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Tankrabatt

Energiesofortprogramm und Spritpreise: Warum die Politik beim Tanken scheitert

Ein Energiesofortprogramm soll die hohen Spritpreise abfedern – doch die Maßnahmen greifen ins Leere. Statt Nachfrage zu steuern, stabilisiert die Politik alte Muster. Ein Kommentar von Eva Kingreen.

Es gibt politische Begriffe, die klingen so, wie sie zustande gekommen sind: schnell serviert unter Druck, noch dampfend aus der Koalitionsküche. „Energie-Sofortprogramm“ gehört in diese Kategorie. Gemeint ist ein klassisches Entlastungspaket.

Spritpreise an einer Shell Tankstelle: Tanken wird zum alltäglichen Symbol der aktuellen Energie- und Preiskrise.

Das Problem ist eigentlich simpel: Wir haben eine Ölknappheit infolge des Iran-Kriegs und der Blockade der Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öls fließt. Diese Knappheit führt zu den hohen Tankpreisen, die wir gerade überall sehen. Ein Liter Super kostet derzeit rund 2,20 Euro, Diesel 2,30 Euro. Zum Vergleich: Vor dem Iran-Krieg waren es rund 1,80 genauer gesagt 1,70 Euro.

Wer so wie ich seine Wissenslücken in Sachen volkswirtschaftliche Grundlage gelegentlich durch Wirtschaftsseiten kompensiert, könnte ahnen: Bei Knappheit müsste man die Nachfrage steuern. Warum also passiert genau das nicht?

Energiesofortprogramm der Koalition: Entlastung ohne Lenkungswirkung

Die Antwort flattert dieser Tage mit dem beflügelten Begriff „Energiesofortprogramm“ aus der Villa Borsig am Tegeler See zu uns herüber. Dort tagte die Koalition am vergangenen Wochenende bei Kaffee und Zukunftssorgen. Ergebnis der Klausur: Man will Abhilfe schaffen. Da stehen sie nun, die Koalitionäre, mit ihren Gießkannen in der Hand. Gegriffen wurde zum einfachsten Instrument der Intervention: der Preisdämpfung für alle Verbraucher:innen an den Zapfsäulen.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Der Iran-Krieg beginnt am 28. Februar 2026 mit Angriffen aus Israel und den USA auf Teheran. Noch am ersten Tag wird auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. © AFP
Iran-Krieg - Iran
Immer wieder schlagen Raketen in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Umgebung ein. Die Menschen vor Ort berichten von zitternden Fenstern, in sozialen Medien kursieren Bilder von Rauchschwaden. In Teheran leben rund 15 Millionen Menschen.  © Vahid Salemi/dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Präzisionsschläge auf relevante militärische Ziele – erstmals auch mit Drohnen, die von den Shaheds kopiert worden sind: „LUCAS kostet etwa 35.000 US-Dollar pro Plattform und ist ein kostengünstiges, skalierbares System, das modernste Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher US-Langstreckensysteme mit vergleichbarer Wirkung bietet“, sagt der Marineoffizier Tim Hawkins gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ). US-Präsident Trump hat sich für den Angriff gegen den Iran vermutlich von den Waffen seines Gegners inspirieren lassen: Erstmals haben die USA Kamikaze-Drohnen eingesetzt, veröffentlicht das „US Central Command“ (CENTCOM).  © dpa
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Die Angriffe gehen ohne Unterlass weiter. Dieses Standbild aus einem vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellten Video zeigt den Start einer Rakete von einem Schiff der U.S. Navy zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“. © dpa
Raketenabwehrsystem Iron Dome
Der Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt zahlreiche Geschosse ab. Über Tel Aviv kommt es zu entsprechenden Explosionen. © Jack Guez/AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Auch am Tag feuert das israelische Luftabwehrsystem, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
Dennoch kommt Israel nicht ungeschoren davon. Hier verbinden Rettungskräfte einen verwundeten Mann und leisten erste Hilfe am Ort eines direkten Einschlags einer iranischen Rakete in Tel Aviv. © Tomer Neuberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
An einer anderen Stelle in Tel Aviv ist ein Feuerwehrmann dabei, ein brennendes Auto zu löschen. © Tomer Neuberg/dpa
USA Iran
Dieses offizielle Foto des Weißen Hauses, veröffentlicht am 28. Februar 2026 auf dem Account „White House X“, zeigt US-Vizepräsident JD Vance (Mitte), die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard (zweite von links), und US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) im Lagezentrum in Washington, D.C. © AFP
Trump Iran
Ein weiteres offizielles Foto des Weißen Hauses zeigt Donald Trump im Gespräch mit Stabschefin Susie Wiles (rechts), während US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) die Aktivitäten der „Operation Epic Fury“ gegen den Iran von einem nicht genannten Ort aus überwacht. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb Trump später auf „Truth Social“. © AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Was ist das Ziel der Operation Epic Fury (Einsatz Gewaltiger Zorn)? US-Präsident Trump begründet die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. © Leo Correa/dpa
Un-Sicherheitsrat
Der US-Angriff ruft die Vereinten Nationen auf den Plan: Der Sicherheitsrat ist zu einer Notfall-Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte die Botschafter, die Aktion berge die Gefahr, „eine Kette von Ereignissen auszulösen, die in der instabilsten Region der Welt niemand mehr kontrollieren kann“, wie die UN berichten. Israels Botschafter Danny Danon hatte die Angriffe als gerechtfertigt dargestellt und als einen notwendigen Akt, um eine existenzielle Bedrohung abzuwehren. © Spencer Platt/AFP
Minab-Mädchenschule
Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit fast 200 Toten eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt.  © Ali Najafi/AFP
Proteste in London
Weltweit gehen noch am ersten Abend des Iran-Kriegs Exil-Iranerinnen und -Iraner auf die Straßen und feiern den Tod von Ajatollah Chamenei. Dieses Bild zeigt eine Demonstration vor der iranischen botschaft in London. © Vuk Valcic/Imago
Angriff auf den Iran - Berlin
Auch auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehen die Menschen spontan auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demo in der Türkei
Anders sieht es in der Türkei aus: Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul machen Demonstranten Donald Trump und Israel für die Eskalation verantwortlich. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Iran und die Tötung von Ajatollah Chamenei, indem sie eine US-Flagge verbrennen. © Ozan Kose/AFP
Angriff auf den Iran - Indien
578889050.jpg © Mukhtar Khan/dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier steigt Rauch nach einem iranischen Drohnenangriff im Hafengebiet von Dubai auf. © Fatima Shbair/dpa
Angriff auf den Iran – Katar
Folgen der Rache des Iran: Die USA betreiben in al-Udeid eine Militärbasis. Die liegt im Fokus des Iran – allerdings befindet sich rund 30 Kilometer entfernt die Stadt Doha; und die wird kaum durch die Luftabwehr der US-Basis abgedeckt.  © dpa
Iran-Krieg - reaktionen
US-amerikanisch-israelische Luftschläge – Schockwellen in der gesamten Welt: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hätten Demonstranten im pakistanischen Karatschi vor dem Konsulat „Tod Amerika! Tod Israel!“ skandiert; Reuters-Reporter hätten Schüsse gehört und in den umliegenden Straßen Tränengas wahrgenommen. Die Nachrichtenagentur spricht von mindestens 23 getöteten Demonstranten; davon zehn im Hafen von Karatschi, wo Sicherheitskräfte des US-Konsulats gefeuert hätten auf Demonstrierende nach deren Durchbruch durch die äußere Mauer. Elf Menschen seien demnach in der nördlichen Stadt Skardu ums Leben gekommen – die Menge soll ein UN-Büro in Brand gesetzt haben; zwei Tote verzeichnet Reuters in Pakistans Hauptstadt Islamabad. © Imago
Weitere Bilder der Straßenschlachten, die sich in Teilen Pakistans nach dem US-Angriff auf den Iran ereigneten.
Explosionen im Iran, Beben in Pakistan: „Pakistans Westgrenzen befinden sich im Kriegszustand“, sagt Muzzammil Aslam gegenüber Arab News. Der Finanzminister der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen, sollte der Iran seine Rachegelüste gegenüber dem Westen ausleben und damit den gesamten Nahen Osten in den Abgrund reißen. Die Wirtschaftskraft des Landes hängt an den Arbeitern in den Golfstaaten, die im Visier des Iran liegen und Anschläge auf ihre Energieindustrie befürchten müssen.  © dpa
Angriff auf den Iran - Irak
578899115.jpg © Hadi Mizban/dpa
Beirut
Der Iran-Krieg führt auch zu einer neuen Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz feuert als Reaktion auf die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Raketen in Richtung Israel ab. Daraufhin greift das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon an, vor allem im Süden des Landes und in den Vororten der Hauptstadt Beirut (im Bild). Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. © AFP
Angriff gegen den Iran - Luftverkehr
Der Iran-Krieg legt zu Beginn auch den Flugverkehr teilweise lahm. Hier prüft ein Reisender die Abflugzeiten am internationalen Flughafen Beirut Rafik Hariri, da viele Fluggesellschaften nach den Angriffen auf den Iran ihre Flüge gestrichen haben.  © Hassan Ammar/dpa
Stra0ße von Hormus
Dieses Satellitenbild, aufgenommen von 2026 Planet Labs PBC am 2. März 2026, zeigt Rauchwolken, die nach einer Explosion im Hafen von Bandar Abbas an der Straße von Hormus von einem Schiff aufsteigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist weitgehend zum Erliegen gekommen.  © 2026 Planet Labs PBC/AFP

Im Grunde aber gießen sie vor allem eines: weiter Benzin ins Feuer. Denn was subventionierter Sprit vor allem macht: Er hält den Verbrauch oben, stabilisiert die Nachfrage und verstärkt so exakt die Mangellage, die man zu bekämpfen vorgibt. Alles, was auch nur im Entferntesten nach Nachfragesteuerung klingt, oder verdächtig „grün“, wird dabei großräumig umfahren.

Tempolimit-Debatte: Symbolpolitik statt echter Steuerungshebel

Dabei gibt es durchaus bedenkenswerte Vorschläge, wie man die Nachfrage wirklich steuern kann – ohne Stau, direkt auf der Überholspur zu echten Lösungen. An dieser Stelle sei ein Einwand gegen den eigenen Text erlaubt: Auch er ist vor Automobilmetaphern nicht gefeit. Offenbar lässt sich über Deutschland und Spritpreise kaum schreiben, ohne selbst ins sprachliche Schleudern zu geraten. Was wenig überrascht – schließlich ist Deutschland ein Land, das sein Selbstbild seit Jahrzehnten auf vier Rädern mit Rauchschwaden aufgebaut hat. Aber versuchen wir es trotzdem. 

Der Vorschlag der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm und des Grünen-Chefs Felix Banaszak, ein befristetes Tempolimit einzuführen, wurde gar nicht erst diskutiert, sondern reflexhaft abgewehrt. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche verwies darauf, der Spritpreis werde „nicht auf der deutschen Autobahn gebildet, sondern auf dem Weltmarkt“. Das ist korrekt, solange man die Nachfrageseite konsequent ignoriert. Denn der Weltmarkt setzt vielleicht das Niveau, nicht aber die Reaktion darauf. Dass das Tempolimit trotzdem politisch als Symbolmaßnahme gelesen wird, sagt vermutlich weniger über die Maßnahme selbst aus als über die Nervosität der Regierung gegenüber jedem Eingriff in Alltagsroutinen.

Vielleicht aber geht es um etwas anderes: um einen gekränkten automobilen Stolz, der sich an sein letztes verbleibendes Alleinstellungsmerkmal klammert. Deutschland ist das einzige Land in Europa ohne Tempolimit auf Autobahnen – und es wirkt, als solle das auch dann so bleiben, wenn der Sprit zum Knappheitsgut wird.

Wie Nachfragepolitik wirklich funktionieren könnte

Dabei wäre ein Maßnahmenpaket zur gezielten Dämpfung der Nachfrage gar nicht schwer zu schnüren. Man könnte etwa Fahrgemeinschaften steuerlich belohnen – ein vergleichsweise kleiner Eingriff mit sofortiger Wirkung. Auch bei den Bahntickets könnte man kurzfristig ansetzen und die Preise senken, und eine vorübergehende Ausweitung von Homeoffice-Regeln einführen. Die Pandemie hat immerhin gezeigt, dass das nicht nur möglich, sondern auch schnell umsetzbar ist.

Und in der Logistik wäre eine verpflichtende Mindestauslastung von Lkw-Fahrten denkbar, kombiniert mit einer konsequenteren Verlagerung von Gütern auf die Schiene – ein Schritt, der ohnehin seit Jahren überfällig ist und jetzt auch betriebswirtschaftlich Sinn ergibt. Nichts davon ist revolutionär. Die Menschen wollen spüren, dass die Regierung etwas tut – und all diese Maßnahmen tun genau das: Sie sind sichtbar, sie betreffen fast jeden, und sie steigen niemandem in den Keller. Keines der Maßnahmen klingt nach Enteignung, sondern nach Vernunft.

Content-Partnerschaft

Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit Sonntagsblatt.de

Elektromobilität überholt Verbrenner: Die Realität kippt bereits

Und ganz nebenbei muss man dabei gar nicht über Technologieoffenheit, grüne Wende oder Verbrenner-Aus diskutieren. Was Menschen in der Not entscheiden, zeigen die Daten klarer als jede Koalitionsklausur: Im März 2026 wurden laut dem ADAC über 70.000 Elektroautos neu zugelassen – das entspricht einem Plus von 66 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Erstmals haben also Elektroautos die Benziner überholt und sind, nach den Hybriden, die meistgekaufte Antriebsart in Deutschland. 

Während die Verbraucher:innen an der Zapfsäule also längst praktisch über die Mobilitätswende abstimmen, bremst die Politik in Berlin und Brüssel diese Entwicklung mit neuen Ausnahmeregeln und aufgeweichten Klimazielen aus, als sie sie zu beschleunigen. Die Folge ist: Die Realität ist der Politik voraus. Das ist der eigentliche Skandal – und er geht im Getöse der Tankrabattdebatte derzeit unter.

Tankrabatt und Preisregeln: Wenn Regulierung den Wettbewerb ersetzt

Denn um es einmal klar gesagt zu haben: Der Tankrabatt ist bereits der zweite Eingriff an der Zapfsäule. Den Auftakt machte das sogenannte Österreich-Modell um Ostern herum. Der Beschluss regelt, dass Tankstellen die Preise nur noch einmal täglich erhöhen dürfen, beliebig oft aber senken. Dabei handelt es sich übrigens gar nicht um einen „Preisdeckel“, wie so oft behauptet, sondern ganz nüchtern um eine Regulierung der Marktmikrostruktur. Die Preise dürfen die Anbieter nach wie vor frei festlegen.

Was harmlos klingt, erweist sich als problematisch. Durch die vollständige Preistransparenz – wer nutzt heute keine „Clever-Tanken“-App? – und synchronisierte Anpassung entsteht kein Wettbewerb im klassischen Sinn mehr, sondern ein koordiniertes Reaktionssystem. Weil alle Anbieter zur selben Zeit um Punkt zwölf Uhr erhöhen dürfen und das Marktgeschehen in Echtzeit für alle sichtbar ist, entsteht das, was Ökonom:innen „Tacit Collusion“ (stillschweigende Absprache ohne Absprache) nennen.

Morgens wird einmal kräftig erhöht, dann schaut man, was die Konkurrenz macht, und senkt minütlich in Trippelschritten. Das Ergebnis ist zwar kein kartellartiger Zustand im juristischen Sinn, wohl aber eine Stabilisierung der Preise in ihrer Bewegung. Und zwar auf einem Rekordhoch. Wer erinnert sich nicht an mehrere aufeinanderfolgende Tage Anfang April mit jeweils neuen Allzeithochs an den Tankstellen?

Die blinde Stelle der Energiepolitik: die Nachfrage

Vertrauen darauf zu schaffen, dass im Rahmen des Sprit-Ping-Pong in seiner neusten Auflage nun die richtigen Maßnahmen ergriffen werden, ist entsprechend schwierig. Und es bleibt die Frage: Warum wird in einer solchen globalen Knappheitslage alles reguliert – außer der Nachfrage? Was neben dem verschrobenen „Energie-Soforprogramm“ sonst aus der Koalitionsküche dampft, scheint die eigentliche Botschaft zu sein: Wirtschaftsministerin Reiche hatte den Tankrabatt noch Tage zuvor vehement abgelehnt – und seinen lautesten Befürworter, SPD-Chef Lars Klingbeil, scharf angegangen.

Nun hat ihre Regierung ihn dennoch beschlossen. Was dazwischenlag, waren keine neuen Erkenntnisse, sondern interne Machtspiele und Interessenkonflikte. Was als Entlastung verkauft wird, ist in Wahrheit ein Waffenstillstand innerhalb der Koalition. Der Tankrabatt wird so zum Zeichen dafür, in welchem Zustand sich diese Regierung befindet. 

Rubriklistenbild: © Wolfgang Maria Weber/IMAGO

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