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Washington Post

Israelische Menschenrechtsgruppen beschuldigen Netanjahu erstmals des „Genozids“

Zwei israelische Organisationen haben Berichte vorgelegt, die den Genozid-Vorwurf im Gazastreifen untermauern sollen. Israel betreibe „Völkermord“.

Jerusalem – Zwei bekannte israelische Menschenrechtsorganisationen veröffentlichten am Montag (28. Juli) ihre Berichte. Sie kommen zum Schluss, dass die Handlungen ihrer Regierung im Gazastreifen einem Völkermord gleichkommen. Einige internationale Beobachter, ausländische Regierungen und Akademiker hatten diesen Vorwurf schon erhoben, aber nie zuvor israelische Gruppen.

B‘Tselem und Ärzte für Menschenrechte-Israel analysierten Israels Vorgehen in Gaza und die Rhetorik israelischer politischer und militärischer Führer. Sie folgerten, dass israelische Entscheidungsträger absichtlich die gesamte Bevölkerung Gazas anstatt nur Kämpfer ins Visier nahmen. Zudem zerstörten sie das Leben der Palästinenser sowie die Gesundheits- und zivile Infrastruktur der Enklave als Teil einer 21-monatigen Kampagne.

Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern 

Vor 60. Gründungstag von Israel
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen entschied 1947 über die Teilung Palästinas in zwei Staaten, einen jüdischen und einen arabischen. Im Teilungsplan wurde auch festgelegt, dass die Briten ihr Mandat für Palästina bis August 1948 niederlegen. Großbritannien hatte nach dem Ersten Weltkrieg das Gebiet besetzt und war 1922 offiziell mit dem Mandat über Palästina beauftragt worden. Am 14. Mai 1948 wurde auf Grundlage des UN-Beschlusses der jüdische Staat gegründet. © dpa
Proklamation des Staates Israel
Nach der Unterzeichnung der Proklamationsurkunde am 14. Mai 1948 im Stadtmuseum von Tel Aviv hält eine nicht identifizierte Person das Schriftstück mit den Unterschriften in die Höhe. Links ist David Ben Gurion zu sehen, der erste Ministerpräsident Israels. © dpa
Israelischer Unabhängigkeitskrieg
Ein historisches Datum für den Staat Israel. Doch die arabischen Staaten Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten und Irak erkannten die Gründung nicht an und überschritten nur einen Tag später mit ihren Armeen die Grenzen. So begann der Palästina-Krieg, der im Januar 1949 mit dem Sieg Israels endete. Das Foto zeigt israelische Mitglieder der paramilitärischen Organisation Haganah im August 1948.  © AFP
Operation Yoav
Die israelische Armee konnte während des Krieges 40 Prozent des Gebiets erobern, das eigentlich laut dem ursprünglichen UN-Plan zur Teilung für die arabische Bevölkerung vorgesehen war. So wurde auch der westliche Teil von Jerusalem von Israel besetzt.  © Imago
Waffenstillstand Israel Palästina 1949
Die Vereinten Nationen vermittelten zwischen Israel und Ägypten, und so kam es zwischen den beiden Ländern am 24. Februar 1949 zu einem Waffenstillstandsvertrag. Andere arabische Kriegsgegner folgten mit Waffenstillständen bis Juli 1949. Laut Schätzungen starben bei dem Krieg, den die arabischen Länder gestartet hatten, mehr als 6000 Israelis und 6000 Araber.  © ACME Newspictures/afp
Arafat. Geschichte des Krieges in Israel
Jassir Arafat gründete 1959 die Fatah, eine Partei in den palästinensischen Autonomiegebieten. Laut ihrer Verfassung war ihr Ziel, auch mit terroristischen Mitteln die Israelis aus Palästina zu vertreiben und Jerusalem als Hauptstadt zu installieren. Ebenfalls als Ziel rief die Fatah die „Ausrottung der ökonomischen, politischen, militärischen und kulturellen Existenz des Zionismus“ aus.  © PPO/afp
Arafat
1993 erkannte die Fatah mit ihrem Vorsitzenden Jassir Arafat das Existenzrecht Israels im Osloer-Friedensprozess an, und wollte den Terror als Waffe nicht mehr nutzen. Allerdings gab es immer wieder Bombenattentate in Israel. 2011 suchte Arafat den Schulterschluss mit der Hamas. Gemeinsam planten sie, eine Übergangsregierung zu bilden, was bis heute nicht umgesetzt wurde. Innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ist die Fatah die stärkste Fraktion. © Aleksander Nordahl/Imago
1974 Arafat vor UN
Im Oktober 1974 erkannte die Vollversammlung der Vereinten Nationen die PLO als Befreiungsbewegung an. Daraufhin wurde Arafat als Vertreter eingeladen. Am 13. November 1974 eröffnete Arafat die Debatte in der Vollversammlung. Er beendete die Rede mit dem Satz: „Ich bin mit einem Olivenzweig in der einen und dem Gewehr des Revolutionärs in der anderen Hand hierhergekommen. Lasst nicht zu, dass der grüne Zweig aus meiner Hand fällt!“ © dpa
Kampfflugzeug im Sechs-Tage Krieg
Vom 5. Juni bis 10. Juni 1967 fand der Sechstagekrieg zwischen Israel auf der einen und Ägypten, Jordanien und Syrien auf der anderen Seite statt. Auslöser war die ägyptische Blockade der Seestraße von Tiran für die Israelis, die so abgeschnitten waren. Außerdem hatte der ägyptische Präsident den Abzug der Blauhelme erzwungen, die die nördliche Grenze Israels sicherten. Als Drohung schickte Ägypten dann 1000 Panzer und 100.000 Soldaten an die Grenzen zu Israel. Als Reaktion auf die Bedrohung flogen die Israelis einen Präventiv-Schlag. Auf dem Foto sieht man ein ägyptisches Kampfflugzeug. Während des Krieges konnte Israel die Kontrolle über den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, die Golanhöhen, das Westjordanland und Ostjerusalem erlangen. Weil Israel seine Angreifer besiegen konnte, machte der Staat am 19. Juni 1967, neun Tage nach seinem Sieg, Ägypten und Syrien ein Friedensangebot. Darin enthalten die Aufforderung, Israel als Staat anzuerkennen. © AP/dpa
Arabisch-israelischer Krieg
Am 6. Oktober 1973, dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, startete eine arabische Militärkoalition unter Führung Ägyptens und Syriens einen Überraschungsangriff, gleichzeitig auf die Sinai-Halbinsel und die Golanhöhen. Nach anfänglichem Erfolg der arabischen Kriegsparteien gelang es Israel, sich zu behaupten. Erst mit dem Friedensvertrag sechs Jahre später am 26. März 1979, normalisierten sich die Beziehungen zwischen Ägypten und Israel. Ägypten war der erste arabische Staat, der das Existenzrecht Israels anerkannte. © afp
Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten, Jimmy Carter schüttelt dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat die Hand.
Das Friedensabkommen vom 26. März. 1979 war ein wichtiger Meilenstein. US-Präsident Jimmy Carter gratulierte damals dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat und dem israelischen Premierminister Menachem Begin vor dem Weißen Haus. Nach den Camp-David-Verhandlungen unterzeichneten sie den Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern dort. © Consolidated News Pictures/afp
Beschuss im Libanonkrieg
1982 begann mit dem Libanonkrieg der erste große israelisch-arabische Konflikt, der von Israel gestartet wurde. Die Kriegsparteien waren die israelische Armee und verbündete Milizen auf der einen, die PLO und Syrien auf der anderen Seite. Israel besetzte im Rahmen des Krieges zwischen 1982 und 1985 den Süden Libanons. Später richtete Israel daraufhin dort eine „Sicherheitszone“ ein, die aber Angriffe der Hisbollah aus dem Libanon auf nordisraelische Städte nicht verhindern konnte. Am 25. Mai 2000 zog die israelische Armee aus dem Südlibanon ab.  © Dominique Faget/afp
Soldaten und Kinder bei der Intifada 1987
Am 8. Dezember 1987 brach im Westjordanland und im Gazastreifen ein gewaltsamer Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung aus. Diesen Aufstand nennt man Intifada. Auf dem Foto ist zu sehen, wie israelische Soldaten Kinder anweisen, das Gebiet zu verlassen, als Hunderte von Demonstranten Steine und Flaschen schleudern.  © Esaias Baitel/afp
Hamas-Kundgebung im Gaza-Streifen
Die PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation), die ihre Zentrale in Tunis hatte, wollte einen eigenen palästinensischen Staat ausrufen, hatte aber keine Kontrolle über die entsprechenden Gebiete. Im Zuge dessen kam es zu einem Gewaltausbruch, der erst 1991 abnahm. 1993 wurde schließlich mit dem Osloer Abkommen die erste Intifada beendet. © Ali Ali/dpa
Der PLO-Führer Yasser Arafat und der israelischen Premierminister Yitzahk Rabin schütteln sich 1993 die Hände.
Nach Jahrzehnten von Gewalt und Konflikten unterschrieben am 13. September 1993 Israels Außenminister Shimon Peres und Mahmoud Abbas, Verhandlungsführer der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), unter Aufsicht der russischen und amerikanischen Außenminister die „Osloer Verträge“. Das Foto des Händedrucks zwischen Palästinenservertreter Jassir Arafat und dem israelischen Ministerpräsident Yitzhak Rabin und US-Präsident Bill Clinton wurde weltberühmt. © J. David Ake/afp
Yasir Arafat, Shimon Peres und Yitzhak Rabin erhalten den Friedensnobelpreis
Nach der Unterzeichnung der Osloer Verträge bekamen Jassir Arafat, Schimon Peres und Yitzhak Rabin den Friedensnobelpreis für 1994. Hier die Preisträger zusammen mit ihrer Medaille und ihrem Diplom im Osloer Rathaus. Die Friedensverträge wurden damals als wichtiger Startpunkt für Frieden in der Region gesehen. © Aleksander Nordahl/Imago
Bill Clinton, König Hussein und Rabin bei der Friedenssitzung
1994 folgten Friedensverhandlungen zwischen Jordanien und Israel 1994 im Weißen Haus. Auf dem Foto ist zu sehen, wie der jordanische König Hussein und der israelische Premierminister Yitzahk Rabin bei der Friedenssitzung sich die Hände schütteln. © Imago/ ZUMA Press
Sarg von Yitzhak Rabin, Geschichte des Kriegs in Israel
Mit der Hoffnung auf Frieden in der Region wurde der Hass von israelischen Extremisten größer. Diese wollten Abkommen mit den arabischen Staaten und der PLO nicht akzeptieren. So wurde Yitzhak Rabin zur Zielscheibe und wurde 1995 im Anschluss an eine große Friedenskundgebung in Tel Aviv von einem rechtsextremen Juden ermordet. Das Foto zeigt den Sarg des Premierministers in Jerusalem bei seiner Beerdigung.  © Jim Hollander/dpa
Junge schießt mit Katapult bei der zweiten Intifada, Geschichte des Krieges in Israel
Obwohl es in den 1990er Jahren mit den Osloer Verträgen große Hoffnung auf Frieden gab, hatte sich die Situation nach der Ermordung von Yitzhak Rabin massiv aufgeheizt. 2000 kam es zur zweiten Intifada, dem gewaltvollen Aufstand der Palästinenser mit Straßenschlachten. Die zweite Intifada dauerte bis 2005. © Imago/UPI Photo
Israelische Soldaten 2006, Geschichte des Krieges in Israel
2006 kam es wieder zwischen Israel und dem Libanon zum Krieg. Die Auseinandersetzung wird auch 33-Tage-Krieg oder zweiter Libanon-Krieg genannt, weil sie nach gut einem Monat am 14. August 2006 mit einem Waffenstillstand endete. Das Foto zeigt einen israelischen Soldaten im Libanon-Krieg im Jahr 2006. Eine israelische Artillerieeinheit hatte soeben an der libanesisch-israelischen Grenze in den Libanon gefeuert. Fast 10.000 israelische Soldaten kämpften in der Nähe von etwa einem Dutzend Dörfern im Südlibanon gegen Hisbollah-Kämpfer.  © Menahem Kahana/afp
Israelisches Militär feuert auf Ziele im Libanon
Auslöser des Libanon-Kriegs waren anhaltende Konflikte zwischen der Terrororganisation Hisbollah und der israelischen Armee. Um die Angriffe zu stoppen, bombardierte die israelische Luftwaffe die Miliz aus der Luft und verhängte eine Seeblockade. Die Hisbollah antwortete mit Raketenbeschuss auf den Norden Israels. Später schickte Israel auch Bodentruppen in den Süden von Libanon.  © Atef Safadi/dpa
Angriff im Süden von Beirut
Die libanesische Regierung verurteilte die Angriffe der Hisbollah und forderte internationale Friedenstruppen, um den Konflikt zu beenden. Am 14. August 2006 stimmten schließlich nach einer UN-Resolution die Konfliktparteien einem Waffenstillstand zu. Sowohl die Hisbollah als auch Israel sahen sich als Sieger.  © Wael Hamzeh/dpa
Krieg in Israel
2014 startete die israelische Armee (IDF) mit der Operation Protective Edge am 8. Juli eine Militäroperation, weil die Hamas aus dem Gazastreifen immer wieder Israel beschoss. Ab dem 26. Juli 2014 folgte eine unbefristete Waffenruhe, die kanpp neun jahre währte.  © Abir Sultan/dpa
Jahrestag der Angriffe auf Israel am 7. Oktober
Am 7. Oktober 2023 startete die Hamas einen Überraschungsangriff auf Israel mit Raketenbeschuss und Bodeninfiltrationen aus dem Gazastreifen, was zu schweren Verlusten und der Entführung zahlreicher Geiseln führte. Hier ist eine Gesamtansicht der zerstörten Polizeistation in Sderot nach den Angriffen der Hamas-Terroristen zu sehen.  © Ilia Yefimovich/dpa
Jahrestag der Angriffe auf Israel am 7. Oktober
Bei dem Überfall der Hamas und anderer extremistischer Gruppierungen auf Israel wurden rund 1200 Menschen getötet und mehr als 250 Israelis als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Seitdem wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen Zehntausende Menschen getötet, darunter auch viele Frauen und Minderjährige. © Ilia Yefimovich/dpa

Bericht von israelischen Menschenrechtsorganisationen: „Dies ist ein Völkermord“

„Basierend auf einer sorgfältigen rechtlichen Analyse der Fakten stellen wir schweren Herzens fest: Dies ist ein Völkermord“, sagte Guy Shalev, Geschäftsführer von Ärzte für Menschenrechte-Israel, vor Reportern in Jerusalem. „Die systematische Zerstörung des Gesundheitssystems, die Verweigerung des Zugangs zu Nahrung, die Blockade medizinischer Evakuierungen und die Nutzung humanitärer Hilfe für militärische Ziele – all das zeigt ein klares Verhaltensmuster, das Absicht offenbart.“

David Mencer, ein Sprecher des Büros von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu, nannte den Bericht haltlos und sagte, er „lästere Israel“. Die Völkermordvorwürfe seien „ein Versuch, Israels Recht auf Selbstverteidigung gegen die Hamas zu delegitimieren“, sagte Mencer. „Unser Premierminister hat die Anschuldigungen zuvor als empörend bezeichnet, und natürlich zielen unsere Verteidigungskräfte auf Terroristen, nie auf Zivilisten. Wir haben umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um Schaden zu minimieren.“ Es sei die Hamas, fügte Mencer hinzu, die sich absichtlich in der Zivilbevölkerung verstecke und für das Leid in Gaza verantwortlich sei, während Israel nun Hilfslieferungen erleichtere.

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Fall liegt bei Internationalem Gerichtshof: Begeht Israel Völkermord an Palästinensern?

Seit Israel als Reaktion auf einen Hamas-Angriff auf Südisrael am 7. Oktober 2023 eine vernichtende Offensive in Gaza startete, haben Gruppen wie Amnesty International und Human Rights Watch sowie Regierungen wie Südafrika – das einen Fall gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof eingereicht hat – Israel des Völkermords an den Palästinensern dort beschuldigt.

Die Vorwürfe haben besonders heftige Gegenreaktionen vom jüdischen Staat hervorgerufen; Völkermord wurde erstmals 1946 von den Vereinten Nationen als Verbrechen nach internationalem Recht anerkannt, nach der systematischen Ermordung von Juden durch Nazi-Deutschland während des Holocaust.

Ein israelischer Luftangriff über dem nördlichen Gazastreifen ist am Sonntag vom südlichen Israel aus zu sehen.

Bericht von israelischer Menschenrechtsorganisation B‘Tselem: Israelische Politiker sollen Schuld an Hungersnot tragen

In einem 79-seitigen Bericht, der am Montag veröffentlicht wurde, sagte B‘Tselem, Israels Kriegstaktiken gingen über das hinaus, was nötig sei, um die Hamas als Kampftruppe zu zerschlagen. Sie dokumentierten Fälle, in denen israelische Politiker und hochrangige Beamte offen dazu aufriefen, die Bewohner Gazas auszuhungern und das Gebiet dem Erdboden gleichzumachen. Etwa 2 Millionen Palästinenser leben in der Enklave.

B‘Tselems Direktorin Yuli Novak sagte, dass die Verbrechen der Hamas am 7. Oktober gegen israelische Zivilisten, die den Krieg auslösten, nicht heruntergespielt werden dürften. Die israelische Gesellschaft erfasse aber möglicherweise nicht die Auswirkungen von Israels Vergeltungskampagne. „Jeder Völkermord in der Geschichte hatte eine Rechtfertigung, zumindest in den Augen derer, die ihn begingen: der Selbstverteidigung angesichts existenzieller Gefahr, eines Krieges ohne Wahl, von Opfern, die es ‚selbst verschuldet‘ hätten“, sagte Novak.

Kritik an Israel: Einschränkung humanitärer Hilfe nach Gaza

Die Anschuldigungen der israelischen Menschenrechtsgruppen kommen zu einer Zeit, in der immer mehr Stimmen Israel für die Einschränkung humanitärer Hilfe nach Gaza kritisieren. Die jüngste war die Union for Reform Judaism, die Dachorganisation der größten jüdischen Strömung in den USA. Sie forderte die israelische Regierung auf, den ungehinderten Fluss von Nahrungsmitteln wiederherzustellen und verurteilte Netanyahus politische Verbündete für ihre Rhetorik, wie den Aufruf, Gaza „auszulöschen“, die sie als nicht mit jüdischen Werten vereinbar bezeichnete.

Trump spricht von „Katastrophe“ in Gaza: Netanjahu spricht von „dreister Lüge“

Nachdem sie monatelang die Hilfslieferungen streng kontrolliert und UN-Hilfsmaßnahmen weitgehend zugunsten eines kleineren, privaten Unternehmens namens Gaza Humanitarian Foundation ausgeschlossen hatte, kündigte Netanjahus Regierung am Samstag eine Lockerung ihrer Politik an. Israelische Beamte, die lange behauptet hatten, der freie Fluss humanitärer Hilfe nütze der Hamas, haben in ihrer Botschaft eine Kehrtwende vollzogen. Sie betonen nun Israels Bemühungen, Hilfe zu erleichtern, und wehren sich gegen Behauptungen, die Regierung habe eine Strategie verfolgt, die Bewohner Gazas auszuhungern.

„Israel wird so dargestellt, als würden wir eine Hungerkampagne in Gaza durchführen. Was für eine dreiste Lüge“, sagte Netanjahu am Sonntag bei einer Veranstaltung in Jerusalem mit Paula White-Cain, einer langjährigen geistlichen Beraterin von Präsident Donald Trump und prominenten evangelikalen Führerin. „Es gibt keine Politik des Aushungerns in Gaza, und es gibt keinen Hunger in Gaza. Wir haben während der gesamten Dauer des Krieges humanitäre Hilfe nach Gaza gelassen. Sonst gäbe es keine Bewohner Gazas mehr.“

Trump schien am Montag in Schottland an der Seite des britischen Premierministers Keir Starmer, der die Situation in Gaza als „Katastrophe“ bezeichnet hatte, Netanjahu zu widersprechen. „Basierend auf dem Fernsehen … sehen diese Kinder sehr hungrig aus“, sagte Trump vor Reportern und fügte hinzu, er glaube, es gebe tatsächlich Hunger. „Ich sehe es, und man kann das nicht vortäuschen“, sagte Trump und versprach, die USA einzuschalten, um „Nahrungsmittelzentren“ in der Enklave einzurichten.

Anstieg der Todesfälle an Verhungern: Israel beteuert Verteilung von Hilfsgütern

Israelische Beamte sagten am Montag, dass am Vortag 120 Lastwagen mit Hilfsgütern gesammelt und verteilt wurden. Das wäre eine Steigerung gegenüber den Vorwochen und würde das Mindestvolumen erreichen, das die UN für Gazas grundlegende humanitäre Bedürfnisse als notwendig erachtet. UN-Beamte sagen jedoch, dass weit mehr Nahrungsmittel und Medikamente fließen müssen, um die durch monatelange eingeschränkte Hilfe verursachte Unterernährung umzukehren.

UN-Beamte sagten am Montag, sie wüssten noch nicht, wie viel Hilfe Israel diese Woche nach Gaza lassen würde, hofften aber, mindestens 100 Lastwagen pro Tag sammeln zu können. Das Gesundheitsministerium von Gaza meldete am Montagmorgen, dass in den vorangegangenen 24 Stunden mindestens 14 Menschen an Unterernährung gestorben seien, inmitten eines starken Anstiegs der Todesfälle diesen Monat, die direkt auf Hunger zurückzuführen sind. Eines war ein Kind, sagte das Ministerium, während die anderen 13 Erwachsene waren.

Sechs verstorbene Erwachsene in Al-Aqsa-Krankenhaus: Hatten in zwei Monaten etwa 10 Kilogramm abgenommen

Um Behauptungen zu widerlegen, dass in Gaza Hunger herrsche, teilte COGAT, der Zweig des israelischen Militärs, der zivile Angelegenheiten in den besetzten Gebieten koordiniert, am Montag ein weit verbreitetes Foto eines abgemagerten palästinensischen Jungen. COGAT sagte, er leide tatsächlich an einer genetischen Krankheit, nicht an Hunger.

Im Al-Aqsa-Krankenhaus im zentralen Gaza, das sechs der verstorbenen Erwachsenen aufnahm, sagte Dr. Khaled al-Tabari, dass keiner von ihnen an genetischen Störungen gelitten habe. Alle sechs, die zwischen 45 und 60 Jahre alt waren, litten an Diabetes – einer hatte ein Magengeschwür, ein anderer Epilepsie –, aber es gab keinen Grund, warum sie nicht ein erfülltes Leben hätten führen sollen, sagte er. Jeder hatte in den letzten zwei Monaten etwa 10 Kilogramm verloren, während sie Schwierigkeiten hatten, Nahrung zu finden. Einige kamen mit starkem Blutdruckabfall und Unterzuckerung ins Krankenhaus; andere waren bereits tot bei der Ankunft.

Cheeseman berichtete aus Beirut.

Zu den Autoren

Gerry Shih ist Büroleiter der Washington Post in Jerusalem und berichtet über Israel, die palästinensischen Gebiete und den Nahen Osten.

Abbie Cheeseman berichtet für die Washington Post aus Beirut über den Nahen Osten. Bevor sie zur Post kam, war sie fünf Jahre lang als freie Korrespondentin im Nahen Osten tätig. Davor arbeitete sie als investigative Reporterin in London, wo sie sich auf die Luftkriege der USA im Nahen Osten und in Afghanistan konzentrierte.

Wir testen zurzeit maschinelle Übersetzungen. Dieser Artikel wurde aus dem Englischen automatisiert ins Deutsche übersetzt.

Dieser Artikel war zuerst am 29. Juli 2025 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

Rubriklistenbild: © Heidi Levine/The Washington Post

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