Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Überraschungsbesuch bei Xi Jinping

Umstrittene „Friedensmission“: In Peking geht Viktor Orbán China auf den Leim

Frieden schaffen mit Xi Jinping? Obwohl Peking unverändert zu Russland hält, lobt Viktor Orbán bei einem Besuch Chinas Rolle im Ukraine-Krieg. Er hat seine Gründe.

Das Sterben in der Ukraine geht weiter, daran ändert auch Viktor Orbáns sogenannte „Friedensmission“ nichts: Kaum hatte Ungarns Ministerpräsident am Montag Peking verlassen, nach Kiew und Moskau Stopp Nummer drei seiner angeblichen Reise für Frieden im Ukraine-Krieg, kamen aus dem bedrängten Land die neuesten Schreckensmeldungen. Bei russischen Angriffen auf die Hauptstadt sowie die Stadt Krywyj Rih im Süden des Landes seien mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen und 50 verletzt worden, teilte Innenminister Ihor Klymenko mit. In Kiew sei zudem ein großes Kinderkrankenhaus getroffen worden, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Obwohl Russlands blutiger Angriffskrieg gegen die Ukraine also mit unveränderter Brutalität weiterläuft, steht Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping noch immer hinter Wladimir Putin. Peking gibt Russland seit dessen Einmarsch in die Ukraine nicht nur diplomatisch Rückendeckung, sondern sieht untätig auch dabei zu, wie chinesische Unternehmen sogenannte Dual-use-Güter in großem Stil nach Russland exportieren. Dazu gehören etwa Drohnen, Mikrochips und gepanzerte Fahrzeuge. Auch durch den Kauf von russischem Öl und Gas befeuert Peking die Kriegsmaschinerie des Kreml. „Russland würde es schwer haben, seinen Angriff auf die Ukraine ohne Chinas Unterstützung aufrechtzuerhalten“, sagt US-Außenminister Antony Blinken.

Die Geschichte der Volksrepublik China von 1949 bis heute

Am 1. Oktober 1949 ruft Mao Zedong in Peking die Volksrepublik China aus.
Am 1. Oktober 1949 ruft Mao Zedong in Peking die Volksrepublik China aus. Zuvor hatten sich Maos Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg gegen die Nationalisten durchgesetzt, die nach Taiwan geflohen waren. © Xinhua/Imago
Mit dem „Großen Sprung nach Vorne“ (1958-1961) sollte die Produktion vorangetrieben werden.
Eines der Hauptziele der neuen Regierung war die wirtschaftliche Entwicklung des verarmten Chinas. Mit dem „Großen Sprung nach Vorne“ (1958-1961) sollte die Produktion vorangetrieben werden. Doch Fehler in der Planung und Naturkatastrophen sorgen für eine Hungersnot, der 15 bis 55 Millionen Menschen zum Opfer fielen. © agefotostock/Imago
1959 kam es in Tibet zu einem Aufstand gegen die Besatzer.
Bereits kurz nach der Machtübernahme besetzte die chinesische Volksbefreiungsarmee das bis dahin faktisch unabhängige Tibet. 1959 kam es zu einem Aufstand gegen die Besatzer, woraufhin der Dalai Lama das Land verlassen musste. Heute lebt er im indischen Exil. © United Archives International/Imago
Von 1966 bis 1976 erschütterte die Kulturrevolution China.
Von 1966 bis 1976 erschütterte die Kulturrevolution China. Mit der Kampagne wollte Mao mit den Mitteln des Klassenkampfes die chinesische Gesellschaft von „konterrevolutionären“ Elementen befreien; zudem zementierte er seine Macht an der Spitze des Staates. Der Kulturrevolution fielen Hunderttausende Menschen zum Opfer. © Photos12/Imago
1972 besuchte mit Richard Nixon erstmals ein US-Präsident die Volksrepublik.
Anfang der 70er-Jahre öffnete sich China aber auch nach Westen. 1972 besuchte mit Richard Nixon erstmals ein US-Präsident die Volksrepublik. Im selben Jahr nahm Deutschland diplomatische Beziehungen mit Peking auf. © agefotostock/Imagao
Nach einem parteiinternen Machtkampf setzte sich schließlich Deng Xiaoping als neuer Führer der Volksrepublik durch.
Mao starb 1976. Nach einem parteiinternen Machtkampf setzte sich schließlich Deng Xiaoping als neuer Führer der Volksrepublik durch. Deng leitete die Geschicke Chinas bis zu seinem Tod im Jahr 1997. © Zuma/Keystone/Imago
Deng Xiaoping trieb die Öffnung Chinas voran.
Deng Xiaoping trieb die Öffnung Chinas voran. Demokratische Reformen blieben aus, die Wirtschaft entwickelte sich allerdings rasant. Auch ausländische Unternehmen wie Volkswagen engagierten sich nun in China. © Sepp Spiegl/Imago
Im Frühjahr 1989 kam es in Peking zu Demonstrationen von Studenten, die Reformen und eine Demokratisierung Chinas forderten. In der Nacht auf den 4. Juni 1989 eskalierte die Lage, der Tiananmen-Platz im Herzen Pekings wurde geräumt, die Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Hunderte Menschen starben.
Im Frühjahr 1989 kam es in Peking zu Demonstrationen von Studenten, die Reformen und eine Demokratisierung Chinas forderten. In der Nacht auf den 4. Juni 1989 eskalierte die Lage, der Tiananmen-Platz im Herzen Pekings wurde geräumt, die Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Hunderte Menschen starben. © Jeff Widener/dpa
Am 1. Juli 1997 wurde Hongkong, die ehemalige britische Kronkolonie, an China zurückgegeben.
Am 1. Juli 1997 wurde Hongkong, die ehemalige britische Kronkolonie, an China zurückgegeben. Gouverneur Chris Patten erhielt die eingeholte britische Nationalflagge, die chinesische Flagge wurde gehisst.  © UPI Photo/Imago
Heute ist Shanghai das wirtschaftliche Zentrum des Landes, dort befindet sich auch der größte Hafen der Welt.
Chinas Wirtschaft entwickelte sich in den 90er-Jahren, vor allem aber ab dem Beitritt der Volksrepublik zur Welthandelsorganisation 2001, rasant. Heute ist Shanghai das wirtschaftliche Zentrum des Landes, dort befindet sich auch der größte Hafen der Welt. © Ivan Tykhyi/Imago
Unter Xi Jinping, seit 2012 Parteichef und seit 2013 Staatspräsident, wird China immer autoritärer regiert.
Trotz des wirtschaftlichen Erfolgs: Der Handel mit dem Westen brachte China keinen demokratischen Wandel - im Gegenteil. Unter Xi Jinping, seit 2012 Parteichef und seit 2013 Staatspräsident, wird China immer autoritärer regiert. Es entstand ein neuer Personenkult, der an die Mao-Ära erinnert. © UPI Photo/Imago
In der Provinz Xinjiang gingen die Behörden gegen die muslimischen Uiguren vor. Hunderttausende Menschen sollen dort in Umerziehungslagern eingesperrt sein.
China wurde immer mehr zum Polizei- und Überwachungsstaat. In Hongkong wurde die Demokratiebewegung brutal niedergeschlagen, in der Provinz Xinjiang gingen die Behörden gegen die muslimischen Uiguren vor. Hunderttausende Menschen sollen dort in Umerziehungslagern eingesperrt sein. © UPI Photo/Imago

Orbán in Peking: „China ist die einzige Weltmacht, die sich von Anfang an zu Frieden bekannt hat“

Für Viktor Orbán ist Xi trotz allem so etwas wie ein asiatischer Friedensfürst. „China ist die einzige Weltmacht, die sich von Anfang an zu Frieden bekannt hat“, behauptete er in Peking. Und in einem am Montag veröffentlichten Interview mit dem Bild-Vize Paul Ronzheimer tönte der Ungar: „China hat einen Friedensplan. Amerika hat eine Kriegspolitik.“ Xi Jinping dürfte sich angesichts solcher Worte geschmeichelt fühlen. Beim Treffen mit Orbán säuselte der chinesische Präsident, er wolle die Partnerschaft mit Ungarn weiter ausbauen, und: „China hat sich auf seine Weise aktiv für den Frieden und die Förderung von Gesprächen eingesetzt und alle Bemühungen unterstützt, die zu einer friedlichen Lösung der Krise beitragen.“ Es sind altbekannte Behauptungen, den seit Jahren keine Taten folgen.

Konkrete Schritte kündigte Xi auch diesmal nicht an, von Wladimir Putins Seite scheint er keinen Zentimeter weichen zu wollen. Warum auch, wenn die Allianz mit dem Kreml-Herrscher wirtschaftliche Vorteile bringt und von Europa kaum mehr als ein erhobener Zeigefinger zu erwarten ist, von Ungarn sogar Lob? Vor ein paar Wochen erst hatte Orbán den chinesischen Präsidenten mit viel Pomp in Budapest empfangen.

Dass ausgerechnet Orbán die chinesische Propaganda glauben will, ist kein Zufall: An einer Konfrontation mit Peking hat die Regierung in Budapest kein Interesse, denn China investiert seit Jahren massiv in dem Land. „Man kann sagen, dass Ungarn das letzte Land in der ganzen EU ist, das ganz offen freundlich gegenüber Chinas Regierung ist“, sagt Tamás Matura, Gründer des Central and Eastern European Center for Asian Studies und Professor an der Corvinus-Universität in Budapest.

Ukraine, Russland, China: Orbán auf umstrittener „Friedensmission“

Orbáns angebliche „Friedensmission“ ist innerhalb der EU hochumstritten. Bereits in der vergangenen Woche war er – erstmals seit Kriegsbeginn – zu Wolodymyr Selenskyj nach Kiew gefahren und, zum Entsetzen vieler europäischer Staats- und Regierungschefs, auch zu Wladimir Putin nach Moskau geflogen. Ungarn hatte am 1. Juli die rotierende EU-Ratspräsidentschaft übernommen, ein entsprechendes Logo und die EU-Flagge prangen seitdem auf all seinen Posts. Orbán sieht sich auch in Peking in offizieller Mission, dabei hatte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell schon nach dem Putin-Treffen klargestellt: Orbán vertrete nicht die EU, sein Moskau-Besuch falle „ausschließlich in die bilateralen Beziehungen zwischen Ungarn und Russland“. Selbiges gelte nun auch für seinen Peking-Trip, wie etwa Regierungssprecher Steffen Hebestreit in Berlin erklärte: „Die Reisetätigkeit, die wir im Augenblick sehen, das tut er als ungarischer Ministerpräsident.“

Viktor Orbán hatte seine China-Reise wohl wissend nicht angekündigt. Auch das Außenministerium in Peking erwähnte den Besuch aus Ungarn am Freitag in seiner werktäglichen Pressekonferenz mit keinem Wort, obwohl Treffen auf derart hoher Ebene in der Regel Wochen im Voraus geplant werden. Ein spontaner Kurztrip dürfe Orbáns „Friedensmission“ also kaum sein. „Ein Mangel an Transparenz war schon immer ein Hauptmerkmal der Regierung Orbán“, sagt Tamás Matura. Orbán habe den Besuch wohl deshalb nicht angekündigt, um „jeglichen Widerstand seitens der EU zu verhindern“. Viktor Orbán ficht die Kritik aus Brüssel nicht an. „Die Friedensmission geht weiter“, verkündete er in Peking.

Rubriklistenbild: © AFP

Kommentare