„Brücken-Sortiment“ in Corona-Zeiten

Feinkost statt Mode: „Bella Moda“ in Waldkraiburg verkauft jetzt Lebensmittel

15 Jahre verkaufte Azra Hodzic Bekleidung im „Bella Moda“ in der Berliner Straße. Jetzt hat sie mit ihrem Mann Admir auf Lebensmittel umgestellt, um durch den Lockdown zu kommen. Gut zehn Prozent der Verkaufsfläche (im HIntergrund) sind noch für Mode reserviert.
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15 Jahre verkaufte Azra Hodzic Bekleidung im „Bella Moda“ in der Berliner Straße. Jetzt hat sie mit ihrem Mann Admir auf Lebensmittel umgestellt, um durch den Lockdown zu kommen. Gut zehn Prozent der Verkaufsfläche (im HIntergrund) sind noch für Mode reserviert.

Die Inhaber eines Modeladens in der Berliner Straße in Waldkraiburg stellen von italienischer Mode auf italienische Feinkost und Balkanspezialitäten um, um durch die harte Corona-Zeit zu kommen. Ein „Brücken-Sortiment“ der ganz besonderen Art, um das Überleben des Geschäfts zu sichern.

Waldkraiburg – „Bella Moda“ – der Name ist geblieben – setzt auf eine Notlösung, im wahrsten Sinne des Wortes. „Wir hätten sonst keine Perspektive mehr gesehen“, sagt Azra Hodzic, die den 100 Quadratmeter großen Laden in Waldkraiburg seit 15 Jahren betreibt. Lange hatten sie und ihr Mann gehofft, dass es nicht so schlimm kommt, „dass es noch was wird“.

Doch dann kam die zweite und die dritte Welle und die damit verbundenen Beschränkungen für Bekleidungsgeschäfte.

Nudeln und Tiefkühlfisch ersetzen Röcke und Blusen

Seit November geht nichts mehr bei „Bella Moda“, in Waldkraiburg und in den beiden anderen Geschäften in Altötting und Wasserburg, das sie vorübergehend ganz geschlossen haben.

Seit zwei Monaten bereiten die Hodzics den Umstieg von Mode auf Lebensmittel um. Seit dieser Woche ist der Laden nach einem Umbau wieder auf. Auf fast 90 Prozent der Verkaufsfläche bieten die Inhaber, die aus Bosnien stammen, italienische Feinkost von Nudeln über Öle bis hin zu Tiefkühlfisch an, dazu Balkanspezialitäten aus Serbien, Kroatien, dem Kosovo und anderen Regionen Ex-Jugoslawiens. Nur im rückwärtigen Teil des Ladens sind gut zehn Prozent der Fläche für Modeartikel reserviert.

Mode nur noch hinten im Laden: Umstieg mit den Behörden abgestimmt

Nur im rückwärtigen Teil des Ladens sind gut zehn Prozent der Fläche für Modeartikel reserviert. Mit den Behörden sei der Umstieg abgestimmt und in Ordnung, sagen die Inhaber. Die Geschäftsänderung sei mit allen betroffenen Stellen im Landratsamt abgesprochen, bestätigt eine Sprecherin der Behörde auf Anfrage. „Da die Umstellung sowie der umfangreiche Umbau auf Dauer und nicht nur vorübergehend erfolgte, konnte dieser zugestimmt werden.“

„Wir wollen mit Mode im Gespräch bleiben“, sagt Azra Hodzic im Blick auf das verbliebene Bekleidungssortiment. Eine Umkleidekabine gibt es nicht mehr. Probieren dürfen die Kundinnen die Ware nicht im Geschäft, aber eine Auswahl mitnehmen und zu Hause aussuchen.

Staatliche Hilfen reichen nicht, um zu überleben

Ohne diese Umstellung „könnten wir nicht überleben“, sagt das Ehepaar, das zwar Novemberhilfe bekommen hat, davon aber nach eigenen Angaben ein Drittel zurückzahlen muss. „Wir haben uns angestrengt im Sommer, haben Ware in anderen Läden in Kommission gegeben und waren damit erfolgreich“, sagt die Waldkraiburgerin mit unüberhörbarem Sarkasmus.

Bei den staatlichen Hilfen sei das ein Nachteil. Die Überbrückungshilfe III haben sie beantragt, auch eine Zusage, aber noch kein Geld bekommen. „Wir haben einen privaten Kredit aufgenommen.“

Balkanspezialitäten gibt‘s nach der Krise in einem weiteren Geschäft

Jetzt hoffen sie, mit ihrem „Brücken-Sortiment“ die Krise durchzustehen. Und wenn es irgendwann doch wieder geht, dann wird „Bella Moda“ nicht mehr nur so heißen, sondern auch wieder Mode verkaufen.

Die Balkanspezialitäten soll es dann ebenso weiterhin geben. In der Berliner Straße 31, an der Kreuzung Teplitzer-/Berliner-/Egerländer Straße. Das heruntergekommene Gebäude, in dem bis Ende 2020 noch Tabakwaren und Zeitungen im Erdgeschoss verkauft wurden, will Admir Hodzic abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Darin sollen ein Laden und vier Wohnungen in den vier Obergeschossen entstehen. Wenn alles gut gehe, werde der Antrag schon im Mai im Rathaus behandelt.

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