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„Kann an einem Tag ausgelöscht werden“
Eskalation im Nahen Osten: Dieser 15-Punkte-Plan der USA soll den großen Krieg mit dem Iran verhindern
Iran fordert ein Ende aller Feindseligkeiten und die Aufhebung der Sanktionen. Die USA verlangen die Übergabe von Uran und Begrenzungen bei Raketen.
Drei Formeln liegen auf dem Verhandlungstisch, doch eine Einigung zwischen Iran und den Vereinigten Staaten scheint weiterhin weit entfernt. Der jüngste Versuch stammt von Diplomaten aus Pakistan, Ägypten und der Türkei: 45 Tage Waffenruhe und die sofortige Wiederöffnung der Straße von Hormus.
Das sollten Mindestbedingungen sein, um die Spannungen zu mildern und ein Umfeld zu schaffen, das Gespräche überhaupt möglich macht.
Mit anderen Worten: Es ist schwer, sich an einen Tisch zu setzen, wenn man die Bombardierungen nicht zugleich stoppt und die Destabilisierung der Wirtschaft eines halben Erdballs nicht beendet. Doch die Initiative der Vermittler wurde sowohl in Teheran als auch in Washington zurückgewiesen. Parallel dazu wurden fortlaufende Berichte und Aktualisierungen aus dem Iran veröffentlicht, ohne dass dies die Positionen erkennbar näher zusammengebracht hätte.
Ajatollahs auf Konfrontationskurs: Sanktionen, Schadenersatz und das Atomprogramm
Das Regime der Ajatollahs kontert mit einem anderen Schema: Eine fragile Waffenruhe reicht nicht aus, es braucht ein Ende der Feindseligkeiten. Zudem müssten die Sanktionen aufgehoben werden, die den iranischen Handel ersticken. Schließlich sollen die USA sich verpflichten, die durch die Angriffe verursachten Schäden zu erstatten.
Erst dann könne die Schifffahrt bei Hormus wieder sicher aufgenommen werden und man könne beginnen, über das Atomprogramm zu sprechen.
Trumps Ultimatum und die Drohkulisse aus Washington
Schwieriger zu deuten ist wie immer Donald Trumps Haltung. Der amerikanische Präsident bekräftigt, dass heute das von ihm dem Iran gesetzte Ultimatum abläuft. Der Ton ist äußerst bedrohlich: „Dieses Land kann an einem Tag ausgelöscht werden, und dieser Tag kann morgen sein (heute für die Lesenden, Anm. d. Red.)“.
Gestern fügte Verteidigungsminister Pete Hegseth im Oval Office nach dem Präsidenten hinzu: „Wir feuern mehr Raketen ab als je zuvor, und morgen (heute, Anm. d. Red.) werden wir dasselbe tun.“
„Die Iraner sehen, wozu wir fähig sind. Unsere Flugzeuge sind sieben Stunden am Tag und in der Nacht geflogen, und niemand hat etwas bemerkt“, sagte Hegseth weiter. Zu dieser kriegerischen Sprache setzte Trump zugleich politische Öffnungen: Der Krieg könne an einem Tag enden, wenn „die Iraner tun, was sie tun müssen“, und außerdem: „Der Iran verhandelt, wir handeln in gutem Glauben.“
US-Forderungen: Uran, Raketen und regionale Stellvertreter
Die Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, Schwiegersohn von „The Donald“, sowie Vizepräsident JD Vance bleiben über indirekte Kanäle in Kontakt mit Emissären des Obersten Führers, Mojtaba Khamenei, oder wer im Land an seiner Stelle das Sagen hat. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen entsprechen die Forderungen der US-Delegation denen von vor rund zehn Tagen: einem 15-Punkte-Plan, der unter anderem die Übergabe von 450 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertem Uran vorsieht.
Diese Übergabe soll von Inspektoren der Internationalen Atomenergie-Organisation zertifiziert werden. Experten erklären, dass die Anreicherung auf 90 Prozent steigen muss, um eine Atombombe bauen zu können: ein relativ kurzer Weg, eine Frage von Wochen oder Monaten.
Außerdem fordert Washington eine Begrenzung der Reichweite iranischer ballistischer Raketen, die heute bis zu etwa 4.000 Kilometer weit treffen können.
Hamas, Hisbollah, Huthi: Washington fordert Ende aller iranischen Waffenlieferungen
Letzter Schritt: ein Stopp der Waffenlieferungen und der Unterstützung für Verbündete in der Region – von der Hamas über die Hisbollah, von den Huthi bis zu schiitischen Milizen im Irak und in Syrien. In diesem Rahmen stellt sich die Frage nach der Position Benjamin Netanjahus. Trump antwortete, der israelische Premier sei „begierig darauf, eine Vereinbarung zu erreichen“.
Netanjahus Kurs und die Rolle der Vermittler
In den vergangenen Tagen hatten US-Medien berichtet, Netanjahu teile die Substanz des amerikanischen Vorschlags. Gestern schrieb der israelische Politiker jedoch auf der Plattform X: „Wir werden mit voller Kraft, an allen Fronten, weitermachen, bis die Bedrohung beseitigt und alle Kriegsziele erreicht sind.“
Es bleibt der entscheidende Zweifel: Teilen Trump und Netanjahu die „Endziele“ des Konflikts? Nach den jüngsten Indiskretionen fürchtet die Regierung in Tel Aviv, der US-Präsident könnte ein Abkommen akzeptieren, das zukünftige israelische Einsätze verhindert.
Die aktuelle Schwierigkeit hängt auch mit dem Fehlen eines spezifischen Mandats für die pakistanischen, ägyptischen und türkischen Vermittler zusammen. Die Europäer sind dagegen in keiner Weise eingebunden.
Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg
Auch auf der Pressekonferenz gestern klagte Trump erneut über die NATO, „ein Papiertiger“, der den US-Streitkräften keinerlei Hilfe angeboten habe, doch er deutete keine Rolle europäischer Regierungen im Dialog mit den Ajatollahs an. (Dieser Artikel von Giuseppe Sarcina entstand in Kooperation mit Corriere della Sera)