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China-Afrika-Forum

Alternative zum Westen: China verspricht Afrika Geld und Jobs statt „Auflagen und Predigten“

Chinas Staatschef Xi Jinping begrüßt in Peking seine Gäste aus afrikanischen Staaten
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Willkommen in Peking: Chinas Staatschef Xi Jinping begrüßt seine Gäste aus afrikanischen Staaten zum Auftakt des FOCAC-Gipfels

Großer Andrang beim China-Afrika-Forum in Peking: Staatschef Xi sonnt sich in der Rolle als Schirmherr des globalen Südens. Doch die Beziehungen zu afrikanischen Staaten haben sich verändert.

Es gibt viele Gipfeltreffen im sogenannten „Afrika+1“-Format: Afrika und die USA, Afrika und Frankreich und erst vor wenigen Tagen Afrika und Indonesien. Am größten und glamourösesten aber ist das alle drei Jahre stattfindende China-Afrika-Forum, kurz FOCAC, das am Freitag zu Ende gegangen ist. Mit Pomp und Glanz, bunten Tanzeinlagen und einem üppigen Staatsdinner zur Begrüßung hat Staatschef Xi Jinping in Peking mehr als 25 Staats- und Regierungschefs des Kontinents empfangen; insgesamt waren Spitzenpolitiker und Delegationen aus 53 Ländern angereist sowie UN-Generalsekretär António Guterres.

China wolle Lieferketten und Industrie stärker mit Afrika integrieren, betonte Ministerpräsident Li Qiang am Freitag zum Abschluss des Gipfels auf einer Unternehmerkonferenz. Li versprach, kleine und mittlere Unternehmen in Afrika zu unterstützen, um den Industrien des Kontinents zu einem „selbsttragenden und widerstandsfähigen“ Wachstum zu verhelfen. „China und Afrika ergänzen einander in der Industrie in hohem Maße“, so Li.

Wohl wahr: Afrika liefert unter anderem die in Chinas Industrie begehrten Rohstoffe. Anhaltender Zugang zu den Bodenschätzen des Kontinents wie Gold, Kupfer, Lithium und Seltenen Erden ist eines der wichtigsten Ziele Chinas. Im Gegenzug fließt viel Geld. Insgesamt hat China afrikanischen Staaten zwischen 2000 und 2023 Kredite in Höhe von mehr als 182 Milliarden US-Dollar gewährt, etwa für den Bau von Häfen, Eisenbahnen, Autobahnen oder Wasserkraftwerken.

Xi preist Beziehungen zu Afrika mit Seitenhieb gegen den Westen

Xi hatte in seiner Eröffnungsrede am Donnerstag die Beziehungen zwischen China und Afrika als „so gut wie nie zuvor in der Geschichte“ gepriesen. China sei bereit, in Industrie, Landwirtschaft, Infrastruktur und bei Handel und Investitionen enger mit afrikanischen Staaten zusammenzuarbeiten. Umgerechnet rund 45 Milliarden Euro habe China den Partnern in Afrika für die kommenden drei Jahre zugesagt. „Modernisierung ist ein unveräußerliches Recht aller Länder“, betonte Xi. „Aber die westliche Herangehensweise hat den Entwicklungsländern immenses Leid zugefügt.“

Der Seitenhieb gehört zu Chinas Strategie, sich als Teil des globalen Südens zu positionieren, gegen die ungeliebte westlich dominierte Weltordnung. „China setzt alles daran, seinen eigenen Status als Entwicklungsland zu betonen und Solidarität mit dem globalen Süden zu signalisieren“, schreibt der China-Afrika-Experte Cobus von Staden, Gründer der Informationswebsite The China Global South Project. Auch wenn China zunehmend eigene Entwicklungsziele in sein Engagement in Afrika einwebe: „Es vermeidet die Tristesse des anhaltenden Fokus von USA und EU auf Hilfen und den damit einhergehenden Auflagen und Predigten.“

Aktionsplan: Kleine Projekte und Militärhilfe

In dem auf dem FOCAC verabschiedeten „Aktionsplan 2025-2027“ sagt China Afrika insgesamt jeweils 127 Millionen Euro Militär- und Nahrungsmittelhilfe zu. Außerdem enthält der Plan unter anderem Zollfreiheit für Waren aus den 33 ärmsten afrikanischen Ländern, 30 Projekte für saubere Energien, 25 gemeinsame Forschungszentren und 20 Demonstrationsprojekte für die Digitalwirtschaft. Der Plan zeigt eine Abkehr von den großen Infrastrukturprojekten, hin zu mehr „kleinen und schönen“ Projekten, wie Xi es nennt.

Der starke US-Dollar und das hohe Zinsniveau erschwerten derzeit Investitionen in Entwicklungsländern, erklärt der Afrika-Experte Tang Xiaoyang von der Pekinger Tsinghua-Universität in einem Podcast. „Wir müssen Wege finden, um das Geld effizienter zu nutzen und die Rendite dieser begrenzten Investition zu verbessern“, so Tang. Neue gemeinsame Ansätze ließen sich etwa bei den erneuerbaren Energien und bei digitalen Technologien finden. Ein Beispiel: Der sambische Energieversorger ZESCO und das Pekinger Unternehmen PowerChina vereinbarten auf dem FOCAC ein Programm zum Aufbau von Dach-Photovoltaik in Sambia.

Kredite, fairer Handel und Arbeitsplätze

Dennoch stehen große Kredite weiterhin auf dem Wunschzettel mancher Partner. So baten in bilateralen Treffen mit Xi etwa die Staats- und Regierungschefs von Äthiopien, Nigeria, Senegal, Kenia und der Demokratischen Republik Kongo um frische Darlehen. Kenias Präsident William Ruto erhielt dabei die Zusage für Unterstützung bei der Verlängerung einer Bahnlinie von der Hafenstadt Mombasa an die Grenze zu Uganda und beim Bau einer Autobahn. Und das, obwohl Kenia bei China bereits mit mehr als acht Milliarden US-Dollar in der Kreide steht und Ruto Peking 2023 um die Umstrukturierung bestehender Schulden gebeten hatte. Kenia ist daher ein Beispiel dafür, wie Chinas Geld zwar wichtige Infrastruktur schafft, aber manche Zielländer langfristig in Finanznöte bringen kann.

Mit seinem nigerianischen Amtskollegen Bola Tinubu vereinbarte Xi Jinping hingegen eine strategische Partnerschaft in Handel, Sicherheit und Technologie, im Rahmen derer er chinesischen Firmen zu Investitionen in Nigeria ermutigen will, anstatt immer mehr Kredite zu vergeben. Nigeria wiederum sagte zu, chinesische Firmen beim Bau von Fabriken und der Erschließung von Energie- und Rohstoffressourcen zu bevorzugen.

Die Geschichte der Volksrepublik China von 1949 bis heute

Am 1. Oktober 1949 ruft Mao Zedong in Peking die Volksrepublik China aus.
Am 1. Oktober 1949 ruft Mao Zedong in Peking die Volksrepublik China aus. Zuvor hatten sich Maos Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg gegen die Nationalisten durchgesetzt, die nach Taiwan geflohen waren. © Xinhua/Imago
Mit dem „Großen Sprung nach Vorne“ (1958-1961) sollte die Produktion vorangetrieben werden.
Eines der Hauptziele der neuen Regierung war die wirtschaftliche Entwicklung des verarmten Chinas. Mit dem „Großen Sprung nach Vorne“ (1958-1961) sollte die Produktion vorangetrieben werden. Doch Fehler in der Planung und Naturkatastrophen sorgen für eine Hungersnot, der 15 bis 55 Millionen Menschen zum Opfer fielen. © agefotostock/Imago
1959 kam es in Tibet zu einem Aufstand gegen die Besatzer.
Bereits kurz nach der Machtübernahme besetzte die chinesische Volksbefreiungsarmee das bis dahin faktisch unabhängige Tibet. 1959 kam es zu einem Aufstand gegen die Besatzer, woraufhin der Dalai Lama das Land verlassen musste. Heute lebt er im indischen Exil. © United Archives International/Imago
Von 1966 bis 1976 erschütterte die Kulturrevolution China.
Von 1966 bis 1976 erschütterte die Kulturrevolution China. Mit der Kampagne wollte Mao mit den Mitteln des Klassenkampfes die chinesische Gesellschaft von „konterrevolutionären“ Elementen befreien; zudem zementierte er seine Macht an der Spitze des Staates. Der Kulturrevolution fielen Hunderttausende Menschen zum Opfer. © Photos12/Imago
1972 besuchte mit Richard Nixon erstmals ein US-Präsident die Volksrepublik.
Anfang der 70er-Jahre öffnete sich China aber auch nach Westen. 1972 besuchte mit Richard Nixon erstmals ein US-Präsident die Volksrepublik. Im selben Jahr nahm Deutschland diplomatische Beziehungen mit Peking auf. © agefotostock/Imagao
Nach einem parteiinternen Machtkampf setzte sich schließlich Deng Xiaoping als neuer Führer der Volksrepublik durch.
Mao starb 1976. Nach einem parteiinternen Machtkampf setzte sich schließlich Deng Xiaoping als neuer Führer der Volksrepublik durch. Deng leitete die Geschicke Chinas bis zu seinem Tod im Jahr 1997. © Zuma/Keystone/Imago
Deng Xiaoping trieb die Öffnung Chinas voran.
Deng Xiaoping trieb die Öffnung Chinas voran. Demokratische Reformen blieben aus, die Wirtschaft entwickelte sich allerdings rasant. Auch ausländische Unternehmen wie Volkswagen engagierten sich nun in China. © Sepp Spiegl/Imago
Im Frühjahr 1989 kam es in Peking zu Demonstrationen von Studenten, die Reformen und eine Demokratisierung Chinas forderten. In der Nacht auf den 4. Juni 1989 eskalierte die Lage, der Tiananmen-Platz im Herzen Pekings wurde geräumt, die Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Hunderte Menschen starben.
Im Frühjahr 1989 kam es in Peking zu Demonstrationen von Studenten, die Reformen und eine Demokratisierung Chinas forderten. In der Nacht auf den 4. Juni 1989 eskalierte die Lage, der Tiananmen-Platz im Herzen Pekings wurde geräumt, die Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Hunderte Menschen starben. © Jeff Widener/dpa
Am 1. Juli 1997 wurde Hongkong, die ehemalige britische Kronkolonie, an China zurückgegeben.
Am 1. Juli 1997 wurde Hongkong, die ehemalige britische Kronkolonie, an China zurückgegeben. Gouverneur Chris Patten erhielt die eingeholte britische Nationalflagge, die chinesische Flagge wurde gehisst.  © UPI Photo/Imago
Heute ist Shanghai das wirtschaftliche Zentrum des Landes, dort befindet sich auch der größte Hafen der Welt.
Chinas Wirtschaft entwickelte sich in den 90er-Jahren, vor allem aber ab dem Beitritt der Volksrepublik zur Welthandelsorganisation 2001, rasant. Heute ist Shanghai das wirtschaftliche Zentrum des Landes, dort befindet sich auch der größte Hafen der Welt. © Ivan Tykhyi/Imago
Unter Xi Jinping, seit 2012 Parteichef und seit 2013 Staatspräsident, wird China immer autoritärer regiert.
Trotz des wirtschaftlichen Erfolgs: Der Handel mit dem Westen brachte China keinen demokratischen Wandel - im Gegenteil. Unter Xi Jinping, seit 2012 Parteichef und seit 2013 Staatspräsident, wird China immer autoritärer regiert. Es entstand ein neuer Personenkult, der an die Mao-Ära erinnert. © UPI Photo/Imago
In der Provinz Xinjiang gingen die Behörden gegen die muslimischen Uiguren vor. Hunderttausende Menschen sollen dort in Umerziehungslagern eingesperrt sein.
China wurde immer mehr zum Polizei- und Überwachungsstaat. In Hongkong wurde die Demokratiebewegung brutal niedergeschlagen, in der Provinz Xinjiang gingen die Behörden gegen die muslimischen Uiguren vor. Hunderttausende Menschen sollen dort in Umerziehungslagern eingesperrt sein. © UPI Photo/Imago

Afrikas Staatenlenker wollen Jobs und einen ausgeglichenen Handel

China ist seit 15 Jahren der größte Handelspartner Afrikas. Doch die Afrikaner benennen inzwischen einen schweren Makel: ein enormes Defizit zulasten Afrikas. Auch kauft China auf dem Kontinent vor allem Rohstoffe. Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa brachte das bei seinem Treffen mit Xi klar zur Sprache: „Wir möchten das Handelsdefizit verringern und die Struktur unseres Handels verbessern.“

Generell artikulieren die afrikanischen Staaten heute ihre Bedürfnisse klarer – nicht nur gegenüber China, auch gegenüber dem Westen. Sie wissen, dass ihre geopolitische Bedeutung wächst. Westliche Länder oder die ölreichen Golfstaaten versuchten, mit Chinas Einfluss in Afrika gleichzuziehen, sagte etwa Paul Frimpong, Direktor des in Ghana ansässigen Africa-China Centre for Policy and Advisory, der BBC. „Es gibt reges Interesse und Wettbewerb um Afrikas Potenzial.“ Auch deshalb ist China aufmerksamer geworden für die Bedürfnisse der Länder Afrikas. So betonte Xi in Peking immer wieder, vor Ort neue Arbeitsplätze schaffen zu wollen.

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