Nachfolge von Juncker

Manfred Weber ist Spitzenkandidat für Europawahl - Merkel lobt seine „wunderbare Rede“

+
Der gewählte Spitzenkandidat für die Europawahl, Manfred Weber (CSU, l), aus Deutschland, hebt zusammen mit Alexander Stubb (r) aus Finnland den Arm.

Manfred Weber soll die konservative Europäische Volkspartei in die Europawahl 2019 führen. Bei einem Kongress in Helsinki fiel am Donnerstag die Entscheidung.

Update vom Donnerstag, 8. November, 12.35 Uhr:

Die Europäische Volkspartei (EVP) hat den CSU-Politiker Manfred Weber zum Spitzenkandidaten für die Europawahl 2019 und die Nachfolge von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gewählt. Der 46-Jährige erhielt bei einem Parteitag in Helsinki gut 79 Prozent der abgegebenen Stimmen, wie am Donnerstag aus EVP-Kreisen verlautete. Webers Konkurrent, der finnische Ex-Regierungschef Alexander Stubb, kam demnach auf 20 Prozent. Der 46-Jährige Weber wird damit Gegenspieler des Sozialdemokraten Frans Timmermans, der ebenfalls Kommissionschef werden will. 

Weber bekam von 619 gültigen abgegebenen Stimmen 492, wie die Parteiführung mitteilte. Stubb konnte 127 Delegierte hinter sich vereinen. "Was für ein besonderer Tag, was für ein großartiger Tag", sagte Weber in seiner Dankesrede. Dies sei aber "nicht der Erfolg einer einzigen Person", sondern der EVP insgesamt.

Lesen Sie alles zum Kampf um die Nachfolge von Kanzlerin Merkel in unserem Live-Ticker

Weber setzte sich innerhalb seiner Parteienfamilie, zu der auch CDU und CSU gehören, am Donnerstag zunächst gegen den ehemaligen finnischen Regierungschef Alexander Stubb durch. In seiner Bewerbungsrede präsentierte sich Weber, derzeit Fraktionschef der EVP im Europaparlament, als mitfühlender Konservativer.

„Ich träume von einem Europa, das niemanden abhängt und wo wir härter arbeiten, um bessere Lebensbedingungen für alle Europäer zu schaffen“, erklärte Weber. Als seine großen Themen nannte er den Schutz der Außengrenzen und europäischer Werte, aber auch den Traum, dass Europäer als erste eine Heilung für Krebs finden. „Für uns bei der EVP ist jeder Mensch wichtig“, meinte Weber.

Söder gratuliert Weber zu dessen Wahl

Die CSU freut sich über die Wahl ihres Parteivizes Manfred Weber zur Wahl als EVP-Spitzenkandidat für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten. „Er steht für ein besseres Europa, für ein Europa weg von Bürokratie zurück zu den Menschen!“, twitterte die Partei am Donnerstag nach der Abstimmung der Europäischen Volkspartei (EVP). Dazu stellte sie ein Foto von Weber mit den Worten „Unser Mann für Europa“. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schrieb über den Kurznachrichtendienst: „Gratulation zu diesem großartigen Ergebnis. Freue mich wirklich sehr: das ist ein historischer Tag für Manfred Weber, die CSU und Bayern.“

Söder und Weber gelten als potenzielle CSU-Chefs, wenn Amtsinhaber Horst Seehofer den Platz freimacht. Die Chancen für Weber waren zuletzt aber merklich gesunken. Sollte Weber EU-Kommissionspräsident werden, wäre das mit dem CSU-Parteivorsitz nicht vereinbar, argumentieren viele in der Partei.

Merkel lobt Webers „wunderbare Rede“

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Nominierung des CSU-Politikers Manfred Weber zum Kandidaten für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten begrüßt. „Manfred Weber hat hier in einer wunderbaren Rede die Brücke geschlagen zwischen der eigenen Heimat und der europäischen Aufgabe“, sagte die CDU-Chefin am Donnerstag in Helsinki.

Manfred Weber: So präsentierte er sich im Wahlkampf

Sein Wahlkampf-Bild hat etwas vom Obama-Look, sein Slogan heißt einfach: „Manfred für ein besseres Europa.“ Beim EVP-Kongress in Helsinki sieht man es überall. Denn CSU-Vizechef Manfred Weber will Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei für die Europawahl 2019 und letztlich EU-Kommissionspräsident werden. An diesem Donnerstag fällt die Entscheidung, ob er sich in der eigenen Partei gegen den ehemaligen finnischen Regierungschef Alexander Stubb durchsetzt.

Stubb betont seine internationale Erfahrung nicht nur als Ministerpräsident, sondern auch als mehrfacher Minister. Weber, seit 2014 Fraktionschef der EVP im Europaparlament, ist dagegen ziemlich neu auf großer Bühne - sieht man mal von frühen Versuchen als Gitarrist in einer Rockband ab, die der 46-jährige Niederbayer in seinem Wahlkampfspot enthüllt.

Bekannt ist der verheiratete Katholik vielmehr als leise und verbindlich, aber auch als fleißig und taktisch geschickt. Seine Bewerbung als Spitzenkandidat hat er in der EVP monatelang vorbereitet und schließlich auch die Unterstützung der Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel gewonnen. Deshalb geht er gegen Stubb als Favorit ins Rennen.

Weber studierte nach dem Fachabi physikalische Technik an der Fachhochschule München und gründete als Ingenieur zwei Firmen. Vor allem aber machte er rasch politische Karriere in der CSU, zunächst als Chef der Jungen Union in Bayern. Von 2008 bis 2016 war er niederbayerischer CSU-Bezirksvorsitzender, seit 2015 ist er Parteivize. Im Europaparlament sitzt Weber bereits seit 2004 und betont: „Europa ist meine Leidenschaft.“

Das will Manfred Weber in der EU erreichen

Von den EU-Staats- und Regierungschefs fordert Weber schnellere Entscheidungen. Unter anderem in der Flüchtlingspolitik fehlten die Ergebnisse, sagte Weber beim Kongress der Europäischen Volkspartei in Helsinki. 

CSU-Chef Horst Seehofer hatte seinen Vize Weber am Mittwochabend bei dem Parteitreffen in der finnischen Hauptstadt offiziell vorgeschlagen. Weber, derzeit EVP-Fraktionschef im Europaparlament, stehe in der „Traditionslinie der großen Europäer in der CSU“, sagte Seehofer. „Er hat eine ganz besondere Gabe: Er kann mit seiner Begeisterung für Europa auch andere überzeugen und begeistern.“

Auch interessant: Migrationspakt: Gauland fährt Merkel und Co. an - und erntet verheerendes Echo

Weber warb in einer Kandidatendebatte mit Stubb für einen verbindlichen Mechanismus, um Rechtsstaatlichkeit in allen Ländern der EU durchzusetzen. „Das sollte vom nächsten Kommissionspräsidenten vorgeschlagen werden“, sagte er. Hintergrund ist der Streit mit Polen und Ungarn, denen mögliche Verstöße gegen die Rechtsstaatlichkeit vorgehalten werden.

Das fordert Manfred Webers Gegenkandidat Alexander Stubb

Stubb sprach sich in der Flüchtlingspolitik für von der EU finanzierte „Asylzentren“ in nordafrikanischen Ländern und für einen stärkeren Schutz der EU-Außengrenzen aus. Gleichzeitig plädierte er für die Verteilung von anerkannten Asylbewerbern in der ganzen EU. Ein wichtiger Aspekt sei zudem der Kampf gegen den Klimawandel, der viele Menschen zur Flucht nötige.

Beim EVP-Kongress stimmen die rund 730 Delegierten geheim ab, ob sie Stubb oder Weber als Spitzenkandidaten wollen. Ein Ergebnis soll gegen Mittag vorliegen. Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt in ihrer Eigenschaft als CDU-Chefin an dem Parteitreffen in der finnischen Hauptstadt teil.

dpa

Zurück zur Übersicht: Politik

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser