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Nach den Wahlen

Brasilien-Wahl: Bolsonaro mit eindringlichem Appell an seine Anhänger

Jair Bolsonaro äußert sich nach der Brasilien-Wahl zu seiner Niederlage gegen Lula da Silva, ohne diese einzugestehen. Seine Fans blockieren die Straßen.

Update vom Donnerstag, 3. November, 06.30 Uhr: Nach tagelangen Blockaden hat Brasiliens abgewählter Präsident Jair Bolsonaro seine Anhänger aufgefordert, die zahlreichen Straßensperren in weiten Teilen des Landes aufzuheben. „Die Sperrung von Fernstraßen in ganz Brasilien beeinträchtigt die Bewegungsfreiheit der Menschen“, sagte Bolsonaro in einem am Mittwochabend (Ortszeit) auf Twitter veröffentlichten Video. „Das steht in unserer Verfassung. Man muss das Recht anderer Menschen, die unterwegs sind, respektieren - ganz abgesehen von dem Schaden für unsere Wirtschaft. Ich möchte an euch appellieren: Gebt die Straßen frei.“

Die Autobahnpolizei hatte am Mittwochnachmittag noch 150 Straßensperren in verschiedenen Regionen Brasiliens registriert, wie das brasilianische Nachrichtenportal «G1» berichtete. Nach eigenen Angaben löste die Polizei bereits 688 Blockaden auf. Bolsonaros Unterstützer wollen den Wahlsieg von dessen Herausforderer Luiz Inácio Lula da Silva nicht hinnehmen. 

Jair Bolsonaro: Vom Fallschirmjäger zum brasilianischen Präsidenten

Jair Messias Bolsonaro wird am 21. März 1955 in Glicério im Bundesstaat São Paulo geboren. Seine Vorfahren stammen größtenteils aus Italien – sein Urgroßvater väterlicherseits war hingegen ein deutscher Einwanderer. Benannt wird der junge Jair nach dem brasilianischen Fußballspieler Jair da Rosa Pinto, der unter anderem für den Santos FC als offensiver Mittelfeldspieler im Einsatz war und sich mit dem späteren Präsidenten den Geburtstag teilt.
Jair Messias Bolsonaro wird am 21. März 1955 in Glicério im Bundesstaat São Paulo geboren. Seine Vorfahren stammen größtenteils aus Italien – sein Urgroßvater väterlicherseits war hingegen ein deutscher Einwanderer. Benannt wird der junge Jair nach dem brasilianischen Fußballspieler Jair da Rosa Pinto, der unter anderem für den Santos FC als offensiver Mittelfeldspieler im Einsatz war und sich mit dem späteren Präsidenten den Geburtstag teilt. © Antonio Molina/Imago
Jair Bolsonaro verbringt seine Kindheit und Jugend im Gegensatz zu seinem Namensvetter allerdings nicht in halb Brasilien, sondern wächst mit fünf Geschwistern – drei Schwestern und zwei Brüder – in verschiedenen Stadtteilen São Paulos auf. Sesshaft wird die Familie schließlich in Eldorado, im Süden der Millionenstadt. Dort besucht Jair Bolsonaro die staatlich-wissenschaftliche Schule „Eldorado Paulista“. In seiner Freizeit schießt der junge Jair gerne mit einer Schrotflinte auf Vögel und verdient sich mit dem Fischfang ein kleines Taschengeld.
Jair Bolsonaro verbringt seine Kindheit und Jugend im Gegensatz zu seinem Namensvetter allerdings nicht in halb Brasilien, sondern wächst mit fünf Geschwistern – drei Schwestern und zwei Brüder – in verschiedenen Stadtteilen São Paulos auf. Sesshaft wird die Familie schließlich in Eldorado, im Süden der Millionenstadt. Dort besucht Jair Bolsonaro die staatlich-wissenschaftliche Schule „Eldorado Paulista“. In seiner Freizeit schießt der junge Jair gerne mit einer Schrotflinte auf Vögel und verdient sich mit dem Fischfang ein kleines Taschengeld. © Geff Reis/Imago
Jair Bolsonaro bei einer Wahlkampfveranstaltung 2018 mit Soldaten in São Paulo. Seine eigene Karriere beim Militär beginnt er noch vor seinem Schulabschluss auf der Kadettenschule Escola Preparatória de Cadetes do Exército in seiner Heimatstadt im Jahr 1973. Ein Jahr später wechselt er an die Academia Militar das Agulhas Negras, die Hauptakademie des brasilianischen Militärs, die Bolsonaro im Jahr 1977 als Leutnant der Artillerie abschließt. In den Jahren darauf wird er von der brasilianischen Armee unter anderem als Fallschirmjäger eingesetzt.
Jair Bolsonaro bei einer Wahlkampfveranstaltung 2018 mit Soldaten in São Paulo. Seine eigene Karriere beim Militär beginnt er noch vor seinem Schulabschluss auf der Kadettenschule Escola Preparatória de Cadetes do Exército in seiner Heimatstadt im Jahr 1973. Ein Jahr später wechselt er an die Academia Militar das Agulhas Negras, die Hauptakademie des brasilianischen Militärs, die Bolsonaro im Jahr 1977 als Leutnant der Artillerie abschließt. In den Jahren darauf wird er von der brasilianischen Armee unter anderem als Fallschirmjäger eingesetzt. © Nelson Almeida/AFP
Von seinen Vorgesetzten wird Jair Bolsonaro als „aggressiv“ und „übermäßig ehrgeizig“ beschrieben – er habe vor allem finanzielle und wirtschaftliche Vorteile zu erlangen versucht. Die Vorwürfe hängen unter anderem mit Bolsonaros Versuch zusammen, während seiner Militärlaufbahn im brasilianischen Bundesstaat Bahia Gold zu schürfen. Ihm zufolge habe es sich aber allerdings nur um ein Hobby gehandelt.
Von seinen Vorgesetzten wird Jair Bolsonaro als „aggressiv“ und „übermäßig ehrgeizig“ beschrieben – er habe vor allem finanzielle und wirtschaftliche Vorteile zu erlangen versucht. Die Vorwürfe hängen unter anderem mit Bolsonaros Versuch zusammen, während seiner Militärlaufbahn im brasilianischen Bundesstaat Bahia Gold zu schürfen. Ihm zufolge habe es sich aber allerdings nur um ein Hobby gehandelt. © Apu Gomes/AFP
Jair Bolsonaro erlangt erstmals 1986 öffentliche Aufmerksamkeit, als er dem Nachrichtenmagazin Veja ein Interview gibt. Darin beklagt er sich über die niedrigen Militärgehälter und behauptete, das Oberkommando entlasse Offiziere aufgrund von Haushaltskürzungen. Während er von seinen Vorgesetzten gemaßregelt wird, erhält Bolsonaro Lob von Offizierskollegen und wird in der rechtsextremen Szene langsam aber sicher ein Begriff, die unzufrieden mit der neuen demokratischen Regierung in Brasilien ist.
Jair Bolsonaro erlangt erstmals 1986 öffentliche Aufmerksamkeit, als er dem Nachrichtenmagazin Veja ein Interview gibt. Darin beklagt er sich über die niedrigen Militärgehälter und behauptete, das Oberkommando entlasse Offiziere aufgrund von Haushaltskürzungen. Während er von seinen Vorgesetzten gemaßregelt wird, erhält Bolsonaro Lob von Offizierskollegen und wird in der rechtsextremen Szene langsam aber sicher ein Begriff, die unzufrieden mit der neuen demokratischen Regierung in Brasilien ist. © Daniel Ramalho/AFP
Ein Jahr später wird Jair Bolsonaro mit schweren Anschuldigungen konfrontiert, als die Veja berichtet, dass er zusammen mit einem Armeekollegen geplant habe, Bomben in Militäreinheiten in Rio de Janeiro zu legen. Bolsonaro bezeichnet die Behauptungen zunächst als „Hirngespinst“, doch die Zeitschrift veröffentlicht daraufhin detaillierte Skizzen und Unterlagen, die ihn mit Meutereiplänen in Verbindung bringen. Schlussendlich wird der Hauptmann vom Militärgericht jedoch aufgrund von „tiefgehenden Widersprüchen“ freigesprochen. Im Dezember 1988, kurz nach dem Urteil, verlässt Bolsonaro nach 15 Jahren Militärdienst die Armee, um sich fortan seiner politischen Karriere zu widmen.
Ein Jahr später wird Jair Bolsonaro mit schweren Anschuldigungen konfrontiert, als die Veja berichtet, dass er zusammen mit einem Armeekollegen geplant habe, Bomben in Militäreinheiten in Rio de Janeiro zu legen. Bolsonaro bezeichnet die Behauptungen zunächst als „Hirngespinst“, doch die Zeitschrift veröffentlicht daraufhin detaillierte Skizzen und Unterlagen, die ihn mit Meutereiplänen in Verbindung bringen. Schlussendlich wird der Hauptmann vom Militärgericht jedoch aufgrund von „tiefgehenden Widersprüchen“ freigesprochen. Im Dezember 1988, kurz nach dem Urteil, verlässt Bolsonaro nach 15 Jahren Militärdienst die Armee, um sich fortan seiner politischen Karriere zu widmen. © Douglas Magno/AFP
1989 wird Jair Bolsonaro als Vertreter der Christdemokratischen Partei (PDC) zum Stadtrat von Rio de Janeiro gewählt. Der Biografie seines Sohnes Flávio zufolge, habe sein Vater nur kandidiert, „weil dies die einzige Option war […], um der Verfolgung durch einige Vorgesetzte zu entgehen“. In seinen zwei Jahren in der Gemeindekammer wird der spätere Präsident als ruhig und konservativ beschrieben. In den Sitzungen bringt er sich nur wenig ein und macht kaum von sich Reden.
1989 wird Jair Bolsonaro als Vertreter der Christdemokratischen Partei (PDC) zum Stadtrat von Rio de Janeiro gewählt. Der Biografie seines Sohnes Flávio zufolge, habe sein Vater nur kandidiert, „weil dies die einzige Option war […], um der Verfolgung durch einige Vorgesetzte zu entgehen“. In seinen zwei Jahren in der Gemeindekammer wird der spätere Präsident als ruhig und konservativ beschrieben. In den Sitzungen bringt er sich nur wenig ein und macht kaum von sich Reden. © Evaristo Sa/AFP
Bei den Wahlen im Jahr 1990 wird Jair Bolsonaro als Abgeordneter für die Christdemokratische Partei (PDC) gewählt. Von 1991 bis 2018 absolviert er sieben aufeinanderfolgende Amtszeiten – wenn auch als Mitglied verschiedener Parteien. In 28 Jahren wechselt er achtmal die Parteizugehörigkeit, am längsten ist er bei der „Partido Progressista Brasileiro (PPB)“ (1995–2003). Von 2016 bis 2018 gehört er der „Partido Social Cristão (PSC)“ an, ehe er 2019 austritt und fortan Mitglied der mitgegründeten „Aliança pelo Brasil“ wird, die dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet wird.
Bei den Wahlen im Jahr 1990 wird Jair Bolsonaro als Abgeordneter für die Christdemokratische Partei (PDC) gewählt. Von 1991 bis 2018 absolviert er sieben aufeinanderfolgende Amtszeiten – wenn auch als Mitglied verschiedener Parteien. In 28 Jahren wechselt er achtmal die Parteizugehörigkeit, am längsten ist er bei der „Partido Progressista Brasileiro (PPB)“ (1995–2003). Von 2016 bis 2018 gehört er der „Partido Social Cristão (PSC)“ an, ehe er 2019 austritt und fortan Mitglied der mitgegründeten „Aliança pelo Brasil“ wird, die dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet wird. © Mauro Pimentel/AFP
Zur Präsidentschaftswahl in Brasilien im Jahr 2018 gelingt es Jair Bolsonaro, Rechtsextreme sowie Nationalistinnen und Nationalisten hinter sich zu bringen. In seinem aggressiven Wahlkampf setzt er insbesondere auf die Themen Korruptionsbekämpfung, Kriminalität und die Wirtschaftskrise in Südamerika. In seinen Reden fordert er das allgemeine Recht auf Waffenbesitz sowie für das Recht der Polizei, Kriminelle zu foltern und ohne Gerichtsverfahren zu exekutieren.
Zur Präsidentschaftswahl in Brasilien im Jahr 2018 gelingt es Jair Bolsonaro, Rechtsextreme sowie Nationalistinnen und Nationalisten hinter sich zu bringen. In seinem aggressiven Wahlkampf setzt er insbesondere auf die Themen Korruptionsbekämpfung, Kriminalität und die Wirtschaftskrise in Südamerika. In seinen Reden fordert er das allgemeine Recht auf Waffenbesitz sowie für das Recht der Polizei, Kriminelle zu foltern und ohne Gerichtsverfahren zu exekutieren. © Nelson Almeida/AFP
Am 6. September 2018 fasst sich Bolsonaro, zu diesem Zeitpunkt in den Umfragen vorne liegend, während einer Wahlkampfveranstaltung im Süden Brasiliens mit schmerzverzerrtem Gesicht den Bauch. Sekunden zuvor wurde er von einem 40-jährigen Mann mit einem Messer in den Oberkörper gestochen und lebensgefährlich verletzt. Noch vor Ort wird der geständige Täter verhaftet, der später erklärt, er habe die Tat auf „Wunsch Gottes“ ausgeübt. Jair Bolsonaro wird unterdessen notoperiert und überlebt das Attentat.
Am 6. September 2018 fasst sich Bolsonaro, zu diesem Zeitpunkt in den Umfragen vorne liegend, während einer Wahlkampfveranstaltung im Süden Brasiliens mit schmerzverzerrtem Gesicht den Bauch. Sekunden zuvor wurde er von einem 40-jährigen Mann mit einem Messer in den Oberkörper gestochen und lebensgefährlich verletzt. Noch vor Ort wird der geständige Täter verhaftet, der später erklärt, er habe die Tat auf „Wunsch Gottes“ ausgeübt. Jair Bolsonaro wird unterdessen notoperiert und überlebt das Attentat. © Raysa Leite/dpa
Beinahe zwei Monate später, am 28. Oktober 2018, triumphiert Jair Bolsonaro in der Stichwahl mit 55,1 Prozent der Stimmen und wird damit zum neuen Präsidenten Brasiliens. Sein Kontrahent, Fernando Haddad von der Arbeiterpartei, wurde zuvor immer wieder als „gefährlicher Kommunist“ verunglimpft. Kurz nach dessen Wahlsieg erhält Bolsonaro einen Anruf aus den USA – der damalige US-Präsident Donald Trump möchte ihm gratulieren.
Beinahe zwei Monate später, am 28. Oktober 2018, triumphiert Jair Bolsonaro in der Stichwahl mit 55,1 Prozent der Stimmen und wird damit zum neuen Präsidenten Brasiliens. Sein Kontrahent, Fernando Haddad von der Arbeiterpartei, wurde zuvor immer wieder als „gefährlicher Kommunist“ verunglimpft. Kurz nach dessen Wahlsieg erhält Bolsonaro einen Anruf aus den USA – der damalige US-Präsident Donald Trump möchte ihm gratulieren. © Mauro Pimentel/AFP
Apropos, Trump: Jair Bolsonaro wird gerne als „Tropen-Trump“ oder auch „brasilianischer Donald Trump“ betitelt. Wie der US-Amerikaner weicht auch der Brasilianer nicht davor zurück, für seine Interessen zu lügen, Tatsachen zu verdrehen oder dringende Anliegen schlichtweg zu ignorieren. Darüber hinaus fällt Bolsonaro immer wieder durch rassistische, sexistische und homophobe Äußerungen auf. Doch auch den Vorwurf der willentlichen Umweltzerstörung, Verharmlosung der brasilianischen Militärdiktatur sowie das Verbreiten von Verschwörungstheorien muss er sich gefallen lassen. Der amerikanische Journalist Glenn Greenwald bezeichnete Bolsonaro als „den frauenfeindlichsten, hasserfülltesten gewählten Funktionär der demokratischen Welt“.
Apropos, Trump: Jair Bolsonaro wird gerne als „Tropen-Trump“ oder auch „brasilianischer Donald Trump“ betitelt. Wie der US-Amerikaner weicht auch der Brasilianer nicht davor zurück, für seine Interessen zu lügen, Tatsachen zu verdrehen oder dringende Anliegen schlichtweg zu ignorieren. Darüber hinaus fällt Bolsonaro immer wieder durch rassistische, sexistische und homophobe Äußerungen auf. Doch auch den Vorwurf der willentlichen Umweltzerstörung, Verharmlosung der brasilianischen Militärdiktatur sowie das Verbreiten von Verschwörungstheorien muss er sich gefallen lassen. Der amerikanische Journalist Glenn Greenwald bezeichnete Bolsonaro als „den frauenfeindlichsten, hasserfülltesten gewählten Funktionär der demokratischen Welt“. © Evan Vucci/dpa
Während Bolsonaros Amtszeit kommt es mehrfach zu Demonstrationen gegen ihn und seine Politik. Schon 2018 fanden gegen Jair Bolsonaro Proteste unter dem Motto „Elenão“ (wörtlich übersetzt: „Er nicht“) statt, die von Frauen angeführt wurden und in allen großen Städten Brasiliens stattfanden. Zehntausende Menschen demonstrierten gegen Bolsonaros rassistische, frauenfeindliche und homophobe Äußerungen. In den Jahren darauf zieht es Demonstrierende unter anderem wegen der Zerstörung des Regenwaldes auf die Straßen.
Während Bolsonaros Amtszeit kommt es mehrfach zu Demonstrationen gegen ihn und seine Politik. Schon 2018 fanden gegen Jair Bolsonaro Proteste unter dem Motto „Elenão“ (wörtlich übersetzt: „Er nicht“) statt, die von Frauen angeführt wurden und in allen großen Städten Brasiliens stattfanden. Zehntausende Menschen demonstrierten gegen Bolsonaros rassistische, frauenfeindliche und homophobe Äußerungen. In den Jahren darauf zieht es Demonstrierende unter anderem wegen der Zerstörung des Regenwaldes auf die Straßen. © Cris Faga/Imago
Gegen Ende seiner Amtszeit erklärt Jair Bolsonaro mehrfach, dass er die Absicht hat, bei der anstehenden Brasilien-Wahl am 2. Oktober 2022 erneut zu kandidieren. Dafür tritt er bereits im November 2021 der rechten „Partido Liberal“ bei, da er als Präsidentschaftsbewerber in Brasilien einer Partei angehören muss. Zu dem Zeitpunkt liegt bereits eine Vielzahl von Anträgen auf ein Amtsenthebungsverfahren gegen Bolsonaro vor, auch ermitteln die Justizbehörden in fünf verschiedenen Verfahren gegen ihn. Doch schon davor macht Bolsonaro deutlich, wie er sich seine Zukunft vorstellt: entweder werde er verhaftet, falle einem Attentat zum Opfer, oder er werde wiedergewählt.
Gegen Ende seiner Amtszeit erklärt Jair Bolsonaro mehrfach, dass er die Absicht hat, bei der anstehenden Brasilien-Wahl am 2. Oktober 2022 erneut zu kandidieren. Dafür tritt er bereits im November 2021 der rechten „Partido Liberal“ bei, da er als Präsidentschaftsbewerber in Brasilien einer Partei angehören muss. Zu dem Zeitpunkt liegt bereits eine Vielzahl von Anträgen auf ein Amtsenthebungsverfahren gegen Bolsonaro vor, auch ermitteln die Justizbehörden in fünf verschiedenen Verfahren gegen ihn. Doch schon davor macht Bolsonaro deutlich, wie er sich seine Zukunft vorstellt: entweder werde er verhaftet, falle einem Attentat zum Opfer, oder er werde wiedergewählt. © Mauro Pimentel/AFP

Brasilien-Wahl: Bolsonaro-Fans fordern Militär-Intervention

+++ 15.58 Uhr: Anhänger von Jair Bolsonaro haben sich nach der Wahl in Brasilien in Rio de Janeiro zu einer Demonstration versammelt. Vor dem Militärstützpunkt der Stadt forderten sie eine Intervention des Militärs und die Annullierung des Wahlsiegs von Lula da Silva.

Nach der Brasilien-Wahl reißen die Proteste der Bolsonaro-Anhänger nicht ab.

+++ 13.50 Uhr: In Brasilien meldet sich nach der Wahl nun der Bundesrechnungshof zu Wort. Laut Angaben des Nachrichtenportals Folha de S. Paulo wird die Behörde ein Komitee gründen, das den Machtübergang von Jair Bolsonaro auf Lula da Silva überwachen soll.

+++ 11.55 Uhr: Die Proteste nach der Brasilien-Wahl flauen nicht ab. Im Lager der Anhänger von Jair Bolsonaro hat man dessen Niederlage gegen Lula da Silva noch nicht akzeptiert. Nach den Straßenblockaden der Lkw-Fahrer beteiligen sich nun auch etliche Landwirte an den Protesten.

Laut brasilianischen Medien sind in Kurznachrichtendiensten wie Telegram Gerüchte im Umlauf, nach denen die Militärführung die Wahl in Brasilien untersuchen wird. Am heutigen Mittwoch ist zudem eine Großdemonstration der Bolsonaro-Anhänger vor dem Hauptquartier der brasilianischen Armee geplant.

Wahl in Brasilien: Jair Bolsonaro hält sich Hintertür offen

+++ 09.50 Uhr: Nach seiner Ansprache an das Volk traf sich Jair Bolsonaro mit den Richtern des obersten Gerichts in Brasilia, der Hauptstadt Brasiliens. Der unterlegene Präsidentn wolle nach der Wahl in Brasilien den Machtübergang auf Sieger Lula da Silva besprechen. Das meldet das Nachrichtenportal The Rio Times.

+++ 08.30 Uhr: Seine Ansprache erinnert an sein großes Vorbild. Jair Bolsonaro hat nach seiner Niederlage in der Brasilien-Wahl gegen Lula da Silva ein Bekenntnis zur Verfassung des Landes abgegeben und einen friedlichen Machtübergang in Aussicht gestellt. Mit sehr ähnlichen Worten hatte sich einst auch Donald Trump nach seiner Niederlage gegen Joe Biden geäußert - nur um dann die Mär vom Wahlbetrug zu verbreiten. Trumps damaliger Außenminister Mike Pompeo erklärte das wie folgt: Donald Trump habe vom Machtübergang der alten Regierung unter ihm selbst auf die neue Regierung, ebenfalls unter ihm selbst, gesprochen.

Brasilien-Wahl: Bolsonaro äußert sich, erkennt Niederlage aber nicht an

Update vom 2. November, 6.30 Uhr: Auch zwei Tage nach der Präsidentenwahl in Brasilien hat der rechte Staatschef Jair Bolsonaro seine Niederlage noch immer nicht ausdrücklich anerkannt. „Ich möchte mich bei den 58 Millionen Brasilianern bedanken, die mich am 30. Oktober gewählt haben“, sagte Bolsonaro am Dienstag (Ortszeit) in einer kurzen Erklärung in seiner Residenz in Brasília. „Als Präsident und Bürger werde ich weiter alle Anforderungen unserer Verfassung erfüllen.“

Der Machtübergabe an den Wahlsieger Luiz Inácio Lula da Silva will er sich allerdings auch nicht in den Weg stellen. „Präsident Jair Bolsonaro hat uns auf der Grundlage des Gesetzes ermächtigt, den Prozess des Regierungswechsels einzuleiten“, sagt Kabinettschef Ciro Nogueira. Die Machtübergabe ist allerdings ohnehin gesetzlich geregelt, einer Zustimmung der scheidenden Regierung bedarf es nicht.

Brasilien-Wahl: Bolsonaro äußert sich erstmals nach Wahlniederlage

+++ 22.00 Uhr: Nach seiner Niederlage bei der Wahl in Brasilien hat der abgewählte Präsident Jair Bolsonaro der Machtübergabe zugestimmt. Bolsonaro habe ihn autorisiert, den Prozess zum Regierungswechsel gemäß der gesetzlichen Regelung einzuleiten, sagte sein Kabinettsschef Ciro Nogueira am Dienstag. Die sogenannte Transition ist allerdings ohnehin gesetzlich geregelt, einer Zustimmung der scheidenden Regierung bedarf es nicht.

+++ 21.20 Uhr: Zwei Tage nach seiner Niederlage bei der Wahl in Brasilien hat sich der rechte Präsident Jair Bolsonaro erstmals öffentlich geäußert. Allerdings sagte er bei der kurzen Rede am Dienstag in Brasilia nicht, ob er den Sieg seines Herausforderers Luiz Inácio Lula da Silva anerkennt. „Ich möchte mich bei den 58 Millionen Brasilianern bedanken, die mich am 30. Oktober gewählt haben“, sagte Bolsonaro. „Als Präsident und Bürger werde ich weiter alle Anforderungen unserer Verfassung erfüllen.“

Außerdem erwähnte er seine Anhängerinnen und Anhänger, die in den vergangenen Tagen zahlreiche Fernstraßen im ganzen Land blockierten. „Die aktuellen Demonstrationen sind das Ergebnis von Empörung und einem Gefühl der Ungerechtigkeit über die Art und Weise, wie der Wahlprozess durchgeführt wurde“, sagte Bolsonaro. „Friedliche Demonstrationen werden immer willkommen sein.“

Brasilien-Wahl: Bolsonaro wird Wahlniederlage offenbar akzeptieren

+++ 17.50 Uhr: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro wird den Angaben eines Regierungsmitglieds zufolge seine Wahlniederlage nicht anfechten. Der rechtsextreme Politiker werde dies im Laufe des Tages in einer offiziellen Erklärung betonen, sagte Kommunikationsminister Fabio Faria gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Kurz vor seiner Rede werde Bolsonaro sich mit Richtern des Obersten Gerichtshofs treffen.

Der Amtsinhaber war bei der Präsidentenwahl am Wochenende seinem Herausforderer Lula da Silva knapp unterlegen. Bislang hatte er sich in Schweigen gehüllt, was zu Spekulationen führte.

Update vom Dienstag, 1. November 2022, 4.45 Uhr: Nach seiner Niederlage bei der Präsidentenwahl in Brasilien ist Staatschef Jair Bolsonaro abgetaucht. Am Montag (31. Oktober, Ortszeit) zeigte sich der amtierende Präsident weder in der Öffentlichkeit, noch äußerte er sich zu dem knappen Wahlsieg seines Herausforderers Luiz Inácio Lula da Silva. Medienberichten zufolge verbrachte er den Morgen in seiner Residenz in Brasilia und fuhr dann zu Gesprächen in den Amtssitz des Präsidenten. Demnach versuchten mehrere Minister und Berater ihn davon zu überzeugen, seine Niederlage einzuräumen.

Brasilien-Wahl: Herausforderer Lula gewinnt knapp vor Bolsonaro

Update vom Montag, 31. Oktober, 05.58 Uhr: Der linksgerichtete frühere Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva hat die Präsidentschaftswahl in Brasilien gewonnen. Die Wahlbehörden erklärten Lula am Sonntag nach Auszählung von fast allen Wahllokalen mit rund 51 Prozent der Stimmen in der Stichwahl zum Sieger der Präsidentschaftswahl. „Dieses Land braucht Frieden und Einheit“, erklärte Lula in São Paulo vor jubelnden Anhängern. Der rechtsradikale Amtsinhaber Jair Bolsonaro erhielt 49 Prozent der Stimmen - er hat seine Niederlage bisher nicht eingeräumt.

Wahl in Brasilien live: Lula liegt in Umfragen vorne

+++ 10.21 Uhr: Glaubt man den Umfragen zur Stichwahl in Brasilien, dann steuert das Land auf ein immer enger werdendes Rennen hin. Eine letzte Befragung am Samstag zeigte laut der Nachrichtenagentur Reuters ein leicht verbessertes Ergebnis für Jair Bolsonaro. Der Amtsinhaber konnte den Vorsprung des Herausforderers Lula da Silva demnach verkleinern. Da Silva führt die Umfragen weiterhin an.

Brasilien-Wahl live: Donald Trump fordert Wahl von Jair Bolsonaro

Update vom 30. Oktober 2022, 08.15 Uhr: Noch ist der Tag der Wahl in Brasilien nicht angebrochen. Doch schon bald öffnen die Wahllokale für die rund 156 Millionen Wahlberechtigte des ganzen Landes. In der Stichwahl treten Amtsinhaber Jair Bolsonaro und Herausforderer Lula da Silva gegeneinander an.

Kurz vor Öffnung der Wahllokale in Brasilien hat sich Donald Trump zur Stichwahl geäußert. Der ehemalige Präsident der USA bezeichnete Bolsonaro auf seiner Online-Plattform Truth Social als einen „großen Führer“, seinen Herausforderer Lula wiederum als „linksradikalen Verrückten“. Es ist bereits das zweite Mal, dass sich Trump im Wahlkampf für seinen Freund und Verbündeten Bolsonaro einsetzt.

Wahl in Brasilien live: Rennen zwischen Bolsonaro und Lula enger als erwartet

Entgegen sämtlicher Prognosen begegnen sich wenige Tage vor der Stichwahl in Brasilien beide Kandidaten auf Augenhöhe. Laut Umfragewerten, die dem Journal für Internationale Politik und Gesellschaft (IPG) vorliegen, stünden derzeit rund 49 Prozent auf der Seite von Lula da Silva. Bei Bolsonaro wären es 45 Prozent. Die spiegelt auch das Ergebnis des ersten Wahlgangs vom 2. Oktober wider. Doch woher kommt dieser Stimmungswandel innerhalb des Landes?

Noch vor dem ersten Wahlgang wurde Bolsonaro teils weit hinter den 40 Prozent gesehen. Es war sogar die Rede von einer absoluten Mehrheit für Lula. Doch mittlerweile hat der rechtsextreme Präsident Rückenwind bekommen. Durch geschickte Klientelpolitik weiß Bolsonaro seine Beziehungen zur Wirtschaftselite, der evangelischen Kirche und dem Militär sowie der Polizei zu festigen. Auch bei Lulas größtem Verbündeten, der einkommensschwachen Schicht, sammelte Bolsonaro in den letzten Wochen Bonuspunkte durch kalkulierte Hilfszahlungen.

Brasilien-Wahl live: Wer gewinnt die Wahl am 30. Oktober?

Die Wahl wird also enger als erwartet. Zahlen des IPG zufolge haben 46 Prozent der brasilianischen Bevölkerung angegeben, unter keinen Umständen Lula zu wählen. Dennoch liegt der linksorientierte Herausforderer in den Prognosen der Stichwahl in Brasilien vorne. Bei einem Wahlsieg von Bolsonaro erwartet das Land eine totalitäre Agenda. Sollte Lula gewinnen, könnte Bolsonaro das Ergebnis nicht anerkennen. Mit seiner ständigen Kritik am elektronischen Wahlsystem bereitet der Amtsinhaber womöglich schon die Anfechtung des Ergebnisses vor. (red mit dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © Evaristo Sa/AFP

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