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Regierung in der Defensive

Chaos um neue Wehrpflicht: Union attackiert Pistorius – der nennt Starttermin

Union und SPD einigen sich nun doch nicht auf ein Wehrdienst-Modell. Die Christdemokraten finden schnell einen Schuldigen: Verteidigungsminister Pistorius.

Update, 11.26 Uhr: Trotz des Koalitions-Streits um das Wehrdienstgesetz: Verteidigungsminister Pistorius hält an dessen Starttermin 2026 fest – und sieht das Klima bei Schwarz-Rot nicht gefährdet. „Das Ziel bleibt, dass das Gesetz zum 1. Januar in Kraft tritt“, sagte der SPD-Politiker am Rande einer Sitzung des Verteidigungsausschusses. „Ich finde das alles weit weniger dramatisch, als es gerade gemacht wird“, fügte er hinzu. Man habe lediglich eine Woche Zeit verloren und werde jetzt ganz normal das Gesetz beraten. 

Update, 15. Oktober, 6.09 Uhr: Die Kritik aus der Union an Pistorius ist nicht ohne. Der Vorwurf: Er soll in der SPD-Fraktion Stimmung gegen einen Kompromiss bei der Wehrdienst-Einberufung gemacht haben. „Eine Blutgrätsche von Pistorius gegen die SPD-Fraktionsführung“ sei das gewesen, sagte ein nicht namentlich genannter SPD-Minister der Bild.

Wehrdienst-Streit: Union attackiert Pistorius, der wehrt sich

Update, 22:49 Uhr: Verteidigungsminister Boris Pistorius weist den Vorwurf zurück, den zwischen den Fraktionen von Union und SPD ausgehandelten Kompromiss zum Wehrdienstgesetz sabotiert zu haben. „Ich torpediere nicht, und ich bin auch nicht destruktiv“, sagte der SPD-Politiker dem Tagesspiegel mit Blick auf eine entsprechende Äußerung von Unionsfraktionsvize Norbert Röttgen (CDU). 

„Ich habe nur gewisse Schwierigkeiten damit, dass zwei elementare Stellen meines Gesetzentwurfs geändert werden, bevor dieser überhaupt offiziell in den Bundestag eingebracht worden ist“, so Pistorius. Diese Bedenken habe er auch nicht erst heute geltend gemacht.

Die Union kritisiert Boris Pistorius scharf. (Archivfoto)

Scharfe Kritik an Pistorius: Union sieht Wehrdienst-Schuld beim Verteidigungsminister

Update, 20:58 Uhr: Nach der geplatzten Wehrdienst-Einigung verschafft die Union ihrem Ärger Luft. Besonders SPD-Verteidigungsminister Boris Pistorius wird dabei angegangen. „Ich kann nicht verstehen, wie man einen Gesetzgebungsprozess als Verteidigungsminister derart torpedieren und sich so destruktiv verhalten kann“, sagte Norbert Röttgen (CDU) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Die SPD müsse „sich jetzt sortieren“.

„Der Minister hat die Fraktion der Sozialdemokraten angezündet“, wird ein namentlich nicht genannter Christdemokrat gar von der Welt zitiert. Ähnlich scharf äußerte sich auch Röttgen gegenüber der Süddeutschen Zeitung: Pistorius habe „ein wichtiges Gesetzgebungsverfahren frontal torpediert und die eigene Fraktion in Chaos“ gestürzt.

Streit zwischen Union und SPD: Keine Einigung beim Wehrdienst

Update, 18.36 Uhr: Union und SPD haben sich im Streit über die Pläne für den Wehrdienst anders als erwartet doch nicht einigen können. Aus der SPD-Fraktion hieß es, es gebe noch Fragen zum von der Union vorgeschlagenen Losverfahren. Offen blieb, ob damit die für Donnerstag geplante erste Lesung des Gesetzentwurfs erneut verschoben werden muss.

Die Bild-Zeitung berichtete, das Wehrdienstgesetz werde nun auch diese Woche von der Tagesordnung genommen. Dazu hieß es aber aus dem Parlament, das sei noch nicht entschieden. Eigentlich hätte der Gesetzentwurf schon vergangene Woche im ersten Durchgang in den Bundestag kommen sollen.

Ein Sprecher der Unionsfraktion sagte nun: „Wir haben die Pressekonferenz abgesagt, weil die beabsichtigte Einigung ausgeblieben ist. Wir hatten fest damit gerechnet. Wir wissen nicht, wann die erste Lesung des Gesetzentwurfs erfolgen wird und werden Sie dazu zeitnah informieren.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Update vom 14. Oktober, 17:57 Uhr: Union und SPD sollen sich nach langem Ringen im Grundsatz auf ein Wehrdienstmodell verständigt haben, das auch ein Losverfahren enthalten soll. Doch zu einer geplanten Pressekonferenz, bei der die Details vorgestellt worden sollten, kommt es laut Informationen der Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA nun doch nicht. Kurz darauf wurden Spekulationen laut, denen zufolge die SPD mit den Plänen nicht komplett zufrieden war.

Langer Streit um die Wehrpflicht: Union und SPD offenbar einig

Erstmeldung vom 14. Oktober: Berlin – Nach scharfem Widerspruch aus der Opposition wollen die Koalitionäre von Union und SPD ihren Vorschlag zur Wehrpflicht per Losverfahren auf einer Pressekonferenz um 17:30 Uhr präsentieren. Der Plan war bereits seit gestern inoffiziell durch die Medien gegangen. Laut ARD hat sich die Regierung auf die Änderungen beim geplanten Wehrdienst-Modell geeinigt. Am Donnerstag (16. Oktober) soll der neue Gesetzentwurf zur Wehrpflicht zur ersten Lesung im Bundestag vorliegen.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann hat bereits vorab rechtliche Bedenken gegen ein Losverfahren für die Rekrutierung von Wehrdienstleistenden zurückgewiesen. Die Union habe ein Rechtsgutachten dazu in Auftrag gegeben, nach dem eine solche Regelung mit dem Grundgesetz vereinbar wäre, sagte der Chef der CSU-Bundestagsabgeordneten. Ein Losverfahren diene dazu, in einem Auswahlprozess Gleichheit herzustellen. „Der Prozess der Auslosung gewährleistet diese Gleichheit, weil alle die gleiche Chance haben oder Nicht-Chance, gezogen zu werden“, so Hoffmann gegenüber der dpa.

Opposition kritisiert den Wehrdienst im Losverfahren

Von der Opposition kommt seit Bekanntwerden der Idee harsche Kritik. „Wenn das Ausfüllen des Fragebogens verpflichtend sein soll und alle, die den Fragebogen ausgefüllt haben, in den Lostopf wandern, ist eine Möglichkeit zu verweigern das Mindeste“, forderte Linken-Abgeordneter Sören Pellmann auf Instagram.

Auch die Grünen lehnen das Losverfahren als „völlig undurchdachten Vorschlag“ ab. Den Zufall entscheiden zu lassen, wer gemustert und einberufen werden solle, sei ein „absolut willkürliches“ und ein „total bürokratisches“ Verfahren, sagte Fraktionschefin Katharina Dröge in Berlin der dpa. Selbst beim alten Wehrdienst habe niemand zum Dienst an der Waffe gezwungen werden können, stattdessen habe es den Ersatzdienst gegeben.

Die meisten Betroffenen sind gegen eine Wehrpflicht

Die Bundesregierung plant, die Anzahl der Streitkräfte in den kommenden Jahren auf 260.000 zu erhöhen. Mittelfristig soll die Truppenstärke, einschließlich der Reserve, auf 460.000 anwachsen. Eine repräsentative Umfrage von Forsa im Auftrag von RTL und Stern zeigt, dass 54 Prozent der Deutschen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht befürworten. 41 Prozent lehnen dies ab. Bei den 18- bis 29-Jährigen, die direkt von der Wehrpflicht betroffen wären, sprechen sich 63 Prozent dagegen aus. (Quellen: dpa, ARD, RTL/ntv, Instagram, eigene Recherche) (dafi/nak)

Rubriklistenbild: © Martin Schutt/dpa

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