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Interview

„Er ist ein Megalomane“: Warum Musks neue Partei Trump gefährlich werden könnte

Elon Musk gründet eine neue Partei. Große Erfolgsaussichten hat er nicht. US-Experte Stephan Bierling erklärt im Interview, wie er Trump trotzdem gefährlich werden kann.

Frankfurt – „Heute wurde die America Party gegründet, um euch eure Freiheit zurückzugeben.“ Mit diesen Worten leitete Elon Musk, Tech-Milliardär und ehemaliger Berater von US-Präsident Donald Trump, die Gründung seiner eigenen Partei ein. Das Ziel: Musk will das Zwei-Parteien-System in den USA aufbrechen.

Stephan Bierling, Professor für Internationale Politik an der Universität Regensburg und Experte für US-Politik, hegt Zweifel am Erfolg von Musk und seiner Partei. Im Interview mit der Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA erklärt er, wie er dennoch Einfluss auf die US-Politik nehmen könnte – und warum Musks Partei an dessen Narzissmus scheitern könnte.

Herr Bierling. In Deutschland haben Parteien wie die AfD oder jüngst das Bündnis Sahra Wagenknecht zu einer mehr oder weniger starke Disruption der Parteienlandschaft geführt. Droht mit Musks „America Party“ den USA jetzt der AfD-Moment?
Nein, davon ist nicht auszugehen. Das Zwei-Parteien-System von Demokraten und Republikanern ist dort seit den frühen 1860er Jahren etabliert und so festgefahren, dass es kein Aufbrechen des gesamten Systems geben wird. Wenn man Umfragen glaubt, dann sehen 80 Prozent der Amerikaner sich von den beiden Parteien im Moment zwar nicht wirklich repräsentiert. Das hat auch vor allem damit zu tun, dass beide Parteien in den letzten 30, 40 Jahren immer weiter ans Ende des politischen Spektrums marschiert sind. Aber mit diesen 80 Prozent ist es so, wie wenn Sie fragen, wollen Sie in Zukunft abnehmen? Dann kriegen Sie auch in Deutschland auch 80 Prozent Zustimmung. Aber am Abend, wenn die Schokolade neben dem Fernsehsessel liegt, dann greift man doch zu.

Zur Person Stephan Bierling

Stephan Bierling ist seit dem Jahr 2000 Professor für Internationale Politik und Transatlantische Beziehungen an der Universität Regensburg. Als Gastprofessor lehrte er auch in den USA am Austin College oder der University of California. Zuletzt veröffentlichte Bierling passend zum Thema sein neustes Buch „Die Unvereinigten Staaten. Das politische System der USA und die Zukunft der Demokratie“.

Ist Musk diese Loyalität gegenüber den beiden großen Parteien in den USA bewusst?
Das wage ich zu bezweifeln. Er ist ein Megalomane, ein Mensch der glaubt allein durch seinen Willen und seine Kraft alles verändern und bewegen zu können und im Wirtschaftsbereich war er damit erfolgreicher als jeder andere Unternehmer in der Menschheitsgeschichte. Die Politik ist allerdings ein anderes Tier, das ist sehr viel schwieriger zu reiten und dort wird er sehr schnell feststellen, dass trotz seines weltbekannten Namens, trotz seines Reichtums, es einfach strukturelle Hindernisse geben wird, wo man sich mit Wille und Geld nicht alles kaufen kann auf der Welt, was man glaubt.

Elon Musk gründet seine eigene Partei – Diesen Einfluss könnte er auf die US-Politik nehmen

Elon Musk ist dennoch eine prominente Figur in den USA und spätestens seit seiner Beteiligung in der Trump-Regierung mitten im politischen Geschehen angekommen. Welche Auswirkungen könnte eine „America Party“ in den Vereinigten Staaten haben?
Nun, Elon Musk wird es nicht darauf anlegen, dass er eine wirkliche Partei, eine Drittpartei dauerhaft etablieren kann. So realistisch ist er. Aber mit so einer Drittpartei kann man natürlich Nadelstiche aussenden. Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen, aber auch die Kongresswahlen gehen mittlerweile seit 15 Jahren überaus knapp aus. Das heißt, es reichen oft Abstände von 1, 2 oder 3 Prozentpunkten in die eine oder andere Richtung, um zu gewinnen. Erinnern wir uns, Donald Trump hat bei den letzten Wahlen gerade mal 1,5 Prozentpunkte vor Kamala Harris gelegen. Der Abstand im Repräsentantenhaus ist einer der engsten in der bald 250-jährigen amerikanischen Geschichte. Und im Senat liegen die Republikaner gerade mal drei Stimmen vor den Demokraten. Das heißt, so eine Drittpartei, die es schafft, auch nur einige Wähler von einer der beiden großen Parteien abzuziehen, kann durchaus überproportionalen Effekt haben. Dann könnte Musk wirklich das Zünglein an der Waage spielen.

Elon Musk: Erst US-Schattenpräsident – und jetzt Trump-Gegenspieler?

Geboren wurde Elon Musk 1971 in Pretoria in Südafrika.
Geboren wurde Elon Musk 1971 in Pretoria in Südafrika. Seine Mutter Maye Musk, hier gemeinsam mit ihrem Sohn in der TV-Show „Saturday Night Life“, stammt aus Kanada und arbeitete dort als Model. Elon Musk hat zwei jüngere Geschwister: seinen Bruder Kimbal Musk und Schwester Tosca Musk. © dpa
Errol Musk baute als Maschinenbau- und Elektroingenieur ein Vermögen auf.
Vater Errol Musk baute als Maschinenbau- und Elektroingenieur ein Vermögen auf. Die Familie wuchs in großem Wohlstand in Pretoria auf. 1979 scheiterte die Ehe der Eltern. Elon Musk zog daraufhin mit seiner Mutter und seinen Geschwistern für zwei Jahre nach Durban (Südafrika), ehe er zurück zu seinem Vater nach Pretoria kehrte. © GIANLUIGI GUERCIA/dpa
Mitte der 1990er Jahre begann der Aufstieg Elon Musks in den USA.
Mitte der 1990er Jahre begann der Aufstieg Elon Musks in den USA. Im März 1999 gründete er das Online-Bankunternehmen X.com. Ein Jahr später wurde nach Fusion mit einer Firma von Milliardär - und Unterstützer von Donald Trump - Peter Thiel daraus der Online-Bezahldienst Paypal. Den wiederum kaufte Ebay, was Musk einen satten Gewinn von 176 Millionen Dollar eingebracht haben soll. © Michael Reynolds/dpa
Im Jahr 2002 gründete Elon Musk das Unternehmen SpaceX.
Im Jahr 2002 gründete Elon Musk das Unternehmen SpaceX. Er investierte rund 100 Millionen US-Dollar seines Geldes zum Start in die Firma. Kurzfristiges Ziel war die Entwicklung einer eigenen Trägerrakete, um die Kosten für die zivile Raumfahrt zu senken. Langfristig sollte SpaceX Musk der Erfüllung seines großen Traums näher bringen: die Besiedlung des Mars. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entwickelte sich SpaceX zu einem erfolgreichen Projekt. Das US-Verteidigungsministerium erteilte der Firma einen Auftrag in Höhe von 3,6 Milliarden US-Dollar zur Errichtung eines Netzwerks von Spioinagesatelliten. © Paul Buck/dpa
Sein geschäftlicher Erfolg in den Vereinigten Staaten brachte Elon Musk auch der US-Politik näher
Sein geschäftlicher Erfolg in den Vereinigten Staaten brachte Elon Musk auch der US-Politik näher. Im Jahr 2014 besuchte der frisch gebackene Milliardär gemeinsam mit seiner Ex-Frau Talulah Riley einen Empfang des damaligen Präsidenten Barack Obama. Musk heiratete Riley im Jahr 2010. Zwei Jahre später ließ sich das Paar aber wieder scheiden. © Andrew Harrer / Pool
Im Jahr 2004 übernahm Elon Musk die ein Jahr zuvor gegründete Automarke Tesla
Im Jahr 2004 übernahm Elon Musk die ein Jahr zuvor gegründete Automarke Tesla. Die Firma hatte zum Ziel, Elektro-Autos in allen Preisklassen zu entwickeln und weltweit zu verkaufen. Erstes Modell des Autobauers war der „Tesla Roadster“. Es folgten das „Model S“ und „Model X“. Neben dem Bau von Elektro-Autos investierte Tesla auch in den Ausbau von Ladestationen in den USA sowie in eigene Batteriefabriken. © Matt Sumner/dpa
Ein Meilenstein in der Erfolgsgeschichte von Tesla sollte der Cybertruck werden.
Ein Meilenstein in der Erfolgsgeschichte von Tesla sollte der Cybertruck werden. Elon Musk pries den Wagen 2023 in der Autostadt Detroit als nahezu unzerstörbar an. Dies wollte der Milliardär eigenhändig unter Beweis stellen und warf eine Stahlkugel auf die Fensterscheibe - mit unerwartetem Ergebnis. Die Scheibe splitterte unter den verdutzten Augen Musks. Der nahm es mit Humor. © IMAGO/Robert Hanashiro
Dennoch verkaufte sich Elon Musks Cybertruck - auch außerhalb der USA.
Dennoch verkaufte sich Elon Musks Cybertruck - auch außerhalb der USA. Tschetschenenführer Ramsan Kadyrow gönnte sich ebenfalls einen der Tesla-SUVs. Der Vertraute von Russlands Präsident Wladimir Putin modizifierte seinen Cybertruck mit einem Maschinengewehr. © IMAGO/Handout/Kadyrov 95
Ein Jahr Tesla Gigafactory Berlin Brandenburg
Im Jahr 2022 eröffnete Tesla das erste Werk in Deutschland. Zur Eröffnung der Tesla-Fabrik in Brandenburg begrüßte Musk unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz. Bund und Land hatten den Bau des Autowerks mit Millionenbeträgen subventioniert. In der „Tesla Gigafactory“ sollten kurz darauf 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt werden. Kritik wurde aber auch an Musks Unternehmensführung laut. Er soll großen Leistungsdruck auf seine Angestellten ausüben und infolge von Wutanfällen ganze „Wogen“ von Entlassungen verteilt haben, berichtete die New York Times. © Patrick Pleul/dpa
Auch Umweltaktivisten engagierten sich gegen den Bau der Tesla-Fabrik in Brandenburg.
Auch Umweltaktivistinnen und -aktivisten engagierten sich gegen den Bau der Tesla-Fabrik in Brandenburg. An einer Demonstration gegen die Erweiterung des Werks am Bahnhof Fangschleuse im nahegelegenen Grünheide beteiligten sich laut Veranstalter mehr als 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Polizei sprach von etwa 1.000 Personen. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jadranko Marja
Demonstrationen gegen Elon Musks Tesla-Werk in Brandenburg
Ganz friedlich blieb es dabei nicht. Während der Demonstrationen gegen Elon Musks Tesla-Werk in Brandenburg kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmern und der Polizei. Laut Informationen des RBB setzten die Sicherheitskräfte dabei auch Pfefferspray ein. Das Werksgelände musste zeitweise von einem Großaufgebot gesichert werden. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jadranko Marja
Weniger bekannt wie Elon Musks Ausflüge in die Weltraumwirtschaft und Elektromobilität ist sein Engagement in Hollywood
Weniger bekannt als Elon Musks Ausflüge in die Weltraumwirtschaft und Elektromobilität ist sein Engagement in Hollywood. 2005 war der Milliardär als Executive Producer an dem Film „Thank you for Smoking“ beteiligt. 2010 war Musk in derselben Funktion für den Film „Dumbstruck“ tätig. © Peter Foley/dpa
Von 2017 bis 2018 war Elon Musk mit der Schauspielerin Amber Heard liiert.
Von 2017 bis 2018 war Elon Musk mit der Schauspielerin Amber Heard liiert. © IMAGO/PacificCoastNews / Avalon
Einen weiteren Traum musste Elon Musk aber aufgeben: die menschliche Rohrpost.
Einen weiteren Traum musste Elon Musk aber aufgeben: die menschliche Rohrpost. Noch 2018 kündigte er in Begleitung seiner damaligen Freundin, der kanadischen Sängerin Grimes, den Hyperloop an. Ein Netz aus Vakuumröhren zwischen den Großstädten der USA sollte den öffentlichen Nahverkehr revolutionieren. 2022 wurde das Projekt eingestellt.  © Gene Blevins/dpa
Mit der Sängerin Grimes ging Elon Musk 2018 eine Beziehung ein.
Mit der Sängerin Grimes ging Elon Musk 2018 eine Beziehung ein. Zwei Jahre später bekam das Paar seinen ersten gemeinsamen Sohn. 2023 trennten sie sich. Seitdem streiten der Milliardär und die Sängerin vor Gericht um das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder. © IMAGO/RW
Neben den drei Kindern mit der Sängerin Grimes soll Musk fünf Kinder mit seiner ersten Ehefrau Justine Wilson haben.
Neben den drei Kindern mit der Sängerin Grimes soll Musk fünf Kinder mit seiner ersten Ehefrau Justine Wilson haben. Mit Shivon Zilis, Angestellte in Musks Firma Neuralink, hat er Zwillinge gezeugt. Insgesamt soll Musk zehn Kinder haben, die allesamt durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden. © CHANDAN KHANNA/AFP
Eine wahre Erfolgsgeschichte unter den vielen Firmen, die Elon Musk betreibt, ist das Unternehmen SpaceX
Eine wahre Erfolgsgeschichte unter den vielen Firmen, die Elon Musk betreibt, wurde dagegen das Unternehmen SpaceX. Seit Jahren schickt die Firma hunderte Satelliten ins All und betreibt von dort „Starlink“, das schnellen Internetzugang überall auf der Welt bieten soll. © SPACEX via www.imago-images.de
Donald Trump beim Start einer Space X Rakete
Die Genauigkeit, mit der SpaceX in der Lage ist, Raketen ins All zu schießen, und wieder zu landen, begeisterte Donald Trump bereits in seiner ersten Amtszeit. Im Jahr 2020 besuchte der damalige US-Präsident gemeinsam mit seinem Vizepräsidenten Mike Pence den Start einer SpaceX-Rakete. © Linn/Eibner-Pressefoto via www.imago-images.de
Schwer aktiv war Elon Musk seit jeher in den sozialen Medien.
Schwer aktiv war Elon Musk seit jeher in den sozialen Medien. Besonders auf Twitter kommentierte der Milliardär immer wieder das politische Geschehen der USA. Musk kritisierte die Verbannung Donald Trumps vom Kurznachrichtendienst nach dem Kapitolsturm am 6. Januar 2021. Ein Jahr später kaufte der Milliardär Twitter auf. Er teilte daraufhin ein Video, in dem er ein Waschbecken (englisch: sink) in die Twitter-Zentrale trug - kommentiert mit den Worten "Let that sink in“ (lass das sacken). 2023 benannte er das Unternehmen um in „X“. Die von Musk durchgeführten Änderungen sorgten für eine Flut von Abwanderungen aus dem bis dato größten Kurznachrichtendienst. © AFP
Elon Musk im November 2023 in die Kritik
Wegen antisemitisch anmutender Kommentare auf Twitter geriet Elon Musk im November 2023 in die Kritik. Er versuchte, seine Aussagen zu relativieren, doch bediente sich dabei antismetischer Verschwörungstheorien. Kurz darauf reiste Musk medienwirksam nach Israel. Dort besuchte er in Begleitung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Kibbutz Kfar Aza, den die Hamas beim Terroranschlag am 7. Oktober attackiert hatte.  © IMAGO
In den Vorwahlen der Republikaner zur US-Wahl 2024 unterstützte Elon Musk zunächst Ron DeSantis
In den Vorwahlen der Republikaner zur US-Wahl 2024 unterstützte Elon Musk zunächst Ron DeSantis. Der Gouverneur des US-Bundesstaates Florida galt als aussichtsreichster Gegenkandidat zu Donald Trump. Mit einem Interview auf X wollte Musk DeSantis zu Aufmerksamkeit verhelfen. Technische Pannen machten den Versuch aber zu einem ähnlichen Fehlschlag wie die ganze Kampagne DeSantis‘.  © ANGELA WEISS CHENEY ORR / AFP
Nach dem Attentat auf Donald Trump stellte sich Elon Musk endgültig hinter den Kandidaten der Republikaner.
Nach dem Attentat auf Donald Trump stellte sich Elon Musk endgültig hinter den Kandidaten der Republikaner. Es folgten zahlreiche Wahlkampfauftritte des Südafrikaners, auch mit der kommenden First-Lady Melania Trump. Deren Ehemann versprach dem Milliardär daraufhin eine einflussreiche Rolle in der US-Regierung. Musk solle sich um den Abbau der US-Bürokratie kümmern und Milliardenbeträge einsparen. © IMAGO/Jen Golbeck / SOPA Images
Im Wahlkampf nahm Donald Trump seine halbe Familie mit zu Elon Musks Raketenstart.
Im Wahlkampf nahm Donald Trump seine halbe Familie mit zu Elon Musks Raketenstart. Nach seinem Sieg bei der US-Wahl nutzte der kommende US-Präsident seine Rede dazu, minutenlang über die Schönheit und Präzision der SpaceX-Raketen zu philosophieren. © BRANDON BELL/AFP
Den Sieg Donald Trumps bei der US-Wahl feierte selbstredend auch Elon Musk.
Den Sieg Donald Trumps bei der US-Wahl feierte selbstredend auch Elon Musk. Für den Milliardär war damit der Weg frei ins Weiße Haus. In den Wochen nach der US-Wahl wich Musk nicht von der Seite Trumps und wurde laut Einschätzung der US-Medien zum einflussreichsten Mann in Trumps Umfeld. Vor allem die Auswahl des Kabinetts durch den kommenden US-Präsidenten soll Musk maßgeblich beeinflusst haben. © JIM WATSON/AFP
Trump verabschiedet Musk auf gemeinsamer Pressekonferenz
Doch dann kam es zum Streit zwischen Musk und Trump. Anlass war das Haushalts- und Steuergesetz, mit dem der US-Präsident zentrale Wahlversprechen umsetzen will. Vor allem die drohenden Rekordschulden sind Musk ein Dorn im Auge. Trumps Pläne trieben „Amerika in den Bankrott“, so Musk. © Evan Vucci/dpa
Mittlerweile gilt Elon Musk als reichster Mensch der Welt.
Mittlerweile gilt Elon Musk als reichster Mensch der Welt. Sein Vermögen wird laut Süddeutscher Zeitung auf über 400 Milliarden US-Dollar geschätzt (Stand: Dezember 2024). Politisch positioniert sich Musk seit Jahren als rechtskonservativer Hardliner. Nach dem Wahlsieg Donald Trumps posierte er in dessen Anwesen in Mar-a-Lago mit Brexit-Papst und Parteichef der rechten „UK Reform“ Nigel Farage (r) und dem Schatzmeisters der Partei, Nick Candy (l) vor einem Porträt des jungen Trumps. © dpa
Ist das in der politischen Geschichte der USA bereits passiert?
Im Jahr 2000 traten damals für die Republikaner George W. Bush und für die Demokraten Al Gore an. Und am Ende wurde diese Präsidentschaft in einem Bundesstaat entschieden – nämlich in Florida. Dort war nach langer Auszählung festgestellt worden, dass Bush 537 Stimmen mehr hatte als Al Gore. Und jetzt kommt der Clou. Damals ist ein Kandidat mit dem Namen Ralph Nader angetreten. Und der hat in Florida so zwei bis zweieinhalb Prozentpunkte bekommen, die er wahrscheinlich überwiegend von den Demokraten abgezogen hatte. Das heißt, Musks Ankündigung, mit einer eigenen Partei Kandidaten zu unterstützen, wahrscheinlich schon bei den nächsten Zwischenwahlen, könnte für die Republikaner, woher er wohl die meisten Wähler abziehen wird, die Katastrophe bedeuten.

„America Party“: Musk könnte wichtige Wählerinnen und Wähler von den Republikanern abziehen

Auf wen könnte Musk als Unterstützer für seine „America Party“ zählen?
Nehmen Sie nur die ganzen Tech-Leute. Nehmen Sie die Crypto-Currency-Leute. Nehmen Sie die Gamer, die zu Hause in den Kellern ihrer Eltern sitzen. Die verehren Musk dramatisch und sind, so wissen wir aus den Wahlbefragungen, doch mit ihm sehr stark ins Trump-Lager gewandert. Das heißt, selbst wenn er nur einen Teil dieser Wähler jetzt auf seine neue Partei verpflichtet und an sie bindet, wird das den Republikanern mehr schaden als den Demokraten.
Musk und Trump hatten sich vor allem über die „Big Beautiful Bill“ zerstritten. Auch in der MAGA-Bewegung kam das Wirtschaftsgesetz des Präsidenten in Teilen nicht gut an. Könnte es innerhalb der Bewegung zum Bruch kommen?
Nein, die klassische MAGA-Bewegung, also die schlechter ausgebildeten, vor allem männlichen Wähler – die nicht nur weiß sind, wie wir seit 2024 wissen – sind das Rückgrat der Bewegung. Die werden bei Trump bleiben, die kontrolliert er wie ein Guru seine Sekte kontrolliert. Aber Trumps Wähler sind eben auch noch andere gewesen, also Wirtschaftsliberale oder Tech-Leute aus dem Silicon Valley und so weiter. Die sind internationalistisch und auf sparsame Ausgabenpolitik ausgerichtet. Und genau die spricht Musk an. Dass Musk so eng mit Trump gerade in dieser Doge-Reduzierung des öffentlichen Staatsapparats zusammengearbeitet hat, war etwas, was Trump sehr geschickt nutzte. Und Musk sieht, dass er im Grunde von Trump nur benutzt wurde. Und was er jetzt macht, mit seiner „America-Party“, ist im Grunde auch eine Rache an Trump, von dem er sich gerade durch diese „Big Beautiful Bill“, die ja Geld raushaut, als ob es kein Morgen mehr gibt, verraten sieht.
Lange galten sie als enge Verbündete. Doch jetzt könnte Elon Musk (l.) Donald Trump mit seiner neuen Partei gefährlich werden.

„Weil Musk sich selbst für die Sonne im Planetensystem hält“ – Neue Partei wegen Narzissmus in Gefahr

Auf X wirbt Musk damit, den US-Bürgerinnen und US-Bürgern ihre „Freiheit“ zurückzugeben. Sollte er tatsächlich eine Mehrheit bekommen, könnte er aber kein Präsident werden. Weil er nicht in den USA geboren ist, verbietet ihm das die Verfassung. Wer könnte unter Musk die Führung der „America Party“ übernehmen?
Bisher ist da niemand nach vorne getreten. Es ist auch schwierig, in dem Universum von Musk irgendetwas zu werden. Warum? Weil Musk sich selbst für die Sonne im Planetensystem hält. Und da rotieren alle um ihn, aber er allein spendet das Licht. Insofern ist er hier genauso selbstbezogen und narzisstisch, wie es Trump ist. Das ist etwas, was im Grunde nicht erlaubt, dass es eine zweite Führungsfigur gibt und das war ja auch der tiefere Grund, warum sich Trump und Musk, wie viele, auch ich, vorhergesagt haben, innerhalb weniger Monate zerstreiten und bis aufs Blut bekämpfen würden. Auf dieser Erde ist nicht genug Platz für beide die Nummer eins zu sein. Das heißt, jeder wird sich im Präsidentschaftswahlkampf, der noch drei Jahre weg ist, sehr schwertun, in einem Musk-Universum irgendwie aufzusteigen. Genauso wie es beim letzten Mal unmöglich war, in einem Trump-Universum für einen Republikaner aufzusteigen. Da kursieren auch noch keine Namen und ich weiß auch nicht, ob sich jemand wirkliches antun will, dann Präsident unter Musk zu sein. So hohe Leidensfähigkeit gibt es selbst bei sehr duckmäuserischen Politikern nicht wirklich.
Sie glauben nicht an den Erfolg eines Kandidaten einer Partei abseits des Zwei-Parteien-Systems in den USA. Aber gab es schon einen ähnlichen Fall in der US-Geschichte?
1992 gab es Ross Perot, ein bizarrer Milliardär, der Präsident werden und groß in die Politik einsteigen wollte. Damals konnte er knapp 19 Prozent aller Stimmen erreichen. Heute ist das aber anders, denn eigentlich ist Trumps selbst der Drittkandidat. Die Republikaner sind auch nicht mehr die Republikaner von vor zehn Jahren, bevor Trump in die Politik eingestiegen ist, sondern es ist eine völlig neue Partei. Trump hat die etablierte republikanische Partei gekapert und sie nach seinem Willen umgestellt. Das heißt, im Grunde ist die Republikanische Partei nur noch dem Namen nach, die Republikanische Partei von vor einer halben Generation. Sie ist jetzt die Trump-Partei und ist damit eigentlich die Drittpartei in der amerikanischen Politik geworden. (nhi)

Rubriklistenbild: © Christopher Furlong/Alex Brandon/Liu Jie/AFP/dpa (Montage)

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