Washington Post
„Kein russisches Roulette“: Spaniens Premier verweigert Trump im Iran-Krieg weiterhin Militärbasen
Spaniens Premier Pedro Sánchez stellt sich offen gegen Trumps Iran-Kurs. Aus dem Weißen Haus heißt es, Madrid werde nun „kooperieren“. Spaniens Regierung weist das zurück. Eine Analyse.
Während andere europäische Regierungschefs mit abwägenden Formulierungen, Richtungswechseln oder sogar offener Unterstützung für den US-israelischen Angriff auf Iran reagieren, zeigte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez am Mittwoch offen Widerstand gegen Präsident Donald Trumps Militäreinsatz. Er wich dabei auch nicht zurück, nachdem Trump am Vortag damit gedroht hatte, den Handel mit Spanien einzufrieren.
Tauziehen über Militärkooperation, Sánchez bleibt hart
Am Abend erklärte das Weiße Haus, Spanien habe nun nachgegeben und werde „kooperieren“. Die spanische Regierung dementierte dies umgehend. Seit Monaten tritt Sánchez als Symbolfigur des europäischen Widerstands gegen Trump auf – etwa bei den Streitthemen Verteidigungsausgaben oder Einwanderung. Den iranischen Machtapparat sieht Sánchez zwar kritisch, verurteilte aber zugleich die US-israelische Offensive: Sie trage dazu bei, „eine unsicherere, feindseligere Weltordnung“ zu schaffen.
Trump hatte den Ton am Dienstag verschärft und Handelsmaßnahmen gegen Spanien angedroht. Sánchez bekräftigte in einer landesweiten Rede seinen entschiedenen Kurs.
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„Wir werden uns nicht an etwas beteiligen, das schlecht für die Welt ist und unseren Werten und Interessen widerspricht, nur um Repressalien von irgendjemandem zu vermeiden“, sagte Sánchez, klar mit Blick auf Trump.
In einem Seitenhieb erinnerte er an die US-geführte Invasion des Irak 2003: „Wir müssen aus der Geschichte lernen und dürfen mit dem Schicksal von Millionen Menschen kein russisches Roulette spielen.“
„Vor 23 Jahren hat uns eine amerikanische Regierung in einen Krieg im Nahen Osten hineingezogen, angeblich um Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen zu beseitigen, Demokratie zu bringen und Sicherheit zu schaffen. Am Ende bewirkte der Irak-Krieg das Gegenteil: eine neue Welle der Unsicherheit, wie wir sie seit dem Fall der Berliner Mauer nicht erlebt haben.“
Handelsstreit, Eklat um US-Truppen und die Macht der EU
Der Disput verschärfte sich weiter, als White-House-Sprecherin Karoline Leavitt am Abend erklärte, Spanien habe nun doch einer Kooperation mit dem US-Militär zugestimmt. Außenminister José Manuel Albares widersprach im Radio: „Die Sprecherin des Weißen Hauses spricht für die USA. Ich bin Außenminister Spaniens und sage: Unsere Position, unsere Basen, der Krieg im Nahen Osten und die Bombardierung Irans – daran hat sich kein Komma geändert. Ich habe keine Ahnung, worauf sie sich beziehen.“
Beobachter warnen, Sánchez riskiere mit Trump einen Wirtschaftskrieg, der Spaniens „Wirtschaftswunder“ und Status als Wachstumsstandort gefährden könnte. Sánchez, schwächelnd in Umfragen und mit vielen politischen Leben ausgestattet, setzt offenbar darauf, dass Trumps Unbeliebtheit in Spanien und bei seiner linken Stammwählerschaft ihn stützt. „Aus Sánchez‘-Sicht kommt nur er dabei positiv weg“, so Politikwissenschaftler Lluís Orriols. „Die negativen Folgen träfen Spanien eher mittelfristig, und Sánchez wird dann vermutlich gar nicht mehr im Amt sein.“
Am Wochenende hatte Verteidigungsministerin Margarita Robles bestätigt, dass Spanien US-Militärflugzeugen die Nutzung spanischer Basen für den Irankrieg verweigert hat. Das Pentagon zog daraufhin zwölf Tankflugzeuge von den Stützpunkten Morón de la Frontera und Rota ab.
Trump formulierte am Dienstag: „Wir werden jeglichen Handel mit Spanien beenden. Wir wollen mit Spanien nichts zu tun haben. Das habe ich Finanzminister Scott Bessent so angeordnet.“
Sánchez zeigte sich unbeeindruckt: Man setze auf die „wirtschaftliche, institutionelle und moralische Stärke unseres Landes.“ Andere Europäer forderte er auf, sich nicht „blind und unterwürfig“ zu verhalten.
Solidarität aus Europa – Spagat zwischen Kritik und Geschlossenheit
Sánchez‘ klarer Widerstand dominierte die mediale Debatte – und brachte Applaus von links wie Kritik vom rechten Lager. Linke italienische Abgeordnete schrieben auf X: „Spanien gibt Europa eine Lektion in Souveränität. Das ist der Unterschied zwischen einem Staatsmann, der nationale Interessen schützt, und einem Anheizer, der diese verrät.“ PP-Oppositionschef Alberto Núñez Feijóo geißelte Sánchez: „Wenn dir Iran dankt und die USA dich als schrecklichen Verbündeten abstempeln, hast du versagt – und schadest Spaniens Interessen gegen ein ‚abscheuliches Regime‘.“
Sánchez konfrontiert Trump regelmäßig, etwa nach US-Bombardierungen iranischer Atomanlagen im Juni: „Die Welt steht am Rand eines schwarzen Abgrunds.“ Ein Treffen am Rande eines NATO-Gipfels verlief frostig: Sánchez gab an, Trump beim Gipfel nicht zu begegnen – nachdem die USA eine Erhöhung der spanischen Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent gefordert hatten.
Auch Trumps Umgang mit Migranten kritisierte Sánchez öffentlich: In einem Gastbeitrag in der New York Times sprach er sich für die Legalisierung Hunderttausender Menschen aus – und nannte die US-Politik „grausam und unrechtmäßig“.
Reaktionen der anderen EU-Staaten und der Kommission
In der Anfangsphase des Iran-Kriegs zögerten die Staatschefs Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens. Kanzler Friedrich Merz gab dann klar Rückendeckung für die USA – „jetzt ist nicht die Zeit, Verbündete zu belehren“. Das stieß auf Kritik an Merz‘ Umschwung – und an seinem Verhalten bei Trumps Spanien-Schelte.
Der britische Premier Keir Starmer erlaubte den USA schließlich die Nutzung britischer Basen gegen Irans Raketen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron entsandte Militärverstärkung in den Nahen Osten und versprach Schutz für EU-Partner – kritisierte aber zugleich das Vorgehen der USA und Israels als Bruch des Völkerrechts und verwies auf die Schuld Irans für den Krieg.
EU kündigt Solidarität und Gegenmaßnahmen an
Die Europäische Kommission warnte, die USA müssten das Handelsabkommen mit der EU zu 100 Prozent einhalten – ein gezieltes Vorgehen gegen Spanien werde Brüssel nicht akzeptieren. Die EU stehe „voll solidarisch“ zu ihren Mitgliedern und bleibe „einsatzbereit, falls E.U.-Interessen verteidigt werden müssen“, so Sprecher Olof Gill.
Sánchez setzt darauf, dass Trump entweder das Interesse an Revanche verliert oder ein Handelsstreit den USA selbst mehr schadet – Spanien hat ein Handelsdefizit mit den USA. Da die EU als Block verhandelt, wäre es schwierig, ausschließlich Spanien mit Zöllen zu treffen; sektorale Strafmaßnahmen könnten am Ende auch pro-Trump-Staaten wie Italien treffen.
Dennoch verfügt Washington über Handelswaffen wie Anti-Dumping-Maßnahmen oder gar Finanzsanktionen, so Ökonom Omar Rachedi. „Die Trump-Regierung könnte Spanien als Warnsignal für alle anderen Länder hart treffen.“
Francis berichtete aus Brüssel, Stefano Pitrelli aus Rom.
Zu den Autoren
Ellen Francis ist Brüssel-Korrespondentin der Washington Post und berichtet über EU und NATO.
Anthony Faiola leitet das Rom-Büro der Washington Post und war langjähriger Chefkorrespondent in mehreren Weltregionen.
Dieser Artikel war zuerst am 5. März 2026 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.