Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Abschluss des Nationalen Volkskongresses

China auf dem Weg zur Weltmacht: Xi Jinping macht Kampfansage an den Westen

Mission erfüllt: Xi Jinping hat sein Land in den letzten Tagen umgebaut wie lange keiner mehr vor ihm. Das soll China stark machen für die Konfrontation mit den USA.

München/Peking – Die linke Hand hat er auf die Verfassung gelegt, ein schweres rotes Buch, das zuvor ein Soldat im Stechschritt in die große Halle des Volkes im Zentrum Pekings getragen hatte. „Ich schwöre“, sagt Xi Jinping, „mich für den Aufbau eines starken, demokratischen, zivilisierten, harmonischen und schönen modernen sozialistischen Staates einzusetzen.“ Seine rechte Hand hat Xi erhoben, zur Faust geballt. Die martialisch anmutende Geste hat Tradition bei Chinas Kommunisten. Diesmal aber wirkt sie, mehr noch als sonst, wie eine Kampfansage.

Kurz zuvor hatten die 2.952 Abgeordneten des Nationalen Volkskongresses den 69-Jährigen einstimmig im Amt des Staatspräsidenten der Volksrepublik China bestätigt. Das war am vergangenen Freitag, es war der Höhepunkt des Nationalen Volkskongresses, der alljährlichen Abnickveranstaltung von Chinas Parlament. Xis dritte Amtszeit ist historisch. Die Verfassung, auf die er nun schwor, hatte er für diesen Schritt 2018 eigens ändern lassen. Xi, der auch Generalsekretär der Kommunistischen Partei ist und Oberbefehlshaber der Volksbefreiungsarmee, ist jetzt so mächtig wie kein anderer chinesischer Politiker seit Mao Zedong.

Xi Jinping wirft USA „umfassende Eindämmung, Einkreisung und Unterdrückung Chinas“ vor

Macht, die er nutzen will, um China stark zu machen und das Land zu rüsten für die Konfrontation mit den USA, die Xi kommen sieht. Den Amerikanern warf er am Rande des Volkskongresses vor, sie verfolgten „eine umfassende Eindämmung, Einkreisung und Unterdrückung Chinas, was nie da gewesene schwere Herausforderungen für die Entwicklung Chinas mit sich bringt“. Konkret hält Xi Washington vor, durch Exportverbote für hoch entwickelte Mikrochips die chinesische Hightech-Branche zerstören zu wollen. Mindestens ebenso erzürnt ihn das, was er als ungerechtfertigte Einmischung in innere Angelegenheit betrachtet: etwa die amerikanische Unterstützung für Taiwan und die Kritik der USA und ihrer Verbündeten an den Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang. Xi strebt eine multipolare Welt an, die USA aber, so sieht er das, wollen China kleinhalten.

Wie Peking auf diese gefühlte Bedrohung reagieren will, machte Xi in den vergangenen Tagen deutlich. Zunächst sollen die militärischen Fähigkeiten des Landes gestärkt werden. Der Verteidigungshaushalt soll um 7,2 Prozent steigen, die Volksbefreiungsarmee zu einer „Großen Mauer aus Stahl“ ausgebaut werden, wie Xi am Montag in seiner Abschlussrede zum Volkskongress sagte. Gleichzeitig soll, wenige Monate nach Ende der Null-Covid-Politik, die Wirtschaft des Landes wieder stärker wachsen. „Rund fünf Prozent“ hat Peking als Zielmarke vorgegeben, zwei Prozentpunkte mehr als das mickrige Wachstum, das China im vergangenen Jahr tatsächlich erreicht hatte. Das Land soll wirtschaftlich unabhängiger werden vom Westen, der Binnenkonsum angekurbelt, Spitzentechnologie gefördert werden. Peking will dazu auch die Privatwirtschaft wieder mehr fördern.

Chinas Staats- und Parteichef: So stieg Xi Jinping zum mächtigsten Mann der Welt auf

Chinas heutiger Staatschef Xi Jinping (2. von links) mit anderen Jugendlichen im Mao-Anzug
Xi Jinping wurde am 15. Juni 1953 in Peking geboren. Als Sohn eines Vize-Ministerpräsidenten wuchs er sehr privilegiert auf. Doch in der Kulturrevolution wurde er wie alle Jugendlichen zur Landarbeit aufs Dorf geschickt. Das Foto zeigt ihn (zweiter von links) 1973 mit anderen jungen Männer in Yanchuan in der nordwestlichen Provinz Shaanxi. Dort soll Xi zeitweise wie die Einheimischen in einer Wohnhöhle gelebt haben. © imago stock&people
Xi Jinping steht vor der Golden Gate Bridge in San Francisco
Xi Jinping 1985 vor der Golden Gate Bridge in San Francisco: Damals war er als junger Parteichef des Landkreises Zhengding in der nordchinesischen Agrarprovinz Hebei Delegationsleiter einer landwirtschaftlichen Studienreise nach Muscatine im US-Bundesstaat Iowa. Dort nahm die Gruppe nach offiziellen Berichten „jeden Aspekt der modernen Landwirtschaft unter die Lupe“. Anschließend reiste Xi weiter nach Kalifornien. Es war sein erster USA-Besuch. © imago stock&people
Xi Jingping und Peng Liyuan
Zweites Eheglück: Xi Jinping und seine heutige Ehefrau, die Sängerin Peng Liyuan, Anfang 1989. Zu dieser Zeit war Xi Vizebürgermeister der ostchinesischen Hafenstadt Xiamen. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter. Xis erste Ehe war nach nur drei Jahren an unterschiedlichen Lebenszielen gescheitert. Seine erste Frau, die Diplomatentochter Ke Lingling, zog in den 1980er-Jahren nach Großbritannien. © imago
Xi Jinping gräbt mit Parteikollegen an einem Damm zur Verstärkung eines Deiches in Fujian
Aufstieg über die wirtschaftlich boomenden Küstenregionen: 1995 war Xi Jinping bereits stellvertretender Parteichef der Taiwan gegenüberliegenden Provinz Fujian – und noch ganz volksnah. Im Dezember 1995 arbeitet er mit an der Verstärkung eines Deiches am Minjiang-Fluss. © Imago/Xinhua
Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt Chinas Vizepräsident Xi Jinping das Regierungsviertel in Berlin
Vizepräsident Xi Jinping 2009 im Kanzleramt bei Angela Merkel: Die deutsch-chinesischen Beziehungen waren unter Merkel relativ eng und von wirtschaftlicher Zusammenarbeit geprägt. Merkel und Xi reisten aus Berlin weiter nach Frankfurt, um die dortige Buchmesse zu eröffnen. China war als Ehrengast geladen. © GUIDO BERGMANN/Pool/Bundesregierung/AFP
Die Vizepräsidenten Xi Jinping aus China und Joe Biden aus den USA halten T-Shirts mit einer Freundschaftsbekundung in die Kamera
Ein Bild aus besseren Zeiten: Aus ihrer jeweiligen Zeit als Vizepräsidenten kamen Joe Biden und Xi Jinping mehrmals zusammen. Im Februar 2012 demonstrierten sie bei einer Reise Xis nach Los Angeles in einer Schule „guten Willen“ zur Freundschaft mit T-Shirts, die ihnen die Schüler überreicht hatten. Damals fehlten Xi nur noch wenige Monate, um ganz an die Spitze der Kommunistischen Partei aufzusteigen. © FREDERIC J. BROWN/AFP
Ein alter Mann in Shanghai schaut auf Xi bei seiner ersten Rede als Parteichef im Fernseher.
Xi Jinping hat es geschafft: Zum Ende des 18. Parteitags am 15. November 2012 wurde Xi als neuer Generalsekretär der Kommunisten präsentiert – und ganz China schaute zu. Xi gelobte in seiner ersten kurzen Rede als Parteichef, die Korruption zu bekämpfen und ein „besseres Leben“ für die damals 1,3 Milliarden Menschen des Landes aufzubauen.  © PETER PARKS/AFP
Der neue Staatschef Xi Jinping geht hinter seinem Vorgänger Hu Jintao zu seinem Platz in der Großen Halle des Volkes in Peking.
Übernahme auch des obersten Staatsamtes: Xi Jinping wurde auf dem Nationalen Volkskongress im März 2013 Präsident und schloß damit den Übergang von seinem Vorgänger Hu Jintao (vorn im Bild) zur Xi-Ära ab. © GOH CHAI HIN/AFP
Chinas Präsident und seine Ehefrau Peng Liyuan gehen über den Flughafen Orly in Paris.
Xi Jinpings Ehefrau Peng Liyuan ist die erste First Lady Chinas, die auch öffentlich in Erscheinung tritt. Hier kommt das Ehepaar zu einem Staatsbesuch in Frankreich an. Die Gattinnen von Xis Vorgängern hatten sich nie ins Rampenlicht gedrängt. Vielleicht auch, weil Maos politisch aktive dritte Ehefrau Jiang Qing nach dem Tod des „Großen Vorsitzenden“ als Radikale verurteilt worden war. © YOAN VALAT/Pool/AFP
Funktionäre der Kommunistischen Partei Chinas auf dem Weg zum Parteitag in Peking
So sehen KP-Funktionäre aus: Delegierte des 19. Parteitags auf dem Weg zur Großen Halle des Volkes in Peking im Oktober 2017. Auf diesem Parteitag gelang es dem Staats- und Parteichef, seine „Xi Jinping-Gedanken zum Sozialismus Chinesischer Prägung in der Neuen Ära“ in die Parteiverfassung aufzunehmen. Er war der erste nach Mao, der zu Lebzeiten in der Verfassung eine Theorie mit seinem Namen platzieren konnte. Einen Kronprinzen präsentierte Xi auf dem Parteitag nicht – entgegen den normalen Gepflogenheiten. © GREG BAKER/AFP
Xi Jinping nimmt in einer Staatslimousine „Rote Fahne“ die Parade zum 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China ab.
70 Jahre Volksrepublik China: Staatschef Xi Jinping nahm 2019 in einer offenen Staatslimousine Marke „Rote Fahne“ die Militärparade in Peking zum Jahrestag der Staatsgründung ab. © GREG BAKER/AFP
Wirtschaftsforum in Wladiwostok
Xi Jinping pflegt eine offene Freundschaft zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin – bis heute, trotz des russischen Angriffskrieges in der Ukraine. Putin und Xi teilen die Abneigung gegen die von den USA dominierte Weltordnung. Hier stoßen sie 2018 bei einem gemeinsamen Essen auf dem Wirtschaftsforum von Wladiwostok, auf dem sich Russland als Handelspartner und Investitionsziel im asiatischen Raum präsentierte, miteinander an. © Sergei Bobylev/POOL TASS Host Photo Agency/dpa
Xi Jinping besucht im weißen Kittel ein Labor und lässt sich die Impfstoffentwicklung erklären
Ende 2019 brach in China die Corona-Pandemie aus. Im April 2020 informierte sich Xi Jinping in einem Labor in Peking über die Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung. Xi ist bis heute überzeugt, dass China die Pandemie besser im Griff hat als der Rest der Welt. Seine Null-Covid-Politik beendet er nicht, wohl auch wegen der viel zu niedrigen Impfquote unter alten Menschen. © Ding Haitao/Imago/Xinhua
Xi Jinpings Konterfei lächelt von einem Teller mit rotem Hintergrund
Auf dem 20. Parteitag im Oktober 2022 ließ sich Xi Jinping zum dritten Mal zum Generalsekretär der Kommunisten ernennen. Damit ist er der mächtigste Parteichef seit Mao Zedong. © Artur Widak/Imago

Li Qiang: Kann Xi Jinpings Nummer zwei Chinas Wirtschaft auf Vordermann bringen?

Abzuwarten bleibt indes, welche Freiheiten Xi den Unternehmen, die er in den letzten Jahren an die kurze Leine genommen hatte, wirklich lässt. Und welchen Spielraum er Chinas Nummer zwei gewährt: Li Qiang, der im vergangenen Oktober in den Ständigen Ausschuss des Politbüros aufgestiegen war und damit in Chinas Machtzentrale, wurde am Samstag mit nur drei Gegenstimmen sowie acht Enthaltungen ins Amt des Ministerpräsidenten gewählt. Der 63-Jährige, der zuletzt Parteichef von Shanghai war, gilt als wirtschaftsfreundlich, gleichzeitig aber auch als enger Vertrauter von Xi Jinping. In diesem Spannungsfeld soll Li Chinas Wirtschaft nun wieder auf Vordermann bringen.

Auf seiner ersten Pressekonferenz im neuen Amt sprach Li am Montag von einer „herausfordernden Aufgabe“. Li muss ein Platzen der Immobilienblase verhindern und die nach drei Jahren Corona-Maßnahmen finanziell ausgelaugten Provinzen unterstützen. Auch die Jugendarbeitslosigkeit ist noch immer hoch. Verschärft werden Chinas Probleme in den kommenden Jahren zudem durch den Geburtenrückgang. Dass China diese Herausforderungen nicht allein bewältigen wird, scheint Li klar zu sein. „China und die USA können und müssen zusammenarbeiten“, erklärte er am Montag. „Einkreisung und Unterdrückung sind im Interesse von niemandem.“

Xi Jinping: „Die Partei führt alles an“

Li hatte im vergangenen Frühjahr den chaotischen Lockdown in Shanghai zu verantworten, offenbar auf Geheiß von Xi Jinping, der von seiner Null-Covid-Politik nicht abrücken wollte. Man kann sich vorstellen, wie er sich zähneknirschend fügte. Belohnt wurde er nun mit dem Aufstieg an die Spitze. Wo seine Loyalitäten liegen, machte er gleich zu Beginn seiner Pressekonferenz am Montag deutlich: „Wir werden der starken Führung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei mit dem Genossen Xi Jinping im Zentrum folgen“, sagte Li.

Der Volkskongress hob weitere Xi-Vertraute in Spitzenämter und stimmte einer Neustrukturierung der Regierung zu. So soll etwa das Ministerium für Wissenschaft und Technologie gestärkt werden, um „der ernsten Situation des internationalen wissenschaftlichen und technologischen Wettbewerbs sowie der Eindämmung und Unterdrückung von außen zu begegnen“. Überwacht wird dieser Prozess von einem neu geschaffenen Parteiorgan – und damit letztlich von Xi selbst. „Die Regierung, das Militär, die Gesellschaft und Schulen, Norden, Süden, Osten und Westen und das Zentrum – die Partei führt alles an“, hatte Xi bereits auf dem vorletzten Parteitag als Losung ausgegeben. Jetzt hat er dieses Ziel erreicht.

Rubriklistenbild: © Noel Celis/AFP

Kommentare