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Ukraine-Krieg

Gegen Putins Russland: Polen sichert mit „Drachenzähnen“ und Panzerminen die Nato-Ostgrenze

Die Angst vor Russland ist groß: Polen und die baltischen Staaten sichern ihre Grenzen mit Minen und Barrieren. Historische Gründe spielen auch eine Rolle.

Sie stammen aus dem Zweiten Weltkrieg, werden im Ukraine-Krieg eingesetzt und sollen nun auch die Nato-Ostflanke schützen: sogenannte „Drachenzähne“. Dabei handelt es sich um spitze Betonblöcke, die Panzern und mechanisierter Infanterie den Weg versperren sollen. Lettland und Litauen haben angekündigt, ihre Ostgrenze mit solchen „Drachenzähnen“ schützen zu wollen.

„Ab dem Ende des Sommers werden wir einige Teile der Grenze dauerhaft befestigen“, sagte Litauens Verteidigungsminister Laurynas Kasčiūnas kürzlich vor Journalisten. Zu dem geplanten System gehören neben den „Drachenzähnen“ auch Panzerabwehrminen, ferngesteuerte Minen und ein Netz von Panzerabwehrgräben und zusammenklappbaren Brücken, die einen herannahenden Feind abwehren können. An mehreren Punkten der Grenze zu Belarus und der russischen Exklave Kaliningrad will Litauen solche „Anti-Mobilitäts-Parks“ aufbauen, deren Kosten Kasčiūnas auf 600 Millionen Euro schätzte, verteilt über die kommenden zehn Jahre.

Sie sind Teil des Gemeinschaftsprojekts einer 2,5 Milliarden Euro teuren, rund 700 Kilometer langen „Baltischen Verteidigungslinie“ (Baltic Defence Line), auf die sich Litauen, Lettland und Estland Anfang dieses Jahres verständigt hatten.

Polen und das Baltikum: Milliarden für sichere Grenzen

Auch Polen ist dabei, seine Grenze zu befestigen, und kündigte dafür kürzlich Investitionen von umgerechnet rund 2,2 Milliarden Euro an. Das Projekt namens „Östlicher Schild“ sei bereits im Bau, sagte Ministerpräsident Donald Tusk. Schon die vorherige PiS-Regierung hatte begonnen, die Grenze zu Belarus mit Mauern und Zäunen zu befestigen, nachdem dort 2021 zahlreiche Geflüchtete aufgetaucht waren, die gezielt von Minsk und Moskau dorthin geschickt wurden. Diese Befestigungen reichen nach Ansicht der Tusk-Regierung aber nicht aus. Im Juni erst hatte ein aus Belarus gekommener Migrant einen jungen polnischen Soldaten mit einem Messer getötet und war dann zurück in die Wälder verschwunden. Tusks Ziel ist es, „die polnische Grenze in Zeiten des Friedens sicher zu machen – und undurchdringlich für einen Feind in Kriegszeiten“, wie er sagt.

Polnische Grenzschutzbeamte an der Grenze zu Belarus: Polen will die Grenze mit Milliardenausgaben stärker befestigen – auch die zur russischen Exklave Kaliningrad.

Die vier Staaten sind Mitglieder der Nato, die ihr wichtigster Schutzschirm ist. Innerhalb der Allianz sind sie diejenigen, die ihre Verbündeten seit Jahren vor russischem Expansionsdrang warnen – nicht erst, seit Russland Anfang 2022 den Ukraine-Krieg losgetreten hat. Sie alle wurden in ihrer Geschichte immer wieder von Russland und der Sowjetunion bedrängt: Die drei baltischen Staaten wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von der UdSSR besetzt, Polen schon vor Jahrhunderten vom russischen Zarenreich dominiert und später zwischen Russland und Preußen zerrieben. Schon damals strebte Russland danach, in seiner nahen Nachbarschaft eine Einflusssphäre zu errichten.

Polen und baltische Staaten sehen sich im Visier Putins

„Russland hat Polen in den 500 Jahren unserer Geschichte viele Male angegriffen“, sagte Polens Außenminister Radoslaw Sikorski kürzlich im Interview mit Bild. Er wäre „nicht überrascht“, falls Russland sein Land tatsächlich angreifen sollte. Von Ansprüchen auf Einfluss in Russlands „naher Nachbarschaft“ fabuliert Putin auch heute wieder – der schon bei seinem Amtsantritt Anfang 2000 den Zerfall der Sowjetunion von 1992 als Katastrophe bezeichnet hatte. Dass er all das ernst meint, zeigt sein Angriff auf die Ukraine, eine ehemalige Sowjetrepublik.

Auch die drei baltischen Staaten sehen sich als Ex-Sowjetrepubliken deshalb im Visier Putins. In Litauen diskutierte die Politik Anfang August sogar, ob eine Evakuierung vieler Menschen im Notfall möglich wäre. Nach Angaben der Hafenbehörde von Klaipeda könnten mit Fähren mehrere Hunderttausend Menschen binnen kurzer Zeit in Sicherheit gebracht werden. Allein die Tatsache, dass man in Vilnius über diese Dinge nachdenkt, zeigt, wie groß die Sorge ist.

Die verletzlichen Staaten wollen mehr Unterstützung aus Brüssel

Die drei baltischen Staaten und Polen nehmen daher viel Geld für Abschreckung und Grenzschutz in die Hand. Ihre Verteidigungsbudgets sind, gerechnet auf die Wirtschaftsleistung (BIP), deutlich höher als in Deutschland und Westeuropa. Polen lag 2023 nach Nato-Angaben mit 3,9 Prozent des BIP an der Spitze, Estland mit 2,7 Prozent auf Rang vier. Auch Litauen und Lettland geben mehr als die unter den Nato-Staaten vereinbarten zwei Prozent aus.

Doch alleine wollen die vier Staaten diese Last der Verteidigung gegen Osten nicht mehr stemmen. Kurz vor dem EU-Gipfel Ende Juni in Brüssel forderten sie die EU auf, sich „sowohl politisch als auch finanziell“ am Bau der „Baltischen Verteidigungslinie“ zu beteiligen, da diese ja auch EU und Nato vor hybriden Bedrohungen durch Russland schützen werde.

Generell passt die Nato ihre Verteidigungspläne derzeit an, da ihre Ostgrenze durch den Beitritt Finnlands im April 2023 um 1340 Kilometer länger geworden ist. Finnland will dazu ein Landkommando für eine multinationale Nato-Truppe aufbauen, während das in diesem Jahr beigetretene Schweden sich mehr in der Ostsee engagieren will; seine Insel Gotland ist strategisch mitten im Meer gelegen – aufgrund ihrer Nähe zur russischen Exklave Kaliningrad aber auch verletzlich.

Rubriklistenbild: © IMAGO / NurPhoto

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