Prozess um „Bombenleger von Waldkraiburg“

Anschlag in Waldkraiburg: Computer-Spezialisten der Polizei legen Internetaktivitäten des Angeklagten offen

Eine Rohrbombe, die im Frühjahr 2020 in einem Waldkraiburger Obst- und Gemüseladen gezündet wurde, löste einen Großbrand aus.
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Brandanschlag von Waldkraiburg

Im Prozess um den Brandanschlag mit islamistischem Hintergrund in Waldkraiburg hat das Oberlandesgericht München mehrere Computer-Spezialisten der Polizei vernommen. Dabei ging es um die Aktivitäten des Angeklagten Muharrem D. (26) im Internet.

Waldkraiburg/München – Unter anderem hatten sich die Beamten die verschiedenen Accounts bei Facebook, Instagram, WhatsApp, Twitter, ebay und Paypal vorgeknöpft. Die Profilbilder, die in der Regel recht unauffällig waren, wurden begutachtet wie auch die Follower des 26-Jährigen. Doch nicht alles konnten die Ermittler ausspionieren, ohne sich die Hilfe aus Amerika zu erbitten. Über das FBI wurde ihnen schließlich von Facebook freiwillig Daten zum Angeklagten zugespielt.

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So hatte sich der Waldkraiburger rosafarbene Gebetsbekleidung bestellt wie auch Magnesiumpulver und andere Chemikalien. Des Weiteren gab es stark islamisch geprägte Accounts, die ausschließlich mit islamistischen Inhalten des Angeklagten vollgestopft waren. Doch Hinweise auf Radikalisierung waren äußerst rar. Eines der beiden Instagram-Profile beinhaltete IS-Propagandamaterial.

Keine auffälligen Reisebewegungen

Auch die Querverbindungen hatten die Beamten ausgespäht. Wesentliche Ergebnisse kamen nicht zutage. Im Netz konnten die Beamten auch keine auffälligen Reisebewegungen feststellen.

Ohne die Anschläge in Waldkraiburg, zu denen sich der 26-Jährige bekannt hatte, als er im Mai 2020 ohne Zugticket und ohne Maske aufgegriffen worden war, wäre der Angeklagte mit seinem Treiben vermutlich lange nicht aufgefallen.

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Wie bereits berichtet, hatte er im April 2020 aus Fremdenhass in einem Gemüseladen in Waldkraiburg ein Feuer gelegt, bei dem durch großes Glück niemand schwer verletzt wurde. Der Inhaber war ein türkischstämmiger Mann. Ursprünglich hatte der Waldkraiburger noch weitere Anschläge auf Moscheen vorgehabt.

Der Prozess dauert an. In dieser Woche sollen die Eltern des Mannes als Zeugen aussagen.

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