Geldanlage & Börse
Börsenturbulenzen durch US-Zölle: Wie Anleger jetzt richtig reagieren und Panik vermeiden
Die jüngsten Importzölle der USA haben weltweit für Unruhe an den Börsen gesorgt. Viele Anleger sind verunsichert. Experten raten zur Ruhe und erklären, welche Schritte jetzt sinnvoll sind und welche Fehler man unbedingt vermeiden sollte.
Donald Trumps Importzölle rütteln die Börsen weltweit gewaltig durch. Leitindizes wie der deutsche DAX, der US-amerikanische S&P 500, der japanische Nikkei und der chinesische CSI 300 verzeichneten deutliche Verluste. Viele Anleger dürften daher beim Blick in ihr Wertpapierdepot verunsichert sein. Gewinne der vergangenen Jahre schrumpfen oder sind weg. Wie jetzt reagieren?
Ruhe bewahren: Warum Panikverkäufe kontraproduktiv sind
In dieser Situation ist besonnenes Handeln gefragt. Wenn die Kurse eines breit aufgestellten Portfolios - also mit ausreichend Diversifizierung über Länder und Branchen hinweg - fallen, sollten Anleger Ruhe bewahren und nicht übereifrig Anteile verkaufen.
Heiko Löschen, Vermögensverwalter bei GSP asset management, warnt: „Panikverkäufe sind der häufigste Grund, warum Anlegerinnen und Anleger langfristig hinter der Marktentwicklung zurückbleiben.“ Er empfiehlt, eine einmal festgelegte Anlagestrategie konsequent zu verfolgen und sich nicht von kurzfristigen Marktschwankungen verunsichern zu lassen.
Auch die Stiftung Warentest rät, nicht übereilt Anteile zu verkaufen, da sonst Verluste realisiert werden, die bei einer Markterholung ausgeglichen werden könnten (Stiftung Warentest Finanzen, 4/2025). Verkaufen sei nur im äußersten Notfall geboten.
Langfristige Anlagestrategie: Der Schlüssel zum Erfolg
Ein langfristiger Anlageplan ist entscheidend für den Erfolg an der Börse. Ralf Scherfling, Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW, betont: „Wer überlegt, einen Aktien-ETF zu kaufen, sollte mit mindestens zehn Jahren planen und keinesfalls in die Situation kommen, mit Verlust verkaufen zu müssen, weil das Geld dringend benötigt wird.“
Anleger sollten daher sicherstellen, dass investierte Mittel langfristig entbehrlich sind, um nicht in finanzielle Engpässe zu geraten. Wer nicht mindestens diesen Zeithorizont für die Geldanlage anstrebt, ist womöglich mit anderen, zum Beispiel festverzinslichen Angeboten besser beraten.
Der Profi empfiehlt: „Überprüfen Sie Ihre Strategie regelmäßig, aber lassen Sie sich nicht von täglichen Kursschwankungen aus der Ruhe bringen.“ Und zwar auch dann nicht, wenn es mehrere Tage oder Wochen abwärts geht. Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, dass die wichtigen Leitindizes größere Rücksetzer - wie 2000, als die Dotcom-Blase platzte, 2008, als die Finanzkrise schwelte oder auch 2020, als sich die Corona-Pandemie ausbreitete - in den Folgemonaten und -jahren wieder aufholen konnten.
Die auch bei Deutschen beliebten, börsengehandelten und weltweit streuenden Indexfonds (ETFs) auf den MSCI World konnten - bei einer Betrachtung über die vergangenen Jahrzehnte hinweg - eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund acht Prozent erwirtschaften. Trotz all der Kurseinbrüche zwischendurch, die laut Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW „durchaus 30 Prozent oder mehr betragen“ haben.
Diversifikation als Schutzschild
Ein breit gestreutes Portfolio über verschiedene Länder und Branchen hinweg kann helfen, Risiken zu minimieren. Anleger sollten darauf achten, nicht zu stark in einzelne Regionen oder Sektoren investiert zu sein, um die Auswirkungen von Marktschwankungen zu reduzieren.
„Stocken Sie keinesfalls in euphorischer Stimmung Ihren Aktienanteil immer weiter auf, sondern halten Sie an Ihrer ursprünglich gewählten Depotmischung fest“, rät die Stiftung Warentest. Denn ob der Trend anhält, ist auch hier nicht absehbar. Wer später auf das Geld angewiesen ist, muss seine teuer erworbenen Anteile sonst unter Umständen zu einem ungünstigen Zeitpunkt und mit Verlust verkaufen.
Chancen in der Krise: Günstig nachkaufen
Für Anleger mit freiem Kapital und stabilem Nervenkostüm können fallende Kurse auch Gelegenheiten bieten. Der Zukauf von Anteilen zu niedrigeren Preisen kann langfristig die Rendite erhöhen. Allerdings bleibt das Risiko bestehen, dass die Kurse weiter fallen. Daher sollte ein solcher Schritt wohl überlegt und im Einklang mit der individuellen Anlagestrategie erfolgen.
Fazit
In Zeiten von Marktunsicherheiten, ausgelöst durch politische Entscheidungen wie die US-Importzölle, ist es für Anleger essenziell, Ruhe zu bewahren und an ihrer langfristigen Strategie festzuhalten. Panikverkäufe führen oft zu realisierten Verlusten, während ein diszipliniertes Vorgehen und gegebenenfalls gezielte Zukäufe in Krisenzeiten langfristig zum Anlageerfolg beitragen können. (as/dpa)