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Trumps Zwangsdiplomatie

Teherans Kalkül im Iran-Krieg: Europa soll sich von Trump distanzieren – Straße von Hormus als Hebel

Die Waffenruhe zwischen den USA, Israel und dem Iran hält bisher. Doch der Druck durch die Blockade der Straße von Hormus steigt. Nun rückt Europa in den Fokus. Eine Analyse.

US-Präsident Donald Trump sieht in ihr das entscheidende Element im Ringen um eine Lösung im Iran-Krieg, Teheran spricht von einem „Akt der Piraterie“ – und Peking kritisiert sie als „gefährlich und unverantwortlich“: Inmitten der angespannten Lage im Iran-Krieg blockieren die USA die Straße von Hormus. „Die Blockade iranischer Häfen ist vollständig ausgeführt worden“, teilte der Kommandeur des US-Regionalkommandos Centcom, Admiral Brad Cooper, auf der Online-Plattform X mit. 

Ein Schiff der Marine der Vereinigten Arabischen Emirate patrouilliert neben Frachtschiffen und Öltankern in der Straße von Hormus.

Die Wasserstraße gilt als eines der sensibelsten Nadelöhre der Weltwirtschaft. Ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels passiert täglich diese Meerenge zwischen Iran und der arabischen Halbinsel. Doch der maritime Engpass ist längst nicht mehr nur ein logistischer Knotenpunkt. Er ist zu einem politischen Instrument geworden, an dem sich die Dynamik eines eskalierenden Konflikts verdichtet, der weit über die Region hinaus wirkt – und verschiebt den Konflikt in politische Räume, die auch immer mehr Europa zum Handeln zwingen. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron drängt auf neue Friedensgespräche. „Ebenso wichtig ist es, dass die Straße von Hormus so schnell wie möglich bedingungslos, ohne Kontrollen und ohne Mautgebühren wieder geöffnet wird.“

Blockade der Straße von Hormus: Iran lotet Ausweg im Streit mit Trump-Regierung

In der gegenwärtigen Konstellation rückt Europa auch stärker in den Fokus der iranischen Außenpolitik. Wie der Guardian berichtet, intensiviert Teheran Kontakte zu europäischen Regierungen und lotet Gesprächskanäle aus. Demnach suchte Außenminister Abbas Araghchi telefonische Besprechungen mit Vertretern in Europa. Entscheidend ist dabei weniger klassische Vermittlungsdiplomatie als der Versuch, Europa als eigenständigen politischen Hebel im Konflikt sichtbar zu machen. Es geht um mehr als Atomgespräche – vielmehr um die Frage, ob Europa im transatlantischen Rahmen geschlossen bleibt oder als eigenständiger Akteur im Konfliktfeld auftaucht.

Trita Parsi, Direktor des Quincy Institute, sagte laut Guardian: „Die Iraner werden wahrscheinlich prüfen, ob es möglich ist, die Europäer im besten Fall in ihre Richtung zu bewegen, verglichen mit ihrer bisherigen Position, die aus iranischer Sicht sehr unterwürfig gegenüber den USA war, und falls dies nicht gelingt, werden sie sehen, ob es eine tiefere Spaltung in Europa gibt [...].“ Generell herrscht in Europa die Stimmung, gegenüber Trump selbstbewusster aufzutreten: Frankreich und Großbritannien wollen in den kommenden Tagen eine Konferenz für eine mögliche Mission in der Straße von Hormus abhalten. Laut Sophia Besch, Senior Fellow bei der Carnegie-Stiftung für Internationalen Frieden, liege es im europäischen Interesse, das Vorgehen der USA im Iran-Konflikt kritischer zu beurteilen.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Der Iran-Krieg beginnt am 28. Februar 2026 mit Angriffen aus Israel und den USA auf Teheran. Noch am ersten Tag wird auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. © AFP
Iran-Krieg - Iran
Immer wieder schlagen Raketen in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Umgebung ein. Die Menschen vor Ort berichten von zitternden Fenstern, in sozialen Medien kursieren Bilder von Rauchschwaden. In Teheran leben rund 15 Millionen Menschen.  © Vahid Salemi/dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Präzisionsschläge auf relevante militärische Ziele – erstmals auch mit Drohnen, die von den Shaheds kopiert worden sind: „LUCAS kostet etwa 35.000 US-Dollar pro Plattform und ist ein kostengünstiges, skalierbares System, das modernste Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher US-Langstreckensysteme mit vergleichbarer Wirkung bietet“, sagt der Marineoffizier Tim Hawkins gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ). US-Präsident Trump hat sich für den Angriff gegen den Iran vermutlich von den Waffen seines Gegners inspirieren lassen: Erstmals haben die USA Kamikaze-Drohnen eingesetzt, veröffentlicht das „US Central Command“ (CENTCOM).  © dpa
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Die Angriffe gehen ohne Unterlass weiter. Dieses Standbild aus einem vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellten Video zeigt den Start einer Rakete von einem Schiff der U.S. Navy zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“. © dpa
Raketenabwehrsystem Iron Dome
Der Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt zahlreiche Geschosse ab. Über Tel Aviv kommt es zu entsprechenden Explosionen. © Jack Guez/AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Auch am Tag feuert das israelische Luftabwehrsystem, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
Dennoch kommt Israel nicht ungeschoren davon. Hier verbinden Rettungskräfte einen verwundeten Mann und leisten erste Hilfe am Ort eines direkten Einschlags einer iranischen Rakete in Tel Aviv. © Tomer Neuberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
An einer anderen Stelle in Tel Aviv ist ein Feuerwehrmann dabei, ein brennendes Auto zu löschen. © Tomer Neuberg/dpa
USA Iran
Dieses offizielle Foto des Weißen Hauses, veröffentlicht am 28. Februar 2026 auf dem Account „White House X“, zeigt US-Vizepräsident JD Vance (Mitte), die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard (zweite von links), und US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) im Lagezentrum in Washington, D.C. © AFP
Trump Iran
Ein weiteres offizielles Foto des Weißen Hauses zeigt Donald Trump im Gespräch mit Stabschefin Susie Wiles (rechts), während US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) die Aktivitäten der „Operation Epic Fury“ gegen den Iran von einem nicht genannten Ort aus überwacht. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb Trump später auf „Truth Social“. © AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Was ist das Ziel der Operation Epic Fury (Einsatz Gewaltiger Zorn)? US-Präsident Trump begründet die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. © Leo Correa/dpa
Un-Sicherheitsrat
Der US-Angriff ruft die Vereinten Nationen auf den Plan: Der Sicherheitsrat ist zu einer Notfall-Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte die Botschafter, die Aktion berge die Gefahr, „eine Kette von Ereignissen auszulösen, die in der instabilsten Region der Welt niemand mehr kontrollieren kann“, wie die UN berichten. Israels Botschafter Danny Danon hatte die Angriffe als gerechtfertigt dargestellt und als einen notwendigen Akt, um eine existenzielle Bedrohung abzuwehren. © Spencer Platt/AFP
Minab-Mädchenschule
Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit fast 200 Toten eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt.  © Ali Najafi/AFP
Proteste in London
Weltweit gehen noch am ersten Abend des Iran-Kriegs Exil-Iranerinnen und -Iraner auf die Straßen und feiern den Tod von Ajatollah Chamenei. Dieses Bild zeigt eine Demonstration vor der iranischen botschaft in London. © Vuk Valcic/Imago
Angriff auf den Iran - Berlin
Auch auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehen die Menschen spontan auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demo in der Türkei
Anders sieht es in der Türkei aus: Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul machen Demonstranten Donald Trump und Israel für die Eskalation verantwortlich. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Iran und die Tötung von Ajatollah Chamenei, indem sie eine US-Flagge verbrennen. © Ozan Kose/AFP
Angriff auf den Iran - Indien
578889050.jpg © Mukhtar Khan/dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier steigt Rauch nach einem iranischen Drohnenangriff im Hafengebiet von Dubai auf. © Fatima Shbair/dpa
Angriff auf den Iran – Katar
Folgen der Rache des Iran: Die USA betreiben in al-Udeid eine Militärbasis. Die liegt im Fokus des Iran – allerdings befindet sich rund 30 Kilometer entfernt die Stadt Doha; und die wird kaum durch die Luftabwehr der US-Basis abgedeckt.  © dpa
Iran-Krieg - reaktionen
US-amerikanisch-israelische Luftschläge – Schockwellen in der gesamten Welt: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hätten Demonstranten im pakistanischen Karatschi vor dem Konsulat „Tod Amerika! Tod Israel!“ skandiert; Reuters-Reporter hätten Schüsse gehört und in den umliegenden Straßen Tränengas wahrgenommen. Die Nachrichtenagentur spricht von mindestens 23 getöteten Demonstranten; davon zehn im Hafen von Karatschi, wo Sicherheitskräfte des US-Konsulats gefeuert hätten auf Demonstrierende nach deren Durchbruch durch die äußere Mauer. Elf Menschen seien demnach in der nördlichen Stadt Skardu ums Leben gekommen – die Menge soll ein UN-Büro in Brand gesetzt haben; zwei Tote verzeichnet Reuters in Pakistans Hauptstadt Islamabad. © Imago
Weitere Bilder der Straßenschlachten, die sich in Teilen Pakistans nach dem US-Angriff auf den Iran ereigneten.
Explosionen im Iran, Beben in Pakistan: „Pakistans Westgrenzen befinden sich im Kriegszustand“, sagt Muzzammil Aslam gegenüber Arab News. Der Finanzminister der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen, sollte der Iran seine Rachegelüste gegenüber dem Westen ausleben und damit den gesamten Nahen Osten in den Abgrund reißen. Die Wirtschaftskraft des Landes hängt an den Arbeitern in den Golfstaaten, die im Visier des Iran liegen und Anschläge auf ihre Energieindustrie befürchten müssen.  © dpa
Angriff auf den Iran - Irak
578899115.jpg © Hadi Mizban/dpa
Beirut
Der Iran-Krieg führt auch zu einer neuen Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz feuert als Reaktion auf die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Raketen in Richtung Israel ab. Daraufhin greift das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon an, vor allem im Süden des Landes und in den Vororten der Hauptstadt Beirut (im Bild). Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. © AFP
Angriff gegen den Iran - Luftverkehr
Der Iran-Krieg legt zu Beginn auch den Flugverkehr teilweise lahm. Hier prüft ein Reisender die Abflugzeiten am internationalen Flughafen Beirut Rafik Hariri, da viele Fluggesellschaften nach den Angriffen auf den Iran ihre Flüge gestrichen haben.  © Hassan Ammar/dpa
Stra0ße von Hormus
Dieses Satellitenbild, aufgenommen von 2026 Planet Labs PBC am 2. März 2026, zeigt Rauchwolken, die nach einer Explosion im Hafen von Bandar Abbas an der Straße von Hormus von einem Schiff aufsteigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist weitgehend zum Erliegen gekommen.  © 2026 Planet Labs PBC/AFP

Auch die USA adressieren Europa indirekt über die ökonomischen und sicherheitspolitischen Folgen der Blockade. Steigende Energiepreise, gestörte Lieferketten und Unsicherheiten über maritime Handelswege erhöhen den Druck auf europäische Regierungen, sich zur Eskalation zu positionieren. Damit wird Europa nicht nur betroffen, sondern Teil der strategischen Kalkulation beider Seiten. Gleichzeitig bleibt Europa ein heterogener Raum. Während einzelne Staaten stärker auf diplomatische Deeskalation setzen, betonen andere die sicherheitspolitische Bindung an die USA. Hinzu kommen wachsende ökonomische Sensibilitäten, die die politische Handlungsfähigkeit begrenzen und zugleich den Druck erhöhen, eine weitere Eskalation einzudämmen.

Blockade der Straße von Hormus: Trump-Vorgehen als Akt der Kriegsführung

Während sich der Konflikt so in neue politische Räume verschiebt, bleibt die strategische Logik in Washington klar definiert: Teheran soll zu einem umfassenden Atomdeal gezwungen werden. Im Zentrum steht dabei nicht mehr die Grundsatzfrage der Urananreicherung, sondern deren zeitliche und technische Begrenzung. Während Washington auf langfristige oder umfassende Einschränkungen drängt, signalisiert Teheran nur begrenzte, reversible Zugeständnisse.

Die Blockade der Straße von Hormus ist in diesem Kontext kein Nebenschauplatz, sondern ein Hebel, der laut Chatham House auch als Akt der Kriegsführung verstanden werden kann. US-Marineverbände kontrollieren den Schiffsverkehr, Tanker mit Iran-Bezug werden gestoppt oder umgeleitet, und die Drohung weiterer militärischer Maßnahmen bleibt präsent. Es ist ein klassisches Muster von Zwangsdiplomatie: Verhandlungen werden nicht ersetzt, sondern unter maximalen Druck gesetzt. In den USA wird die Hormus-Blockade unterschiedlich bewertet. Nach Einschätzung des Soufan Center zielt die Maßnahme darauf, Iran wirtschaftlich unter Druck zu setzen und insbesondere China als wichtigsten Abnehmer iranischen Öls dazu zu bewegen, politischen Druck auf Teheran auszuüben.

Ehemalige Vertreter der US-Außen- und Sicherheitspolitik unterstützen die Logik des Vorgehens. Der frühere Diplomat Richard Haass bezeichnet die Situation als „unhaltbar“ und sieht die Kontrolle Irans über eine zentrale internationale Wasserstraße kritisch. Auch der frühere Nationale Sicherheitsberater John Bolton hält die Blockade im Grundsatz für sinnvoll und verweist darauf, dass sie den iranischen Ölexport ebenso treffe wie den seiner regionalen Konkurrenten. Andere Stimmen warnen hingegen vor den Folgen. Der ehemalige US-General Randy Manner betont, dass die Strategie vor allem die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten belaste und die ursprüngliche Zielsetzung – die Offenhaltung der Seeroute – konterkariere.

USA greifen mit Blockade der Straße von Hormus in globales System ein

Entscheidend bleibt, dass weder die USA noch der Iran Umfang und Modalitäten eines Durchfahrtsrechts durch die Straße von Hormus einseitig festlegen können, wie Chatham House schreibt. Die Frage der Passage durch internationale Meerengen unterliegt einem etablierten völkerrechtlichen Regime, das die Rechte aller Staaten betrifft und als Teil der internationalen Seerechtsordnung gilt.

Diese Regelung kann von einzelnen Akteuren nicht unilateral außer Kraft gesetzt oder dauerhaft neu definiert werden, auch wenn es in einer bewaffneten Auseinandersetzung faktisch unter Druck geraten kann. Doch diese Logik hat eine doppelte Wirkung. Sie richtet sich nicht nur gegen den Iran, sondern greift in ein globales System ein, das weit über den Konflikt hinausreicht – Energiepreise, Handelsrouten und politische Allianzen eingeschlossen. Der Druck wird damit selbst zu einem Destabilisierungsfaktor.

US-Blockade in der Straße von Hormus: Druck auf Teheran, doch globales Risiko steigt

Der Konflikt um die Straße von Hormus ist damit mehr als eine regionale Eskalation im Iran-Krieg. Er zeigt, wie sich militärischer Druck, wirtschaftliche Abhängigkeiten und diplomatische Versuche der Eindämmung zunehmend überlagern – und dabei neue politische Räume entstehen, in denen der Konflikt weiterverhandelt wird. Schon die Unsicherheit über die Sicherheit der Passage durch Hormus reicht aus, um Energiepreise zu treiben und Lieferketten zu belasten.

Der Konflikt um die Straße von Hormus ist damit mehr als eine regionale Eskalation im Iran-Krieg. Er zeigt, wie sich militärischer Druck, wirtschaftliche Abhängigkeiten und diplomatische Versuche der Eindämmung zunehmend überlagern. Dabei verschiebt sich die Auseinandersetzung in eine Phase strategischer Unsicherheit, in der keine Seite mehr stabile Kontrolle über den Verlauf der Eskalation besitzt, wie das Atlantic Council analysiert. Die amerikanische Strategie entfaltet eine doppelte Wirkung: Sie erhöht den Druck auf Iran, verschiebt die Auseinandersetzung aber zugleich in die globalen Energiemärkte und in die politischen Handlungsspielräume europäischer Staaten. Iran wiederum reagiert nicht nur mit Abschreckung, sondern versucht gezielt, diese Verschiebung zu nutzen – und Europa als eigenständigen Faktor in Stellung zu bringen.

Gerade darin liegt die eigentliche Dynamik dieser Phase: Nicht Washington oder Teheran allein bestimmen den Verlauf der Eskalation, sondern die Frage, wie Europa auf diesen Druck reagiert. (Quellen: Guardian, New York Times, Chatham House, Atlantic Council, The Soufan Center, Tagesschau, dpa) (fbu)

Rubriklistenbild: © Altaf Qadri/dpa

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