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Foreign Policy

Dayton-Abkommen: Bosniens paradoxer Frieden steht auf der Kippe

Völkermord von Srebrenica
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Dem Massaker von Srebrenica im Zuge des Bosnien-Kriegs fielen 8000 bosnische Muslime zum Opfer.

Im Dezember jährt sich zum 30. Mal die Unterzeichnung des widersprüchlichsten modernen Friedensvertrags: des von den USA vermittelten Dayton-Abkommens.

  • Die ursprüngliche Logik des Dayton-Abkommens war, jeder Kriegspartei eine politische Beteiligung zu geben, sie aber auch zu zwingen, bedeutende Zugeständnisse zur Beendigung des Krieges zu machen.
  • Dieses heikle Gleichgewicht der Verpflichtungen funktionierte im ersten Jahrzehnt nach dem Krieg, weil sich die internationale Gemeinschaft dafür einsetzte.
  • Das Organisationsprinzip des Nachkriegs-Bosnien ist nicht Volksvertretung, sondern sektiererische Machtteilung.
  • Dieser Artikel liegt erstmals in deutscher Sprache vor – zuerst veröffentlicht hatte ihn am 13. Mai 2025 das Magazin Foreign Policy.

Sarajevo – Dayton beendete den Bosnienkrieg 1992-95 endgültig. Dieser war bis zur russischen Invasion in der Ukraine 2022 der blutigste Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg, begleitet vom ersten Völkermord auf dem Kontinent seit dem Holocaust.

Der Frieden hielt - gerade so. Aber das im Abkommen verankerte sektiererische Machtteilungsregime ist offenkundig diskriminierend und dysfunktional. Es hält das Land seither am Rande einer politischen Krise und eines erneuten Konflikts. Tatsächlich versuchen bosnisch-serbische Separatisten gerade einen weiteren Putsch.

Es gibt jedoch einen Weg nach vorn für Bosnien und Herzegowina. Dafür muss das Dayton-Abkommen nicht vollständig aufgegeben werden, sondern nur Anhang IV: die Verfassung des Landes.

Dayton-Friedensabkommen: Kein anderes großes Friedensabkommen nach 1945 war so erfolgreich

Um eine solche Initiative zu starten, muss man sich zunächst das Ausmaß der ursprünglichen Aufgabe in Erinnerung rufen. Die menschlichen und materiellen Verluste des Bosnienkriegs waren erschütternd: 100.000 Tote, die Vertreibung der Hälfte der Bevölkerung und die Zerstörung der meisten wichtigen Infrastrukturen des Landes. Bosnien war Schauplatz der ersten Kampfeinsätze der NATO und Hauptgrund für die Einrichtung der ersten internationalen Kriegsverbrechertribunale seit Nürnberg und Tokio. Doch als die damaligen Präsidenten von Bosnien, Kroatien und Serbien Dayton unterzeichneten, hielt es. Kein anderes großes Friedensabkommen nach 1945 war in dieser Hinsicht so erfolgreich.

Nach einem anfänglichen Einsatz von 60.000 NATO-Soldaten Ende 1995 zur Durchsetzung des Abkommens sind heute nur noch 1.100 leicht bewaffnete Europäer im Rahmen der EUFOR-Althea-Mission in Bosnien. Bosnien ist jetzt EU-Beitrittskandidat und NATO-Anwärter. Gesellschaft und Wirtschaft haben sich so weit erholt, dass die Leser des National Geographic Sarajevo, die bosnische Hauptstadt, zu ihrem Top-Reiseziel 2025 wählten.

Als Friedensabkommen ist Dayton der internationale Goldstandard. Aber Dayton war nicht nur ein Waffenstillstand; die bosnische Verfassung im Abkommen blieb ein schwelender politischer Sumpf.

Zugeständnisse zur Beendigung des Krieges: Frieden durch Teilung

Die ursprüngliche Logik des Dayton-Abkommens war, jeder Kriegspartei eine politische Beteiligung zu geben, sie aber auch zu zwingen, bedeutende Zugeständnisse zur Beendigung des Krieges zu machen. Die bosnische Regierung sicherte den Erhalt der Souveränität Bosniens als einheitliches internationales Subjekt und die Wiedereingliederung aller abtrünnigen Regionen in einen Staat. Im Gegenzug stimmte sie einer außerordentlichen Dezentralisierung innerhalb Bosniens zu, die serbischen und kroatischen Nationalisten weitgehende Autonomie gab. Die USA und ihre internationalen Partner garantierten, die Integrität des Abkommens zu wahren, aber auch einen Reformprozess zu begleiten, der schließlich ein funktionsfähigeres Regierungssystem im Land schaffen sollte.

Dieses heikle Gleichgewicht der Verpflichtungen funktionierte im ersten Jahrzehnt nach dem Krieg, weil sich die internationale Gemeinschaft dafür einsetzte. Zwischen 1996 und 2006 führte Bosnien eine einheitliche Währung und ein staatliches Steuersystem ein, ein einheitliches Kennzeichensystem, eine staatliche Polizei, vereinte Streitkräfte, ein Justizgericht und eine Staatsanwaltschaft sowie viele andere Reformen, die das Land rasch an die Regierungsstandards der EU und NATO heranführten.

USA und EU reduzieren ab 2006 ihre Vermittlungsbemühungen in Bosnien deutlich

Der Erfolg dieser Bemühungen war so groß, dass sowohl die USA als auch die EU ab 2006 ihre politischen und diplomatischen Vermittlungsbemühungen in Bosnien deutlich reduzierten. Aber sie verschätzten sich grob, denn während bestimmte wichtige staatliche Institutionen geschaffen worden waren, lag die tatsächliche Machtverteilung innerhalb des bosnischen Verfassungssystems ganz auf der Seite der separatistischen Elemente. Diese vertraten zwar eine Minderheit der Bevölkerung, konnten sich aber auf die Vielzahl von Vetomechanismen im System stützen, um weitere Reformen zu blockieren und sogar bereits umgesetzte rückgängig zu machen.

Als diese Bemühungen serbischer und kroatischer Nationalisten, Bosniens Nachkriegsordnung zu zerstören, nach 2006 zunahmen, begannen Bürgerrechtsaktivisten ihre eigene rechtliche Kampagne vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) und dem bosnischen Verfassungsgericht. Sie zielten auf die ethnischen Machtteilungsmodalitäten ab, die die meisten Vetomechanismen und andere damit verbundene sektiererische Merkmale des bosnischen Verfassungssystems stützen, die es den Separatisten ermöglicht haben, den Reformweg des Landes zu blockieren.

Bis 2025 wurden fast alle wichtigen repräsentativen Aspekte der bosnischen Verfassung - und der Verfassungen der beiden Hauptverwaltungseinheiten des Landes, der Föderation Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska - vom EGMR und/oder dem bosnischen Verfassungsgericht als diskriminierend und demokratisch illegitim erklärt.

Sektiererische Machtteilung in Bosnien verletzt Menschenrechtskonvention und schränkt Minderheiten ein

Denn das Organisationsprinzip des Nachkriegs-Bosnien ist nicht Volksvertretung, sondern sektiererische Machtteilung. Diese Praxis behält praktisch alle wichtigen Formen der legislativen und exekutiven Macht den sogenannten konstituierenden Völkern (d.h. Bosniaken, Serben und Kroaten) vor, auf Kosten aller anderen Gruppen und Einzelpersonen im Land, einschließlich derer, die sich einfach als Bürger des bosnischen Staates identifizieren, aber auch Minderheiten wie Juden und Roma.

Dies verstößt eindeutig gegen die Europäische Menschenrechtskonvention, einen der grundlegenden Rechtsverträge der heutigen europäischen Ordnung. Die Konvention ist direkt in Artikel 2.2 der bosnischen Verfassung verankert. Dort heißt es, dass die „in der Konvention dargelegten Rechte und Freiheiten unmittelbar in Bosnien und Herzegowina gelten. Sie haben Vorrang vor allem anderen Recht.“

Mit anderen Worten: Die sektiererischen Machtteilungsdimensionen der bosnischen Verfassung stehen in direktem Widerspruch zu ihren Verpflichtungen zur bürgerlichen und demokratischen Gleichheit aller Bürger. Trotz mehrerer wegweisender Urteile des EGMR seit 2009 gegen den bosnischen Staat in dieser Sache, von denen das bedeutendste die Entscheidung Kovacevic von 2023 ist, gab es keine nennenswerte Bewegung in Richtung Verfassungsreform. Die Gründe sind einfach.

Bosniens ethnische Elite blockiert Demokratisierung aus Machterhalt

Die etablierte, ethnisch konstituierte herrschende Klasse in Bosnien will das Verfassungssystem des Landes nicht demokratisieren, weil sie - zu Recht - davon ausgeht, dass dies ihre politische Macht schmälern würde. Stattdessen haben kroatische und serbische nationalistische Hardliner die umfangreichen ethnischen Vetos und Stolperdrähte im bestehenden Verfassungssystem genutzt, um jeglichen Anschein rationalen Regierens zunichte zu machen.

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Der bosnisch-serbische Separatistenführer Milorad Dodik zum Beispiel - ein enger Verbündeter von Russlands Wladimir Putin und Serbiens Aleksandar Vucic - hat routinemäßig damit gedroht, das Land zu zerschlagen. Dies führte zu US- und britischen Sanktionen gegen praktisch sein gesamtes Regime und sogar zu einem US-Überflug über das Land im Jahr 2024. Derzeit ist er in seinen radikalsten Angriff auf den bosnischen Staat verwickelt, nachdem er ein Dekret erlassen hat, das die Arbeit der Staatspolizei und der staatlichen Gerichte im Gebiet der Republika Srpska verbietet. Der Schritt ist eklatant verfassungswidrig und ein klarer Verstoß gegen das Dayton-Abkommen. Schlimmer noch, er treibt Bosnien an den Rand des institutionellen Zusammenbruchs und der Gefahr eines erneuten Konflikts.

Dennoch, so schwer greifbar die Aussichten auf eine substanzielle Verfassungsreform in Bosnien in den letzten drei Jahrzehnten auch erschienen sein mögen, die politische Formel ist kaum alchemistisch. Ich habe ihre Inhalte in einem politischen Bericht im Februar detailliert dargelegt und sowohl einen politischen Fahrplan als auch konkrete Vorschläge für eine Verfassungsreform in Bosnien vorgelegt, die für alle relevanten Interessengruppen akzeptabel sein könnten.

Auf dem Weg nach Europa: Die Aufnahmekandidaten der EU

EU Parlament Straßburg
Jeder europäische Staat hat laut Artikel 49 des EU-Vertrags das Recht, einen Antrag auf Mitgliedschaft zu stellen. Wichtig dabei: „Europäisch“ wird politisch-kulturell verstanden und schließt die Mitglieder des Europarats mit ein. Das betrifft zum Beispiel die Republik Zypern. Eine wichtige Rolle spielt im Beitrittsverfahren das EU-Parlament in Straßburg (im Bild). Verschiedene Delegationen verfolgen die Fortschritte in den Beitrittsländern und weisen auf mögliche Probleme hin. Zudem müssen die Abgeordneten dem EU-Beitritt eines Landes im Parlament zustimmen. Derzeit gibt es neun Beitrittskandidaten und einen Bewerberstaat. © PantherMedia
Edi Rama Albanian EU
Albanien reichte 2009 den formellen EU-Mitgliedschaftsantrag ein – vier Jahre, bevor Edi Rama (im Bild) das Amt des Ministerpräsidenten übernahm. Es dauerte aber noch eine lange Zeit, bis die Verhandlungen beginnen konnten. Grund war ein Einspruch der Niederlande, die sich zusätzlich zu den EU-Kriterien auch die Sicherstellung der Funktion des Verfassungsgerichts und die Umsetzung eines Mediengesetzes wünschte. Im Juli 2022 konnte die Blockade beendet werden und die EU startete die Beitrittsverhandlungen. © John Thys/afp
Bosnien und Herzegowina EU
Auch Bosnien und Herzegowina drängt in die EU. Gut erkennen konnte man das zum Beispiel am Europatag 2021, als die Vijećnica in der Hauptstadt Sarajevo mit den Farben der Flaggen der Europäischen Union und Bosnien und Herzegowinas beleuchtet war. EU-Botschafter Johann Sattler nutzte sofort die Gelegenheit, um das alte Rathaus zu fotografieren. Vor den geplanten Beitrittsverhandlungen muss das Balkanland noch einige Reformen umsetzen. Dabei geht es unter anderem um Rechtsstaatlichkeit und den Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen.  © Elvis Barukcic/afp
Georgien EU
Zum Kreis der EU-Beitrittskandidaten gehört auch das an Russland grenzende Georgien. Das Land, in dem rund 3,7 Millionen Menschen leben, hatte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs die Aufnahme in die EU beantragt. Auf schnelle Fortschritte im Beitrittsprozess kann Georgien allerdings nicht hoffen. Dabei spielt auch ein ungelöster Territorialkonflikt mit Russland eine Rolle. Nach einem Krieg 2008 erkannte Moskau die abtrünnigen georgischen Gebiete Südossetien (im Bild) und Abchasien als unabhängige Staaten an und stationierte Tausende Soldaten in der Region. © Dimitry Kostyukov/afp
Moldau EU
Seit Juni 2022 gehört auch Moldau offiziell zu den EU-Beitrittskandidaten. Das Land, das an Rumänien und die Ukraine grenzt, reichte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs das Beitrittsgesuch ein. Am 21. Mai 2023 demonstrierten 80.000 Menschen in der Hauptstadt Chișinău für einen Beitritt Moldaus in die Europäische Union. Die damalige Innenministerin Ana Revenco (Mitte) mischte sich damals ebenfalls unters Volk. © Elena Covalenco/afp
Montenegro EU
Das am kleine Balkanland Montenegro will beim EU-Beitritt zügig vorankommen. Direkt nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten Ende Oktober 2023 verkündete Milojko Spajic (im Bild), dass er den Beitritt Montenegros zur EU vorantreiben und die Justiz im Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen stärken wolle. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (rechts) hörte es damals sicher gerne. Montenegro verhandelt seit 2012 über einen Beitritt, hatte sich aber vor der Wahl nicht mehr ausgiebig um Reformen bemüht.  © Savo Prelevic/afp
Scholz Westbalkan-Gipfel Nordmazedonien EU
Nordmazedonien kämpft schon seit langer Zeit für den Beitritt in die EU. Leicht ist das nicht. So hat das kleine Land in Südosteuropa aufgrund eines Streits mit Griechenland sogar schon eine Namensänderung hinter sich. Seit 2019 firmiert der Binnenstaat amtlich unter dem Namen Republik Nordmazedonien. Auch Bulgarien blockierte lange den Beginn von Verhandlungen. Bei einem Gipfeltreffen im Oktober 2023 drängte Kanzler Olaf Scholz dann aber auf eine möglichst schnelle Aufnahme der Balkanstaaten in die EU. Nordmazedoniens Ministerpräsident Dimitar Kovacevski (rechts) war sichtlich erfreut. © Michael Kappeler/dpa
Serbien EU
Auch Serbien strebt in die EU. Wann es zu einem Beitritt kommt, scheint derzeit aber völlig offen. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat sich die serbische Regierung geweigert, Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Damit ist Serbien der einzige Staat in Europa, der keine Sanktionen verhängt hat. Offen bleibt, welche Auswirkungen das auf die seit 2014 laufenden Verhandlungen über einen EU-Beitritt Serbiens hat. Die politische Führung in Belgrad, die seit 2012 von Präsident Aleksandar Vučić (im Bild) dominiert wird, zeigt zudem wenig Willen zu Reformen. Demokratie und Medienpluralismus höhlt sie zunehmend aus. © Andrej Isakovic/afp
Türkei EU
Die Türkei ist bereits seit 1999 Beitrittskandidat. Die Verhandlungen selbst haben im Oktober 2005 begonnen. Inzwischen hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die Beziehungen wieder auszubauen, sofern sich die Regierung in Ankara unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan (im Bild) in einigen Punkten bewegt. Zuvor waren Projekte wie die geplante Modernisierung der Zollunion und eine Visaliberalisierung wegen Rückschritten bei Rechtsstaatlichkeit, Grundrechten und Meinungsfreiheit in der Türkei auf Eis gelegt worden. Ein EU-Beitritt scheint aktuell weiter entfernt denn je. © Adem Altan/afp
Ukraine EU
Im Dezember 2023 wurde der Beginn von Verhandlungen mit der Ukraine grundsätzlich beschlossen. Allerdings muss die Ukraine sämtliche Reformauflagen erfüllen. So waren nach dem letzten Kommissionsbericht manche Reformen zur Korruptionsbekämpfung, zum Minderheitenschutz und zum Einfluss von Oligarchen im Land nicht vollständig umgesetzt. Ohnehin gilt es als ausgeschlossen, dass die Ukraine vor dem Ende des Ukraine-Kriegs EU-Mitglied wird. Denn dann könnte Kiew laut EU-Vertrag militärischen Beistand einfordern – und die EU wäre offiziell Kriegspartei. © Roman Pilipey/afp
Kosovo EU
Kosovo hat einen Mitgliedsantrag eingereicht, jedoch noch nicht den offiziellen Status eines Beitrittskandidaten erhalten. Das Land hat 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Die Freude darüber war damals bei den Menschen riesengroß. Das Bild macht auch deutlich, dass vor allem Menschen albanischer Herkunft im Kosovo beheimatet sind. Die Flagge Albaniens (links) ist ebenso zu sehen wie die des neuen Landes (hinten). Mehr als 100 Länder, darunter auch Deutschland, erkennen den neuen Staat an. Russland, China, Serbien und einige EU-Staaten tun dies aber nicht. Ohne die Anerkennung durch alle EU-Länder ist eine Aufnahme von Beitrittsverhandlungen aber nicht möglich.  © Dimitar Dilkoff/afp

Um eine solche Möglichkeit zu erreichen, bedarf es zunächst eines umfassenden Engagements für eine Verfassungsreform durch echte pro-EU- und pro-NATO-Elemente in Sarajevo, die hauptsächlich durch die multiethnischen und ethnisch bosniakischen Parteien des Landes vertreten werden. Auf dem Papier stellen diese Parteien bis zu 60 Prozent der unteren Kammer des bosnischen Parlaments.

Wenn sich diese Parteien auf ein Grundsatzprogramm einigen können, sollte den ethnisch serbischen und kroatischen Oppositionsparteien des Landes eine Ad-hoc-Koalition angeboten werden. Diese signalisieren bereits ihre Bereitschaft, mit der dominanten nationalistischen Führung in ihren Gemeinschaften zu brechen. Tatsächlich gehören serbische Oppositionsführer in der Republika Srpska zu den standhaftesten Kritikern von Dodiks aktuellem Abenteurertum.

Rückblick auf die ersten 100 Tage: Trump krempelt die USA um – eine Chronik

Donald Trump
Seit dem 20. Januar 2025 sitzt Donald Trump wieder im Weißen Haus. Es folgen Attacken auf Rechtsstaat, Gewaltenteilung und Menschenrechte. Wie aber kann man die Lage in den USA beschreiben? Der renommierte Faschismusforscher Jason Stanley bringt es Ende März in einem Interview mit „Zeit Online“ auf den Punkt. Auf die Frage, ob er von faschistischen Zuständen im Land sprechen würde, sagt er: „Ja, natürlich. Welche Begriffe sollen wir denn sonst verwenden?“ Faschismus sei nicht einfach nur ein Schimpfwort, sondern ein Konzept, das helfe, die Realität zu verstehen. „Und was wir jetzt sehen – das ist Faschismus.“  © Saul Loeb/AFP
Donald Trump
Gleich zum Amtsantritt demonstriert Trump Tatendrang. Schon am 20. Januar unterzeichnet er Dutzende Dekrete – mit einigen schafft er Fakten, mit anderen setzt er Zeichen. Aber vor allem demontiert er das Vermächtnis seines demokratischen Vorgängers Joe Biden.  © Jim Watson /AFP
Amtseinführung Trump
Eine seiner Anordnungen sorgt für Aufruhr: Trumps Versuch, das verfassungsmäßige Recht auf US-Staatsangehörigkeit durch Geburt zu beschränken, wird umgehend angefochten. Mehrere Gerichte blockieren Trumps Dekret. Im 14. Zusatzartikel zur Verfassung heißt es, dass Personen, die in den USA geboren werden, die Staatsbürgerschaft erhalten. Trump argumentiert, das gelte nicht, wenn die Mutter bei der Geburt widerrechtlich oder nur temporär in den USA gewesen sei. Die Frage der Rechtmäßigkeit wird wohl der Supreme Court klären müssen.  © Kenny Holston/Pool The New York Times/AP/dpa
Grenze zu Mexiko
Um die illegale Migration einzudämmen, verhängt Trump an seinem ersten Arbeitstag den nationalen Notstand an der Südgrenze zu Mexiko. Zugleich erteilt er dem Verteidigungsminister die Befugnis, das Militär zu entsenden, um diesem Notstand zu begegnen und das Heimatschutzministerium zu unterstützen. Niemand soll mehr über die Südgrenze in die USA gelangen, so das erklärte Ziel. Darüber hinaus ordnet Trump den Ausbau von Grenzbefestigungen zu Mexiko an. © Kyle Chan/AFP
Kapitol
Kurz nach Trumps Amtsantritt rückt auch der Sturm auf das Kapitol vom 6. Januar 2021 wieder ins Rampenlicht. Trump begnadigt alle Personen, die deswegen verurteilt worden sind. Es handelt sich um etwa 1500 Menschen, darunter befinden sich auch Mitglieder der rechtsradikalen „Proud Boys“ und „Oath Keepers“. Trumps Erlass zeigt auch Wirkung in Deutschland. Wenn ein Präsident 1500 verurteilte Menschen aus politischen Gründen begnadige, „dann ist das das Ende des Rechtsstaats“, schreibt Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte auf der Plattform X. „Es bedeutet schlicht, dass die Anhänger des Präsidenten über dem Gesetz stehen.“ © Roberto Schmidt/AFP
Elon Musk
Elon Musk gilt seit Trumps Amtsübernahme als so eine Art Schattenpräsident. Bei einer Veranstaltung zur Amtseinführung macht der Tech-Milliardär eine Geste, die viele schockiert. Während seiner Rede hält er seine rechte Hand an sein Herz – und streckt sie dann in einer schnellen Bewegung nach oben raus. Danach wiederholt er die Geste noch einmal in eine andere Richtung. „Musk hat zwei Mal den Hitlergruß gezeigt“, hält USA-Expertin Annika Brockschmidt auf Bluesky nüchtern fest. © Angela Weiss/AFP
Potomac
Kurz nach Trumps Amtsübernahme häufen sich die Flugunfälle in den USA. Die Flugaufsichtsbehörde FAA steht nach dem Rücktritt ihres Chefs am 20. Januar ohne Leitung da. Wenige Tage später kollidiert ein Passagierflugzeug über dem Potomac River in der Hauptstadt mit einem Militärhubschrauber. Alle 67 Menschen an Bord beider Maschinen kommen ums Leben. Trump schockiert danach mit einem zynischen Kommentar. Auf die Frage, ob er die Absturzstelle besuchen werde, antwortet der Präsident: „Soll ich etwa schwimmen gehen?“ © Roberte Schmidt/AFP
USAID
Anfang Februar nehmen Trump und Musk beim Umbau des Staatsapparates die Behörde für internationale Entwicklung USAID ins Visier. Musk startet einen regelrechten Feldzug gegen die Behörde, die er als „Schlangennest von linksradikalen Marxisten, die Amerika hassen“ bezeichnet. Auch Trump wettert regelmäßig gegen die Ausgaben der USA für internationale humanitäre Hilfe. © Tom Williams/Imago
Panama-Proteste
Schon in seiner Antrittsrede macht Trump klar, dass die USA während seiner zweiten Amtszeit ihr Territorium zu erweitern gedenken. So verspricht er seinen Fans, den Panamakanal zurückzuholen. Während des Besuchs von Außenminister Marco Rubio am 2. Februar protestieren Dutzende Menschen auf den Straßen von Panama-Stadt gegen die Ansprüche der US-Regierung. Die für den internationalen Handel wichtige Wasserstraße verbindet den Atlantik mit dem Pazifik. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von den USA gebaut und wird seit 1999 ausschließlich von Panama verwaltet.  © Martin Bernetti/AFP
Pro-Kanada Demo in Ottawa
Zudem erklärt Trump ein ums andere Mal, den weltweit zweitgrößten Flächenstaat Kanada zum 51. Bundesstaat machen zu wollen. Die Menschen in Kanada reagieren entsetzt. Die Feindseligkeit gegenüber den USA wächst. Bei Sportwettkämpfen wird die US-Hymne ausgebuht, auf dem Parliament Hill in Ottawa kommt es zu Protesten. © Justin Tang/dpa
Trump Dekret
Am 5. Februar unterzeichnet Trump ein Dekret, die Transmenschen von der Teilnahme am Frauensport ausschließen soll, vor allem an öffentlichen Schulen und Hochschulen. Damit sei „der Krieg gegen den Frauensport beendet“, erklärt Trump im Weißen Haus und kritisiert wie bereits häufig zuvor die in seinen Augen „militante Transgender-Ideologie“ der „radikalen Linken“. © Andrew Harnik/AFP
Proteste USA
Doch es regt sich auch erster Protest in den USA. Anfang Februar gehen zahlreiche Menschen in den gesamten USA gegen Trump, Musk und das Kabinett auf die Straße. Die 50501-Bewegung – 50 Staaten, 50 Proteste, ein Tag – ruft zu Protesten vor den Kapitolen der einzelnen Bundesstaaten auf. © Fred Greaves/AFP
Golf von Mexiko
Am 11. Februar schließt das Weiße Haus einen Reporter von Associated Press von der Berichterstattung über eine Veranstaltung aus. Die Nachrichtenagentur wehrt sich mit einer Klage. Hintergrund des Konflikts ist die Weigerung der AP, in ihrer Berichterstattung Donald Trumps Neubezeichnung für den Golf von Mexiko zu verwenden. Die Umbenennung der Meeresbucht in „Golf von Amerika“ hat Trump per Exekutivorder verfügt. Der Name „Golf von Mexiko“ für das Randmeer des Atlantiks ist seit dem 16. Jahrhundert gebräuchlich. © Roberte Schmidt/AFP
Trump
Dann greift Trump nach der Kultur: Ihm unliebsame Shows mit Dragqueens soll es im Kennedy-Center nicht mehr geben. Deshalb macht er sich dort selbst zum Boss. In der Geschichte des 1971 eröffneten Zentrums ist das Eingreifen Trumps (hier in der Präsidentenloge zu sehen) ein noch nie dagewesener Vorgang. Im März werden US-Vize JD Vance und seine Ehefrau Usha beim Besuch eines Konzertes ausgebuht. © Jim Watson/AFP
Robert kennedy
Am 13. Februar bestätigt der Senat Robert F. Kennedy Jr. als 26. US-Gesundheitsminister. In den Jahren zuvor hat der Neffe des einstigen US-Präsidenten John F. Kennedy vielfach Zweifel an Impfungen gestreut, Verschwörungsmythen verbreitet und mit schrillen Wortmeldungen von sich reden gemacht. Im März steigt im Süden der USA die Zahl der Masernerkrankungen. Bis auf wenige Ausnahmen waren alle Erkrankten nicht geimpft. Kennedy verweist auf Vitamin A und Lebertran als Heilmittel.  © Win McNamee/dpa
Brown Hegseth
Trump macht auch vor dem Militär nicht halt. Ende Februar feuert er den Generalstabschef der US-Streitkräfte. Charles Q. Brown (links) war erst der zweite Afroamerikaner auf dem Spitzenposten. Trumps Verteidigungsminister Pete Hegseth (rechts) hatte schon kurz nach der eigenen Nominierung davon gesprochen, dass Brown aus seiner Sicht entlassen gehöre – wegen dessen Fokus auf Diversität, Gleichbehandlung und Inklusionsthemen im US-Militär. © Saul Loeb/AFP
Trump Selenskyj Vance
Am 28. Februar kommt es im Oval Office zum Eklat: Ein Gespräch zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, an dem auch JD Vance teilnimmt, läuft völlig aus dem Ruder. Nach einem beispiellosen Streit vor laufenden Kameras wird das Treffen vorzeitig abgebrochen. Eine gemeinsame Pressekonferenz fällt ins Wasser.  © Jim LoScalzo/Imago
US-Präsident Donald Trump (Mitte) gibt dem Leiter der Bundesgerichte und Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten, John Roberts (rechts), die Hand.
Vor allem die Justiz stellt sich den Plänen der US-Regierung entgegen. Deshalb fordert Trump immer wieder, missliebige Richter und Richterinnen einfach abzusetzen. Daraufhin schaltet sich auch der Oberste US-Richter ein. „Seit mehr als zwei Jahrhunderten steht fest, dass ein Amtsenthebungsverfahren keine angemessene Reaktion auf eine Meinungsverschiedenheit über eine gerichtliche Entscheidung ist“, erklärt John Roberts (rechts).  © Win McNamee/imago/Archivbild
US-Heimatschutzministerin Noem besucht Gefängnis in El Salvador
Hintergrund ist ein Streit zwischen den Gerichten und Trump über die Abschiebung mehrerer Hundert mutmaßlicher Mitglieder eines venezolanischen Verbrecherkartells nach El Salvador unter Berufung auf ein Gesetz von 1798. Der Konflikt über die Abschiebungen könnte sich zu einer Verfassungskrise entwickeln. Bei einem Besuch vor Ort droht die Heimatschutzministerin Kristi Noem später allen, die illegal in die USA einreisen und Straftaten begehen, mit einer Unterbringung im Hochsicherheitsgefängnis Cecot.  © Alex Brandon/dpa
Trump vor US-Kongress
Und was machen eigentlich die oppositionellen Demokraten? Sie geben weitgehend ein trauriges Bild ab. Parteistratege James Carville plädiert in der NY Times sogar dafür, sich erst einmal tot zu stellen. Die meisten tun das auch. Al Green sieht das anders. Der 77-Jährige unterbricht Trump bei dessen Rede vor dem Kongress am 4. März mit lauten Zwischenrufen. Deswegen wird der Abgeordnete aus Texas aus dem Saal geführt. Hinterher rügt das Repräsentantenhaus Green wegen seines Protests – auch zehn Parteikollegen stimmen dafür. © Win McNamee/dpa
Schumer
Wenige Tage später kommt es bei der Abstimmung über den Haushalt zum offenen Bruch. Im Raum steht die Frage, ob die Demokraten das Finanzierungsgesetz der Republikaner mittragen oder aus Protest einen Shutdown in Kauf nehmen. Während die Demokraten im Repräsentantenhaus fast geschlossen gegen den Haushalt stimmen, legt Chuck Schumer, der Minderheitsführer der Demokraten im Senat, eine Kehrtwende hin und sorgt dafür, dass der Haushalt mit den Stimmen seiner Partei die Parlamentskammer passierte. Noch Ende Januar hatte Schumer eine drastische Ausgabensperre als „verfassungswidrig“ sowie „gefährlich, zerstörerisch, grausam“ bezeichnet. Jetzt sagt er, kämpfen lohne sich hier nicht, der Preis dafür sei zu hoch.  © Annabelle Gordon/Imago
Alexandria Ocasio-Cortez ''AOC'' und Bernie Sanders
Doch es geht auch anders. Das beweist mal wieder der unabhängige Senator Bernie Sanders, der mit seiner „Kampf gegen die Oligarchie-Tour“ Tausende Linke im Land bei seinen Auftritten um sich schart. Man müsse blind sein, um nicht zu sehen, dass es heute in den USA eine Regierung der Milliardäre, gesteuert von Milliardären und gemacht für Milliardäre gebe, sagt er dem Sender NPR. Der 83-Jährige ist nicht allein: Mehrfach zeigt sich die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez an seiner Seite. Die 35-Jährige ist die prominenteste Vertreterin des linken Flügels der Demokraten. © Gage Skidmore/Imago
Einwanderungsbeamte verhaften palästinensischen Aktivisten
Die Columbia-Universität ist das Epizentrum der propalästinensischen Gaza-Proteste in den USA. Für großes Aufsehen sorgt seit dem 8. März der Fall des palästinensischen Studenten Machmud Chalil. Die US-Regierung wirft dem an jenem Tag verhafteten Absolventen der New Yorker Universität unter anderem vor, auf dem Campus Flugblätter mit Hamas-Logo verteilt zu haben, und will ihn abschieben. Dabei besitzt der mit einer Amerikanerin verheiratete Student seiner Anwältin zufolge eine Greencard und damit eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung in den USA. © Yuki Iwamura/dpa
Migration in den USA - Studentin inhaftiert
Ebenfalls im März erschüttern die verstörenden Bilder einer Überwachungskamera die USA. An der Tufts Universität bei Boston wird eine türkische Doktorandin auf dem Weg zum Fastenbrechen auf offener Straße in der Nähe ihres Apartments von zivil gekleideten Beamten des Heimatschutzministeriums gestoppt und festgenommen. Die Behörden werfen ihr Unterstützung der Hamas vor. Ihr droht die Abschiebung. © dpa
US-Vizepräsident Vance besucht Grönland
Die Expansionspolitik Trumps betrifft auch Grönland. Schon Anfang Janaur schließt er wirtschaftlichen Zwang und militärische Gewalt nicht aus, um sich die größte Insel der Erde einzuverleiben. Ende März erhöht Vize Vance noch einmal den Druck. Bei einem Besuch mit seiner Ehefrau Usha macht er Dänemark schwere Vorwürfe. „Wenn der Präsident sagt, dass wir Grönland haben müssen, dann sagt er damit, dass diese Insel nicht sicher ist“, erklärt Vance. © Jim Watson/dpa
Polarlichter in Alaska
Trump hat auch Alaska im Blick – nicht aber wegen der Polarlichter. Vielmehr will er dafür sorgen, dass die USA noch mehr Öl und Gas fördern. Schon im Wahlkampf hatte er das Motto „Drill, baby, drill“ ausgegeben. Zudem will er die USA wieder aus dem Pariser Klimaschutzabkommen führen. © Hasan Akbas/dpa
Smithsonian
Trump will auch die Geschichte der USA per Dekret umdeuten lassen. Ende März beauftragt er JD Vance deshalb damit, vor allem in Museen auf Darstellungen im Sinne der neuen Regierung hinzuarbeiten. Als Beispiel nennt Trump die berühmte Smithsonian Institution, die vor allem in der Hauptstadt etliche Museen betreibt. Das Smithsonian sei unter den Einfluss einer spalterischen, auf ethnische Zugehörigkeit ausgerichteten Ideologie geraten, kritisiert Trump.  © Kevin Dietsch/AFP
US-Präsident Trump
US-Präsidenten dürfen laut Verfassung maximal zwei Amtsperioden regieren. Trump sinniert inzwischen öffentlich darüber nach, wie die Regel zu umgehen sei. Auch die oppositionellen Demokraten fürchten, der Republikaner könne versuchen, die Verfassung anders auszulegen, um länger an der Macht zu bleiben. Die juristische Fachwelt hat ebenfalls schon Theorien durchgespielt, wie Trump das versuchen könnte. © dpa
Tesla "Cybertruck"
Unterdessen gehen in den USA immer wieder Tesla-Autos in Flammen auf – aus Protest gegen Firmenchef und Trump-Intimus Elon Musk, der ohne jegliches politisches Mandat einen Kahlschlag im US-amerikanischen Staatsapparat durchsetzt. Bei einem Auftritt im Weißen Haus beklagt sich Trump über „brennende Verkaufsräume“ und Tesla-Autos, „die überall brennen, explodieren“.  © Lindsey Wasson/dpa
Musk Wisconsin
Grund für die Aufregung ist der enorme Einfluss von Elon Musk. Ein Beispiel: Vor der Justizwahl im US-Bundesstaat Wisconsin überreicht der Tech-Milliardär zwei Millionenschecks an Personen, die seinen Angaben zufolge eine Petition gegen „aktivistische Richter“ unterzeichnet haben. Die Demokraten prangern Musks Geldgeschenke als illegalen Stimmenkauf an. Am Ende muss Musk das Geld abschreiben: Der konservative Kandidat Brad Schimel verliert gegen die linksliberale Richterin Susan Crawford. © Robin Legrand/AFP
US-Präsident Trump
Den 2. April erklärt Trump zum „Tag der Befreiung“: Im berühmten Rosengarten des Weißen Hauses kündigt er neue US-Zölle für Handelspartner aus aller Welt an. Die härtesten Strafzölle treffen ein französisches Überseegebiet – die Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon – und den afrikanischen Kleinstaat Lesotho, über den Trump kurz vorher noch gescherzt hatte, niemand habe von dem je gehört. Das Zollpaket ist der bisher aggressivste Baustein seiner rabiaten Handelspolitik. Trump sieht bereits ein „goldenes Zeitalter“ der USA aufziehen – aber sein folgenreicher Schritt dürfte auch US-Verbraucher hart treffen. © Mark Schiefelbein/dpa
US-Präsident Trump
Fünf Millionen Dollar für ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht in den USA – diese Pläne einer „Gold Card“ stellt Trump bereits im Februar vor. Anfang April präsentiert er dann seine erste goldene Karte, die er auch als „Trump Card“ bezeichnet. In den USA ist es bereits möglich, im Gegenzug für Investitionen im Land eine sogenannte Green Card zu erhalten – also eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Die neue Karte zielt auf wohlhabende Menschen ab. Als mögliche Nutznießer des Programms sieht Trump auch russische Oligarchen.  © dpa
US-Präsident Trump
In den USA fungiert der Präsident als Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Doch Trump zeigt in der Regel nur wenig Interesse an seinen Soldaten. So lässt er sich am 4. April bei einer Militärzeremonie in Delaware von seinem Verteidigungsminister Pete Hegseth vertreten. Anstatt der Rückführung der sterblichen Überreste von vier US-Soldaten beizuwohnen, die im März bei einer Übung in Litauen ihr Leben verloren haben, verbringt Trump seine Zeit lieber in Florida. © Alex Brandon/dpa
Anti-Trump-Proteste
Zehn Wochen nach Trumps Amtsantritt kommt es in zahlreichen Städten in den USA zu lautstarken Protesten. Auf Plakaten fordern sie unter anderem, die Verfassung zu verteidigen, Trump des Amtes zu entheben und das Sozialsystem nicht anzutasten. Auf anderen Schildern steht: „Nicht mein Präsident!“, „Schande über Trump“ und „Der Faschismus ist da“.  © Jim Ruymen/Imago
Pete Hegseth besucht Pearl Harbor
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth (hier mit Admiral Sam Paparo) ist alles, was mit Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) zu tun hat, ein Dorn im Auge. Um den DEI-Richtlinien der Trump-Regierung zu entsprechen, hat die U.S. Naval Academy 381 Bücher aus ihrer Bibliothek entfernt. Darunter ist auch Maya Angelous berühmte Autobiografie „I Know Why the Caged Bird Sings” („Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt“). Zudem wurden viele Bücher zu Themen wie Feminismus, Rassismus oder dem Holocaust verbannt. Ein anderes Buch steht dagegen noch immer in den Regalen: „Mein Kampf“. © Imago
trump und Rubio
Am 11. April sorgt wieder das von Marco Rubio (links) geleitete US-Außenministerium für Aufregung – diesmal aber im Inland. Die Angestellten werden angewiesen, über Kolleginnen und Kollegen zu berichten, die sich „anti-christlich“ benehmen und „Voreingenommenheit“ gegenüber der Religion zeigen. „Politico“ zitiert einen Beamten, der sich an den dystopischen Roman „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood über totalitäre Gesellschaften erinnert fühlt.  © Brendan Smialowski/AFP
2025 Coachella Valley Music and Arts Festival in Kalifornien
Auf seinem selbsterklärten Kampfzug gegen die „Oligarchie“ in den USA begeistert Bernie Sanders auch am 12. April mit einem Überraschungsauftritt beim Coachella-Musikfestival in der kalifornischen Wüste das überwiegend junge Publikum. Kurz nach dem letzten Song der britischen Sängerin Charli XCX bringt er mit seiner Botschaft gegen Politikverdrossenheit die Leute zum Jubeln. „Dieses Land steht vor großen Herausforderungen und von eurer Generation hängt ab, was mit Amerika passiert“, sagt Sanders. © Amy Harris/dpa
Kilmar Ábrego García Proteste
Unter Trump schieben die USA immer wieder mutmaßliche Bandenmitglieder nach El Salvador ab. Einige der Männer haben nach Angaben ihrer Anwälte aber nie ein Verbrechen begangen. Für Aufsehen sorgt besonders die irrtümliche Abschiebung des salvadorianischen Einwanderers Kilmar Ábrego García, der mit einer US-Bürgerin verheiratet ist. Der Oberste Gerichtshof der USA weist die Trump-Regierung im April offiziell an, sich für seine Freilassung aus dem Gefängnis in El Salvador und für seine Rückkehr in die USA einzusetzen. Trump interessiert das nicht. Konkrete Maßnahmen zur Rückholung bleiben aus. © Alex Wong/AFP
Trump Bukele
Später zelebrieren Trump und El Salvadors Staatschef Nayib Bukele im Weißen Haus sogar ihre enge Zusammenarbeit bei der Abschiebepolitik. Bukele stellt nüchtern fest, dass er Ábrego García nicht zurück in die USA schicken werde. Und Trump? Der liebäugelt erneut mit der Idee, auch US-Straftäter in El Salvador einsperren zu lassen. US-Historiker Timothy Snyder nennt es hinterher beim Namen: In einem Substack-Beitrag spricht er von „beginnendem Staatsterror“.  © Brendan Smialowski/AFP
Universität Harvard
Auch die Eliteuniversität Harvard gerät in Trumps Visier. Seine Regierung legt Milliardenzuschüsse auf Eis. Trump begründet sein Vorgehen mit einer verfehlten „Ideologie“ der Uni und angeblichem Antisemitismus. Der frühere US-Präsident Barack Obama, der selbst an der Uni studiert hat, hält dagegen: „Harvard hat ein Beispiel für andere Hochschulen gesetzt, indem es einen ungesetzlichen und unbeholfenen Versuch zurückgewiesen hat, die akademische Freiheit zu unterdrücken“, schreibt Obama auf der Plattform X. Er hoffe, dass andere Institutionen folgten. © Charles Krupa/dpa
Als Papst Franziskus im Alter von 88 Jahren im Vatikan starb, war die Trauer groß. US-Präsident Donald Trump nahm an der Beisetzung des Heiligen Vaters teil: er in blau – ohne rote Krawatte. Melania ganz in Schwarz. Vor dessen Tod befand sich Trump im offenen Widerspruch mit dem Papst: Franziskus hatte Trumps Migrationspolitik offen kritisiert. Seine Massenabschiebung „würde viele Männer und Frauen und ganze Familien“ verletzen.
Als Papst Franziskus im Alter von 88 Jahren im Vatikan starb, war die Trauer groß. US-Präsident Donald Trump nahm an der Beisetzung des Heiligen Vaters teil: er in blau – ohne rote Krawatte. Melania ganz in Schwarz. Vor dessen Tod befand sich Trump im offenen Widerspruch mit dem Papst: Franziskus hatte Trumps Migrationspolitik offen kritisiert. Seine Massenabschiebung „würde viele Männer und Frauen und ganze Familien“ verletzen.  © IMAGO / NurPhoto

Bosnien braucht EU und USA: Gemeinsamer Druck auf Serbien und Kroatien für Reformen

Sobald die Säulen einer solchen Koalition für eine Verfassungsreform geschaffen sind, könnte sie sich an die USA und die EU wenden - die derzeit in einer Sackgasse stecken, aber ein gemeinsames strategisches Interesse an der langfristigen Befriedung des Westbalkans haben - und um politische und technische Unterstützung für den Prozess bitten. Wenn die Trump-Regierung nicht willens oder in der Lage ist zu helfen, müssen die EU und ihre wichtigsten Hauptstädte einspringen. Und wenn die EU nicht in der Lage ist, in Bosnien entschlossen zu handeln, hat sie keinerlei Hoffnung, mit Ländern wie Russland oder China umzugehen.

Politisch bestünde die Hauptaufgabe darin, Serbien, Kroatien und ihre jeweiligen lokalen Stellvertreter davon abzuhalten, die Initiative zu sprengen. Ihre Zustimmung kann durch eine Kombination aus glaubwürdigen Sanktionsdrohungen oder anderen politischen Strafen erreicht werden (z.B. Aufhebung der visumfreien Einreise in die USA für kroatische Staatsbürger oder Stopp der EU-Entwicklungsgelder für Serbien). Technisch sollten Washington und Brüssel die relevanten Akteure in Bosnien anleiten, um sicherzustellen, dass der Inhalt ihrer Vereinbarung ausreicht, um den Weg des Landes in Richtung EU- und NATO-Mitgliedschaft zu beschleunigen.

Der einfachste technische Plan wäre die Annahme einer Version des April-Pakets von 2006, eines Vorschlags, der in der unteren Kammer des bosnischen Parlaments nur knapp scheiterte, aktualisiert um die Urteile des EGMR und des bosnischen Verfassungsgerichts seither.

Es sollte zu diesem Zeitpunkt keine Schritte zur territorialen Neuordnung des Landes geben - die problematisch und ineffizient, aber keine unmittelbare Priorität ist - und der Fokus sollte ganz auf der Schaffung rationalerer, verantwortungsvollerer und demokratischerer Regierungsmodalitäten auf staatlicher Ebene liegen, im Einklang mit der Menschenrechtskonvention.

Bosnien braucht Reformen, um Regierungsqualität zu steigern und EU-Beitritt zu sichern

Wenn Bosnien endlich eine substanzielle Verfassungsreform durchführen könnte, wären die positiven Ergebnisse für die Bürger des Landes und die internationale Gemeinschaft zahlreich.

Es würde die Qualität der Regierungsführung verbessern und das Entstehen einer neuen, liberalen politischen Klasse ermöglichen; es würde Bürger und politische Amtsträger gleichermaßen davon überzeugen, dass Reformen, auch strukturelle Reformen, in Bosnien möglich sind, was Anreize für weitere Reforminitiativen schafft und zur Eindämmung der Auswanderung beiträgt; und es würde ein kompetentes Verwaltungsregime schaffen, das tatsächlich in der Lage ist, Bosniens EU- und NATO-Bestrebungen zu verwirklichen, was insgesamt jede Möglichkeit einer Auflösung oder Annexion des Landes dauerhaft ausschließen würde.

Und wenn Bosnien aufhört, ein Anliegen für die internationale Gemeinschaft zu sein, bleiben sowohl Washington als auch Brüssel weit mehr Ressourcen, um sich mit dem anderen großen Problem der Region, dem Kosovo-Serbien-Streit, oder der Vielzahl anderer geopolitischer Krisen zu befassen, die den Westen derzeit beschäftigen. Wie immer hängt all dies grundsätzlich vom politischen Willen zum Handeln ab.

Die bevorstehende Frühjahrstagung der Parlamentarischen Versammlung der NATO in Dayton, Ohio, bietet sowohl hochrangigen bosnischen Beamten als auch ihren Amtskollegen in Washington und den europäischen Hauptstädten die Gelegenheit, dieses Programm zu sozialisieren und sogar die ersten Schritte zu seiner Verwirklichung vor den Parlamentswahlen im nächsten Jahr zu unternehmen. Ein solch klar formulierter Optimismus mag naiv erscheinen, ist aber nüchterner Realismus im Vergleich zu dem fantastischen Glauben, dass Bosniens gegenwärtige Dysfunktion ohne eine Wiederaufnahme der Gewalt ewig fortbestehen kann.

Zur Autorin

Jasmin Mujanović ist Politikwissenschaftler mit Schwerpunkt auf der Politik Südosteuropas. Er ist Autor des Buches „Hunger and Fury: The Crisis of Democracy in the Balkans“. X: @JasminMuj

Wir testen zurzeit maschinelle Übersetzungen. Dieser Artikel wurde aus dem Englischen automatisiert ins Deutsche übersetzt.

Dieser Artikel war zuerst am 13. Mai 2025 in englischer Sprache im Magazin „ForeignPolicy.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

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