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Rückschau auf die Konferenz

„Das schmerzt manchmal“: Rubio, Merz und NATO-Nöte – drei Lehren der Sicherheitskonferenz

Die Münchner Sicherheitskonferenz geht zu Ende. Zwischen Trump und Putin heißt Europas Status: „Es ist kompliziert.“ Eine Analyse.

Wer europäische Teilnehmer auf der Zielgerade der Sicherheitskonferenz fragt, wie es denn so läuft, hört gehäuft in etwa dieses Geräusch: „Hmmbuffmmm...“ Könnte heißen: Das Leben geht weiter. Und damit ist man aus europäischer sicherheitspolitischer Sicht nach dem Vorjahr ja auch schon fast zufrieden. Tatsächlich hat sich in diesem Jahr einiges bewegt. Und anderes kaum bis gar nicht – Anlass für Warnungen auf der Siko.

Emmanuel Macron, Friedrich Merz und Keir Starmer (v.li.) arbeiteten in München an einem stärkeren Europa – wegen Donald Trump.

Klar ist, dass vor allem Donald Trump und Wladimir Putin die Kräfte Europas binden – so sehr, dass für Großkrisen wie im Iran gar nicht mehr so viel davon übrig bleibt. Das ist problematisch. Aber Realität in einem Umbruch. „Die NATO ist in einer Transformation und das schmerzt manchmal“, sagte Norwegens Verteidigungsminister Tore Sandvik dem Münchner Merkur am Sonntagmorgen: „Wir müssen das zusammenhalten.“ Ein Satz, der über dem Wochenende stehen könnte. Die Protagonisten für drei Lehren des Wochenendes: Marco Rubio, Friedrich Merz – und ein Chor der warnenden Stimmen.

Sicherheitskonferenz in München – Lehre Nummer eins: Nicht auf die USA verlassen

Vermutlich wohlweißlich hatten die Siko-Organisatoren die große Rede der USA auf den Samstag verlegt. Im Vorjahr hatte J.D. Vance den Ton gesetzt und die gesamte Konferenz überschattet. Diesmal kam Trumps Außenminister Marco Rubio, durfte eine Nacht über Friedrich Merz‘ Rede schlafen – und klang dann anders als Vance. Die Schicksale Europas und der USA seien eng verwoben, sagte er, pries minutenlang den Wert der gemeinsamen Wurzeln von Michelangelo bis Beatles. Und sagte: Man wolle etwas neu aufbauen, am liebsten gemeinsam mit Europa.

Das war einerseits ein willkommenes Signal – in Zeiten, in denen Russland am Beistand der USA für Europa zweifeln könnte. Doch Rubios Rede bot für Amerikas „älteste Freunde“ eine ganze Reihe an Widerhaken. Und ein massives Warnsignal. Es sei eine „törichte Idee“, dass „Bande aus Handel und Wirtschaft allein die Nation ersetzen würden“, sagte er, rügte „Massenmigration“, „Klimakult“ und Freihandel. Man wolle den Weg der Abkehr von diesen „Irrtümern“ gerne mit Europa gehen. Aber man sei auch bereit, ihn alleine zu verfolgen. Es war eine Einladung ins Boot – das Zielen entgegensegelt, die Europa als Kontinent eines staatenübergreifenden Bündnisses, der Wissenschaft und des Handels nicht gefallen können.

Trump greift nach Grönland: Der Streit um die Arktisinsel in Bildern

Grönland
Donald Trump ist nicht der erste US-Präsident, der ein Auge auf Grönland geworfen hat. Schon in den 1860ern gab es einen ersten US-Vorstoß zum Kauf. So ließ Außenminister William Seward im Jahr 1868 einen „Bericht über die Ressourcen Islands und Grönlands“ erstellen. Es gebe dort Rohstoffvorkommen, die für die USA von Nutzen sein könnten, hieß es damals. Kurz zuvor hatte Seward bereits den erfolgreichen Kauf Alaskas vom russischen Zarenreich organisiert und wollte die Expansionspolitik fortsetzen. © Odd Andersen/AFP
Grönland
Der erste konkrete Kaufversuch scheiterte nicht an Dänemark, sondern am US-Kongress selbst. Dänemark hatte dem Verkauf Grönlands zugestimmt, doch der amerikanische Kongress wollte nicht schon wieder hohe Summen für nahezu unbewohnte „Eisregionen“ ausgeben. Die Abgeordneten waren nach dem teuren Alaska-Kauf skeptisch gegenüber weiteren kostspieligen Territorialerwerbungen in unwirtlichen Gebieten. © Odd Andersen/AFP
Expeditionen nach Grönland
Zwischen 1853 und 1909 führten die USA systematisch wissenschaftliche Expeditionen nach Nordgrönland durch, das damals noch staatsrechtliches Niemandsland war. Forscher wie Elisha Kent Kane, Isaac Israel Hayes und Robert Edwin Peary (dessen Basislager der Expedition von 1909 im Bild zu sehen ist) erkundeten das von den Inughuit bewohnte Gebiet und lieferten sich spektakuläre Wettläufe um die Erreichung des Nordpols. Diese Expeditionen legten den Grundstein für spätere amerikanische Gebietsansprüche. © Imago
Dänisch Westindien
1916/17 gelang den USA ein diplomatischer Schachzug: Dänemark verkaufte seine Kolonie Dänisch-Westindien in der Karibik an die Vereinigten Staaten, die daraufhin im Gegenzug die dänische Oberhoheit über ganz Grönland anerkannten. Dieser Handel war strategisch wichtig, da Dänemark bis dahin nur die grönländische Westküste kolonisiert hatte und Nord- sowie Ostgrönland Niemandsland gewesen waren. © Imago
Dänemark im Jahr 1940
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besetzung Dänemarks am 9. April 1940 flammte das US-Interesse an Grönland erneut auf. Washington befürchtete, Nazi-Deutschland könnte die gewaltige Insel unter seine Kontrolle bringen und damit eine strategische Bedrohung für Nordamerika darstellen. Grönland war durch die britische Seeherrschaft von dem besetzten Dänemark abgeschnitten. © Imago
Grönland
Der dänische Gesandte Henrik Kauffmann handelte am 9. April 1941 eigenmächtig einen Vertrag mit den USA aus, der die Errichtung amerikanischer Militärbasen in Grönland genehmigte. Kauffmann erklärte, dass er keine Weisungen aus dem deutsch besetzten Kopenhagen mehr entgegennehmen werde und sich zum alleinigen Vertreter der dänischen Interessen für Grönland erkläre. Diese „Entscheidung ebnete den Weg für die amerikanische Militarisierung Grönlands, die seither aufrechterhalten wurde.“ © Odd Andersen/AFP
Rostiges Fahrzeug ehemaliger US Luftwaffenstützpunkt im Zweiten Weltkrieg Ikatek Grönland
Bis Kriegsende waren knapp 6000 US-Militärs auf vier Marine- und 13 Armeestützpunkten auf Grönland stationiert (im Bild: der ehemalige US-Luftwaffenstützpunkt im Zweiten Weltkrieg, Ikatek). Die Insel diente vor allem als Basis für atlantiküberwachende Flugzeuge auf der Suche nach deutschen U-Booten und wurde als Auftankstation für eigene Seemissionen genutzt. 1941 wurde zudem die Sirius-Schlittenpatrouille gegründet, um deutsche Versuche zur Errichtung von Wetterstationen der Wehrmacht in der Arktis zu verhindern. © Egmont Strigl/Imago
Harry Truman unterzeichnet NATO-Vertrag 1949
Nach dem Krieg wollte Dänemark die amerikanische Militärpräsenz auf der Insel wieder rückgängig machen, doch ohne Erfolg. US-Präsident Harry Truman (hier bei der Unterzeichnung des NATO-Pakts 1949) schlug Kopenhagen drei Optionen vor: entweder das Abkommen von 1941 fortzusetzen, die US-Stützpunkte für 99 Jahre zu leasen oder Grönland für 100 Millionen US-Dollar in Gold zu kaufen. Die dänische Antwort war eindeutig: „Absurd.“ © Imago
Frederik IX
„Wir verkaufen nicht!“ – Diese klare Absage stammte vom dänischen König Frederik IX (hier ein Gedenkstein in Nuuk) im Jahr 1960, nachdem US-Präsident Eisenhower wiederholt die Absicht geäußert hatte, Grönland von Dänemark kaufen zu wollen. 65 Jahre später sind die Aussagen Dänemarks und der USA zum gleichen Thema nahezu identisch, auch an den Motiven Washingtons hat sich im Wesentlichen nichts geändert. © Imago
Thule Air Base in Grönland
1951 gelang es den USA dennoch, ein Abkommen auszuhandeln, das ihnen gewährte, Grönland weiterhin militärisch zu nutzen, wenn sie dafür die Verteidigung Grönlands übernahmen. In diesem Jahr wurde die Thule Air Base als wichtigster militärischer Stützpunkt in Grönland errichtet. Bis 1958 nutzten die USA den Flughafen Narsarsuaq und bis 1992 den Flughafen Kangerlussuaq als Militärbasen. © Imago
Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base 1968
Die amerikanische Militärpräsenz führte zu schweren diplomatischen Krisen und Problemen. Zu den bedeutendsten gehörten die Zwangsumsiedlung der Bewohnerinnen und Bewohner von Uummannaq direkt neben der Thule Air Base nach Qaanaaq im Jahr 1953 und der Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base 1968 (im Bild). Mit diesem Vorfall musste Dänemark anerkennen, dass die USA heimlich Atomwaffen in Grönland lagerten. © Imago
Grönland
Nach Ende des Kalten Kriegs verminderten die USA ihre militärischen Aktivitäten und zogen sich 1991 aus Kangerlussuaq (im Bild) und Kulusuk zurück. Jedes Mal hinterließen sie das Gebiet mit Schrott verunreinigt und häufig mit umweltschädlichen Stoffen verseucht, weigerten sich aber dafür zu haften. Dänemark erklärte sich bereit, die Verantwortung für das Aufräumen zu übernehmen. © Sergi Reboredo/Imago
Colin Powell, Per Stig Møller und Josef Motzfeldt
2004 wurde das sogenannte Igaliku-Abkommen von den Außenministern Colin Powell (USA, rechts), Per Stig Møller (Dänemark, links) und Josef Motzfeldt (Grönland, Mitte) unterzeichnet. Die USA verpflichteten sich zur Zusammenarbeit für den Umweltschutz und Grönland erhielt mehrere entwicklungsmäßige und finanzielle Vorteile von den USA. Das Abkommen wurde im Heimatort des grönländischen Außenministers geschlossen. © AFP
Klimawandel in Grönland
Das schmelzende Polareis verschärft die strategische Bedeutung Grönlands dramatisch. Die Arktis erwärmt sich laut einer Studie der Stiftung für Wissenschaft und Politik viermal so stark wie im globalen Durchschnitt. Das zurückgehende Meereis öffnet neue Seewege zwischen Asien und Europa und macht Lagerstätten von Rohstoffen an Land und auf dem Meeresboden besser zugänglich. © Jason Briner/dpa
Grönland
In der Arktis werden in Gebieten, die durch die Klimakrise zugänglich werden, riesige Mengen an unentdeckten Erdgas- und Erdölvorkommen vermutet. Diese beiden Faktoren - Kontrolle der neuen Seewege in der Arktis und Zugang zu den immensen Rohstoffvorkommen - sind die wesentlichen Gründe für den jetzigen, erneuten Vorstoß der USA, sich Grönland „anzueignen.“ © Steffen Trumpf/dpa
Anti-Trump-Demo in Kopenhagen 2019
Donald Trump hatte bereits während seiner ersten Amtszeit 2019 ein „gieriges Auge“ auf Grönland geworfen und einen Kauf der Insel ins Gespräch gebracht. Seine Begründung: Man benötige die strategisch gelegene Insel für die „nationale Sicherheit“ der USA. In Kopenhagen kam es deswegen schon damals zu Demonstrationen.  © Niels Christian Vilmann/Imago
Grönland und Trump
Doch so unverhohlen wie jetzt hatte Trump noch nie gedroht, Grönland „haben“ zu wollen. Trump verweist auf die zunehmende Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in der Arktis-Region und behauptet, Dänemark sei nicht in der Lage, Grönland ausreichend zu schützen. Sogar eine militärische Intervention schließt er nicht aus. Die große Mehrheit der rund 57.000 auf der Insel lebenden Menschen wollen dagegen mit den USA nichts zu tun haben: Grönland stehe nicht zum Verkauf, hieß es bei einer Demonstration im März 2025. © Christian Klindt Soelbeck/dpa
Vance in Grönland
Ende März 2025 reiste US-Vizepräsident JD Vance nach Grönland. Dort äußerte er vor den stationierten US-Soldaten scharfe Kritik am NATO-Verbündeten Dänemark, zu dem die riesige Eisinsel gehört. Das Land tue angesichts der Bedrohungen durch Russland und China zu wenig für die Sicherheit Grönlands, sagte Vance auf die US-Militärstützpunkt Pituffik im abgeschiedenen Norden Grönlands.  © Jim Watson/AFP
Die Frau von Trump-Berater Stephen Miller zündelt.
Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller stellte in einem CNN-Interview sogar infrage, ob Grönland rechtmäßig zum NATO-Partner Dänemark gehöre. „Nach welchem Recht hat Dänemark die Kontrolle über Grönland?“, fragte Miller provokativ. Ein Social Media Post seiner Ehefrau Katie Miller zeigte eine Karte von Grönland in US-amerikanischen Farben. © Screenshot X
Grönland-Konflikt
In der EU und in der NATO hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Donald Trump meint es ernst mit seinen Grönland-Ambitionen. Europas Spitzenpolitiker reagieren mit klaren Worten auf Trumps Forderungen. Deutschland und weitere Länder stellen sich nach Trumps Drohungen demonstrativ hinter Grönland und Dänemark. Erst im September 2025 hatten dänische Streitkräfte mit Hunderten Soldaten aus mehreren europäischen Staaten an einer NATO-Übung auf Gönland teilgenommen (im Bild). © Ebrahim Noroozi/dpa
Mette Frederiksen und Donald Trump
Dänemark hat Trumps Anspruch auf Grönland und die militärischen Drohungen entschieden zurückgewiesen. Regierungschefin Mette Frederiksen sagte: „Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen, dann hört alles auf.“ Das wäre das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses und damit auch der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur. © Christian Hartmann/AFP
Thule, Grönland
Mehrere NATO-Bündnisstaaten haben sich zuletzt für eine stärkere Präsenz des Bündnisses in der Region ausgesprochen – auch Deutschland. Im Gespräch ist dabei unter anderem der Start eines neuen Überwachungseinsatzes mit dem Namen „Arctic Sentry“ (deutsch etwa: Wächter der Arktis). Er soll den USA das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewährleistet werden kann. © Imago
US-Militärbasis Pituffik Space Base in Grönland
Die USA betreiben schon heute auf Basis von Abkommen mit Dänemark die Pituffik Space Base auf Grönland. Dieser Stützpunkt unterstützt Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen. Dänemark hat grundsätzlich nichts gegen eine verstärkte US-Militärpräsenz auf der Insel, solange die Souveränität respektiert wird. Die dänischen Streitkräfte sind hauptsächlich über das Arktische Kommando in Nuuk auf der Insel präsent. © Thomas Traasdahl/dpa
Grönland
Dass die Trump-Regierung bislang auch militärischen Zwang nicht ausschließt, um die Kontrolle über Grönland zu erlangen, sorgt in Europa für große Beunruhigung. Tatsächlich ist der Fall, dass ein NATO-Land das andere überfällt, in den Statuten der Allianz nicht vorgesehen – der Feind kommt traditionell immer von außen. © Mads Claus Rasmussen/Imago
Alpenglühen in Alaska
Trump hat im Streit um Grönland aber auch immer von einem „Erwerb“ gesprochen. Der Kauf zusätzlichen Territoriums ist in der US-Geschichte kein Novum. In der Vergangenheit haben die USA für bestimmte Gebietserweiterungen immer wieder Geld in die Hand genommen. Dazu zählt beispielsweise auch Alaska (im Bild), das die damalige US-Regierung im Jahr 1867 für einen Spottpreis von 7,2 Millionen Dollar von Russland erwarb.  © Al Grillo/dpa

Im Kern sandte Rubio dieselbe Botschaft wie Vance im Jahr zuvor. Positive Reaktionen gab es dennoch. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von „beruhigenden“ Signalen – aber auch von einem „härteren Ton“ hinter den Kulissen. Ton und Realität könnten auch auf der anderen Seite auseinanderklaffen. Europa kann die USA (noch) nicht verprellen. Für wahre Erleichterung dürfte Rubio aber nicht gesorgt haben.

Siko 2026 – Lehre Nummer zwei: Merz will die Richtung vorgeben

Statt den USA und auch China die Bühne zu geben eröffnete diesmal der Bundeskanzler allein die Konferenz. Und schien Fernschach mit Rubio zu spielen. Es habe sich ein „tiefer Graben“ zwischen Europa und USA aufgetan, „der Kulturkampf der Maga-Bewegung in den USA nicht unserer“, stellte Merz klar. Man müsse die Partnerschaft „neu begründen“. Diese Begründung werde „handfest, nicht esoterisch“ sein müssen. Gemeint war natürlich auch hier: die Verteidigung. Selbst die USA stießen im Alleingang an „Grenzen der eigenen Macht“, warnte Merz – fast wie im Vorgriff auf Rubios Rede.

„Europa muss ein weltpolitischer Faktor werden, mit einer eigenen sicherheitspolitischen Strategie“, sagte der Kanzler. Eine deutsche „Großmachtpolitik“ schloss er dabei aus. Auch ein weiteres Problem fasste er ins Auge – Unstimmigkeiten in Europa. Etwa mit Viktor Orbán, zu dem Rubio weiterreisen wollte. Da brauche es „kleine Gruppen“, mit Frankreich, Großbritannien, Italien oder Polen. Sogar eine europäische nukleare Abschreckung sprach Merz an. Aber bei all diesen Zielen beginnen die Probleme.

Keine Durchbrüche gab es in Sachen Ukraine – abgesehen davon, dass Rubio öffentlich an Wladimir Putins gutem Willen zweifelte. Merz versprach Wolodymyr Selenskyj schon am Freitag weitere Unterstützung. Um Taurus-Marschflugkörper bat der Präsident der Ukraine aber wieder vergeblich.

Lehre Nummer drei der Sicherheitskonferenz: Europa ist unterwegs – aber es dauert

Gleich zwei Expertenpapiere rund um die Siko boten konzentriert Anlass zu besorgtem Stirnrunzeln. Die „European Nuclear Study Group“ warnte vor Russlands Spiel mit dem Nukleararsenal. Und kam zum Schluss, dass Europa gegen die Herausforderung fünf Optionen besitze – aber „keine gute“.

Eine Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft legte dar, dass Europa, Kanada und die Türkei sogar schon jetzt mehr für die NATO-Verteidigung ausgeben als die USA. Es gebe einen „enormen Fluss von Geldern“, sagte Autor Rodrigo Carrill. Das Ergebnis sei aber eher überschaubar. Die Risiken seien greifbar: „veraltete Systeme, überschießende Kosten, begrenzte Fähigkeitszugewinne“. Auch Gegenmittel präsentierte er. Sie werden aber etwas Zeit brauchen. Auch Risiken abseits des Militärs gibt es: Im Gespräch mit unserer Redaktion warnte der NATO-Direktor für Strategische Kommunikation, Janis Sarts, KI werde den Kampf um Meinungen und Köpfe nochmal komplett verändern. Es brauche die passenden Systeme, Einfluss etwa aus Russland zu kontern.

Ian Bremmer, US-Analyst und Experte für „globale Risiken“, setzte zu Beginn der Siko vor internationalen Journalisten schon Ausrufezeichen. Bislang sitze Europa in globaler Sicherheitspolitik „nicht am Tisch“. „Europas Anführer werden sich damit nicht wohlfühlen, aber wenn sie es ändern wollen, wird das viel Arbeit verlangen“, sagte er. Allerdings sieht Bremmer auch die USA nicht auf Kurs. „Trump hat keine Anerkennung für den EU-Mercosur-Deal verlangt – aber er hätte das tun sollen.“ Wegen der US-Alleingänge setzen andere Länder auf „mehr Kooperation, Investition, Geheimdienstzusammenarbeit“. Das immerhin sei eine gute Nachricht mitten in einer sich verändernden Weltordnung.

Angesichts all dieser Sorgen und Investitionen waren auch Einwände zu hören. „Die Münchener Sicherheitskonferenz ist eher eine Rüstungsmesse als eine Sicherheitskonferenz“, sagte BSW-Co-Chef Fabio de Masi unserer Redaktion. Eine „echte“ Sicherheitskonferenz müsse etwa die „wachsende Gefahr einer nuklearen Eskalation in den Blick nehmen“, forderte er. Estlands Außenminister Margus Tsahkna sah das bei einem Panel der Konrad-Adenauer-Stiftung anders. „Angst“ sei das Problem, sagte er. Dagegen helfe Transparenz – und das Wissen, nicht allein zu sein. (Quellen: Eigene Gespräche, MSC-Panels und -Reden, European Nuclear Study Group)

Rubriklistenbild: © Montage: Kay Nietfeld/Jose Luis Magana/picture alliance/dpa/dpa-Pool/AP/fn

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