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„Eine Frechheit“

SPD kritisiert Reiches Renten-Plan als „Belastungspaket“ – und macht Gegenvorschläge

Uneinigkeit beim Thema Rente: Reiche will, dass Menschen länger arbeiten. Die SPD schmettert ab. Ein Vorschlag der SPD gefällt wiederum der Union nicht.

Berlin – Das deutsche Rentensystem bedarf einer Reform; darin ist sich die Regierung aus Union und SPD einig. Was die Lösungsansätze angeht, gibt es wohl noch Klärungsbedarf. Für einen Ansatz sprach sich zuletzt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche aus: Menschen in Deutschland sollten mehr und länger arbeiten – und später in Rente gehen, äußerte Reiche gegenüber der FAZ. Der Vorstoß stößt nicht zuletzt beim Koalitionspartner SPD auf Kritik.

SPD kritisiert Reiches Renten-Vorstoß: „Eine Frechheit“

„Die Forderung nach einer längeren Lebensarbeitszeit ist ideologisch bequem, aber praktisch lebensfern“, kritisiert Jan Dieren, stellvertretender Sprecher der AG Arbeit und Soziales, gegenüber der Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA. Mit Blick auf Reiches Vorstoß formuliert der SPD-Politiker den Vorwurf: „Wer ernsthaft meint, man müsse das Rentensystem dadurch retten, dass Menschen länger schuften, kennt die Lebenswirklichkeit von Millionen Beschäftigten in Deutschland nicht.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Von Menschen in Deutschland, unter denen bereits viele „über die Grenzen ihrer Gesundheit hinaus“ arbeiten würden, zu fordern, „sie müssten noch mehr schuften, ist eine Frechheit“, so Dieren. Mit Blick auf Reiches Renten-Vorstoß erklärt der SPD-Abgeordente weiter: „Die Forderung nach einer längeren Lebensarbeitszeit ist kein Reform-Vorschlag, sondern ein Belastungspaket für die arbeitenden Menschen.“

Reiche selbst verteidigt ihren Vorstoß zur Rente. Am Montag erklärte die Wirtschaftsministerin, angesprochen auf die Kritik aus den eigenen Reihen, es sei unbestritten, „dass wir länger arbeiten müssen, Punkt“. Dies, so Reiche, bestreite „im Kern keiner – übrigens auch nicht die Kritiker nicht“. Damit dürfte Reiche jedenfalls mit Blick auf die SPD-Kritik nicht richtig liegen. Zur Renten-Forderung der Wirtschaftsministerin erklärt Dieren: „Die Strategie ‚mehr Arbeit‘ ist keine Zukunftsvision, sondern bürdet denen noch mehr gesellschaftliche Lasten auf, die ohnehin schon viel zu tragen haben.“

Merz‘ „Herbst der Sozialreformen“: SPD-Politiker pocht auf gerechte Rentenreform

Reiches Einschätzung, dass im Koalitionsvertrag festgeschriebene Reformen nicht ausreichen würden, teilt der SPD-Abgeordnete hingegen. „Das jetzige System ist nicht gerecht, es braucht eine grundlegende Reform.“ Eine solche Rentenreform müsse jedoch ebenfalls gerecht sein und müsse „diejenigen stärker in die Verantwortung“ nehmen, „die sich bisher einen schlanken Fuß machen“.

SPD-Abgeordneter Jan Dieren kritisiert den Renten-Vorstoß von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. (Symbolbild)

Bundeskanzler Friedrich Merz stellte zuletzt unter anderem mit Blick auf die Rente einen „Herbst der Sozialreformen“ in Aussicht. Schwarz-Rot will in den nächsten Wochen unter anderem eine künftige Absicherung des Rentenniveaus für die kommenden Jahre auf den Weg bringen. Dann soll sich eine Rentenkommission Gedanken über die Zukunft machen: Auch die Einsetzung einer solchen Kommission hatten Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart.

Rentenversicherung: SPD fordert Einbeziehung von Beamten – Union ist dagegen

Zur Stärkung des deutschen Rentensystems nennt der SPD-Politiker drei Maßnahmen. Zum einen fordert Dieren, müssten alle in eine Erwerbstätigenversicherung einzahlen: „auch Selbstständige, Anwält:innen, Ärzt:innen, Beamt:innen und Politiker:innen, also diejenigen in unserer Gesellschaft, die tendenziell auch über deutlich höhere Einkommen verfügen.“

Auch Arbeitsministerin Bärbel Bas hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, dass auch Beamte, Selbstständige und Abgeordnete in das Rentensystem einzahlen sollen. Deutliche Kritik vonseiten der Union ließ nicht lange auf sich warten: „Frau Bas sollte nicht versuchen, der Renten-Kommission alte SPD-Ideen als zukünftiges Ergebnis vorzuschreiben“, erklärte CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann der Bild am Sonntag. CDU-Kanzleramtschef Thorsten Frei sagte in der ARD, er könne „keine Belegstelle im Koalitionsvertrag“ finden.

Maßnahmen zur Stärkung der Rente: SPD will bessere Löhne und Arbeitsbedingungen

Um das Finanzierungsproblem im Rentensystem zu lösen, müsse die Regierung auch über das System hinaus blicken, findet Dieren zudem; hin zu Steuerhinterziehung. Der SPD-Abgeordnete spricht von mehr als 100 Milliarden Euro an Steuern, die dem Staat jährlich verloren gingen: „Wenn wir diese Steuerhinterziehung konsequent verfolgen, steht uns jedes Jahr deutlich mehr Geld zur Verfügung.“ Die tatsächliche Höhe der Steuerhinterziehung ist zwar nicht genau zu beziffern, aber auch der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Florian Köbler, sprach gegenüber dem MDR Ende 2024 von mindestens 100 Milliarden Euro – die Schätzungen der Gewerkschaft gingen noch darüber hinaus.

Als dritte Maßnahme zur Stärkung des Rentensystems nennt der SPD-Politiker Arbeitsbedingungen und Löhne – diese müssten verbessert werden, fordert er: „Gute Löhne sorgen für eine gute Rente.“ Konkret: „Dafür brauchen wir mehr Tarifbindung, einen höheren Mindestlohn und mehr Vollzeitarbeit für diejenigen, die es wollen. Also auch einen besseren Übergang von Teilzeit in Vollzeit, vor allem für Frauen.“ (pav)

Rubriklistenbild: © SPD-Abgeordneter Jan Dieren kritisiert den Renten-Vorstoß von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche.

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