Der russische Ölexport sei seit sowjetischen Zeiten nach Westen ausgerichtet – auf Häfen in der Ostsee und am Schwarzen Meer. Pipelines in Richtung der nördlichen und fernöstlichen Häfen seien bereits ausgelastet. Eine Umleitung der Exportströme wäre daher kaum möglich. Für den Aufbau neuer Infrastruktur wären nach Kornienkos Einschätzung Jahrzehnte und Milliardeninvestitionen erforderlich – Ressourcen, über die Russlands Wirtschaft unter den aktuellen Bedingungen kaum verfügt.

Gefahr durch Russlands Schattenflotte: Vizeadmiral warnt vor hybrider Kriegsführung

Nach Jahren der Sanktionsumgehung hat sich Russlands Schattenflotte weiterentwickelt – und dient dem Kreml inzwischen auch als Instrument im Konflikt mit der NATO. Vizeadmiral Jan-Christian Kaack erklärte Ende Februar gegenüber der The Sunday Times, die Tanker seien längst kein rein kommerzielles Phänomen mehr. Nach seinen Erkenntnissen hätten mindestens drei Schiffe im vergangenen Jahr Drohnen über europäischen Militäranlagen eingesetzt. Ein halbes Dutzend weiterer Tanker steht im Verdacht, durch das gezielte Schleifen ihrer Anker Unterwasserkabel und Gaspipelines in der Ostsee beschädigt zu haben.

Moskau, warnte Kaack, integriere die Schattenflotte zunehmend in sein militärisches System. Einige Schiffe würden von paramilitärischen Einheiten begleitet, andere von russischen Korvetten eskortiert. Eine Bewaffnung einzelner Tanker sei ein logischer nächster Schritt – und würde Boarding-Operationen erheblich erschweren. Gleichzeitig dürfte es Russland kaum gelingen, die gesamte Flotte militärisch zu schützen. Es gibt zu viele Schiffe, zu viele Routen, zu wenig Marine. Also schützt Moskau sie auf andere Weise – durch Einschüchterung.

Nach Beobachtungen der ukrainischen Analyseplattform Resurgam setzt der Kreml dabei gezielt auf Desinformation. „Am einfachsten ist es, durch Desinformation eine Schutzblase zu schaffen“, sagt Dmytro Kornienko. Diese Blase bestehe aus Drohungen und vergleichsweise günstigem Lobbying – und nutze gezielt die Ängste anderer Staaten. „Einschüchterung ist eine klassische Strategie des Kremls, noch aus sowjetischen Zeiten“, sagt Kornienko. Die russische Führung sei es gewohnt, Schwächen und Ängste in Gesellschaften auszunutzen – „doch in der Praxis waren viele dieser Drohungen leere Worte“.

Ein Beispiel: Die Meldung, dass Wagner-Söldner Tanker der Schattenflotte bewachen würden, tauchte zunächst im russischen Medienraum auf – und wurde von dort gezielt in westliche Medien eingespeist. Ziel sei es gewesen, die politischen Kosten eines Eingreifens für europäische Entscheidungsträger zu erhöhen. Kornienkos Empfehlung ist entsprechend nüchtern: „Alles, was nötig ist, ist der politische Wille, die ersten zehn Tanker der Schattenflotte probeweise zu blockieren – um zu zeigen, dass diese Drohungen unbegründet sind.“

„Zwang zum Frieden durch Macht“: Sanktionen gegen Putins Wirtschaft

Kornienkos Rechnung ist klar: Eine vollständige Blockade der Schattenflotte in Ostsee und Schwarzem Meer würde Russlands Haushaltsdefizit auf ein makroökonomisch kritisches Niveau treiben. In Kombination mit dem bereits bestehenden Druck durch den Ölpreisverfall, die Rubelproblematik und die ukrainischen Drohnenangriffe könnte das – nach Einschätzung des Zentrums Resurgam – innerhalb von sechs Monaten einen Waffenstillstand erzwingen. „Zwang zum Frieden durch Macht“, nennt er das.

Präsident Wolodymyr Selenskyj formulierte es ähnlich: „Der einzige Faktor, der die Situation verändern kann, ist wirtschaftlicher Druck auf Russland. Russland muss das Geld für den Krieg ausgehen, damit der Krieg enden kann.“ Die entscheidende Front dieses Krieges verläuft damit nicht nur in den Schützengräben der Ukraine – sondern auch auf den Tankerrouten der Weltmeere. (Quellen: Sunday Times, ZDF, GIS, EPC, Guardian, eigene Recherche) (fbu)

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