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Private Altersvorsorge

Höhere Rente durch private Rentenversicherung? Chancen, Risiken und Alternativen

Sparschwein auf Geldscheinen
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Eine zusätzliche private Vorsorge ist notwendig, um sich im Alter etwas leisten zu können.

Steigende Lebenserwartung und ein wackeliges Rentensystem machen die individuelle private Vorsorge unverzichtbar. Doch welche Rolle spielt dabei die private Rentenversicherung? Wir beleuchten die Vor- und Nachteile und klären, ob sie die richtige Wahl für Eure Altersvorsorge ist.

Die gesetzliche Rente allein reicht für viele Menschen in Deutschland nicht mehr aus, um im Alter finanzielle Sicherheit zu gewährleisten. Laut Deutscher Rentenversicherung betrug der durchschnittliche Zahlbetrag im Jahr 2023 bei Frauen 888 Euro und bei Männern 1.309 Euro. Diese Summen machen deutlich, dass eine zusätzliche private Vorsorge notwendig ist, um sich über die Grundbedürfnisse hinaus im Alter etwas leisten zu können.

Demografischer Wandel belastet Rentensystem

Der demografische Wandel stellt unser umlagefinanziertes Rentensystem seit Jahren vor große Herausforderungen. Während die Zahl der Rentenempfänger stetig steigt, sinkt die Zahl der Beitragszahler. Der Bundeszuschuss zur gesetzlichen Rentenversicherung hat sich seit den 1950er Jahren kontinuierlich erhöht und lag 2023 bei über 84 Milliarden Euro. 

Wie lange dieses System in Zeiten von klammen Staatskassen noch am Leben gehalten werden kann, ist fraglich, zumal der Renteneintritt der sogenannten Babyboomer-Generation gerade beginnt.

Private Rentenversicherung: Ein komplexes Produkt

Für viele Verbraucher stellt sich die Frage, wie sie selbst eine effektive Altersvorsorge aufbauen können. Bei der Suche nach einer rentablen Strategie zum Aufbau einer privaten Vorsorge sind viele oftmals überfordert. Die Zahl der Produktangebote aus der privaten Finanz- und Versicherungswirtschaft sind für Laien nahezu unüberschaubar. 

Laut einer INSA-Umfrage des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung aus dem Jahr 2023 steht die private Rentenversicherung mit einer Garantieleistung bei 20,6 Prozent der Befragten als geeignetes Produkt zur privaten Alterssicherung an erster Stelle

Weitere 20,3 Prozent stuften sie als zweitbeste Option ein. Stellt sich nun also die Frage, welche Chancen und welche Risiken dieses Produkt birgt.

Wie funktioniert eine private Rentenversicherung?

Eine private Rentenversicherung ist ein Sparvertrag mit einer Versicherungsgesellschaft. Während der Ansparphase, der sogenannten Aufschubzeit, zahlen Versicherungsnehmer mehrere Jahre regelmäßige Beiträge an die Gesellschaft, die sie in Teilen am Kapitalmarkt investiert und im Optimalfall Gewinne erwirtschaftet. Der daraus entstehende Kapitalstock wird später in Form einer lebenslangen Rente oder als einmalige Kapitalauszahlung ausgezahlt.

Im Gegensatz zu geförderten Altersvorsorgeformen, wie der Riester- oder Basisrente, beinhalten die Tarife der nicht geförderten privaten Altersvorsorge in der Regel ein hundertprozentiges Kapitalwahlrecht. Das bedeutet, dass sich die Verbraucher entscheiden können, ob sie eine lebenslange Rentenzahlung oder sich das Kapital einmalig auszahlen lassen möchten und somit auf die Leibrente verzichten.

Vor- und Nachteile der Leibrente

Der Vorteil der Leibrente besteht darin, dass die Versicherungsgesellschaft die Rente auch dann weiterzahlen muss, wenn der Kapitalstock aufgebraucht und die versicherte Person weiterhin am Leben ist. Allerdings gehen bei frühem Ableben nicht genutzte Gelder verloren

Oftmals bieten die Produktanbieter in ihren Tarifen hier eine Regelung an, was mit dem übrigen Kapital bei frühem Ableben des Versicherten passieren soll. Die gängigsten Formen sind die Auszahlung des verbleibenden Guthabens an eine begünstigte Person oder die Weiterzahlung der Rente für einen bestimmten Zeitraum, auch Rentengarantiezeit genannt.

Private Rentenversicherung: Besteuerung der Auszahlungen

Wer Leistungen aus einem privaten Rentenversicherungsvertrag erhält, muss diese in der Regel versteuern, sofern die Höhe seiner gesamten jährlichen Einkünfte den Einkommensgrundfreibetrag von 12.096,00 Euro pro Person übersteigt.

Allerdings gibt es hierbei eine Ausnahme: Verträge, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden, sind nach einer Laufzeit von mindestens 12 Jahren steuerfrei. Für später abgeschlossene Verträge gelten unterschiedliche Besteuerungsregeln:

  • Leibrente: Nur der Ertragsanteil ist steuerpflichtig. Das ist ein festgelegter Prozentsatz, dessen Höhe vom Alter der Person beim Beginn der Rentenzahlung abhängt.
  • Einmalige Kapitalauszahlung: Hier greift das Halbeinkünfteverfahren, bei dem nur die Hälfte der Gewinne besteuert wird.

Drei Varianten der privaten Rentenversicherung

Es gibt drei Produktarten der privaten Rentenversicherung: klassische Tarife, fondsgebundene Tarife und Indexpolicen.

Klassische Tarife

Bei dieser Variante handelt es sich um die seit Jahrzehnten weit verbreitete und bekannte Rentenversicherungspolice. Bei ihr wird der Sparanteil aus dem Beitrag im sogenannten Deckungsstock der Versicherungsgesellschaft angelegt. Ein großer Teil in festverzinsliche Wertpapiere, ein anderer Teil in Immobilien oder Infrastrukturprojekte und ein kleinerer Teil auf dem Aktienmarkt. 

Der Vorteil dieser klassischen Tarife ist eine Mindestverzinsung, die 2025 bei einem Prozent liegt. Allerdings haben die in den letzten Jahrzehnten gesunkenen Zinsen die Renditen dieser Tarife stark geschmälert.

Fondsgebundene Tarife

Mit der Jahrtausendwende und dem gestiegenen Interesse der Verbraucher an Aktien, Börse und Investmentfonds, brachten immer mehr Versicherungsgesellschaften sogenannte fondsgebundene Tarife auf den Markt. Hier wird das Kapital in Investmentfonds investiert, was höhere Renditechancen, aber auch größere Risiken mit sich bringt. Zumeist gibt es keine Renditegarantie und somit kann die Ablaufleistung nur anhand von historischen Kursentwicklungen prognostiziert werden.

Außerdem sind die Kosten dieser Fondspolicen oftmals höher als bei klassischen Tarifen, was wiederum an der Rendite zehrt. Einige Anbieter bieten fondsgebundene Tarife mit Garantieleistungen an, deren Renditeentwicklung unterschiedlich erfolgreich aussieht. Und eine Garantie bei der Kapitalanlage verursacht immer Kosten, welche die Rendite schmälern.

Verbraucher sollten sich daher vor dem Abschluss einer Rentenversicherung entscheiden, ob bei ihnen die Sicherheit bei der Kapitalanlage oberste Priorität hat oder ob sie die langfristigen Chancen der Kapitalmärkte nutzen möchten und auf eine Garantie verzichten. 

Indexpolicen

Seit einigen Jahren bieten einige Versicherungsgesellschaften auch sogenannte Indexpolicen an. Grundlage der Kapitalanlage in diesen Policen ist immer ein fest definierter Börsenindex, an dem sich die Wertentwicklung des Vertrages orientieren soll. Allerdings ist die Wertentwicklung für die Versicherungskunden auch an bestimmte Voraussetzungen gebunden oder teilweise sogar gedeckelt.

Der VerbraucherService Bayern rät von solchen Verträgen ab, da sie zum Teil intransparent seien und laut einer Auswertung der Stiftung Warentest (08/2024) keine überzeugende Rendite erwirtschaften könnten.

Was beeinflusst die Rentabilität?

Neben der Rendite der gewählten Kapitalanlage entscheiden zwei weitere Punkte über die Rentabilität eines Versicherungsvertrags:

Kosten

Die Gesamtkosten eines Vertrages werden auf einem Basisinformationsblatt als Effektivkostenquote ausgewiesen, welches dem Kunden vor Abschluss der Police ausgehändigt werden muss. Diese Effektivkostenquote zeigt, wie stark die Rendite durch Abschluss- und Verwaltungskosten geschmälert wird. 

Mittlerweile bieten auch einige Versicherungsgesellschaften sogenannte Honorar- bzw. Nettotarife an. Diese bieten eine kostengünstigere Alternative, weil hier keine Abschlusskosten berechnet werden. Allerdings verlangen die Vermittler bei diesen Tarifen in der Regel ein Beratungshonorar, das gesondert bezahlt werden muss.

Rentenfaktor

Er entscheidet über die Höhe der zukünftigen Leibrente, denn er besagt, wie viel monatliche Rente Ihr pro 10.000,00 Euro angesparten Kapitals erhaltet. Je höher der Rentenfaktor ist, desto höher ist die monatliche Rente. Ein hoher garantierter Rentenfaktor ist vorteilhaft, ist aber nicht zu 100 Prozent garantiert. Er kann unter bestimmten Bedingungen angepasst werden. Die sogenannte Treuhänderklausel erlaubt nämlich Versicherern, diesen Faktor bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu senken.

Doch auch hier kann es zu Problemen bei der Auszahlung von Leistungen kommen, sofern eine Versicherungsgesellschaft in eine massive wirtschaftliche Schieflage gerät. In diesem Fall kann die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Auszahlungen aus den Verträgen des Unternehmens vorübergehend untersagen.

Private Rentenversicherung versus ETF-Sparplan

Ob eine private Rentenversicherung oder ein kostengünstiger ETF-Sparplan besser geeignet ist, hängt von den individuellen Bedürfnissen ab. Während die Rentenversicherung eine lebenslange Auszahlung garantiert, bietet der ETF-Sparplan mehr Flexibilität und oft höhere Renditen

Der VerbraucherService Bayern unterstützt bei der Planung der persönlichen Altersvorsorge. Einen individuellen Beratungstermin können Interessierte ganz bequem über die Webseite buchen. (as/VerbraucherService Bayern e.V.)

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