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Reform des Gebäudeenergiegesetzes

Heizungsgesetz: SPD verteidigt Habecks Erbe – auch Merz‘ Kanzleramtschef rüstet verbal ab

Mit der Abschaffung des sogenannten Heizungsgesetzes machte Merz Wahlkampf. Das Versprechen werden CDU/CSU wohl nicht nur aufgrund der SPD nicht halten können.

Berlin – „Wir werden das Heizungsgesetz abschaffen.“ Das haben SPD und Union auf Drängen von CDU und CSU im Koalitionsvertrag niedergeschrieben. Das sogenannte Heizungsgesetz meint die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), die unter der Ampel-Regierung federführend von Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) eingeführt wurde.

Mit der Abschaffung des sogenannten Heizungsgesetzes machte Friedrich Merz Wahlkampf. Kanzleramtschef Thorsten Frei spricht nun von einer Reform. (Symbolbild)

Mit Blick auf die Pläne der Regierung sorgte jedoch jüngst Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) mit einer Aussage in der ARD für Aufsehen: „Es wird eine Novelle geben, aber im Grundsatz wird es so bleiben“, sagte der SPD-Politiker mit Bezug auf die beabsichtigten CO₂-Einsparungen. CSU-Chef Markus Söder betonte hingegen im ZDF, vereinbart sei, „das Heizgesetz wird abgeschafft“. Was also hat die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz mit dem sogenannten Heizungsgesetz vor – abschaffen oder „im Grundsatz“ so belassen?

Zoff ums Heizungsgesetz der Ampel: „Die SPD wird sich an keiner Abschaffung beteiligen“

Andreas Lenz (CDU), wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der Unionsfraktion, verweist ebenso wie Söder auf den Koalitionsvertrag: „Das Heizungsgesetz der Ampel soll abgeschafft werden. Es hatte zu großer Verunsicherung geführt.“ Ein Gebäudeenergiegesetz werde es weiterhin geben: „Möglichst einfach und ohne Verbote“, erklärt der CDU-Politiker gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.

Bei den Sozialdemokraten klingt das etwas anders: „Die SPD wird sich an keiner Abschaffung beteiligen“, erklärt Sebastian Roloff, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, bezogen auf das sogenannte Heizungsgesetz. Darüber hinaus gebe es jedoch Spielraum: „Über die Ausgestaltung der Details und die Gestaltung der Förderung kann man aber natürlich diskutieren“, führt Roloff gegenüber unserer Redaktion aus.

Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die Komplette Liste in Bildern

Friedrich Merz
Das Kabinett Merz ist die seit dem 6. Mai 2025 amtierende Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz. Es handelt sich um die fünfte schwarz-rote Koalitionsregierung und die 17. Regierung unter Führung der Unionsparteien auf Bundesebene. © Michael Kappeler/dpa
Nina Warken
Nina Warken hat bereits Geschichte geschrieben: Als erste Frau wurde sie im Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramtes. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin übernahm das Amt von Thorsten Frei – und damit die zentrale Koordinationsstelle der Regierungsarbeit.  © Christoph Soeder/dpa
Linnemann
Im Zuge des Personalumbaus hat der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Juli 2026 das Gesundheitsressort übernommen. Allerdings hat er vorab selbst Zweifel gesät, dass er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Er wäre nach der Regierungsübernahme durch Merz gerne Arbeitsminister geworden, musste das Ressort aber der SPD überlassen. Dem Sender Phoenix hatte er im Mai 2025 zum Interesse an anderen Kabinettsposten gesagt, es sei nicht „sein Ding“, nur Minister zu sein, damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.“  © Christoph Soeder/dpa
Steffen Bilger
Ebenfalls neu im Kabinett ist der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er gilt als fachlich geeignet, ist sehr gut vernetzt, arbeitete in der schwarz-roten Koalition bislang aber vor allem im Hintergrund. Der gelernte Rechtsanwalt stammt aus Baden-Württemberg und ist ausgewiesener Verkehrsexperte: Er saß schon als frisch gebackener Bundestagsabgeordneter von 2009 bis 2013 im Verkehrsausschuss. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Wiederwahl von Angela Merkel (CDU) 2017 war er als Vertreter der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur beteiligt. 2018 wurde er dann Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. © Marijan Murat/dpa
Sommerfest der SPD im Landkreis Verden
Und sonst? Lars Klingbeil ist als Vizekanzler weiter der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt er für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt steht er dem Finanzressort vor. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte. © Focke Strangmann/dpa
Alexander Dobrindt
Innenminister ist Alexander Dobrindt. Der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag galt schon seit Wochen als gesetzt für den Posten, auf dem er die von der Union verlangte „Migrationswende“ umsetzen soll. Dobrindt war von 2009 bis 2013 CSU-Generalsekretär, danach vier Jahre Bundesverkehrsminister. Als CSU-Landesgruppenchef galt er als wesentlicher Faktor für die relativ geräuschlose Zusammenarbeit von CSU-Chef Markus Söder und Merz. © Sebastian Gollnow/dpa
Außenminister Wadephul bei der UN
Auswärtiges Amt: Johann Wadephul. Erstmals seit fast 60 Jahren führt die CDU wieder das Außenamt. Den Posten hat Merz, der im Kanzleramt maßgeblich auch die Außenpolitik mitgestalten will, nun an einen Fachpolitiker aus dem Bundestag vergeben. Wadephul kommt aus Schleswig-Holstein und ist bisher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Er gilt als international gut vernetzt und war in den vergangenen Wochen bereits in Paris, London und Warschau, um sich mit den dortigen Außenministern zu treffen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Objektschutzregiment
Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt – schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt („das schönste Amt der Welt“). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Reiche zu Energiekosten
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ist Katherina Reiche. Lange galt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als wahrscheinlicher Minister – doch der sagte ab und blieb auf seinem Posten an der Spitze der Parteizentrale. Merz entschied sich dann für die frühere Umwelt- und Verkehrsstaatssekretärin Reiche aus Brandenburg. Sie ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft und war von 2015 bis 2019 zunächst Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende war schon von 2018 bis 2021 als Staatsministerin für Digitales im Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Bär kam 2002 zusammen mit vielen anderen jungen Christsozialen während der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber erstmals in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen das deutschlandweit höchste Ergebnis. © Heiko Becker/Imago
Aktionsplan Steuer- und Finanzkriminalität
Justiz: Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin begann 2000 im Bundesjustizministerium und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. © Michael Kappeler/dpa
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Karin Prien – Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die in Amsterdam geborene Prien arbeitete zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschafts- und Insolvenzrecht, engagierte sich aber auch früh in der Hamburger Lokalpolitik. 2011 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, bevor sie nach Schleswig-Holstein wechselte. Im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet war sie 2021 gleichfalls für den Bereich Bildung zuständig. © Jens Schicke/Imago
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war. © Imago
Pressekonferenz Wildberger und Warken
Digitalisierung und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger. Merz hat ganz früh angekündigt, dass er einen Experten aus der Wirtschaft mit dem neu geschaffenen Ressort betrauen will. Nun soll der Chef der Holding der Elektronikmärkte MediaMarkt und Saturn den Posten übernehmen. Der promovierte Physiker Wildberger war von 2016 bis 2021 Vorstand der Holding des Energiekonzerns Eon und davor unter anderem in Managementpositionen bei den Telekom-Konzernen Vodafone und Deutsche Telekom. © Soeren Stache/dpa
Fortsetzung der Sommerreise von Bundesumweltminister
Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar.  © Stefan Sauer/dpa
90. Grüne Woche Berlin - Eröffnungstag
Ernährung, Landwirtschaft und Heimat: Alois Rainer. Nach dem Rückzug des zunächst vorgesehenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner ist der Niederbayer zum Zug kommen. Der 60 Jahre alte Metzgermeister sitzt seit 2013 im Bundestag. Schon sein gleichnamiger Vater saß 18 Jahre im Bundestag, seine Schwester ist die ehemalige Bundesbau- und Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt. © Sebastian Gollnow/dpa
Reem Alabali-Radovan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter.  © Katharina Kausche/dpa
Verena Hubertz
Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist eine politische Senkrechtstarterin: Verena Hubertz ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.  © Kay Nietfeld/dpa
Patrick Schnieder
Bis Juli 2026 war Patrick Schnieder Bundesminister für Verkehr. Verkehr. Merz hat ihn entlassen, weil er mit seiner Amtsführung unzufrieden war – besonders bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur. Die Entlassung Schnieders nach nur gut einem Jahr im Amt stieß in der CDU teilweise auf heftige Kritik. © Sven Kaeuler/dpa
Jens Spahn
Auslöser für den Kabinettsumbau im Juli 2026 war der Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz nahm den Wechsel an der Fraktionsspitze zum Anlass, die CDU in Regierung und Partei neu aufzustellen. © Michael Kappeler/dpa
Thorsten Frei
Umbau auch in der Union: Thorsten Frei übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Er war bisher Kanzleramtsminister. Frei steht für eine unverwüstlich wirkende Freundlichkeit, gepaart mit geduldiger Erklärlust. Trotz seiner nach außen getragenen Sanftmütigkeit steht wr inhaltlich für Härte. Die innere Sicherheit und die Begrenzung der Migration zählen zu den Kernthemen des Innenexperten, der als Sohn eines Polizisten in Südbaden aufgewachsen ist. © Michael Kappeler/dpa
Franziska Hoppermann
Für Linnemann wurde Franziska Hoppermann als CDU-Generalsekretärin ins Amt gewählt. Die bisherige Bundesschatzmeisterin gilt als arbeitnehmernah und hat ein starkes Profil in der Frauen Union.  © Christoph Soeder/dpa
Philipp Amthor
Philipp Amthor bekam eine Schlüsselrolle bei der föderalen Zusammenarbeit. Er wurde von Merz zum neuen Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen ernannt, der bisherige Amtsinhaber Michael Meister musste gehen. Amthor war bisher parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. © Christoph Soeder/dpa
Christiane Schenderlein
Christiane Schenderlein wird Nachfolgerin von Tino Sorge als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Sie war bisher Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.  © Kay Nietfeld/dpa
Wolfram Weimer
Er bleibt Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer. Er will aber nur für eine Legislaturperiode im Amt bleiben. 2003 war er Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren „FAZ“-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. © Georg Wendt/dpa

GEG-Reform: Union kritisiert Heizungsgesetz – „Die 65-Prozent-Regel muss weg“

Auch der SPD-Politiker sieht „in gewisser Weise“ einen Widerspruch zwischen dem, was im Koalitionsvertrag niedergeschrieben ist und dem, was Schneider anklingen ließ: „Zumal sich die Union in ihrer Kritik aber nur auf einen Teilaspekt des Gebäudeenergiegesetzes, nämlich die Frage des Anteils der erneuerbaren Energien bei neuen Heizungen fokussiert“.

Das Gesetz sieht aktuell vor, dass jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Das gilt aber vorerst nur für Neubaugebiete. Die Kritik an der Regelung führt auch der energiepolitische Sprecher der Unionsfraktion aus: „Die 65-Prozent-Regel muss weg. Sie ist in vielen Fällen nicht sachgemäß, weil sie beispielsweise Strom als Erfüllungsoption bevorzugt und sehr kompliziert ist.“

Abschaffung des Heizungsgesetzes? Auch Merz‘ Kanzleramtschef spricht nun von GEG-Reform

In Merz‘ Kanzleramt scheint man unterdessen mit einer geplanten Abschaffung nicht mehr hausieren gehen zu wollen. „Der Koalitionsvertrag sieht eine Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) vor“, erklärt Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Ziel ist es, das Gesetz technologieoffener, flexibler und einfacher zu gestalten, wobei CO₂-Einsparung die zentrale Steuerungsgröße sein soll.“ Eine Abschaffung des sogenannten Heizungsgesetzes erwähnt Frei nicht.

Merz mach Heizungsgesetz zu Wahlkampfversprechen – CDU nimmt Abschaffung in Sofortprogramm auf

Noch vor wenigen Tagen hatte der CDU-Politiker in dem Portal „Abgeordnetenwatch“ auf die Frage, warum das sogenannte Heizungsgesetz noch nicht abgeschafft wurde, auf den Koalitionsvertrag verwiesen: Dort stehe „ausdrücklich: ‚Wir werden das Heizungsgesetz abschaffen‘“ Was sich hier andeutet, scheint ein Problem der Union in Sachen Wording zu sein.

Lautstark hatten CDU und CSU das sogenannte Heizungsgesetz kritisiert. Im Wahlkampf hatten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Union mit der Abschaffung geworben. Die CDU nahm das Vorhaben im Februar in ihr Sofortprogramm auf. Darin definierte die Partei besonders wichtige Maßnahmen, die am besten in den ersten 100 Tagen der Regierungsübernahme umgesetzt werden sollten, wie die Welt schreibt. 100 Tage sind längst herum – das Heizungsgesetz jedoch noch unangetastet.

Gutachten zum Heizungsgesetz: „Systematik über Bord werfen – das wird nicht gehen“

Das könnte auch daran liegen, dass man unter Umständen auch in der Union feststellen musste, dass ein einfaches „weg damit“ nicht so leicht ist. So hatte etwa der scheidende CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann im März ein Gutachten vorgestellt, in dem die verbindlichen rechtlichen Vorgaben für die Klimapolitik Deutschlands analysiert wurden.

Das Gutachten unter dem Titel „Rote Linien des Rechts im Klimaschutz“ hatte die CDU/CSU-nahe Klimaunion in Auftrag gegeben. „Man wird Änderungen am sogenannten Heizungsgesetz machen können, aber die gesamte darin enthaltene Systematik über Bord werfen – das wird nicht gehen“, erklärte Heilmann damals zu dem Ergebnis des Gutachtens gegenüber der Welt.

Gebäudeenergiegesetz: SPD will an Förderung für den Heizungstausch festhalten

Somit geht es nun offenbar vielmehr um eine Reform, als um eine Abschaffung – das Wahlversprechen, das Heizungsgesetz abzuschaffen, werden CDU und CSU damit wohl nicht einlösen können. In der Ausgestaltung der Reform dürfte es zwischen Union und SPD noch Klärungsbedarf geben. Im Fokus dürfte dabei neben der 65-Prozent-Vorgabe auch die Förderung für den Heizungstausch stehen. Nach Worten von Umweltminister Carsten Schneider soll diese weitergehen: „Sie können bis zu 70 Prozent Zuschuss bekommen, wenn Sie über wenig Einkommen verfügen, und das werden wir auch beibehalten.“

Was das Heizungsgesetz derzeit vorsieht

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) trat in seiner jetzigen Form Anfang 2024 in Kraft. Ziel ist mehr Klimaschutz im Gebäudebereich durch einen schrittweisen Austausch von Öl- und Gasheizungen. Funktionierende Heizungen können weiter betrieben werden. 

Das Gesetz sieht vor, dass jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Das gilt aber vorerst nur für Neubaugebiete. Für Bestandsbauten spielt eine kommunale Wärmeplanung eine wichtige Rolle. Diese soll in Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern ab Mitte 2026 und für die restlichen Kommunen ab Mitte 2028 vorliegen. (Quelle: dpa)

Und auch der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion fordert: „Der Grundsatz, dass bei neuen Heizsystemen erneuerbare Energien die dominierende Rolle spielen, muss erhalten bleiben, ebenso die staatliche Unterstützung für Bürgerinnen und Bürger, die umstellen wollen.“

Söder und Reiche rütteln an Heizungsförderung – SPD und Union nennen Details zum Zeitplan

Söder hingegen nannte den Heizungstausch „überdimensioniert finanziert und subventioniert“. Und auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche deutete Einschnitte bei der Heizungsförderung an. Beim Heizungstausch werde künftig mehr Eigenverantwortung gefragt sein, sagte sie bei einer wirtschaftspolitischen Grundsatzrede in Berlin. Reiche arbeitet gemeinsam mit Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) federführend an einer Reform des GEG.

Der SPD-Abgeordnete Sebastian Roloff rechnet damit, „dass die Bundesregierung etwa Anfang des nächsten Jahres konkrete Eckpunkte vorschlägt und dann können wir in die Diskussion einsteigen“. Oder: „Wenn es besonders schnell geht, kann dies sogar noch Ende dieses Jahres sein.“ Auch der wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der Unionsfraktion drängt auf Tempo: „Wir brauchen einen verlässlichen Rahmen, ohne Verbote, der Planungssicherheit gibt. Dieser muss schnellstmöglich, noch in diesem Jahr, geeint werden.“ (dpa, AFP, Welt, eigene Recherche) (pav)

 

Rubriklistenbild: © Florian Gaertner

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