„Sehr kompliziert“
Bundeskanzler-Wahl: Merkel-Ratschlag an ehemaligen Widersacher Merz
Vor seiner Kanzlerwahl erhält Friedrich Merz von seiner CDU-Parteikollegin Angela Merkel Tipps. Sie galten einst als interne Gegner in der Union.
Hannover – Rund um die Union hielt sich lange das Gerücht, dass die langjährige deutsche Regierungschefin Angela Merkel ihrem Bald-Nach-Nachfolger Friedrich Merz den Weg zum CDU-Parteivorsitz und zur Kanzlerschaft in Deutschland verbaut habe.
Angela Merkel und Friedrich Merz: Sie galten in der CDU einst als Rivalen
Mehr noch: Merkel und Merz galten parteiintern als regelrechte Erzrivalen. Die 70-jährige Merkel, die den Parteivorsitz 18 Jahre (2000 bis 2018) lang innehatte, prägte einen sozialliberalen Politikstil auf dem linken Flügel der CDU. Dass Merz konservativer ist, zeigen aktuell nicht nur seine Aussagen zur Migration, sondern etwa auch die Aufstellung von Alois Rainer (CSU) zum neuen Bundeslandwirtschaftsminister.
Am Dienstag (6. Mai) soll Merz nun zum Bundeskanzler einer schwarz-roten Koalition aus Union und SPD gewählt werden – nach langem Warten auf diese Chance. Merkel hat dem einstigen Widersacher vor dessen Wahl im Deutschen Bundestag nun ein paar Ratschläge für seinen künftigen Job gegeben.
Vor Wahl zum Bundeskanzler: Friedrich Merz bekommt Ratschläge von Angela Merkel
Eine „gute Eigenschaft“ von Merz sei, „dass er mit Freude Kanzler sein möchte“, sagte Merkel am Donnerstag (1. Mai) in einem Interview mit dem Sender Phoenix am Rande des Evangelischen Kirchentags in Hannover. Sie riet dem 69-Jährigen, Probleme „immer in Gedanken von Maß und Mitte“ zu lösen. Die Welt sei „sehr kompliziert geworden“. Da sei es „mehr denn je gefragt, dass wir uns an unseren grundsätzlichen Prinzipien ausrichten“, meinte Merkel. Die Partei habe „immer drei Wurzeln gehabt, von Anfang an: liberal, christlich-sozial, konservativ“. Das C im Parteinamen sei eine „wunderbare Erinnerung“ daran, „was unser Menschenbild sein sollte“, sagte Merkel.
Ob sie damit zum Beispiel die von Merz als strikter angekündigte Migrationspolitik meinte, ließ die langjährige Kanzlerin offen. Sie wünschte Merz in Hannover „viel Fortune“ sowie „viel Kraft und gute Mitstreiter“. Mit Blick auf die rechtspopulistische AfD, meinte sie, dass es nicht helfe, die Rhetorik der Partei zu übernehmen. Merkel: „Man muss seinem eigenen Kompass folgen.“ Ende Januar hatte sie ihren Parteikollegen für dessen Fünf-Punkte-Plan zur Migrationspolitik in Deutschland und der gemeinsamen Abstimmung mit der AfD dazu scharf kritisiert – und das kurz vor der Bundestagswahl (23. Februar).
Zoff um Migrationspolitik: Angela Merkel kritisierte Friedrich Merz für Abstimmung mit AfD
„Für falsch halte ich es, (…) am 29. Januar 2025 erstmalig sehenden Auges bei einer Abstimmung im Deutschen Bundestag eine Mehrheit mit den Stimmen der AfD zu ermöglichen“, erklärte sie in einer öffentlichen Stellungnahme. Merz konterte Merkel bei einer Wahlkampfveranstaltung in Dresden: „Dass diese Fraktion, die sich Alternative für Deutschland nennt, seit dem Jahr 2017 schon im Deutschen Bundestag sitzt, hat etwas mit der Politik zu tun, die in den Jahren (von Merkels Regierung, d. Red.) gemacht worden ist. Und dafür trägt auch meine Partei eine gehörige Verantwortung.“
Beispiele für Zoff zwischen beiden gab es in all den Jahren oft. Etwa im Sommer 2003, als Merz die Autorität der CDU-Chefin mit Blick auf deren Steuerpolitik öffentlich infrage gestellt hatte. Ihre Partei war damals im Parlament in der Opposition, und Merkel hatte Merz im September 2002 im Bundestag vom Fraktionsvorsitz verdrängt. Weitere Beispiele für die Dauerrivalität folgten. (pm)
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