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Investitionsturbo statt Rezession?

„Investitionsturbo“ noch vor der Sommerpause? Kanzleramtschef will zügige Reformen

Der neue Kanzleramtschef Thorsten Frei will „sofort“ neue Weichen stellen: Es gebe viele Vorhaben im Koalitionsvertrag, die man direkt umsetzen könne.

Berlin – Die neue Regierung startete holprig: Erst im zweiten Wahlgang hatte der Bundestag Friedrich Merz (CDU) zum Kanzler gewählt. Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) ist sich des Drucks bewusst: Die Bundesregierung wisse, dass sie jetzt liefern müsse, räumte der CDU-Politiker im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ein – und kündigte „sofort“ zahlreiche Vorhaben zur Entlastung von Bürgern und Unternehmen an.

Erste Maßnahmen der Merz-Regierung: Frei will „Investitionsturbo“gegen Rezession zünden

Der neue Kanzleramtschef hat es offenbar eilig und will einige Projekte noch vor der parlamentarischen Sommerpause Anfang Juli umsetzen. „Wir haben eine ganze Reihe von Vorhaben in unserem Koalitionsvertrag, die gar kein Geld kosten, die man sofort umsetzen kann“, so der Politiker zur dpa. „Wir müssen jetzt das Signal an die Wirtschaft und die Menschen senden, dass wir die Trendwende hinbekommen und damit eben auch wieder auf einen Wachstumspfad zurückfinden.“ Die deutsche Wirtschaft war 2024 das zweite Jahr in Folge geschrumpft – auch für 2025 droht eine Rezession.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Arbeitszeit, Lieferkettengesetz und Energiekosten: Die ersten Projekte der neuen Merz-Regierung

Als Beispiele für geplante Maßnahmen nannte Frei etwa, die Arbeitszeitregelungen zu flexibilisieren. Anstatt einer starren Tageshöchstarbeitszeit soll es künftig eine Wochenhöchstarbeitszeit geben, um Unternehmen mehr Spielraum zu ermöglichen. Zudem steht laut dem CDU-Politiker das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz zur Disposition – es könnte ausgesetzt oder ganz abgeschafft werden, um die bürokratische Belastung für Unternehmen zu verringern.

Auch bei den Energiekosten sollen Entlastungen kommen, „das heißt: Reduktion der Stromsteuer, Reduktion der Netzentgelte“, sagte der Kanzleramtschef. Um aus der aktuellen Rezessionsspirale herauszukommen, wolle man sehr schnell einen „Investitionsturbo“ zünden, mit besseren Abschreibungsmöglichkeiten, die dann auch in eine grundständige Unternehmenssteuerreform münden sollten.

Mitglieder des neuen Kabinetts: Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU, Mitte), neben Kanzler Friedrich Merz (CDU, links) und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU, rechts) im Deutschen Bundestag (Archivbild).

Frei appelliert an Union und SPD „zum Wohle des Staates“ zusammenzuarbeiten

Die Koalitionspartner Union und SPD mahnte der Kanzleramtschef hingegen zur Zusammenarbeit und erinnerte daran, dass Regieren kein Nullsummenspiel sei, bei dem der eine nur gewinnen könne, wenn der andere verliere. „Man muss den Kuchen so verteilen, dass jeder glaubt, das größte Stück zu bekommen. Und das bedeutet, jeder muss auf seine Kosten kommen, und zwar nicht zulasten der Bürgerinnen und Bürger und unserer Gesellschaft und unseres Staates, sondern zum Wohle des Staates.“ Sich selbst sieht Frei demnach als eine Art Mediator zwischen den beiden Parteien.

Union und SPD wollen zudem einen Nationalen Sicherheitsrat einrichten, um Sicherheitsfragen zentral zu koordinieren, kündigte Frei weiter an. Dabei sollen Strategien entwickelt und Krisen gemeinsam bewertet werden. Der Kanzleramtschef betonte, dass keine Befugnisse der Länder an den Bund übergehen. Kanzler Merz habe bereits am Dienstagabend (6. Mai) einen entsprechenden Organisationserlass unterschrieben. „Sicherheit ist umfassend zu betrachten, und unsere Verantwortung ist es, für die Menschen in Deutschland maximale Sicherheit zu erreichen“, so Frei weiter. Es bleibt abzuwarten, wie viel die neue Regierung am Ende wirklich umsetzt. Die Bilanz der Ampel-Koalition lautete nach dem Koalitionstracker des Portals Frag den Staat: 27 Prozent der Vorhaben wurden erreicht (bme mit dpa).

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / photothek/Florian Gaertner

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