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Kommunikation an der Front

„Also wie genau sollen wir gewinnen?“: Putins Telegram-Verbot stürzt eigene Armee ins Chaos

Das Putin-Regime will, dass die russische Armee und Zivilbevölkerung eine vom Kreml kontrollierte App benutzen. Dafür kommt Widerspruch.

Russische Soldaten und Militärblogger haben gegen den Kreml gewettert, nachdem dieser den Zugang zur Messenger-App Telegram eingeschränkt hat. Weitverbreitete Störungen der App wurden Anfang der Woche gemeldet, als Roskomnadsor, die russische Medienaufsicht, ankündigte, die bislang schärfsten Beschränkungen für den Betrieb von Telegram zu verhängen. Die Internetaufsicht erklärte, der Schritt solle russische Bürger vor „kriminellen und terroristischen“ Inhalten schützen, in Moskaus jüngster Verschärfung des Vorgehens gegen das freie Internet.

Moskau will mit der Blockade des berühmt-berüchtigten Messengers das eigene Netzwerk „Max“ fördern.

Roskomnadsor, das sich seit Jahren für ein „souveränes Internet“ frei von westlichem Einfluss einsetzt, hat in den vergangenen sechs Monaten mindestens dreimal neue Beschränkungen für Telegram und WhatsApp verhängt und im August Audio- und Videoanrufe auf beiden Plattformen blockiert. Mindestens drei Viertel der russischen Bevölkerung über 13 Jahren nutzen Telegram regelmäßig, darunter Militär, Kremlbeamte, Staatsmedien und Regierungsstellen – einschließlich Roskomnadsor selbst. Einheiten an der Front in der Ukraine nutzen sie bekanntermaßen, um Angriffsziele zu übermitteln und anfliegende Drohnen zu verfolgen.

Sogar Putin-nahe Blogger kritisieren Entscheidung zu Telegram

Nach Elon Musks Abschaltung von Starlink hat die Ankündigung Empörung ausgelöst, insbesondere unter Russlands Militärbloggern, die den Krieg befürworten und auf Telegram fortlaufend über den Konflikt berichten, sich aber zunehmend kritisch gegenüber dem Staat gezeigt und diesen vor Probleme gestellt haben. Milblogger sind ein fester Bestandteil der Informationssphäre des Krieges für gewöhnliche Russen und agieren außerhalb der streng überwachten Narrative der Staatsmedien. Sie haben eine direkte Verbindung zu Frontsoldaten, die exklusive Meldungen und Kampfaufnahmen liefern, die Blogger wiederum nutzen, um über ihre millionenstarken Kanäle Spenden für lebenswichtige Ausrüstung und Material zu sammeln.

„Tausende Soldaten werden ohne Kommunikation dastehen, was angesichts der laufenden Offensive zu tödlichen Folgen führen wird“, warnte der Kanal Archangel Spetsnaza, der 1,1 Millionen Abonnenten hat. Alexander Sladkow, ein prominenter Militärkorrespondent, sagte: „Der Westen hat uns mit dem Starlink-Ausfall bereits für zwei Tage k. o. geschlagen, und jetzt begraben wir auch noch diesen Befehlskanal und diese Kommunikationsmöglichkeit. Also wie genau sollen wir gewinnen, mit welchen Werkzeugen? Erdnüssen und TA-57-Feldtelefonen aus Sowjetzeiten?“

Epstein-Fotos veröffentlicht: Erschreckende Bilder von Trump, Gates und Co.

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton taucht öfter in den Epstein-Akten auf – hier mit einer Frau auf dem Schoß.
Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton taucht öfter in den Epstein-Akten auf – hier mit einer Frau auf dem Schoß. © Department Of Justice/imago
Ein Foto aus den neuesten Veröffentlichungen der Epstein-Files zeigt Clinton schwimmend in einem Pool mit der Epstein-Vertrauten Ghislaine Maxwell und einer weiteren Frau, deren Gesicht geschwärzt ist.
Ein Foto aus den neuesten Veröffentlichungen der Epstein-Files zeigt Clinton schwimmend in einem Pool mit der Epstein-Vertrauten Ghislaine Maxwell und einer weiteren Frau, deren Gesicht geschwärzt ist. © Department Of Justice/imago
Auch das britische Königshaus ist in den neu veröffentlichten Fotos vertreten – in Form von Prinz Andrew, der es sich auf einer Reihe von Frauen bequem gemacht hat und der in Folge seiner Verbindungen zu Epstein von seinen royalen Verpflichtungen zurücktreten musste.
Auch das britische Königshaus ist in den neu veröffentlichten Fotos vertreten – in Form von Prinz Andrew, der es sich hier auf einer Reihe von Frauen bequem gemacht hat und der in Folge seiner Verbindungen zu Epstein von seinen royalen Verpflichtungen zurücktreten musste. © Department Of Justice/imago
Auch Zauberer David Copperfield ist in den neu veröffentlichten Epstein-Fotos in vertrauter Pose mit Ghislaine Maxwell im Bademantel zu sehen.
Auch Zauberer David Copperfield ist in den neu veröffentlichten Epstein-Fotos in vertrauter Pose mit Ghislaine Maxwell im Bademantel zu sehen. © Department Of Justice/imago
Die Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell gilt als gut vernetzt. Das Foto zeigt sie mit Rolling Stones-Frontmann Mick Jagger.
Die Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell gilt als gut vernetzt. Das Foto zeigt sie mit Rolling Stones-Frontmann Mick Jagger. © Department Of Justice/imago
Auch „King of Pop“ Michael Jackson hat sich mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ablichten lassen.
Auch „King of Pop“ Michael Jackson hat sich mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ablichten lassen.  © Department Of Justice/imago
Hier kocht Epstein mit Sultan Ahmed bin Sulayem, einem Geschäftsmann aus Dubai.
Die Demokraten haben weitere Fotos im Missbrauchsskandal um Jeffrey Epstein veröffentlich. Die Aufnahmen zeigen den verstorbenen Sexualstraftäter im Kontakt mit Promis und Politikern. Hier kocht Epstein mit Sultan Ahmed bin Sulayem, einem Geschäftsmann aus Dubai. © imago
n Bord von Epsteins Privatflugzeug
Zahlreiche Bilder zeigen Jeffrey Epstein in Begleitung junger Frauen, die mutmaßlich zu den Opfern des New Yorkers gehörten. Die Gesichter der Frauen sind unkenntlich gemacht, wie in diesem Bild, das wohl an Bord von Epsteins Privatflugzeug entstand. © imago
Zu Gast an Bord von Jeffrey Epsteins Flugzeug war auch Noam Chomsky, Wissenschaftler, Autor und politischer Aktivist.
Zu Gast an Bord von Jeffrey Epsteins Flugzeug war auch Noam Chomsky, Wissenschaftler, Autor und politischer Aktivist. © imago
Palm Beach
Epstein soll zwischen 2002 und 2005 minderjährige Mädchen mit Geld angelockt und sexuell missbraucht haben, unter anderem in New York, auf seiner Privatinsel Little St. James in der Karibik und in Florida. Sein Haus in Palm Beach lag nicht weit von Donald Trumps Anwesen Mar-a-Lago entfernt.  © Pedro Portal/Imago
Dean Kamen und Richard Branson, Chef des „Virgin“-Konzerns.
Mit seinem Flugzeug flog Jeffrey Epstein regelmäßig seine Privatinsel an, auf der er jahrelang Frauen und Mädchen missbraucht haben soll. Zu Gast auf der Insel waren, wie dieses Foto zeigt, auch Unternehmer Dean Kamen und Richard Branson, Chef des „Virgin“-Konzerns. © imago
Auf seinem Eiland, das zu den amerikanischen Jungferinseln zählt, soll Jeffrey Epstein zahlreiche Räume für seine Missbrauchspraktiken ausgerüstet haben.
Auf seinem Eiland, das zu den amerikanischen Jungferinseln zählt, soll Jeffrey Epstein zahlreiche Räume für seine Missbrauchspraktiken ausgerüstet haben. © imago
Weitere Aufnahmen von Jeffrey Epstein in Begleitung mehrerer junger Frauen. Der Ort des Bildes ist unbekannt.
Weitere Aufnahmen von Jeffrey Epstein in Begleitung mehrerer junger Frauen. Der Ort des Bildes ist unbekannt. © imago
Zu den engen Freunden Jeffrey Epstein gehörte offenbar auch Regisseur Woody Allen.
Zu den engen Freunden Jeffrey Epstein gehörte offenbar auch Regisseur Woody Allen. © imago
Hier ist der Regisseur an Bord eines Flugzeugs in Begleitung von Larry Summers zu sehen
Woody Allen taucht mehrmals auf Bildern aus den Epstein-Akten auf. Hier ist der Regisseur an Bord eines Flugzeugs in Begleitung von Larry Summers zu sehen. Der Professor für Wirtschaftswissenschaften war in den 1990er Jahren Chefökonom der Weltbank und Finanzminister im Kabinett von US-Präsident Bill Clinton. © imago
Woody Allen Arm in Arm mit Jeffrey Epstein.
Woody Allen Arm in Arm mit Jeffrey Epstein. © imago
Clinton zu den engen Freunden Jeffrey Epsteins
Dass Clinton zu den engen Freunden Jeffrey Epsteins gehörte, war bereits seit langem bekannt. Der ehemalige Präsident und Ehemann der späteren Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, ist auf zahlreichen Fotos gemeinsam mit dem Sexualstraftäter zu sehen. © imago
Ein weiterer enger Freund Jeffrey Epsteins: Bill Gates. Der Microsoft-Gründer und einstiger reichster Mensch der Welt ist auf diesem Bild aus den Epstein-Akten zu sehen.
Ebenfalls ein enger Freund Jeffrey Epsteins: Bill Gates. Der Microsoft-Gründer war früher mal der reichste Mensch der Welt, lebt mittlerweile in Scheidung und taucht mehrfach in den Epstein-Akten auf. © imago
Ein weiteres Foto von Bill Gates aus den Epstein-Akten.
Ein weiteres Foto von Bill Gates aus den Epstein-Akten. © imago
Jeffrey Epstein beim Dinner.
Jeffrey Epstein beim Dinner. Der Sexualstraftäter wurde 2019 verhaftet. Kurz darauf soll er in seiner Zelle Selbstmord begangen haben.  © imago
Jeffrey Epstein in Begleitung von Woody Allen und David Blaine
Diese Aufnahme zeigt Jeffrey Epstein in Begleitung von Woody Allen und David Blaine, einem Zauberkünstler aus den USA, der in den 1990er Jahren zum Star wurde. Blaine stammt wie Epstein aus den USA. © imago
Ort oder Zeitpunkt der Aufnahmen sind in den meisten Fällen nicht bekannt. Das gilt auch für dieses Foto, das Epstein im Kreis mehrerer Männer zeigt.
Ort oder Zeitpunkt der Aufnahmen sind in den meisten Fällen nicht bekannt. Das gilt auch für dieses Foto, das Epstein im Kreis mehrerer Männer zeigt. © imago
Alan Dershowitz und Jeffrey Epstein
Ein Foto zeigt Alan Dershowitz und Jeffrey Epstein. Der Star-Jurist, der sich einst gegen Donald Trump aussprach, ihn dann aber in vielen Fällen verteidigte, verteidigte unter anderem OJ Simpson, Mike Tyson – und Epstein. 2019 reichte Virginia Roberts Giuffre in Zusammenhang Klage gegen Dershowitz wegen sexuellen Missbrauchs und Rufschädigung ein. Dershowitz reagierte mit einer Gegenklage. Im November 2022 zog Giuffre ihre Klage gegen Dershowitz zurück. Drei Jahre später nahm Giuffre sich das Leben. © imago
Das berühmteste Gesicht, das sich auf den Bildern der Epstein-Akten findet, gehört Donald Trump.
Das berühmteste Gesicht, das sich auf den Bildern der Epstein-Akten findet, gehört Donald Trump. Der heutige US-Präsident pflegte vor seiner Zeit als Politiker eine freundschaftliche Beziehung zu Jeffrey Epstein. Das belegen mehrere Grußkarten, Briefe und Fotos. © imago
Trump und Epstein
Trump und Epstein lernten sich in der New Yorker High Society kennen. „Ich kenne Jeff seit 15 Jahren. Ein toller Kerl“, sagte Trump 2002 gegenüber dem New York Magazine. „Es macht viel Spaß, mit ihm zusammen zu sein. Man sagt sogar, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich, und viele von ihnen sind eher jünger.“ © imago
Trump selbst bestritt immer wieder, in engem Kontakt zu Jeffrey Epstein gestanden zu haben.
Trump selbst bestritt immer wieder, in engem Kontakt zu Jeffrey Epstein gestanden zu haben. Doch immer mehr Fotos, die den heutigen US-Präsidenten bei Parties mit Epstein und in Begleitung zahlreicher jungen Frauen zeigen, deuten etwas anderes. © imago
Melania Trump, Donald Trump und Heidi Klum posieren für die Kameras.
Über Jeffrey Epstein soll Donald Trump in Kontakt zu Prince Andrew gekommen sein - ein weiterer enger Vertrauter des Sexualstraftäters. Epsteins Freundin und Komplizin Ghislaine Maxwell soll Trump und Andrew auf einer Party von Supermodel Heidi Klum bekannt gemacht haben. © imago
Im Austausch standen weitere Männer aus dem Dunstkreis von Donald Trump. Dieses Foto zeigt Trumps ehemaligem Berater, Steve Bannon. Der ultrarechte Vordenker traf sich mehrfach mit dem Sexualstraftäter, wie aus den Epstein-Akten hervorgeht.
Im Austausch standen weitere Männer aus dem Dunstkreis von Donald Trump. Dieses Foto zeigt Trumps ehemaligem Berater, Steve Bannon. Der ultrarechte Vordenker traf sich mehrfach mit dem Sexualstraftäter, wie aus den Epstein-Akten hervorgeht. © imago
Andere Fotos zeigen im Epstein-Fall sichergestellte Pässe. Dieser soll einer Frau aus Russland gehört haben. Wie die Pässe in Epsteins Besitz gekommen sind, ist unklar.
Andere Fotos zeigen im Epstein-Fall sichergestellte Pässe. Dieser soll einer Frau aus Russland gehört haben. Wie die Pässe in Epsteins Besitz gekommen sind, ist unklar. © afp
Dieser Pass soll einer Frau aus Litauen gehört haben. Auch er wurde offenbar im Besitz von Jeffrey Epstein gefunden.
Dieser Pass soll einer Frau aus Litauen gehört haben. Auch er wurde offenbar im Besitz von Jeffrey Epstein gefunden. © afp
Ein Foto der Epstein-Akten zeigt den Fuß einer Frau, auf dem ein Zitat aus Wladimir Nabokows Roman „Lolita“ geschrieben ist: „Sie war Lo, einfach Lo, am Morgen, vier Fuß zehn groß, in einer Socke stehend.“
Ein Foto der Epstein-Akten zeigt den Fuß einer Frau, auf dem ein Zitat aus Wladimir Nabokows Roman „Lolita“ geschrieben ist: „Sie war Lo, einfach Lo, am Morgen, vier Fuß zehn groß, in einer Socke stehend.“ © imago
Ein weiteres Zitat aus Nabokows „Lolita“ findet sich auf den Nacken einer Frau geschrieben.
Ein weiteres Zitat aus Nabokows „Lolita“ findet sich auf den Nacken einer Frau geschrieben. © imago

Ukraine-Krieg: Kommunikationsprobleme und Abhängigkeit auf der russischen Seite

Jegor Cholmogorow, ein russischer nationalistischer Z-Blogger, schimpfte: „Wenn irgendwelche Leute, die aus dem Nichts an die Macht gekommen sind, anfangen, sie [Kremlbeamte] in das berüchtigte Den Haager Gericht zu schleppen, wird keiner auch nur einen Mucks von sich geben.“

Das am Dienstag von Roskomnadsor verkündete Verbot hat die Debatte neu entfacht, wie Russlands Bürokratie weiterhin die Kriegsanstrengungen behindert. Fast vier Jahre nach Beginn der Invasion fehlt dem Militär immer noch ein sicheres, im Inland produziertes System; es bleibt abhängig von privat betriebenen Kommunikationsplattformen. In weiten Teilen der russischen Armee, bis hinunter auf Zug-Ebene, sind Telegram-Chats zu improvisierten logistischen Umschlagplätzen geworden, auf denen Einheiten Spendenaktionen koordinieren und Munition sowie Ausrüstung beschaffen können.

Die App scheint zudem auf höherer Ebene zum Aufbau provisorischer „Aufklärungs-Schlagnetzwerke“ zu dienen, über die der Militärgeheimdienst Zielkoordinaten direkt an Artillerie- und Fliegereinheiten übermitteln kann und so die offiziellen Befehlskanäle umgeht. Einige äußerten die Befürchtung, dass Russlands bodengebundene Luftabwehr im Blindflug unterwegs sein könnte, da mobile Teams auf die App angewiesen sind, um ukrainische Langstreckendrohnen zu verfolgen und Angriffe in Echtzeit zu koordinieren.

Risiken für Luftabwehr und Frontkommunikation für Russlands Soldaten

Wjatscheslaw Gladkow, der Gouverneur der an der Grenze gelegenen Region Belgorod, die häufig unter ukrainischen Drohnenangriffen leidet, sagte, er sei besorgt, „dass eine Verlangsamung der Telegram-Kanäle die Übermittlung operativer Informationen beeinträchtigen könnte“.

Der Kreml hat die Verbreitung der App in seinen Streitkräften bestritten. „Ich glaube nicht, dass man sich ernsthaft vorstellen kann, dass die Kommunikation an der Front über Telegram oder irgendeinen anderen Messenger abgewickelt wird“, sagte Dmitri Peskow, der Kreml-Sprecher, was teils Spott hervorrief. Russische Truppen nutzten zuvor die Echtzeit-Gaming-Kommunikationsplattform Discord, um Drohnenaufnahmen zu streamen und Angriffsoperationen zu koordinieren.

Ein abruptes Discord-Verbot im Jahr 2024 löste Wut bei Frontsoldaten und brüllenden Milbloggern aus, die es als bürokratischen Fehltritt verurteilten, der den Einheiten ein entscheidendes Koordinationsinstrument auf dem Schlachtfeld entzog. „Das nennt man, weiter sehen zu können als bis zur eigenen Nasenspitze“, sagte damals ein Blogger. Die Lage wurde teilweise dadurch gemildert, dass russische Soldaten an der Front weiterhin auf gekaperte Starlink-Satelliteninternet-Terminals zugreifen konnten, die offizielle Sanktionen umgingen, wie der Militäranalyst Kirill Mykhailov erläuterte.

Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern

Wladimir Putin ist seit dem 24. Februar 2022 auch Kriegsherr – auch wenn in Russland nach offizieller Lesart nur von einer militärischen „Spezialoperation“ in der Ukraine gesprochen wird.
Am 24. Februar 2022 befahl Wladimir Putin den Angriff russischer Truppen auf die Ukraine. Setdem ist er nicht nur Präsident Russlands, sondern Kriegsherr – auch wenn in Russland der Ukraine-Krieg nach offizieller Lesart nur eine militärische „Spezialoperation“ genannt wird. © Mikhail Klimentyev/Imago
Wladmir Putin mit Flottenchef Kurojedow
Von 1975 bis 1982 war der am 7. Oktober 1952 geborene Putin KGB-Offizier, von 1984 bis 1985 besuchte er die KGB-Hochschule in Moskau. Ab 1985 war er in der DDR tätig, hauptsächlich in Dresden. Danach ging es wieder zurück nach St. Petersburg. Vom 25. Juli 1998 bis August 1999 war Putin Direktor des Inlandsgeheimdienstes FSB. In dieser Eigenschaft traf er sich im November 1998 mit Flottenchef Wladmir Kurojedow (rechts). © Stringer/dpa
So sah Wladimir Putin im Alter von 40 Jahren aus, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm.
Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt Wladimir Putin im Jahr 1992 im Alter von 40 Jahren, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm. Zwei Jahre später wurde er von einem der Vizebürgermeister zum ersten Vizebürgermeister der Stadt ernannt. Sein politischer Aufstieg nahm Formen an. © Russian Look/IMAGO
Dieses Foto zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Jahr 1994 in seinem Büro. Damals war er 42 Jahre alt und Vizebürgermeister von St. Petersburg.
In seinem ersten Jahr als erster Vizebürgermeister der Stadt St. Petersburg im Jahr 1994 wurde Wladimir Putin in seinem Büro fotografiert. Damals war er 42 Jahre alt. Von körperlichen Beschwerden aus dieser Zeit ist nichts bekannt. Putin war zudem bereits seit seiner Jugend sportlich und ging unter anderem dem Kampfsport Judo nach, in dem er sich einen Schwarzen Gurt verdiente. © Russian Look/IMAGO
Drei Jahre später enstand dieses Foto von Wladimir Putin zusammen mit Anatoly Sobchak, ehemaliger Bürgermeister von St. Petersburg.
Dieses Foto entstand drei Jahre später, 1997, und zeigt Wladimir Putin – damals 45 Jahre alt – zusammen mit Anatoly Sobchak, dem ehemaligen Bürgermeister von St. Petersburg. © Russian Look/IMAGO
Wladimir Putin mit Boris Jelzin im Kreml.
Im Jahr 1999 übernahm Putin zum ersten Mal das Amt des Ministerpräsidenten – mit Option auf die Nachfolge von Präsident Boris Jelzin (links). Als Jelzin am 31. Dezember 1999 sein Amt niederlegte, übernahm Putin kommissarisch auch die Amtsgeschäfte des Präsidenten. Im Mai 2000 wurde Putin dann regulär zum Präsidenten Russlands gewählt. © dpa
Im Jahr 2000 wurde Putin zum ersten Mal Präsident der Russichen Föderation. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin.
Im Jahr 2000 wurde Wladimir Putin erstmals zum Präsidenten der Russischen Föderation gewählt. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Berlin. Die Beiden sollte im weiteren Verlauf eine innige Freundschaft verbinden, die auch über Schröders politische Karriere hinaus Bestand hatte. © Thomas Imo/IMAGO
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen.
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen. © Mikhail Metzel/Imago
Am 7. Mai 2000 legte Putin seinen Amtseid ab.
Am 7. Mai 2000 legte Putin unter den Augen von Boris Jelzin seinen Amtseid ab. Mit einer Ausnahme einer Zeit als Regierungschef von 2008 bis 2012 hat Putin seither das Amt des Präsidenten der Russischen Föderation inne.  © Imago
Wladimir Putin und Bill Clinton bei der Unterzeichnung eines Vertrages in New York.
Im September 2000 führte Putin der Weg in die USA. Bill Clinton (rechts) war der erste US-Präsident, mit dem er es in den kommenden Jahren zu tun bekam. in seiner Mit dem damals noch amtierenden US-Präsidenten B © Imago
Mit einer Umarmung begrüßen sich Gerhard Schröder und Wladmir Putin im Foyer des Taschenbergpalais in Dresden.
Als Russlands Präsident reiste Putin im September 2001 zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Deutschland. Im Foyer des Taschenbergpalais in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden begrüßte ihn auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (links). Die beiden verstanden sich offensichtlich schon damals ausnehmend gut. Die Freundschaft hat auch heute noch Bestand. © Jan-Peter Kasper/dpa
Der schwarze Labrador von Wladimir Putin läuft beim Treffen seines Herrchens mit Angela Merkel durchs Zimmer.
Putin spielt gerne psychologische Spielchen – so auch 2007 mit Kanzlerin Angela Merkel. Bei ihrem Treffen in Sotschi am Schwarzen Meer ließ Putin während einer gemeinsamen Pressekonferenz eine Labradorhündin ohne Leine herumlaufen. Merkel, einst in ihrer Jugend von einem Hund gebissen worden, fühlte sich sichtlich unwohl.  © Dmitry Astakhov/dpa
George Bush und Wladimir Putin spazieren auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei.
George W. Bush (rechts) war der zweite US-Präsident, mit dem es Putin zu tun bekam. Im April 2008 trafen sich beiden Staatschefs auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei. © Imago
Wladimir Putin neuer russischer Regierungschef.
Am 7. Mai 2008 löste Dmitri Medwedew nach zwei Amtszeiten Putin im Amt des russischen Präsidenten ab. Einen Tag danach wählte die Duma Putin auf Vorschlag des neuen Präsidenten zum neuen Regierungschef. Putin blieb auch in dieser Position der starke Mann. © dpa
Im Jahr 2009 ließ sich Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend zur Demonstration von Macht fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt.
Im Jahr 2009 ließ sich Wladimir Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt. Mit solchen Fotos pflegte Putin sein Macho-Image. Er wollte er laut Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ Wirkung in der russischen Bevölkerung erzielen und auch international demonstrieren, dass er ein starker Gegner ist. © epa Alexey Druzhinyn
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben.
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben. Das gilt für Reiten wie offenbar auch fürs Angeln. © Aleksey Nikolskyi/Imago
Putin und Obama stoßen miteinander an.
Am 7. Mai 2012 wurde Putin erneut zum Präsidenten gewählt. Sein Verhältnis zu US-Präsident Barack Obama war von Distanz geprägt. Das war auch im September 2015 bei einer Veranstaltung der Vereinten Nationen in New York der Fall.  © Amanda Voisard/dpa
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause.
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause. © Alexei Nikolsky/Imago
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam.
Als Donald Trump die US-Wahl 2016 gegen Hillary Clinton gewann, hatte Russland wohl seine Hände mit im Spiel. Putin hatte sicher seinen Grund. Mit Donald Trump kam er jedenfalls gut zurecht. Im November 2017 begrüßten sie sich Familienfoto im Rahmen des Gipfeltreffens der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Da Nang (Vietnam) herzlich.  © Mikhail Klimentyev/dpa
Der chinesische Präsident Xi Jinping (r) und der russische Präsident Wladimir Putin (l) geben sich am 04.07.2017 im Kreml in Moskau (Russland) bei einem Gespräch die Hände
Unter Putin sind sich Russland und China zuletzt immer nähergekommen. Ein wichtiger Termin war der 4. Juli 2017, als der chinesische Präsident Xi Jiping im Kreml in Moskau zu Besuch war. Damals wurden mehrere Verträge und Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin und Olaf Scholz am Tisch im Kreml.
So pflegt Putin inzwischen seine Gäste zu empfangen – vor allem die aus dem Westen. Am 15. Februar 2022 reiste Kanzler Olaf Scholz nach Moskau. Damals hatte der Ukraine-Krieg noch nicht begonnen. Putin ließ sich von Scholz aber nicht beeindrucken. © Kremlin Pool/Imago
Wladimir Putin im Kreml.
Putin forcierte in seiner dritten Amtszeit die kriegerischen Auseinandersetzungen. Seit dem 21. März 2014 betrachtet Russland die Krim als Teil des eigenen Staatsgebiets, seit September 2015 unterstützt die russische Luftwaffe im Militäreinsatz in Syrien den syrischen Präsidenten Assad im dortigen Bürgerkrieg.  © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin (links) und Joe Biden schütteln sich bei ihrem Treffen in der „Villa la Grange“ die Hand.
Anlässlich der Genfer Gipfelkonferenz traf sich Putin am 16. Juni 2021 mit US-Präsident Joe Biden zu einem Gespräch. Schon damals waren die russischen Truppenaufmärsche an der Grenze zur Ukraine ein Thema. © Denis Balibouse/dpa
Wladimir Putin lacht
Genutzt hat das Gipfelgespräch wenig. Am 24. Februar 2022 begann mit dem Einmarsch der russischen Truppen ins Nachbarland der Ukraine-Krieg. Putin wusste es wohl schon in Genf.  © Denis Balibouse/dpa
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen.
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen. © Alexei Nikolsky/Imago

Starlink-Abschaltung erschwert Frontkommunikation Russlands weiter

Seit Anfang Februar führte jedoch eine neue „Whitelist“, die vom ukrainischen Verteidigungsministerium eingeführt wurde, dazu, dass für nahezu 90 Prozent der russischen Einheiten der Zugang zu Starlink gekappt wurde, was die Kommunikation an der Front ins Chaos stürzte. Mehrere Blogger äußerten die Ansicht, dass die Telegram-Beschränkungen das Durcheinander noch verstärken würden. „Leider können wir Starlink den Ukrainern nicht abstellen. Aber wir können Telegram für die Russen abstellen!“, bemerkte einer sarkastisch.

Pawel Durow, der in Russland geborene und in Dubai lebende Vorstandschef von Telegram, äußerte seltene Kritik und warf Moskau vor, die Bürger auf eine „staatlich kontrollierte App, die für Überwachung und politische Zensur geschaffen wurde“, zwingen zu wollen – eine Anspielung auf den kremlnahen Messenger MAX, der im vergangenen Jahr gestartet wurde und sich am chinesischen WeChat orientiert. Eine dem Kreml nahestehende Quelle sagte der unabhängigen Investigativplattform Verstka, Moskau plane, die App bis September, wenn die Wahlen zur Staatsduma stattfinden sollen, vollständig zu blockieren, um negative Stimmung zu begrenzen.

Iran als Inspiration für Russland?

„Es gibt das Gefühl, dass die Erfahrungen des Iran mit Internetsperren unsere Sicherheitsbehörden inspiriert haben“, sagte eine weitere Kreml-Quelle gegenüber Meduza. Solche unabhängigen Medien warnten zudem, dass ihre Fähigkeit, unabhängige Informationen innerhalb Russlands zu verbreiten, ohne Telegram erstickt werden könnte. „Telegram ist für uns lebenswichtig, weil die Meduza-Website in Russland blockiert ist“, sagte Galina Timtschenko, die Mitgründerin von Meduza, der BBC. „Mehr als 80 Prozent unserer Telegram-Abonnenten leben in Russland, und unsere Informationen sind für sie entscheidend.“

Timtschenko, die im Dezember vergangenen Jahres in Abwesenheit zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde, weil sie eine „unerwünschte“ Organisation betrieben haben soll, fügte hinzu: „Für unsere Leser bedeutet das, dass sie eine schwierige Entscheidung treffen müssen … Wenn die Wahl zwischen Freiheit oder Nachrichten besteht, werden sie sich definitiv für die Freiheit entscheiden.“ (Dieser Artikel von Antonia Langford entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sergey Elagin

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