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„Vertrauen in Wahl verletzt“

Bei Bundestagswahl viele Wahlberechtigte ausgeschlossen: „Es geht um Zehntausende“

Diesen Sonntag ist Bundestagswahl. Aber viele Bürger können nicht wählen. Ihre Briefwahlunterlagen sind im Ausland nicht pünktlich eingetroffen.

Berlin – Vor der Bundestagswahl wird den Wahlberechtigten eingebläut, wie wichtig es ist, ihre Stimme abzugeben: Es sei eine historische Wahl, heißt es von allen Parteien, jeder solle von seinem demokratischen Mitbestimmungsrecht Gebrauch machen. Ob Union, SPD. Grüne, AfD, FDP, Linke oder BSW – alle Parteien buhlen kurz vor dem Urnengang mit aller Kraft um Wähler. Besonders für die kleineren Parteien steht viel auf dem Spiel, nämlich das Knacken der Fünf-Prozent-Hürde und damit der Einzug in den Bundestag. Einen Überblick dazu liefern die letzten Umfragen zur Bundestagswahl, die die CDU/CSU weit vorne sehen.

„Es geht um Zehntausende“: Viele Wahlberechtigte können bei Bundestagswahl nicht mitstimmen

Trotzdem fällt eine Gruppe bei der Bundestagswahl unter den Tisch: Viele Deutsche, die im Ausland leben, beklagen, dass sie keine Wahlunterlagen erhalten haben. Sie hätten zwar Briefwahl für die Bundestagswahl beantragt, aber die Unterlagen bis heute nicht bekommen, beschweren sich viele Auslandsdeutsche zum Beispiel in Internetforen und in den sozialen Netzwerken. Bei der Bundestagswahl mitzustimmen, wird ihnen damit unmöglich gemacht.

Bundestagswahl 2025: Von „Tünkram“ bis zum „Tor zur Hölle“ – denkwürdige Zitate aus dem Wahlkampf

Bundestag - Vertrauensfrage
„Fritze Merz erzählt gern Tünkram“ – SPD-Kanzler Scholz am 16. Dezember zu Vorwürfen von Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU), der Amtsinhaber sei bei Debatten auf EU-Ebene passiv und melde sich nicht zu Wort. „Tünkram“ ist Plattdeutsch und bedeutet dummes Zeug oder Unsinn. © Michael Kappeler/dpa
Olaf Scholz, Wahlparteitag SPD
„Manch einer hat uns schon abgeschrieben. Das kann unsere sozialdemokratische Partei mit über 160 Jahren Kampferfahrung aber überhaupt nicht beeindrucken.“ – SPD-Ko-Chefin Saskia Esken (rechts) beim Parteitag am 11. Januar in Berlin zu den schwachen Umfragewerten für die Sozialdemokraten und der Hoffnung auf eine Aufholjagd bis zur Wahl. © Imago
Nach Todesfahrt auf Weihnachtsmarkt in Magdeburg-Rechte Proteste
„Wenn es dann Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration.“ – AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel beim Parteitag am 11. Januar in Riesa zur Aufnahme des umstrittenen Begriffs in das Wahlprogramm, der im rechten Spektrum für die massenhafte Ausweisung von Menschen mit Migrationshintergrund steht. © dpa
AfD-Bundesparteitag in Riesa
„Wenn wir am Ruder sind, wir reißen alle Windkraftwerke nieder. Nieder mit diesen Windmühlen der Schande!“ – AfD-Kanzlerkandidatin Weidel beim Parteitag am 11. Januar in Riesa. © Sebastian Kahnert/dpa
Habeck liest aus seinem neuen Buch
„Ich war nicht gut in Rechtschreibung früher und hatte einen leichten Schlag in Richtung Legasthenie.“ – Der Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck räumt am 12. Januar ein, als Schüler eine Rechtschreibschwäche gehabt zu haben. Habeck thematisierte bei der „Wahlarena“ des „Mannheimer Morgen“ in Mannheim seine Schulzeit und persönliche Schwächen. © Kay Nietfeld/dpa
Wahlplakate in Wiesbaden - SPD
„Es gibt, glaube ich, keinen Kanzler in der Bundesrepublik, der sich so im Detail in Gesetze eingemischt hat, damit sie pragmatisch werden.“ – Olaf Scholz zieht am 13. Januar eine positive Bilanz seines Wirkens als Regierungschef. „Es sind unglaublich viele Entscheidungen getroffen worden, die ohne meine Intervention gar nicht zustande gekommen wären“, sagte er den NRW-Lokalradios. © Arne Dedert/dpa
Nach tödlichem Angriff in einem Park in Aschaffenburg
„Das Maß ist endgültig voll.“ – Unions-Kanzlerkandidat Merz am 23. Januar nach dem Messerangriff von Aschaffenburg auf eine Kindergartengruppe mit zwei Toten, den ein Geflüchteter aus Afghanistan begangen haben soll. © Daniel Vogl/dpa
Demo gegen Rechts - Berlin
„Ich gucke nicht rechts und nicht links. Ich gucke in diesen Fragen nur geradeaus.“ – Merz am 24. Januar bei der Ankündigung, für Anträge zur Verschärfung der Migrationspolitik im Bundestag auch eine Mehrheit mit AfD-Unterstützung zu tolerieren. Die Menschen sehen das kritisch und gehen auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demonstration zur Migrationspolitik - Berlin
„Die Brandmauer bröckelt.“ – Die AfD-Fraktion am 29. Januar im Online-Dienst X zur bisher geltenden Abgrenzung der CDU von der in Teilen als rechtsextremistisch eingestuften Partei, nachdem erstmals mit ihrer Hilfe ein Unionsantrag eine Mehrheit im Bundestag erhalten hat. © Sebastian Gollnow/dpa
209. Bundestagssitzung: Heidi Reichinnek, Linke
„Allen politischen Differenzen zum Trotz hätte ich mir niemals vorstellen können, dass eine christlich-demokratische Partei diesen Dammbruch vollzieht und mit Rechtsextremen paktiert.“ – Die Vorsitzende der Linken im Bundestag, Heidi Reichinnek, am 29. Januar im Bundestag in ihrer viral gegangenen Rede zum mit AfD-Stimmen verabschiedeten Unionsantrag. © Imago
Bundestag - Regierungserklärung
„Und deshalb, finde ich, kann ich ihm nicht mehr trauen.“ – Kanzler Olaf Scholz über das Verhalten von Friedrich Merz am 29. Januar 2025. Das sei „wahrscheinlich ein ganz bedeutender Tag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ gewesen, sagte Scholz in der ARD-Sendung „Maischberger“. Die Union habe einen Konsens aufgekündigt, den es die ganze Nachkriegsgeschichte über unter den Demokraten in Deutschland gegeben habe.  © Kay Nietfeld/dpa
Demonstration fuer die Brandmauer und gegen die CDU
„Für falsch halte ich es, (…) sehenden Auges erstmalig bei einer Abstimmung im Deutschen Bundestag eine Mehrheit mit den Stimmen der AfD zu ermöglichen.“ – Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert am 30. Januar das Vorgehen von Merz. © Matthias Gränzdörfer/Imago
Wahlkampf Grüne - Berlin
„Tun Sie es nicht, Herr Merz.“ – Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck appelliert am 28. Januar eindringlich an Unionsfraktionschef Friedrich Merz, keine gemeinsame Sache mit der AfD zu machen.  © Christoph Soeder/dpa
Sitzung, Bundestag, Plenum
„Das Tor zur Hölle können wir noch gemeinsam schließen.“ – SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich am 31. Januar in der Bundestagsdebatte über eine angekündigte Zustimmung der AfD auch zu einem Migrationsgesetz der Union. Dieses scheiterte aber letztlich auch an fehlender Unterstützung aus der Union. © Bernd Elmenthaler/Imago
Bundestag
„Ich bin mit mir persönlich sehr im Reinen, dass wir es wenigstens versucht haben.“ – Merz am 31. Januar nach dem Scheitern seines Gesetzentwurfs zur Verschärfung der Migrationspolitik im Bundestag, obwohl auch dieser von den AfD-Abgeordneten geschlossen unterstützt wurde. © Kay Nietfeld/dpa
Nach tödlichem Angriff in Aschaffenburg - Trauerfeier
„Diese Woche hat die Union klargemacht, dass es ihr ernst ist. Und damit ist die Glaubwürdigkeit auch eines neuen Bundeskanzlers Friedrich Merz enorm gestiegen.“ – CSU-Chef Markus Söder sieht am 2. Februar die Position der Union nach den umstrittenen Abstimmungen zur Migrationspolitik im Bundestag deutlich gestärkt.  © Daniel Vogl/dpa
Bundesparteitag der CDU - Friedrich Merz + Markus Söder
„Mit den Grünen ist kein Richtungswechsel und keine Koalition möglich.“ – CSU-Chef Markus Söder anlässlich des CDU-Parteitags am 3. Februar auf X. © Imago
Wahlkampf – ZDF-Livesendung "Schlagabtausch"
„Wie dumm kann man sein zu sagen, man macht Sanktionen, um Russland zu schaden. Am Ende schaden wir vor allem unserer Wirtschaft.“ – BSW-Chefin Sahra Wagenknecht am 6. Februar in einer ZDF-Wahlrunde zu ihrer Forderung nach einer Wiederaufnahme der Gaslieferungen aus Russland. © Christoph Soeder/dpa
Scholz und Merz im TV-Duell
„Wir können auf die FDP keine Rücksicht nehmen.“ – Merz am 7. Februar, nachdem er mögliche Wähler der in Umfragen weiterhin schwächelnden FDP aufgerufen hat, ihre Stimme der Union zu geben. © Kay Nietfeld/dpa
FDP Bundesparteitag
„33 oder 31 Prozent für die CDU machen keinen Unterschied, aber vier oder sechs Prozent für die FDP ändern maßgeblich das Gefüge in der Bundesrepublik.“ – FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner reagiert beim Sonderparteitag in Potsdam am 9. Februar auf die Aussage von Merz. © Michael Kappeler/dpa
Scholz und Merz im TV-Duell
„Was ist Bubatz?“ – Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz kann am 9. Februar mit dem Begriff „Bubatz“ nichts anfangen. Auf dem Live-Streaming-Portal Twitch antwortete Merz nach dem TV-Duell bei ARD und ZDF mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) auf die Frage, ob „Bubatz“ legal bleibe: „Bleibt was legal?“ Daraufhin entgegnete die Moderatorin: „Bubatz“. Merz’ Replik: „Was ist Bubatz?“ Die Moderatorin: „Gras.“ Merz sagte dann: „Also wenn Sie meinen, Cannabis, dann sage ich: Nein, wir wollen das wieder korrigieren.“ © Kay Nietfeld/dpa
Kundgebung "Brandmauer statt Brandstiftung"
„Friedrich Merz tritt an, Europa zu Grabe zu tragen“ – Kanzler Scholz am 11. Februar in der letzten Plenardebatte des Bundestags vor der Wahl mit Blick auf Merz’ Pläne, Geflüchtete an den Grenzen zu den EU-Nachbarn zurückzuweisen. © Fabian Sommer/dpa
TV-Runde im Bundestagswahlkampf
„Weil ich dieses animalische Grunzen der AfD-Fraktion voraussehen konnte, möchte ich einordnen, worüber wir reden, wenn wir Klimaschutz sagen.“ – Grünen-Spitzenkandidat Robert Habeck reagiert in einer Rede im Bundestag am 11. Februar auf Zwischenrufe der AfD, nachdem er den Klimaschutz als drängendste Aufgabe der Zukunft bezeichnet hat. © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag
„Wir werden möglicherweise miteinander reden müssen.“ – Unions-Kanzlerkandidat Merz wendet sich in seiner Plenarrede am 11. Februar im Bundestag an die SPD – und nimmt dabei eine mögliche Koalitionsoption für die Zeit nach der Wahl in den Blick. © Kay Nietfeld/dpa
ZDF-Sendung "Klartext"
„Wenn sich die Menschen zurückziehen, dann ist es vorbei mit Deutschland. (…) Demokratie ist kein Zuschauersport, es geht nur, wenn Menschen sich bei den Wahlen engagieren.“ – Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck am 13. Februar in der ZDF-Sendung „Klartext“ auf den Kommentar eines Zuschauers hin, der erklärt hatte, er wisse nicht mehr, was er wählen solle. © Michael Kappeler/dpa

Gegenüber tagesschau.de erklärte der Verfassungsrechtler Ulrich Battis, dass es sich bei Auslandsdeutschen, die aufgrund verpasster Fristen nicht wählen können, nicht um Einzelfälle handelt. „Es geht um Tausende, wenn nicht Zehntausende“, wird er zitiert. Er hält es für denkbar, dass später dagegen Beschwerden beim Wahlprüfungsausschuss und später sogar beim Bundesverfassungsgericht eingehen könnte.

Vor vorgezogener Bundestagswahl: Auslandsdeutsche erhalten oft ihre Briefwahlunterlagen nicht

Es gibt keine exakten Zahlen der Behörden, wie viele Deutsche im Ausland leben. Laut Zeit wird ihre Zahl auf drei bis vier Millionen Personen geschätzt. Falls wie in Deutschland 73 Prozent davon wahlberechtigt sind, kommt man auf bis zu 2,9 Millionen Auslandsdeutschen, die theoretisch mitwählen könnten, vielfach aber offenbar nicht können.

Offenbar liegt es unter anderem an der vorgezogenen Neuwahl, dass es für Deutsche im Ausland diesmal so schwierig scheint, rechtzeitig an ihre Briefwahlunterlagen zu kommen. Denn dadurch sind auch die Fristen bei dieser Bundestagswahl kürzer als normalerweise. Doch auch schon früher hat es offenbar Probleme gegeben: Die Zeit berichtet beispielsweise über einen Deutschen, der seit 1998 in China lebt und dem es wegen des komplizieren Verfahrens bei keiner der seitdem stattgefundenen sieben Bundestagswahlen gelungen sei, zu wählen.

Ihr Kreuz bei der Bundestagswahl nicht machen können offenbar viele Deutsche, die im Ausland ihre Briefwahlunterlagen nicht erhalten haben.

Bei Bundestagswahl stehen Deutsche im Ausland vor langem Prozedere für Briefwahl

Doch wie ist überhaupt das Prozedere, wenn Deutsche im Ausland wählen wollen? Die Bundeswahlleiterin informiert darüber auf ihrer Homepage. Wählen kann nur, wer im Wählerverzeichnis eingetragen sei. Dies ist bei Deutschen im Ausland, die nicht in Deutschland gemeldet seien, nicht automatisch der Fall. Sie müssen einen schriftlichen Antrag stellen, ins Wählerverzeichnis eingetragen zu werden. Bei der Bundestagswahl 2025 endete die Frist dafür am 2. Februar. Zuständig ist die Gemeinde, in denen die Person vor ihrem Wegzug ins Ausland gelebt hat. Diese versendet dann die Briefwahlunterlagen per Post ins Ausland.

Da der Postweg unter Umständen sehr lange dauert, bietet das Auswärtige Amt einen Kurierdienst an. Allerdings müssen die Briefe dabei mehrere Stationen passieren, was offenbar oft zu Fehlern führt: Von der zuständigen Gemeinde müssen die Briefwahlunterlagen zum Außenministerium, von dort aus weiter an die Botschaften im Ausland und nach dem Ausfüllen des Stimmzettels wieder zurück. Eine Haftung für das rechtzeitige Ankommen der Wahlunterlagen übernimmt das Auswärtige Amt ausdrücklich nicht, wie es auf der Homepage der Bundeswahlleiterin heißt.

Fristen bei Bundestagswahl zur Briefwahl für viele Deutsche im Ausland nicht einzuhalten

Die Krux bei der Bundestagswahl 2025: Die Stimmzettel konnten erst ab 30. Januar gedruckt werden. Bis dahin lief die Einspruchsfrist zur Zulassung von Parteien. Verschicken konnten die Gemeinden die Briefwahlunterlagen also erst ab Anfang Februar. Gerade bei Auslandsdeutschen, die auf einem anderen Kontinent leben, waren in dieser Zeit zwei Postwege – das Erhalten der Briefwahlunterlagen und das anschließende Zurücksenden – schwer zu schaffen.

Briefwahlunterlagen müssen am Tag der Bundestagswahl in der Gemeinde sein

Die ausgefüllten Briefwahlunterlagen müssen auch bei Auslandsdeutschen spätestens am Wahltag, 23. Februar 2025, bis um 18 Uhr bei der zuständigen Gemeinde eingehen – genauso wie es bei allen anderen Briefwahlunterlagen der Fall ist.

Bundeswahlleitern Ruth Brand hatte schon in der Diskussion um den Neuwahl-Termin nach der Vertrauensfrage von Kanzler Olaf Scholz Zweifel angebracht, ob die Wahl in der kurzen Zeit ordnungsgemäß ablaufen könne. Sie bezog sich dabei auch auf fehlende Wahlunterlagen und sah eine hohe Gefahr, dass „der Grundpfeiler der Demokratie und das Vertrauen in die Integrität der Wahl verletzt werden könnte“.

Rubriklistenbild: © IlluPics/Imago

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