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„Straße des Deutschen Reiches“
Politische Meinungen im Unterricht: AfD-Landesverband plant Verbot
Die AfD will Lehrpersonal politische Äußerungen verbieten. Kritiker sehen darin einen Angriff auf die Bildung – die Debatte sorgt für Empörung.
Magdeburg – Mit einem Vorstoß gegen politische Meinungsäußerungen im Klassenzimmer sorgt die AfD in Sachsen-Anhalt für Empörung: In einem Antrag an den Landtag fordert die Fraktion, Lehrkräften das Äußern politischer Ansichten im Unterricht zu untersagen und Schulnamen mit „politischer oder weltanschaulicher Tendenz“ umzubenennen.
Der Vorstoß folgt einer Strategie, mit der die AfD gezielt Bildungs- und Kulturpolitik für ihre Identitätsagenda nutzt. Während die Partei laut Umfragen mit bis zu 39 Prozent Zustimmung im Land vorne liegt, warnen Gegner vor einem Angriff auf demokratische Werte im Bildungswesen.
AfD-Antrag ohne Chance: Lehrer sollen schweigen
Konkret fordert der AfD-Antrag, Lehrern das Äußern politischer Meinungen im Unterricht untersagen: „Lehrkräfte nutzen Freiräume, um ihre persönlichen politischen Einstellungen an Schüler weiterzugeben. Damit überschreiten sie ihre eigentliche pädagogische Rolle“, heißt es in dem Antrag. Werbung für politische Parteien oder deren Abwertung solle verhindert werden.
„Kulturkampfrhetorik“: SPD kritisiert AfD-Antrag scharf
SPD-Fraktionschefin Katja Pähle kritisierte den Vorstoß als „Kulturkampfrhetorik“. Es sei ein Tiefpunkt erreicht, wenn ernsthaft darüber debattiert werde, ob etwa die Namen des früheren SPD-Kanzlers Willy Brandt oder der NS-Widerstandskämpferin Sophie Scholl politisch geprägt seien.
Ein Sprecher des Ministeriums warnte jedoch vor einer Verkürzung dieses Prinzips auf ein „Neutralitätsgebot“. Würden zentrale Grundprinzipien der Verfassung infrage gestellt oder verletzt, „ist es geradezu die Pflicht der Lehrkraft, keine neutrale Position einzunehmen und stattdessen diese Grundprinzipien zu verteidigen und offen für sie einzutreten“. Der Beutelsbacher Konsens bedeute nicht, die eigene Meinung nicht sagen zu dürfen. „Er bedeutet, kontroverse Meinungen zuzulassen, zu diskutieren und die eigene Meinung nicht als die einzig richtige darzustellen.“
Kulturkampf im Klassenzimmer: AfD möchte „Fortbestand und das Gedeihen unserer Gesellschaft“ sichern
Wie weit der Verbotsversuch der AfD reicht, unterstrich zuletzt der Vizeparteichef der AfD in Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider. Gegenüber dem Spiegel erklärte er, jeder Versuch von Lehrkräften, eine politische Meinung auch nur als attraktiv oder angesagt nahezubringen, solle untersagt werden.
AfD-Sachsen Anhalt: „Straße des Deutschen Reiches“ gefordert
Die AfD-Fraktion hat in der letzten Zeit mit mehreren kontroversen Anträgen für Aufsehen gesorgt. Sie versucht immer wieder, Bildungs- und Kulturpolitik mit der deutschen Geschichte und Identitätsfragen zu verbinden. So forderte die AfD unter anderem, die Werbekampagne des Landes mit dem Slogan „#moderndenken“ durch das Motto „#deutschdenken“ und einen „Stolz-Pass“ zu ersetzen. Zudem plädierte sie für die Abschaffung der Landeszentrale für politische Bildung und für die Einführung einer „Straße des Deutschen Reiches“.
Ein Antrag zum Verbot der Regenbogenflagge scheiterte bereits im Juni, nachdem der Fraktionschef laut Mitteldeutscher Zeitung Verschwörungstheorien über die LGBTQI*-Bewegung verbreitet hatte.
AfD in Sachsen-Anhalt im Umfragehoch – Regierung ist dennoch fraglich
In etwas weniger als einem Jahr stehen in Sachsen-Anhalt Landtagswahlen an. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag der Mitteldeutschen Zeitung Volksstimme, führt die AfD mit 39 Prozentpunkten – dahinter liegt, stark abgeschlagen, die CDU mit 27 Prozent.
Partei
AfD
CDU
Linke
SPD
BSW
Grüne
Sonstige
Prozentpunkte
39
27
13
7
6
3
5
Veränderung in Prozent
+19
-6
+2
-9
-3
-9
Zu der Aussagekraft von Meinungsumfragen
Um die Daten zu erfassen, befragte das Meinungsforschungsinstitut vom 28. August bis 2. September 1.267 Menschen.
Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf etwaige Wahlausgänge.
Dass die AfD tatsächlich in Regierungsverantwortung kommt, erscheint derzeit dennoch fraglich: Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erklärte zuletzt gegenüber dem Stern, er „eine stabile Alleinregierung“ zum Ziel.