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Bilanz der Bundespolizei
Dobrindt lobt seine Migrationspolitik – doch tausende Abschiebungen scheitern und die Gewalt steigt
Abschiebungen scheitern und die Gewalt steigt: Die Bundespolizei legt ihre Jahresbilanz 2025 vor. Dobrindt sieht Erfolge – doch die Zahlen zeichnen ein zwiespältiges Bild.
Die Bundespolizei hat ihren Jahresbericht für 2025 vorgelegt – und die Bilanz fällt gemischt aus. Zwar sank die Gesamtzahl der Straftaten im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei. Doch gleichzeitig nahmen Gewaltdelikte und Angriffe auf Polizeibeamte deutlich zu. Auch die Mehrheit der geplanten Abschiebungen scheiterte. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) nutzte die Vorlage des Berichts dennoch für ein Bekenntnis zur bisherigen Migrationspolitik.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) lobt Erfolge bei den Grenzkontrollen, doch Abschiebungen der Bundespolizei scheitern in der Mehrheit der Fälle.
Insgesamt wurden im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei rund 604.700 Straftaten registriert – also primär auf Bahnhöfen, Flughäfen und an den deutschen Grenzen. Das entspricht einem Rückgang von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht. Der Hauptgrund für diesen Rückgang: Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz sanken um 21,4 Prozent auf 194.674 Fälle.
60 Prozent der Abschiebungen scheitern – Bundespolizei-Bericht bringt Ernüchterung
Die Abschiebebilanz bleibt trotz aller politischen Ankündigungen hinter den Erwartungen zurück. Von den 58.795 im Jahr 2025 geplanten Rückführungen scheiterten laut Bundespolizei 34.848 – das entspricht fast 60 Prozent. In mehr als 33.000 Fällen kam es bereits vor der Übergabe durch die Länder an die Bundespolizei nicht zur Abschiebung. In weiteren 1.353 Fällen wurden Rückführungen nach der Übernahme durch die Bundespolizei abgesagt.
Gründe für gescheiterte Abschiebungen von Migranten sind zum Beispiel: Transportunternehmen verweigerten die Beförderung, der Zielstaat stellte sich quer, der Abzuschiebende leistete passiven Widerstand oder ein Verwaltungsgerichtsbeschluss stoppte die Rückführung in letzter Minute. Insgesamt wurden im Jahr 2025 laut Bericht 23.947 Menschen zurückgeführt. Die Zahl der Rückführungsmaßnahmen stieg damit im Vergleich zum Vorjahr um 7,7 Prozent.
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Gewaltkriminalität gestiegen – knapp die Hälfte der Tatverdächtigen ohne deutschen Pass
Alarmierend im Bundespolizei-Bericht ist, dass die Gewaltkriminalität angestiegen ist. Dazu zählen Körperverletzung, Raub, Straftaten gegen das Leben, Widerstand gegen die Staatsgewalt sowie Taten gegen die persönliche Freiheit und die öffentliche Ordnung. Derartige Gewaltdelikte nahmen um 4,2 Prozent auf rund 35.400 Fälle zu. Bei bekannten Tatverdächtigen lag der Anteil deutscher Staatsangehöriger bei 53 Prozent. Ein Messer wurde bei 3,9 Prozent aller Gewaltdelikte mitgeführt.
Gewaltdeliklte an Bahnhöfen und anderen Orten im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei
2022
28.800 Fälle
2023
31.900 Fälle
2024
34.000 Fälle
2025
35.400 Fälle
Quelle: dpa
Besonders drastisch stiegen die Angriffe auf Einsatzkräfte der Bundespolizei: um 7,4 Prozent auf 3.185 Fälle. Neben Faustschlägen und Tritten zählten dazu auch Bisse und Spuck-Attacken. 818 Polizistinnen und Polizisten wurden dabei verletzt – ein Anstieg um 1,7 Prozent. Wie es im Jahresbericht heißt, ist dies ein „erneuter Höchstwert“ der Gewalt gegen Polizisten „seit Einführung der statistischen Erhebung im Jahr 2001“. Der Einsatz bei der Gründung der Jugendorganisation der AfD in Gießen Ende November 2025 sei mit 53 Gewaltdelikten gegen Bundespolizisten besonders hervorgestochen.
Illegale Einreisen nach Deutschland stiegen um ein Viertel – Dobrindt sieht Erfolg der Grenzkontrollen
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt zog in seinem Grußwort zur Vorstellung des Jahresberichts dennoch eine positive Gesamtbilanz: Der Einsatz der Bundespolizei trage dazu bei, „dass wir das Migrationsgeschehen neu ordnen konnten“. Seit Mai 2025 seien „über 32.000 illegale Einreisen unmittelbar verhindert, Schleuserkriminalität eingedämmt und das Asylsystem entlastet worden“, so Dobrindt laut Spiegel.
Im Jahresbericht heißt es, dass sich die Zahl unerlaubter Einreisen und Einreiseversuche nach Deutschland mit 62.959 Feststellungen um 25 Prozent reduziert hat. Davon wurden 4190 Personen geschleust – ein Rückgang um 56 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der CSU-Minister stellte eine mögliche Lockerung der Binnengrenzkontrollen in Aussicht – allerdings nur, wenn die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) wie erhofft funktioniere.
Kritik der Grünen: Dobrindt mache Bundespolizei zur „Migrationspolizei“
Kritik an Dobrindts Politik kommt hingegen von den Grünen. Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Marcel Emmerich, sagte laut Wirtschaftswoche: „Die Bundespolizei ächzt unter einer Dauerbelastung, die politisch verursacht ist.“ Indem Dobrindt die Bundespolizei zur „Migrationspolizei“ mache, fehlten Beamtinnen und Beamte andernorts – für Sicherheit an Bahnhöfen, Flughäfen und im Kampf gegen organisierte Kriminalität. (Quellen: Jahresbericht der Bundespolizei auf bundespolizei.de, dpa, Der Spiegel, Wirtschaftswoche) (smu)