Gewalteskalation wegen Cannabislieferung
Kalk-Bande und „Mocro-Mafia“: Kölner Gangster engagierten Schwerkriminelle aus Holland
Mit Bombenanschlägen und Entführungen sorgten sie für Aufsehen: Eine Bande aus Köln kooperierte wohl mit brutalen Gangstern aus den Niederlanden.
Düsseldorf – Sprengstoffanschläge, Entführungen und Schießereien sorgten monatelang in Köln und Umgebung für Aufsehen. Noch vor einiger Zeit hieß es aus Ermittlerkreisen, dass niederländische Drogenbanden dafür verantwortlich gewesen seien – zusammengefasst unter dem saloppen Begriff „Mocro-Mafia“. Jetzt ist klar: Offenbar stecken Kriminelle aus Köln hinter den Taten.
Das sagte jetzt NRW-Innenminister am Rande einer Pressekonferenz zum „Lagebild Clankriminalität“ im Landeskriminalamt Düsseldorf. „Offensichtlich gibt es nach jetzigem Stand keine niederländischen Drahtzieher“, so Reul. Eine Bande aus dem Kölner Stadtteil Kalk soll maßgeblich für die Verbrechen verantwortlich sein. Darüber berichtete auch der WDR.
„Mocro-Mafia“ und Bande aus Köln-Kalk: Es ging um Drogen
Allerdings sollen die Kölner Kriminellen Verbindungen zum organisierten Verbrechen in den Niederlanden gehabt haben. Laut Ermittlern war die Ursache der Gewalteskalation eine Drogenlieferung: Die Bande aus Kalk soll 750 Kilogramm Cannabis in den Niederlanden gekauft und Hürth gelagert haben. Dann verschwand knapp die Hälfte des Rauschmittels. Die Bande machte sich daraufhin auf die Suche nach den vermeintlichen Drogen-Räubern.
Dafür sollen sie Schwerkriminelle aus den Niederlanden engagiert haben – sozusagen für die Drecksarbeit. So sollen niederländische Staatsangehörige auch an den brutalen Entführungen in Hürth und Köln-Rodenkirchen beteiligt gewesen sein. Dort hatten die Täter eine Frau und einen Mann verschleppt und gefoltert.
Drogenstreit: Kriminelle aus Köln holten sich Unterstützung in den Niederlanden
Womöglich ist es kein Zufall, dass die Kalk-Bande sich Unterstützung aus den Niederlanden holte. Dort gehen die Akteure im Drogenmilieu mit roher Gewalt gegen Konkurrenten vor, seit Jahren tobt in manchen niederländischen Städten ein regelrechter Bandenkrieg. Für die Niederlande, aber auch Belgien, Frankreich oder Schweden sei die massive Gewalt des organisierten Verbrechens nichts Neues, sagte vor einigen Wochen Experte Daniel Brombacher im Interview mit IPPEN.MEDIA. Er ist Direktor der Beobachtungsstelle für organisiertes Verbrechen in Europa bei der Global Initiative against Transnational Organized Crime (Gitoc). „Für Deutschland indes ist diese Form der Brutalität eine neue Situation. Darauf müssen sich die Behörden und die Öffentlichkeit erstmal einstellen.“
Die sogenannte „Mocro-Mafia“
► Der Begriff stammt aus den Niederlanden. „Mocro“ ist ein Slangwort für Marokkaner. In der niederländischen Popkultur ist der Ausdruck längst etabliert – die TV-Serie „Mocro Maffia“, die sich auf die Bandenkriminalität bezieht, ist dort populär.
► Die Bezeichnung ist umstritten, da es bislang keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen den Banden und einer bestimmten Herkunft gibt. Laut Experten sind viele Mitglieder albanischer oder marokkanischer Herkunft, viele haben aber auch keine Migrationsgeschichte oder stammen aus anderen Ländern.
► Es handelt sich überdies nicht um eine einheitliche Gruppe, sondern dutzende Banden ohne einheitliche Strukturen. Die Behörden nutzen den Begriff „Mocro-Mafia“ nicht.
► Auch Morde gehen auf das Konto der Banden: Im Juli 2021 war der niederländische Kriminalreporter Peter de Vries mitten in der Innenstadt von Amsterdam niedergeschossen worden. Der Mord soll in Zusammenhang mit einem Prozess gegen den mutmaßlichen Drogenboss Ridouan Taghi stehen, de Vries war Berater des Kronzeugen.
► Im Sommer 2024 waren niederländische Gangster an einer Geiselnahme in Köln beteiligt: Offenbar ging es dabei um verschwundene Drogen. Die Kriminellen folterten dabei ihr Opfer.
Einen der mutmaßlichen Köpfe der Kalk-Bande, einen 22 Jahre alten Mann, hat die Polizei im Oktober festgenommen – in Paris. „Der Mann, der in Paris festgenommen worden ist, steht offenbar nach jetzigem Kenntnisstand im Zentrum dieser Kalk-Geschichte“, so Reul. Dass es Verbindungen zwischen Drogenbanden aus Deutschland und den Niederlanden gibt, müsse man nun weiter im Blick behalten. Ähnlich formulierte es Experte Brombacher, der warnte: „Es gibt auf dem europäischen und dem deutschen Drogenmarkt einen Umbruch. Wir müssen damit rechnen, dass es auch in Zukunft immer wieder zu Gewaltausbrüchen durch Drogenbanden kommen wird.“
Drogenbanden im Visier: NRW-Innenminister Reul lobt Ermittler
Reul lobte derweil die Polizeiarbeit im aktuellen Fall. Es seien „superschnell Leute festgenommen“ worden und die Ermittler hätten früh wichtige Zusammenhänge erkannt. Rund 80 Ermittler in vier Ermittlungsgruppen arbeiten an dem Fall. „So zeigt man diesen Leuten auch, dass sich das Drogengeschäft für sie hier nicht lohnt“, so Reul.
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