Stimmkreis Mühldorf
Landtagswahl 2023: Monika Spanjaart (Linke) im Steckbrief und zu den wichtigsten Fragen
Bei der Landtagswahl 2023 in Bayern stehen im Stimmkreis Mühldorf 11 Kandidaten zur Wahl. Wir stellen alle Kandidaten einzeln vor. Dieses Mal: Monika Spanjaart (Die Linke).
Mühldorf - Am 8. Oktober 2023 findet in Bayern die Landtagswahl 2023 statt. Im Stimmkreis Mühldorf treten 11 Kandidaten an. Jeder Kandidat hat sich zu sechs Kernfragen geäußert. Hier sehen Sie die Antworten von Monika Spanjaart (Die Linke).
Kandidaten-Steckbrief
Bitte stellen Sie sich kurz vor und formulieren Ihre Kernaussage, Ihre politischen Schwerpunkte und Ihre Motivation.
Monika Spanjaart (Jahrgang 1962), Zangberg, technische Redakteurin, drei erwachsene Kinder, drei Enkelkinder, Die Linke.
„Ich wurde 1962 in Karlsruhe geboren und lebe seit 42 Jahren in Bayern, davon über 33 Jahre in Zangberg. Meine drei Kinder sind inzwischen erwachsen und es gibt auch schon drei Enkelkinder. Mein Beruf ist technische Redakteurin. Meine Aufgabe ist das Erstellen von Betriebs-, Wartungs- und Fertigungsanleitungen.
Ich war sehr lange Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen, bis ich mich im Frühjahr dieses Jahres entschied, für Die Linke zu kandidieren, weil mir bei den wichtigen Themen wie zum Beispiel Klimaschutz immer wieder der soziale Aspekt fehlte.
In der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Mühldorf war ich viele Jahre Mitglied des Kirchenvorstands und habe heute die Beauftragungen für Umwelt und Diakonie.
Mein politisches Ziel – etwas fromm ausgedrückt – ist: Alle Kreaturen (Lebewesen) dieser Schöpfung sollen ein gutes Auskommen haben. Dies prägt meine politischen Ziele, wie:
• jeder Mensch soll von seiner Arbeit gut leben können und angemessen Wohnraum haben;
• mehr Flächen müssen für den Artenschutz und natürliche Wälder zur Verfügung stehen;
• der Mensch darf nicht noch mehr Natur zerstören, und versiegelte Flächen müssen wieder geöffnet werden;
• mit Rohstoffen muss sorgfältig umgegangen werden, und die Kohle muss im Boden bleiben;
• Krieg ist kein Mittel der Wahl.
Im Landtag möchte ich mich dafür einsetzen, dass unsere Kinder gute Schulen und Ausbildungen bekommen, unabhängig von der eigenen finanziellen Situation, damit sie ihr Leben mit angemessenen Löhnen oder Gehältern meistern können. Ein ausreichender Mindestlohn ist dabei selbstverständlich.
Viele allgemeine Aufgaben, die heute privatisiert sind, müssen wieder in öffentliche oder genossenschaftliche Hand. Große Profite müssen mit hohen Steuern belegt werden, damit der Staat den Klimaschutz, den Umbau der Infrastruktur und die soziale Absicherung der Menschen bezahlen kann. Weiter möchte ich mich dafür einsetzen, dass es mehr zusammenhängende Flächen für den Artenschutz gibt und die Wälder klimagerecht umgebaut werden können.
Wenn das Wetter verrückt spielt
Dürre, Waldbrände, Starkregen, Tornados – muss sich auch die Region auf deutlich mehr Wetter-Extreme einstellen? Wie kann sich Bayern wappnen? Und was kann Bayern zum globalen Kampf gegen den Klimawandel beitragen?
Antwort: Die Klimaerwärmung können wir nicht zurückdrehen, aber wir müssen darauf vorbereitet sein und uns davor schützen, dass große Schäden entstehen.
Wie kann das gehen? Indem in der Landschaft mehr Flächen zur Verfügung stehen, in der das Wasser versickern kann und somit erst gar nicht zu reißenden Strömen wird und wir das Wasser im Grundwasser wiederfinden.
Dazu braucht es natürliche Wälder die Wasser speichern und Gras und Buschflächen, die nicht so stark austrocknen, dass sie bei Starkregen kein Wasser aufnehmen können. Auch ist die Waldbrandgefahr in natürlichen Laubwäldern viel geringer. Der Staat muss diese Vorhaben fördern mit Gesetzen und staatlichen Förderungen für Bereitstellung von Flächen.
Flüchtlinge und kein Ende
Was muss der Freistaat beim Thema Flüchtlingsunterbringung aus Ihrer Sicht tun, damit die Kommunen die Aufgabe der Unterbringung von Flüchtlingen bewältigen können?
Antwort: Jeder Mensch soll ein gutes Auskommen haben. Dabei stellt sich für mich nicht die Frage, ob jemand aus politischer oder finanzieller Not seine Heimat verlassen hat. Wir haben das Glück, in eine reiche westliche Welt geboren zu sein. Dieses Glück sollten wir teilen. Menschen, die zu uns kommen, sollten so schnell wie möglich in Arbeit dürfen, das heißt Verzicht auf unsägliche lange Anerkennungsverfahren, die den Status betreffen und die Berufsausbildungen.
Jeder, der arbeitet, soll für sein Leben und seine Wohnung genug Geld haben. Mehr Wohnungen benötigen wir für alle, deshalb: Wohnimmobilien und Boden für den Wohnungsbau müssen raus aus der Spekulation.
Medizin hängt am Tropf
Die heimischen Krankenhäuser machen gewaltige Defizite. Welche Möglichkeiten muss der Freistaat nutzen, um die medizinische Versorgung in Kliniken in der Region sicherzustellen und dabei auch das Personal vernünftig bezahlen zu können? Wie kann man generell die medizinische Versorgung verbessern und Medikamenten-Engpässe vermeiden?
Antwort: Der wichtigste Punkt ist hier die angemessene Bezahlung der medizinischen einschließlich pflegerischen Leistungen und die Einschränkung der Profitgier der Pharmakonzerne. Wer Förderung bekommt, wie zum Beispiel Forschungsgelder, muss diese bei hohem Gewinn wieder zurückzahlen.
Es muss eine gute Struktur an wohnortnahen Hausarztpraxen und Krankenhäuser geben. Neben der medizinischen Versorgung ist für die Menschen das soziale Umfeld für die Gesundung wichtig. Was nützt Hochleistungsmedizin, wenn der Patient die Freude am Leben verliert, weil er sich ausgeliefert und alleingelassen fühlt.
Die Krankenhäuser müssen finanziell so ausgestattet sein, dass sie für ihre Region genügend Betten zur Verfügung haben, aber nicht gezwungen sind, sie aus wirtschaftlichen Gründen belegt zu halten oder abzuschaffen. Arztpraxen, Krankenhäuser und Pflegeheime gehören nicht in die Hand von profitorientierten Investoren, sondern müssen wieder in öffentliche Hand.
Bahnausbau in der Warteschleife
Der Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing verzögert sich massiv bis Mitte 2035. Was kann der Freistaat tun, um das Genehmigungsverfahren und den Bau zu beschleunigen?
Antwort: Für die Region ist es erstmal wichtig, die Strecke Mühldorf-München zweigleisig auszubauen, damit die Züge auch fahrplanmäßig ankommen, denn eine Verspätung eines Zuges verursacht oft eine Störung des ganzen Fahrplans für Stunden, da die Züge in den mehreren Abschnitten warten müssen.
Die Anschlüsse in Mühldorf werden dann auch oft nicht mehr eingehalten. Auch die weiteren Abschnitte nach Burghausen, Traunstein, Landshut und Rosenheim müssen zweigleisig ausgebaut werden. Solange die Bahnstrecken nicht komplett elektrifiziert sind, brauchen wir Hybrid-Loks, die auf der Strecke Markt Schwaben-München elektrisch fahren können.
Es kann doch nicht sein, dass es strenge Vorgaben für die Pkw gibt – und die Bahn kann mit veraltetem Material in die Stadt fahren. Da die Bahn als privates Unternehmen dies nicht bewerkstelligen kann, ist auch hier der Staat gefragt.
Lärmschutz für A94-Anwohner
Vor der letzten Bundestagswahl versprach Ministerpräsident Markus Söder, sich um das Problem der Lärmbelastung an der A94 zu kümmern. Bis heute ist nichts geschehen. Was wollen Sie tun, um den Anwohnern angemessenen Lärmschutz zu bieten?
Antwort: Die ersten wirksamen Maßnahmen sind eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf maximal 120 km/h und ein Flüsterasphalt, der auch die Lücken zwischen den Betonplatten gut ausfüllt.
Ihr Lieblingsthema
Ein Thema, das Sie für sehr wichtig halten, fehlt in der Liste? Etwa Wohnraum, Energiekosten, Bildung, Mittelstand oder Landwirtschaft? Dann nur zu! Nehmen Sie Stellung zu einem Thema Ihrer Wahl.
Antwort: Mein Thema: Trinkwasser.
Jeder Mensch muss freien Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Da sauberes Wasser immer knapper wird, darf es nicht von Konzernen im großen Stil profitorientiert abgezapft und verkauft werden. Für Unternehmen darf das Wasserrecht und die Entnahme nicht kostenfrei sein.
Genauso sollte man aber auch das kostbare Gut Trinkwasser sparen. Deshalb muss man Anreize schaffen, Regenwasser zu sammeln und dann für Gartenbewässerung und die Toilette benutzen.
Das spart auch Kapazitäten in der Kläranlage. In Neubaugebieten muss es die Regel werden, Regenwasser nicht in den Kanal zu leiten, sondern teilweise zu sammeln und teilweise versickern zu lassen. In der Altbebauung sollte nachgerüstet werden.
Anmerkung der Redaktion: Die Antworten des Kandidaten/der Kandidatin wurden 1:1 von der Redaktion übernommen, inhaltlich nicht überarbeitet und müssen deswegen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.