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Zwischenfall im Ostchinesischen Meer

„Besorgniserregende Situation“: Chinesische und russische Marineschiffe vor japanischer Inselgruppe gesichtet

Japan will „entschlossen“ reagieren: Zum ersten Mal seit vier Jahren wurde ein Schiff der chinesischen Marine im Gebiet der umstrittenen Senkaku-Inseln gesichtet.

München/Tokio/Peking – Japan spricht von einer „sehr besorgniserregenden Situation“: Am Montagmorgen wurden eine chinesische Fregatte und ein russisches Kriegsschiff vor der Küste der Senkaku-Inseln gesichtet, wie die Regierung in Tokio mitteilte. Die Inselgruppe im Ostchinesischen Meer wird von Japan kontrolliert, aber auch von China beansprucht.

Auf Chinesisch werden die unbewohnten Inseln „Diaoyu“ genannt. „Wir haben ernste Bedenken geäußert und auf diplomatischem Wege bei der chinesischen Seite Protest eingelegt und sie aufgefordert, eine Wiederholung ähnlicher Vorfälle zu verhindern“, sagte der stellvertretende japanische Kabinettschef Seiji Kihara. Die Inseln seien „sowohl aus historischer als auch aus völkerrechtlicher Sicht japanisches Hoheitsgebiet“. Japan werde „entschlossen, aber ruhig“ auf ähnliche Schritte reagieren, so Kihara weiter.

Schiffe der chinesischen (hinten) und japanischen Küstenwache im Gebiet der Senkaku-Insel im Jahr 2013: In der Region nehmen die Zwischenfälle zu.

Russisches Schiff dringt in japanischen Gewässer ein - Chinesisches Schiff verfolgt es

Japanische Medien berichteten unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Tokio, dass zunächst das russische Schiff in die japanischen Gewässer eingedrungen sei, offenbar, um dort Schutz vor einem Taifun zu suchen. Dabei sei es von dem chinesischen Schiff verfolgt worden. Ein Sprecher des japanischen Verteidigungsministeriums vermutete, das chinesische Schiff habe den Anschein erwecken wollen, als würde es in seinem eigenen Territorium patrouillieren, um so den territorialen Anspruch Pekings auf die Senkaku-Inseln zu demonstrieren.

Das Vorgehen, so der Sprecher, habe „einseitig die Spannungen erhöht“. Wie der japanische Fernsehsender NHK berichtete, handelt es sich bei dem Vorfall vom Montag um das erste Mal seit 2018, dass ein Schiff der chinesischen Marine in der Nähe der Senkaku-Inseln gesichtet wurde. Schiffe der Küstenwache würden hingegen häufiger in dem Gebiet beobachtet. Japan hatte erst kürzlich gegen Erkundungsarbeiten an einem möglichen Gasfeld in der Nähe der Inseln durch China demonstriert.

Die Geschichte der Volksrepublik China von 1949 bis heute

Am 1. Oktober 1949 ruft Mao Zedong in Peking die Volksrepublik China aus.
Am 1. Oktober 1949 ruft Mao Zedong in Peking die Volksrepublik China aus. Zuvor hatten sich Maos Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg gegen die Nationalisten durchgesetzt, die nach Taiwan geflohen waren. © Xinhua/Imago
Mit dem „Großen Sprung nach Vorne“ (1958-1961) sollte die Produktion vorangetrieben werden.
Eines der Hauptziele der neuen Regierung war die wirtschaftliche Entwicklung des verarmten Chinas. Mit dem „Großen Sprung nach Vorne“ (1958-1961) sollte die Produktion vorangetrieben werden. Doch Fehler in der Planung und Naturkatastrophen sorgen für eine Hungersnot, der 15 bis 55 Millionen Menschen zum Opfer fielen. © agefotostock/Imago
1959 kam es in Tibet zu einem Aufstand gegen die Besatzer.
Bereits kurz nach der Machtübernahme besetzte die chinesische Volksbefreiungsarmee das bis dahin faktisch unabhängige Tibet. 1959 kam es zu einem Aufstand gegen die Besatzer, woraufhin der Dalai Lama das Land verlassen musste. Heute lebt er im indischen Exil. © United Archives International/Imago
Von 1966 bis 1976 erschütterte die Kulturrevolution China.
Von 1966 bis 1976 erschütterte die Kulturrevolution China. Mit der Kampagne wollte Mao mit den Mitteln des Klassenkampfes die chinesische Gesellschaft von „konterrevolutionären“ Elementen befreien; zudem zementierte er seine Macht an der Spitze des Staates. Der Kulturrevolution fielen Hunderttausende Menschen zum Opfer. © Photos12/Imago
1972 besuchte mit Richard Nixon erstmals ein US-Präsident die Volksrepublik.
Anfang der 70er-Jahre öffnete sich China aber auch nach Westen. 1972 besuchte mit Richard Nixon erstmals ein US-Präsident die Volksrepublik. Im selben Jahr nahm Deutschland diplomatische Beziehungen mit Peking auf. © agefotostock/Imagao
Nach einem parteiinternen Machtkampf setzte sich schließlich Deng Xiaoping als neuer Führer der Volksrepublik durch.
Mao starb 1976. Nach einem parteiinternen Machtkampf setzte sich schließlich Deng Xiaoping als neuer Führer der Volksrepublik durch. Deng leitete die Geschicke Chinas bis zu seinem Tod im Jahr 1997. © Zuma/Keystone/Imago
Deng Xiaoping trieb die Öffnung Chinas voran.
Deng Xiaoping trieb die Öffnung Chinas voran. Demokratische Reformen blieben aus, die Wirtschaft entwickelte sich allerdings rasant. Auch ausländische Unternehmen wie Volkswagen engagierten sich nun in China. © Sepp Spiegl/Imago
Im Frühjahr 1989 kam es in Peking zu Demonstrationen von Studenten, die Reformen und eine Demokratisierung Chinas forderten. In der Nacht auf den 4. Juni 1989 eskalierte die Lage, der Tiananmen-Platz im Herzen Pekings wurde geräumt, die Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Hunderte Menschen starben.
Im Frühjahr 1989 kam es in Peking zu Demonstrationen von Studenten, die Reformen und eine Demokratisierung Chinas forderten. In der Nacht auf den 4. Juni 1989 eskalierte die Lage, der Tiananmen-Platz im Herzen Pekings wurde geräumt, die Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Hunderte Menschen starben. © Jeff Widener/dpa
Am 1. Juli 1997 wurde Hongkong, die ehemalige britische Kronkolonie, an China zurückgegeben.
Am 1. Juli 1997 wurde Hongkong, die ehemalige britische Kronkolonie, an China zurückgegeben. Gouverneur Chris Patten erhielt die eingeholte britische Nationalflagge, die chinesische Flagge wurde gehisst.  © UPI Photo/Imago
Heute ist Shanghai das wirtschaftliche Zentrum des Landes, dort befindet sich auch der größte Hafen der Welt.
Chinas Wirtschaft entwickelte sich in den 90er-Jahren, vor allem aber ab dem Beitritt der Volksrepublik zur Welthandelsorganisation 2001, rasant. Heute ist Shanghai das wirtschaftliche Zentrum des Landes, dort befindet sich auch der größte Hafen der Welt. © Ivan Tykhyi/Imago
Unter Xi Jinping, seit 2012 Parteichef und seit 2013 Staatspräsident, wird China immer autoritärer regiert.
Trotz des wirtschaftlichen Erfolgs: Der Handel mit dem Westen brachte China keinen demokratischen Wandel - im Gegenteil. Unter Xi Jinping, seit 2012 Parteichef und seit 2013 Staatspräsident, wird China immer autoritärer regiert. Es entstand ein neuer Personenkult, der an die Mao-Ära erinnert. © UPI Photo/Imago
In der Provinz Xinjiang gingen die Behörden gegen die muslimischen Uiguren vor. Hunderttausende Menschen sollen dort in Umerziehungslagern eingesperrt sein.
China wurde immer mehr zum Polizei- und Überwachungsstaat. In Hongkong wurde die Demokratiebewegung brutal niedergeschlagen, in der Provinz Xinjiang gingen die Behörden gegen die muslimischen Uiguren vor. Hunderttausende Menschen sollen dort in Umerziehungslagern eingesperrt sein. © UPI Photo/Imago

China beansprucht die umstrittenen Inseln für sich: „Diaoyu-Inseln sind Chinas ureigenes Territorium“

In Peking wies das Außenministerium die Anschuldigungen zurück. „Die Diaoyu-Inseln und ihre Nebeninseln sind Chinas ureigenes Territorium“, sagte Außenamtssprecher Zhao Lijian. „Chinas Schiffe operieren rechtmäßig in den nahen Gewässern, sodass Japan kein Recht hat, etwas zu sagen.“ Auf die Frage eines japanischen Journalisten, ob es sich um eine gemeinsame Aktion von Russland und China gehandelt habe, sagte Zhao: „Das ist Ihre persönliche Interpretation.“

Auch anderswo in der Region nahmen die Spannungen zuletzt zu. Ende Juni wurden drei chinesische Kriegsschiffe gesichtet, die auf einer ungewöhnlichen Route südöstlich der japanischen Präfektur Chiba unterwegs waren – nur Tage, nachdem sieben russische Schiffe nahe gelegene Gewässer durchquert hatten. Im Oktober 2021 hatten zudem zehn russische und chinesische Schiffe gemeinsam einmal Japan umrundet. Auch in der Luft kam es in der Gegend immer wieder zu Zwischenfällen. So hatte Japan im Mai mehrere Kampfjets in die Luft geschickt, um chinesische und russische Bomber aus Gewässern in der Nähe des Inselstaats zu vertreiben.

Die Senkaku-Inseln werden von Japan kontrolliert, aber von China beansprucht.

China provoziert Taiwan in der Luft – Vorboten einer Invasion?

Zudem häufen sich seit Jahresbeginn die chinesischen Provokationen gegenüber Taiwan. Peking betrachtet den demokratisch regierten Inselstaat als Teil des eigenen Staatsgebiets und droht mit einer Invasion des Landes. Seit Anfang des Jahres drangen chinesische Kampfjets mehr als 500-mal in die taiwanische Luftverteidigungszone (Air Defense Identification Zone/ADIZ) ein, zuletzt im Juni.

Die ADIZ ist nicht der Luftraum über Staatsgebiet und Hoheitsgewässern eines Landes, sondern bezeichnet eine Luftraumüberwachungszone, in der sich durchquerende Flugzeuge identifizieren und regelmäßig ihre Koordinaten bekannt geben müssen. Staaten nutzen die ADIZ als eine Art Pufferzone, sie ist aber nicht völkerrechtlich als Hoheitsgebiet geschützt. Bei dem Vorfall im Juni waren 29 chinesische Jets in die taiwanische ADIZ eingedrungen, bei einem ähnlichen Vorfall Ende Mai waren es 30 Kampfflugzeuge.

Mitte Juni hatte die chinesische Regierung zudem die Sprachregelung in Bezug auf die Taiwanstraße geändert. Die Meeresenge trennt die Volksrepublik China von Taiwan. Es handle sich bei dem Gebiet nicht um „internationale Gewässer“, so Peking, sondern um ausschließlich chinesisches Seegebiet; schließlich sei Taiwan ein Teil der Volksrepublik. Entsprechend gebe es auch keine taiwanischen Hoheitsgebiete, die verletzt werden könnten. Beobachter vermuten, dass die neue Sprachregelung auch dazu dienen könnte, eine mögliche Invasion Taiwans nicht als Krieg zu bezeichnen, sondern als eine Art militärischer Spezialoperation.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte unlängst neue Pläne genehmigt, die es den Streitkräften des Landes erlauben, im Ausland militärische Operationen durchzuführen, sofern es sich dabei um Operationen handelt, „die nicht Krieg sind“. Eine Definition, die Peking auch im Falle eines Angriffs auf Taiwan bemühen könnte. (sh)

Rubriklistenbild: © Kyodo News/Imago

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