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Gotteshaus wird entweiht und abgerissen

Abschied von Johann Nepomuk: Pfarrverband Waldkraiburg gibt die Holzkirche auf

Über 50 Jahre wurde die Nepomuk-Kirche wie eine Pfarrkirche genutzt. Jetzt wird sie als erste im weiten Umkreis als sakraler Raum aufgegeben und entweiht.
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Über 50 Jahre wurde die Nepomuk-Kirche wie eine Pfarrkirche genutzt. Jetzt wird sie als erste im weiten Umkreis als sakraler Raum aufgegeben und entweiht.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Über 50 Jahre wurde sie wie eine Pfarrkirche genutzt. Doch jetzt kommt das Aus für Johann-Nepomuk in Waldkraiburg. Wegen hoher Kosten, sinkender Besucherzahlen und nicht zuletzt Corona.

Waldkraiburg – Wiederholt stand sie vor dem „Aus“ und ist ihrem Schicksal doch immer wieder entgangen. Doch nun ist es endgültig: Die Tage der Johann-Nepomuk-Kirche in Waldkraiburg sind gezählt. Am Samstag, 6. November, ist der letzte Gottesdienst. Dann wird die Kirche als erste im weiten Umkreis als sakraler Raum aufgegeben und entweiht. Das gibt es bislang nur in Großstädten wie München und im Norden Deutschlands.

Ein Provisorium auf Dauer

Nichts hält sich länger als ein Provisorium. Dieser Satz trifft auch auf die Johann-Nepomuk-Kirche zu, die 1969 innerhalb von wenigen Tagen im damals dynamisch wachsenden Waldkraiburger Westen hochgezogen wurde. Der Holzbau zwischen Aussiger Straße, Veilchenweg und Enzianstraße, den viele einfach nur „die Holzkirche“ nennen, sollte für wenige Jahre die katholischen Christen in diesem Stadtteil aufnehmen. Ein steinernes Bauwerk sollte später Mittelpunkt einer dritten Pfarrei, neben Christkönig und Maria Schutz, werden. Doch weil sich bald ein Priestermangel abzeichnete, wurde nichts mehr aus diesen Plänen.

Das Provisorium aber blieb und wurde wie eine Pfarrkirche genutzt. Während vielen Gläubigen die Kirche, die gut 200 Menschen Platz bietet, ans Herz wuchs, hat sie bei den Verantwortlichen für die kirchlichen Finanzen zunehmend für Stirnrunzeln gesorgt.

Hohe Unterhaltskosten und großer Investitionsbedarf

Wirtschaftliche Faktoren gibt Pater Walter Kirchmann, der Leiter des Pfarrverbands, nun auch als einen wesentlichen Grund für die Aufgabe der Kirche an, die auf einem 3000 Quadrastmeter großen städtischen Grundstück steht. Die Gemeinde müsse jährlich 12 000 Euro für die Pacht aufbringen. Dazu kämen erhebliche Nebenkosten. Denn das Gebäude hat keine Wärmedämmung, das Dach ist undicht und müsste saniert werden. Und die alte Ölheizung habe nur noch zwei Jahren Bestandsschutz. „Da wären enorme Investitionen nötig gewesen.“

Pater Walter Kirchmann

Pater Kirchmann: Corona war das I-Tüpfelchen

Finanzmittel in einer Höhe, die in keinem Verhältnis zum seelsorglichen Bedarf stehe. Die Zahl der Gottesdienstbesucher sei stark gesunken, auf 20 bis 30 an Samstagen oder Sonntagen. „Am Donnerstag waren noch acht Leute da“ , so der Pater, der für diese Entwicklung nicht zuletzt Corona verantwortlich macht. „Das war das i-Tüpfelchen.“

Kritische Stimmen, aber keine Proteste

Der Besucherrückgang habe die Entscheidung jetzt erleichtert, findet Kirchmann, dem wohl bewusst ist, dass viele Emotionen an der Holzkirche hängen. Vor 15 Jahren scheiterte der damalige Pfarrer Martin Garmaier beim Versuch, die Kirche aufzugeben, noch am Widerstand aus der Gemeinde.

Ehrenamtliche Mitarbeiter äußern Verständnis

Diesmal gebe es vereinzelt kritische Stimmen, aber keine Proteste, so Pater Kirchmann. „Wir müssen mit Kirchensteuermitteln verantwortlich umgehen“, betont er und verweist darauf, dass mit dem eingesparten Geld soziale, karitative und Familienprojekte umgesetzt werden könnten. Gerdi Schuster, eine der Ehrenamtlichen, die über viele Jahre als Lektorinnen und Kommunionhelferinnen engagiert haben, tut es Leid um die alten Leute, die nahe der Kirche wohnen.

Doch sie hat Verständnis für die Entscheidung. „Es war immer schwierig. Im Sommer war es fürchterlich heiß und im Winter war es so kalt, das einem die Finger an der Hostienschale klebten. Man kann nicht so viel Geld ausgeben, um die Kirche für 20 Leute zu wärmen.“ Die rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde, die für einige Zeit ihre Gottesdienste dort abhalten durfte, hat im Winter 2017 kapituliert und ist zu den Salesianern nach Waldwinkel umgezogen, wo sie seitdem Gastrecht hat.

Pater verspricht würdigen Umgang mit Ausstattungsgegenständen

Wenigstens die Ausstattung der Kirche solle erhalten bleiben, wünschen sich Gläubige. Der Pfarrverbandsleiter verspricht einen würdigen Umgang mit den Gegenständen. Die Gottesdienste, die bisher in der Holzkirche stattgefunden haben, werden in die Gottesdienstordnung der Christkönigskirche integriert. Nach dem Ende der Pandemie gebe es zudem wieder die Möglichkeit, Gottesdienste im nahen Adalbert-Stifter-Wohnheim zu besuchen.

Was die Stadt nach dem Abriss der Kirche mit dem Grundstück macht, ist laut Bürgermeister Robert Pötzsch offen. Vor drei Jahren war das Areal kurzzeitig für eine neue Kita im Gespräch. Daraus wurde aber nichts. Über die künftige Nutzung sei keine Entscheidung gefallen.

Offene Frage: Was geschieht mit der Ausstattung der Kirche?

Was geschieht mit der Ausstattung der Johann-Nepomuk-Kirche? Diese Frage will der Pfarrverband zusammen mit Stadtarchivar Konrad Kern klären. Ein Großteil stammt noch aus der katholischen Bunkerkirche, die 1964 aufgegeben wurde. Dazu gehört eine spätgotische Glocke, die aus der Friedhofskapelle in Ampfing stammt und den Ersten und Zweiten Weltkrieg überstand, ohne eingeschmolzen zu werden. Die Glocke wurde schon 1949 mit dem Schubkarren ins Flüchtlingslager geholt und rief seitdem die Gläubigen zum Gottesdienst. Auch ein großes Wandkreuz und kunstvoll geschnitzte 14 Kreuzwegtafeln gehören zum Inventar, ebenso weitere Gegenstände, die von den ersten Lehrlingen des Jugendhilfswerks Waldwinkel gestaltet wurden.

„Wir werden würdevoll damit umgehen, nichts wird weggeschmissen“, sagt Pfarrverbandsleiter Walter Kirchmann. Im Idealfall sollten die Gegenstände wieder in kirchlichen Räumen genutzt werden. Die liturgischen Bücher etwa werden laut Kirchmann in anderen Pfarreien des Verbandes eingesetzt. Auch dem Ordinariat werde man Gegenstände anbieten, die vielleicht in anderen Kirchen gebraucht werden. Über den Verbleib von Wandkreuz und Kreuzweg ist noch keine Entscheidung gefallen. „Diese sakralen Gegenstände haben die Christen in Waldkraiburg viele Jahrzehnte lang begleitet. Sie dürfen nicht verloren gehen“, sagt der Stadtarchivar, winkt aber zugleich ab: Im Depot des Stadtmuseums im Haus der Kultur sei kein Platz mehr frei.

Der letzte Gottesdienst

Mit einem feierlichen Gottesdienst am Samstag, 6. November, um 17 Uhr will sich der Pfarrverband Waldkraiburg von der Johann-Nepomuk-Kirche verabschieden. Domkapitular Thomas Schlichting, ehemaliger Kaplan in Waldkraiburg, wird den Gottesdienst zelebrieren. Am Ende wird die Kirche profaniert, das heißt, sie wird als sakraler Raum entweiht. Das Allerheiligste wird aus der Kirche genommen, ebenso die Reliquien, die ins Bischofshaus in München gebracht werden, der Tabernakel wird entleert. Die Kirche ist damit ein gewöhnliches Gebäude. Zum Abschied wird eine Fotoausstellung zu r Geschichte der „Holzkirche“ vorbereitet. Wer Bilder und Texte hat, sollte sie bis 17. Oktober im Pfarrbüro abgeben oder per Mail an christkoenig.waldkraiburg@ebmuc.de schicken..hg

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