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Kurz vor Bundestagswahl

Weidel-Besuch: Orbán ohne „langfristige Pläne“ mit AfD – Ex-EU-Abgeordneter spürt „Moskauer Balsam“

AfD-Chefin und Kanzlerkandidatin Alice Weidel (l.) und Ungarns Premierminister Viktor Orban.
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AfD-Chefin und Kanzlerkandidatin Alice Weidel (l.) und Ungarns Premierminister Viktor Orban.

Alice Weidel trifft Viktor Orbán in Ungarn. Die ungarische Seite hält nicht viel vom Treffen. Dennoch gibt es auch Besorgnis über die Annäherung.

Budapest – Kurz vor der Bundestagswahl am 23. Februar geht es für AfD-Chefin und Kanzlerkandidatin Alice Weidel am Dienstag (11. Februar) in die ungarische Hauptstadt Budapest. Dort steht ein Treffen mit Premierminister Viktor Orbán an. Die Bitte um ein Treffen kam offenbar von Weidel selbst, wie der Regierungschef bestätigte. Weidel spricht von einer Einladung seitens Orbán. Das Fidesz-Lager, die Partei von Orbán, hält jedenfalls nicht viel vom Treffen.

Weidel zu Besuch in Ungarn: Empfang offenbar nur Zeichen der „Höflichkeit“

Die ungarische Ausgabe des Senders Euronews berichtete unter Berufung auf eigene Informationen, mit dem Treffen wolle Orbán keine Öffnung gegenüber der AfD vollziehen. Demnach sagte ein hochrangiger Fidesz-Politiker gegenüber dem Sender, Orbán habe keine „langfristigen Pläne“ mit Weidel. Denn für Ungarn sei die aktuelle deutsche Regierung der eigentliche Partner. Insofern könne man Weidels Empfang nur als ein Zeichen der „Höflichkeit“ sehen, so der Politiker aus der Orbán-Partei.

Darauf deutet auch die Aussage des Kanzleiministers Gergely Gulyás, den Euronews ebenfalls zitierte. Er sagte, die AfD habe „manche Manifestationen, mit denen sich die Regierung Orbáns nicht identifiziert“. Allerdings habe eine Partei ein Treffen beantragt, weshalb die Regierung dies nicht zurückweisen werde. Von Orbán selbst hieß es in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung: „Die AfD könnte 20 Prozent der Stimmen erhalten. Wenn deren Chefin mit mir sprechen will: Warum sollte ich Nein sagen? Wenn Olaf Scholz mich anrufen würde, würde ich ihn auch empfangen.“

Aktuell handelt es sich bei dem Treffen zwischen Weidel und Orbán also eher um eine Formalität, um die Bitte der AfD nach einem Treffen nicht hängenzulassen.

Orbán geht auf Distanz zur AfD: „Verrückte Personen und Ideen“

Gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung hatte der ungarische Premierminister gesagt: „Alice Weidel hat mich angerufen und um ein Treffen gebeten. Ich werde sie nächste Woche in Budapest empfangen.“ Nach Angaben von Weidels Sprecher Daniel Tapp wird die AfD-Kanzlerkandidatin am 11. und 12. Februar für das Gespräch mit Orbán in Budapest sein. Auf der Plattform X schrieb Weidel auf Englisch: „Danke für Ihre Einladung, Herr Ministerpräsident Viktor Orbán. Ich freue mich darauf, Sie zu treffen.“

Noch im Jahr 2023 hatte Orbán in einem Interview mit der Bild-Zeitung betont, man führe keine engere Zusammenarbeit mit der AfD, da man nicht wisse, worum es sich genau handle, ob sie pro- oder anti-europäisch sei. Auch in seinem jüngsten Interview mit der Bild hieß es mit Blick auf die AfD: „Da können verrückte Personen und Ideen auftauchen.“ Man habe keine Erfahrung mit der AfD und keine Beziehungen zu ihr.

In seinem Einladungstweet an Weidel schrieb er jetzt: „Berlin war schon immer eine Stadt von Mauern. Es ist an der Zeit, eine weitere herunterzureißen.“ Womöglich ein Verweis auf die „Brandmauer“ in der deutschen Politik gegen die AfD. Oder aber die eigene Mauer zur AfD. Könnte das Treffen zwischen Weidel und Orbán also doch eine Wende herbeiführen und die beiden Seiten enger zusammenwachsen lassen? Die ungarischen Erklärungen zum Treffen zeigen immerhin: Wohl kaum.

Ungarischer Politiker besorgt über Weidel-Besuch in Budapest: „Moskauer Balsam“?

Dennoch sind nicht alle Seiten beruhigt. So etwa der ehemalige, langjährige ungarische EU-Abgeordnete Istvan Ujhelyi. In einem Beitrag in der Zeitung Index bezeichnete er die Entscheidung von Orbán, Weidel zu empfangen, als „zumindest fraglich“ – vor allem so kurz vor der Bundestagswahl. Denn nicht nur habe die Fidesz bislang eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen, schrieb der Politiker der Ungarischen Sozialistischen Partei.

Außerdem könne er als „Expertennase“ den „Moskauer Balsam“ herausriechen. Denn er warf Orbán, der gute Beziehungen zu Kreml-Chef Wladimir Putin genießt, vor, in Europa nicht „Souveräne“ um sich zu sammeln, sondern „Kremlinisten“. Ujhelyi zufolge passt die AfD „perfekt“ in die Kategorie anderer Parteien in Europa, denen Nähe zu Russland vorgeworfen wird, wie etwa die österreichische FPÖ, aber auch Regierungs- und Staatschefs wie der slowakische Robert Fico und serbische Aleksandar Vučić.

Kanzler Scholz nicht in Top 5: Diese Politiker sind die größten Social-Media-Stars des Bundestags

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Gerade im Wahlkampf ist Social Media unerlässtlich. Doch wer macht hier eigentlich das Rennen vor der Bundestagswahl 2025? Die Agentur „Netzschreier“ hat die Accounts von allen Bundestagsabgeordneten analysiert. Ausgewertet wurden die auf der Bundestagswebsite sowie auf den Homepages der Politiker auffindbaren Profile. So wurden insgesamt 2357 Accounts bei Facebook, Instagram, YouTube, X, LinkedIn und TikTok berücksichtigt (Stand: 14. Januar 2025). Das sind die Top 25 der Abgeordneten – und eine honorable Mention ... © IMAGO/BODE
Platz 25: Kevin Kühnert
Platz 25: Kevin Kühnert. Der SPD-Politiker kommt auf 181.000 Follower. Erst im Oktober 2024 trat Kühnert von seinem Posten als SPD-Generalsekretär zurück, wird auch 2025 nicht wieder für den Bundestag kandidieren. © Michael Kappeler / dpa
Platz 24: Tino Chrupalla. Der Bundesvorsitzende der AfD erreicht insgesamt 199.000 Follower.
Platz 24: Tino Chrupalla. Der Bundesvorsitzende der AfD erreicht insgesamt 199.000 Follower.  © Sebastian Kahnert / dpa
Platz 23: Julia Klöckner. Die ehemalige Landwirtschaftsministerin der CDU kommt bei ihren Accounts auf 206.000 Follower.
Platz 23: Julia Klöckner. Die ehemalige Landwirtschaftsministerin der CDU kommt bei ihren Accounts auf 206.000 Follower. © Sabina Crisan / dpa
Platz 23: Joana Cotar.
Platz 21: Joana Cotar. Die fraktionslose Bundestagsabgeordnete erreicht 207.000 Menschen. Im November 2022 trat sie aus der AfD-Bundestagsfraktion aus. Ihre Begründung: Die Partei habe „zu viele rote Linien überschritten“. © Jörg Carstensen / dpa
Platz 21: Norbert Röttgen: Der CDU-Außenpolitikexperte kommt auf 207.000 Follower – und teilt sich den Platz damit mit Joana Cotar.
Platz 21: Norbert Röttgen: Der CDU-Außenpolitikexperte kommt auf 207.000 Follower – und teilt sich den Platz damit mit Joana Cotar. © Serhat Kocak / dpa
Platz 20: Gottfried Curio
Platz 20: Gottfried Curio. Laut der Auswertung kommt der innenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion auf 223.000 Follower. © Annette Riedl / dpa
Platz 19: Lars Klingbeil. Beim SPD-Bundesvorsitzenden tummeln sich 275.000 Follower.
Platz 19: Lars Klingbeil. Beim SPD-Bundesvorsitzenden tummeln sich 275.000 Follower. © Michael Kappeler / dpa
Platz 18: Katrin Göring-Eckardt. Die Grünen-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin kommt auf 298.000 Follower in den sozialen Netzwerken.
Platz 18: Katrin Göring-Eckardt. Die Grünen-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin kommt auf 298.000 Follower in den sozialen Netzwerken. © Matthias Bein / dpa
Platz 17: Ricarda Lang. Die ehemalige Vorsitzende der Grünen kommt auf 298.000 Follower.
Platz 17: Ricarda Lang. Die ehemalige Vorsitzende der Grünen kommt auf 298.000 Follower. © Michael Kappeler / dpa
Platz 16: Roger Beckamp. Der AfD-Politiker kommt auf 300.000 Follower.
Platz 16: Roger Beckamp. Der AfD-Politiker kommt auf 300.000 Follower. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Platz 15: Armin Laschet. Der ehemalige Kanzlerkandidat der CDU schafft es auf 324.000 Follower.
Platz 15: Armin Laschet. Der ehemalige Kanzlerkandidat der CDU schafft es auf 324.000 Follower.  © Rolf Vennenbernd / dpa
Platz 14: Beatrix von Storch. Die stellvertretende Bundessprecherin der AfD erreicht via Social Media 382.000 Follower.
Platz 14: Beatrix von Storch. Die stellvertretende Bundessprecherin der AfD erreicht via Social Media 382.000 Follower. © Annette Riedl / dpa
Platz 13: Martin Sichert. Auf 393.000 Follower kommt der AfD-Politiker.
Platz 13: Martin Sichert. Auf 393.000 Follower kommt der AfD-Politiker. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Platz 12: Heidi Reichinek. Die Politikerin mit 419.000 Followern ist seit Februar 2024 Co-Vorsitzende der Bundestagsgruppe die Linke.
Platz 12: Heidi Reichinek. Die Politikerin mit 419.000 Followern ist seit Februar 2024 Co-Vorsitzende der Bundestagsgruppe die Linke. © Fabian Sommer / dpa
Platz 11: Jens Spahn. Dem ehemaligen Gesundheitsminister der CDU folgen online 647.000 Menschen.
Platz 11: Jens Spahn. Dem ehemaligen Gesundheitsminister der CDU folgen online 647.000 Menschen. © Sebastian Willnow / dpa
Platz 10: Cem Özdemir. Der Grünen-Politiker ist Minister für Ernährung und Landwirtschaft. Online folgen ihm 684.000 Leute.
Platz 10: Cem Özdemir. Der Grünen-Politiker ist Minister für Ernährung und Landwirtschaft. Online folgen ihm 684.000 Leute. © Hannes P Albert / dpa
Platz 9: Friedrich Merz. Der Kanzlerkandidat der CDU hat auf seinen Kanälen in den sozialen Medien 799.000 Follower.
Platz 9: Friedrich Merz. Der Kanzlerkandidat der CDU hat auf seinen Kanälen in den sozialen Medien 799.000 Follower. © Michael Buholzer / dpa
Platz 8: Robert Habeck: Der Kanzlerkandidat der Grünen überflügelt seinen Konkurrenten von der CDU, kommt auf 965.000 Follower.
Platz 8: Robert Habeck: Der Kanzlerkandidat der Grünen überflügelt seinen Konkurrenten von der CDU, kommt auf 965.000 Follower. © Markus Schreiber / dpa
Platz 7: Gergor Gysi. Die Linken-Legende durchbricht als erster Kandidat die Millionen-Schallmauer. 1,13 Millionen Menschen folgen ihm.
Platz 7: Gergor Gysi. Die Linken-Legende durchbricht als erster Kandidat die Millionen-Schallmauer. 1,13 Millionen Menschen folgen ihm. © Sebastian Gollnow / dpa
Platz 6: Olaf Scholz. Der Bundeskanzler der SPD kommt mit seinen Profilen auf 1,14 Millionen Follower.
Platz 6: Olaf Scholz. Der Bundeskanzler der SPD kommt mit seinen Profilen auf 1,14 Millionen Follower. Nicht mit eingerechnet ist da aber etwa der Bundeskanzler-Instagram-Account, der alleine zwei Millionen Follower zählt (Stand: 22. Januar). © Kay Nietfeld / dpa
Platz 5: Annalena Baerbock. Die Außenministerin von den Grünen hat 1,48 Millionen Follower auf Social Media.
Platz 5: Annalena Baerbock. Die Außenministerin von den Grünen hat 1,48 Millionen Follower auf Social Media. © Daniel Löb / dpa
Platz 4: Karl Lauterbach. Der Gesundheitsminister der SPD hat bereits 1,65 Millionen Follower angesammelt.
Platz 4: Karl Lauterbach. Der Gesundheitsminister der SPD hat bereits 1,65 Millionen Follower angesammelt.  © Thomas Banneyer / dpa
Platz 3: Christian Lindner.
Platz 3: Christian Lindner. Der ehemalige Bundesminister der Finanzen und aktuelle Vorsitzende der FDP schnappt sich mit 1,84 Millionen Followern den untersten Podestplatz. © Michael Kappeler / dpa
Platz 2: Alice Weidel.
Platz 2: Alice Weidel. Die Kanzlerkandidatin der AfD soll laut der „Netzschreier“-Analyse alleine zwischen Mitte Dezember 2024 und Mitte Januar 2025 über 370.000 Follower auf X zugelegt haben – wohl auch wegen X-Besitzer Elon Musk, der ihr dort eine Bühne bot. Insgesamt kommt Weidel auf 2,74 Millionen Follower. © Christian Charisius / dpa
Platz 1: Sahra Wagenknecht.
Platz 1: Sahra Wagenknecht. Die Namensgeberin ihrer Partei, des BSW, schnappt sich den ersten Podestplatz im Ranking. 2,92 Millionen Follower hat sie auf Social Media. Allein 745.000 davon kommen via Facebook. © Hannes P Albert / dpa
Honorable Mention: Markus Söder.
Honorable Mention: Markus Söder. Der CSU-Chef und Ministerpräsident von Bayern ist einer der bekanntesten „Influencer“ im Politik-Kosmos – auch wegen seiner vielen Essensbilder. Allein mit seinem Instagram-Account kommt er auf über 660.000 Follower (Stand: 22. Januar) und wäre damit schon auf Rang 11. Söder ist allerdings nicht im Bundestag, wurde daher nicht in der Analyse berücksichtigt. © Oliver Berg / dpa

AfD lobt Kurs von Viktor Orbán: Doch Budapest will Beitritt zu EU-Fraktion nicht zulassen

Die AfD betont seit Jahren ihre Nähe zur rechtspopulistischen und EU-kritischen Politik des seit 2010 in Ungarn regierenden Orbán. Im vergangenen Jahr sagte Weidel, sie habe volle Bewunderung für Orbán. Die AfD, die im Europaparlament der frisch im Juli 2024 gegründeten Fraktion „Europa der Souveränen Nationen“ angehört, kann sich außerdem einen Beitritt in die von Orbán ebenfalls im Juli 2024 gegründete Fraktion „Patrioten für Europa“ vorstellen.

Bei den „Patrioten“ stößt dies aber auf wenig Gegenliebe. Denn die Fraktion besteht großteils aus ehemaligen Mitgliedern der „Fraktion Identität und Demokratie“, aus der die AfD ohnehin kurz vor der Europawahl 2024 ausgeschlossen worden war. Unter anderem wegen der SS-Verherrlichung des AfD-Spitzenkandidaten Maximillian Krah. Derzeit steht ein Beitritt der AfD in die Orbán-Fraktion außer Frage. Der von Euronews zitierte Kanzleiminister Gulyás sagte, ein Beitritt sei „kurzfristig unwahrscheinlich“. Über mittel- und langfristig sagte er jedenfalls nichts.

Ungarischen Medien zufolge wird es außerdem auch eine Pressekonferenz der beiden geben. Spätestens dort wird sich zeigen, ob der Besuch nur eine Formalität, oder doch mehr ist. (bb)

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