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Geplantes Gipfeltreffen

Vor Trump-Xi-Gipfel: Können die USA Taiwan überhaupt noch verteidigen?

Donald Trump will kommende Woche Xi in Peking treffen. Doch im Hintergrund rückt Taiwans Schutz gefährlich nah an einen Deal. Eine Analyse.

Sollten sich Donald Trump und Xi Jinping in der kommenden Woche tatsächlich in Peking gegenübersitzen, hat Donald Trump sein Ziel, weswegen er die weite Reise auf sich nimmt, bereits erreicht. Das Zusammentreffen der beiden Spitzenpolitiker war eigentlich für April vorgesehen, doch der Krieg, den die USA gemeinsam mit Israel gegen den Iran begonnen haben, zwang das Weiße Haus dazu, den Termin zu verschieben. Über ein Jahr lang hatte der New Yorker Immobilienunternehmer um ein Treffen mit Chinas Machthaber gebuhlt. Peking jedoch hielt ihn auf Armeslänge entfernt. Er sei zu erratisch und unberechenbar, um Xi ungeschützt mit ihm vor den Augen der Welt zusammentreffen zu lassen. Trump trompetete, er wolle den „großen Deal“ mit China, den zu zimmern ihm allein, niemand sonst im direkten Gespräch mit Xi gelingen würde. Worin dieser Deal bestehen solle, wer was gibt und was bekommt, darüber herrschte in Peking Rätselraten. Nach all dem Buhlen ist es für Trump bereits ein Gewinn, mit Xi am selben Tisch zu sitzen.

US-Präsident Donald Trump (l) und der chinesische Präsident Xi Jinping sollen sich kommenden Woche treffen.

Erst als sich zeigte, dass Trumps Handeln die USA selbst massiv schwächt, begann man in Peking, sich mit dem Gedanken einer Begegnung langsam anzufreunden. Aus der Ferne konnte die Volksrepublik Amerika sein Besteck zeigen: ihr belegt uns mit Strafzöllen, dann reglementieren wir den Export der Seltenen Erden derart, dass bei euch in den USA kein Auto mehr vom Band läuft und die Rüstungsindustrie, die ebenfalls die Chips aus China braucht, ins Stottern gerät.

Vor Trump-Xi-Gipfel: Können die USA Taiwan überhaupt noch verteidigen?

Die Fähigkeit der US-Armee zu agieren, hat sich seit diesem Händel im vergangenen Sommer auch ohne weitere chinesische Exportbeschränkungen derart verringert, dass Sicherheitsanalysten in der Volksrepublik kurz vor dem Gipfel der beiden Staatenlenker sagen, dass die USA ihr Waffenarsenal derart ausgeweidet haben, dass sie nicht mehr in der Lage sein würden, dem demokratischen Taiwan im Falle eines Angriffs der Volksrepublik zu Hilfe zu eilen. Der Sicherheitsbeistand der USA gegenüber dem Rivalen Pekings ist seit Jahrzehnten gesetzt, während seiner ersten Amtszeit hat Trump das Verhältnis zu dem Inselstaat sogar ausgebaut. Gleichzeitig hat er, wie üblich für seinen Politik-Stil, mehrfach genau diese gesetzlich verankerte Unterstützung für Taiwan selbst in Frage gestellt.

Und während Trump nach Peking fliegt, um Bilder zu produzieren, die ihn zu Hause als den ausweisen sollen, der der Heft des Handelns in der Hand (be)hält, ist Chinas Machthaber daran interessiert, möglichst viel gegenüber seinem Gast durchzusetzen ohne seine eigenen Positionen aufgeben zu müssen. Hier kann sich Xi Jinping in der Oberhand fühlen, da Trumps kostspieliger Krieg gegen den Iran, die Disruption, die dadurch für die Weltwirtschaft und die globale Energieversorgung entstanden ist, ohnehin schon Staatenlenker, jene Großbritanniens und Deutschlands beispielsweise, in die Arme Pekings getrieben hat. Etliche der von Trump brüskieren, ehemaligen US-Verbündeten sehen in der Volksrepublik mehr und mehr einen stabilen Akteur, der, anders als Washington, daran interessiert ist, dass der Welthandel intakt bleibt. 

Militärparade in Peking: China präsentiert unter den Augen von Putin und Kim neue Superwaffen

Eine strategischen Interkontinentalraketen von Typ DF-61 wird bei der Militärparade zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gezeigt.
Eine strategischen Interkontinentalraketen von Typ DF-61 wird bei der Militärparade zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gezeigt. © Andy Wong/AP/dpa
Chinesische Bomber des Typs Xian H-6 während der Militärparade in Peking.
Chinesische Bomber des Typs Xian H-6 während der Militärparade in Peking. © Hector RETAMAL / AFP
Chinesische Kampfflugzeuge - Shenyang J-16 (r.), Chengdu J-20 Mighty Dragon (mitte), and Shenyang J-35 (l.) - fliegen während der Militärparade in Peking.
Chinesische Kampfflugzeuge - Shenyang J-16 (r.), Chengdu J-20 Mighty Dragon (mitte), and Shenyang J-35 (l.) - fliegen während der Militärparade in Peking. © GREG BAKER / AFP
Militärparade in Peking: China hat die interkontinentalen ballistischen Raketen DF-5C zur Schau gestellt.
Militärparade in Peking: China hat die interkontinentalen ballistischen Raketen DF-5C zur Schau gestellt. © GREG BAKER / AFP
Fahrzeuge mit der Laser-Waffe LY-1 fahren während der Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens vorbei. China zeigte erstmals während der Parade diesen sogenannten Hochenergie-Lasers (HEL), der zur Abwehr von Schwärmen kleinerer Drohnen oder Lenkwaffen dienen könnte.
Fahrzeuge mit der Laser-Waffe LY-1 fahren während der Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens vorbei. China zeigte erstmals während der Parade diesen sogenannten Hochenergie-Lasers (HEL), der zur Abwehr von Schwärmen kleinerer Drohnen oder Lenkwaffen dienen könnte. © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade in Peking: Ein chinesischer Soldat posiert vor HHQ-9C Boden-Luft-Raketen.
Militärparade in Peking: Ein chinesischer Soldat posiert vor HHQ-9C Boden-Luft-Raketen. © Pedro PARDO / AFP
Eine chinesische Drohne während der Militärparade in Peking.
Eine chinesische Drohne während der Militärparade in Peking. © Pedro PARDO / AFP
Militärparade zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Helikopter fliegen eine Formation über Peking.
Militärparade zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Helikopter fliegen eine Formation über Peking. © Greg Baker/AFP
Militärparade in Peking: Soldatinnen marschieren in Reih und Glied am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.
Militärparade in Peking: Soldatinnen marschieren in Reih und Glied am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.  © Johannes Neudecker/dpa
Stargast bei der Militärparade in Peking: Kremlchef Wladimir Putin
Stargast bei der Militärparade in Peking: Kremlchef Wladimir Putin © Sergei Bobylev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Ebenfalls zu Gast bei der Militärparade in Peking: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un
Ebenfalls zu Gast bei der Militärparade in Peking: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un © Alexander Kazakov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Militärparade in Peking: Xi Jinping bei seiner anschließenden Ansprache
Militärparade in Peking: Xi Jinping bei seiner anschließenden Ansprache © Jade Gao/AFP
Vor Militärparade in Peking
Der chinesische Staatschef Xi Jinping hat zur Militärparade am 3. September illustre Gäste geladen. Darunter ist auch der russische Präsident Wladimir Putin. Schon vor der Parade haben sie bei einem Treffen in Peking ihr gutes Verhältnis betont. Putin und Xi betonten außerdem, zur Militärparade anlässlich des 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges der jeweils anderen Seite gekommen zu sein. © Sergei Bobylev/dpa
Vor Militärparade in Peking - Treffen Xi und Putin
Am 1. September hatten sich Xi und Putin beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) für eine neue Weltordnung ausgesprochen. Die russlandfreundliche SOZ gilt Gegengewicht zu westlichen Bündnissen. Putin hatte erklärt, das eurozentrische und euroatlantische Modell habe sich überlebt. © dpa
Vor Militärparade in Peking - Ankunft Gäste
544732808.jpg © Pang Xinglei/dpa
Kim Jong un
Kim Jong-un verlässt sein Land überaus selten. Die Militärparade in Peking ist für ihn das erste Treffen mehrerer Staatschefs überhaupt. Es wird erwartet, dass er Xi Jinping und Wladimir Putin in Peking auch zu persönlichen Gesprächen trifft.  © afp
Vor Militärparade in Peking
Wichtige Vertreter aus dem Westen werden bei der Militärparade in Peking nicht im Publikum sein. Dabei ist aber der serbische Präsident Aleksandar Vučić (hier bei seiner Ankunft). © Lintao Zhang/dpa
Vor Militärparade in Peking - Ankunft Gäste
Auch der slowakische Regierungschef Robert Fico ist vor Ort (hier am Flughafen von Peking). Beide stehen vor allem dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nahe. © Jade Gao/dpa
Militärparade China
China erinnert am 3. September an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg. Nach 2015 zum 70. Jahrestag hält die Volksrepublik damit zum zweiten Mal eine Militärparade anlässlich des Gedenkens an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg ab. Die letzte große Militärparade in Peking fand 2019 statt. Damals erinnerte die herrschende Kommunistische Partei an den 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik 1949. © Wang Zhao/afp
Militärparade China
Mit Zehntausenden Männern und Frauen will China bei der diesjährigen Militärparade anlässlich des 80. Jahrestages des Sieges im Widerstandskrieg gegen Japan seine Kampffähigkeit unter Beweis stellen.  © Pedro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Insgesamt sollen 45 Formationen über den Platz des Himmlischen Friedens in Peking laufen und fliegen. Darunter sind ausgewählte Einheiten des Heeres, der Marine, der Luftwaffe, aber auch der Luftabwehrtruppen.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
Zudem will die Staatsführung in der rund 70-minütigen Vorführung Hunderte Panzer und Militärfahrzeuge sowie Kampfflugzeuge und Hubschrauber zur Schau stellen.  © Pedro Pardo/afp
Militärparade China
Schon seit geraumer Zeit trainieren am Stadtrand von Peking Einheiten in der Sommerhitze für die Militärparade.  © Pesro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Die Parade fällt in eine Zeit, in der Peking im Südchinesischen Meer und der Taiwanstraße unter westlicher Kritik zunehmend militärischen Druck aufbaut.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
Alle gezeigten Waffensysteme sollen aus chinesischer Herstellung stammen. Darunter soll neue, bisher nicht gezeigte Ausrüstung sein, unter anderem Drohnen, elektronische Störsysteme, Hyperschallwaffen sowie Raketen- und Luftabwehrsysteme. © Pedro Pardo/afp
Militärparade China
Die bei der Parade zur Schau gestellten Waffen könnten Hinweise auf einen möglichen zukünftigen Konflikt mit Taiwan liefern. Es wird erwartet, dass dabei eine neue Serie von Anti-Schiffs-Raketen, die Ying Ji („Adlerangriff“), vorgestellt wird. Diese Marschflugkörper sowie ballistische und Hyperschallraketen könnten entscheidend sein in einem Gefecht mit der US-Marine. © Pedro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Die Parade wird auch die Rolle der Kommunistischen Partei der Volksrepublik beim Sieg über Japan herausstellen. © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Dabei sind sich die Historiker außerhalb Chinas weitgehend einig, dass das Hauptverdienst für diesen Sieg Chiang Kai-sheks Nationalisten zukommt, die damals den größten Teil Chinas regierten © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
2015 würdigte die Kommunistische Partei die nationalistischen Soldaten, indem sie Veteranen zur Parade einlud. © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Auch ausländische Mächte trugen zur Niederlage Japans bei, darunter die als „Flying Tigers“ bekannten US-Piloten. Sie einzubeziehen, wäre eine versöhnliche Geste gegenüber der Regierung in Washington. © Johannes Neudecker/dpa
Siegesparade Moskau
Als Anerkennung der damaligen Unterstützung der Sowjetunion könnten russische Soldaten mitmarschieren – so wie auch chinesische Soldaten an der Moskauer Parade im Mai teilnahmen. © Kirill Kudryavtsev/afp
Übung zur Militärparade in Peking
In der Militärkapelle spielen laut staatlichen Medien 80 Hornisten mit, die für die 80 Jahre seit der Kapitulation Japans stehen.  © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Die insgesamt mehr als 1000 Musiker stehen in 14 Reihen – Sinnbild für die Jahre des chinesischen Widerstands.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
In der offiziellen Geschichtsschreibung Chinas begann der Krieg mit der japanischen Invasion der Mandschurei 1931. © Wang Zhao/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Groß angelegte Militärparaden in China sind selten. Peking selbst will die Parade und seine wachsende militärische Macht als einen Beitrag zum Frieden verstanden sehen. © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
AFP__20250820__69ZJ7G6__v2__HighRes__TopshotChinaJapanHistoryWwiiMilitaryParade.jpg © Pedro Pardo/afp
Vor Militärparade in Peking - Treffen Xi und Putin
Nach der Parade wird Xi voraussichtlich eine Ansprache halten. Beobachter erwarten Kommentare zu den USA und zu Taiwan, das China als Teil der Volksrepublik betrachtet. © Sergei Bobylev/dpa

Taiwan, das hat Xi mehr als einmal gegenüber all seinen Besuchern aus der freien Welt klar gemacht, ist für ihn die rote Linie, die kein Land überschreiten darf. Jeder, der den Inselstaat aufwertet oder, wie Xi es sieht, aus dem Orbit Pekings heraus lotst und den Weg in eine “Unabhängigkeit“ zu ebnen hilft, werde Pekings Zorn spüren. Für Trump, der angesichts katastrophaler Umfragewerte zu Hause und des außenpolitischen Chaos, das er angerichtet hat, am Ende der Reise etwas als Erfolg und Gewinn verkaufen können muss, wird sich vielleicht von Xi überzeugen lassen, die Unterstützung für Taipei aufzugeben. 

Es steht nicht zu erwarten, dass Washington Taiwan mit einem Mal komplett fallen lässt, aber das braucht es aus der Warte Pekings gar nicht. Xi ist jüngst dazu übergegangen, neben der militärischen Einschüchterung der Insel, ständige Verletzung des Luftraums und Konfrontation zur See, die taiwanesische Opposition zu umgarnen und so einen Zugang zur öffentlichen Meinung in Taiwan zu erlangen, was am Ende zur Wahl einer Peking-freundlichen Regierung der KMT-Partei führen soll. Deren Vorsitzende Cheng Li-wun war im April in Peking und kehrte mit der Botschaft auf die Insel zurück, dass sich unter ihrer Ägide (sie könnte im Jahr 2028 für ihre Partei als Kandidatin für das Präsidentenamt antreten) das Verhältnis zum mächtigen Nachbarn normalisieren könnte. Für die USA hat Cheng nicht viel übrig, ihre bisweilen militant wirkende Rhetorik gegenüber Washington brandmarkt die USA eher als Besatzer, denn als Freund. Das verfängt derzeit noch nicht mit der Mehrheit der Taiwanesen, bis zur Wahl sind es allerdings noch zwei Jahre hin.

Und Peking kann, wie es schon oft bewiesen hat, das “long game” spielen. Unbehindert von Amtszeitbeschränkungen oder gar freien und fairen Wahlen, können Xi Jinping und die KP Chinas in Ruhe Pläne schmieden, aufsetzen und exekutieren. Trump hingegen, dessen Partei unter Umständen im Herbst bei den Midterm-Wahlen beide Kammern des Kongresses verlieren könnte, kann sich diesen Luxus nicht leisten. Und selbst, wenn er ihn hätte (er wünscht sich ja eine Machtfülle, wie sie Xi, Putin und Kim haben), würde ihm buchstäblich der lange Atem fehlen, der für eine nachhaltige Taiwan-Strategie nötig ist. 

Nun auch objektiv nicht mehr über das Arsenal zu verfügen, Taiwan maßgeblich bei einem potentiellen Verteidigungskampf unterstützen zu können, macht die Sache vor allem für die Taiwaner gefährlich. Sie werden unter Umständen kommende Woche zu einem Bauernopfer einer Großmachtpolitik, die Trump sich herbeisehnt und die Xi schon längst ins Werk setzt. Amerika ist geschwächt und verliert Einfluss in der Welt. Um an diese Stelle zu gelangen, haben die USA Schätzungen des Pentagon zufolge 25 Milliarden Dollar verfeuert. Gewonnen haben sie dadurch nichts, es steht vielmehr zu befürchten, dass Washington noch mehr verlieren wird, vor allem in der Indo-Pazifik-Region. 

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/XinHua | Yin Huan picture alliance/dpa/AP | Mark Schiefelbein

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