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Besondere Kirchengeschichte

Bayernweit einzigartig: Warum Gemeinde Aschau-Werk in ehemaligem Bunker Gottesdienst feiert

Als müsste das Gebäude heute noch getarnt werden: So präsentiert sich die Kirche St. Josef, bayernweit die letzte und einzige Bunkerkirche, die in den 1950er-Jahren aus dem Bunker eines Rüstungswerks hervorging und bis heute der gemeinde in Aschau-Werk regelmäßig als Versammlungsraum für Sonntagsgottesdienste dient.
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Als müsste das Gebäude heute noch getarnt werden: So präsentiert sich die Kirche St. Josef, bayernweit die letzte und einzige Bunkerkirche, die in den 1950er-Jahren aus dem Bunker eines Rüstungswerks hervorging und bis heute der gemeinde in Aschau-Werk regelmäßig als Versammlungsraum für Sonntagsgottesdienste dient.
  • VonUrsula Huckemeyer
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St. Josef in Aschau-Werk ist keine Kirche wie jede andere. Das Gotteshaus hat eine ganz besondere Geschichte: Die Gemeinde, die sich dort jeden Sonntag zum Gottesdienst versammelt, feiert in einem ehemaligen Rüstungsbunker.

Aschau am Inn– Sie ist ein bisschen versteckt, die Kuratiekirche in Aschau-Werk. Dabei hätte das Gotteshaus, das dem Heiligen Josef geweiht ist, keinen Grund, sich zu verbergen. Denn eine Kirche wie diese gibt es nirgendwo sonst im Freistaat Bayern, wie Aschaus Pfarrverbandsleiter Pater Bernhard Stiegler hervorhebt: „St. Josef ist bayernweit bis zum heutigen Tag die einzige Bunkerkirche mit seelsorglicher Verwendung.“

Die letzte Bunkerkirche

Die Geschichte der Werkskirche ist relativ kurz, dafür aber umso ungewöhnlicher. 1954 ist sie aus einem ehemaligen Bunker entstanden (siehe unten). Aus der stark befestigten und getarnten Lagerhalle des Rüstungsbetriebes, den die Nationalsozialisten hier errichtet hatten, wurde ein kirchlicher Versammlungsraum für die Menschen, die nach dem Krieg im Ortsteil Aschau-Werk eine neue Bleibe fanden.

Und während Bunkerkirchen in anderen Gemeinden, wie in der Nachbarstadt Waldkraiburg, später durch größere Neubauten ersetzt wurden, wird St. Josef in Aschau-Werk bis heute als Gottesdienstraum genutzt.

Eine Chronik soll die ungewöhnliche Geschichte der Kirche aufbewahren

Die Umbauarbeiten führten seinerzeit Lehrlinge und Ausbilder des „Jugendhilfswerkes Waldwinkel“ der Salesianer Don Boscos durch. Die Einweihung durch Weihbischof Johannes Neuhäusler fand im September 1955 statt.

Jetzt haben sich unter Federführung von Salesianerpater Stiegler seine Mitstreiter Oskar Klier, Franz Wicho und Hans Borchardt, ebenfalls Salesianer, zusammengetan, um eine Chronik über das Bauwerk zu verfassen.

Die Idee dafür stammt von Oskar Klier, der nach dem Krieg das Werk Aschau leitete und dadurch mit der Geschichte dieses Ortsteils bestens vertraut ist. Klier veröffentlichte bereits eine Chronik über die neuere Geschichte des Werkes. Der 84-Jährige ist heute einer der letzten Zeitzeugen für die Entstehung.

„Ein kleines Juwel“

Als ein „kleines Juwel“ sehen Günther Manz (von links), Mesner und Kirchenpfleger, Salesianerfrater Han s Borchardt, Pater Bernhard Stiegler und Oskar Klier, der ehemalige Leiter des Werks Aschau, die Kirche St. Josef an, die aus einem ehemaligen Bunker des Rüstungswerks hervorging.

Die Chronisten sind sich einig: Die Bunkerkirche, wenngleich sie reichlich Patina angesetzt hat, darf als kleines Juwel bezeichnet werden. Das sieht auch Günther Manz so, der sich als Kirchenpfleger und Mesner in der Kuratie engagiert. „Zu dieser Aufgabe bin ich eigentlich wie die Jungfrau zum Kind gekommen“, sagt der 72-Jährige schelmisch. Ende der 1980er-Jahre habe sich die damals 14-jährige Ministrantin Conny Neher um alle Belange der Kirche gekümmert. „Auf Anfrage unterstützte ich das Mädchen in den vielfältigen Aufgaben. Letztlich wurde ich dann zum Kirchenpfleger und Mesner bestimmt.“

Salesianerpater Kleppe war Kümmerer und Gestalter

Wird von der Bunkerkirche gesprochen, dann muss auf alle Fälle Salesianerpater Johannes Kleppe Erwähnung finden. Er leitete von 1965 bis 1994 die Kuratie. Der Pater lebte mit seiner Schwester in der Pfarrwohnung gleich neben der Kirche. Kleppe war nicht nur als kritischer Geist, sondern auch als Kümmerer und als Gestalter der Kirche bekannt. Er verstarb 1999 in Waldkraiburg.

Hinter dem Gotteshaus befinden sich Sport- und Spielplätze. Ganz im Geiste Don Boscos gehören Sport und Spiel zusammen. So fanden vor Corona auf der angrenzenden großen Wiese regelmäßig sportliche Veranstaltungen und Pfarrfeste statt.

Immer sonntags um 10.30 Uhr ist Gottesdienst

Regelmäßig, immer sonntags um 10.30 Uhr, finden in Aschau-Werk Gottesdienste statt. Einmal pro Monat lädt die Kirche zum Familiengottesdienst ein. „Dieses Angebot ist bei den Gläubigen sehr beliebt“, stellt Pater Stiegler fest. Taufen und Hochzeiten können ebenfalls gefeiert werden.

Für Chronik werden noch Bilder gesucht

Die Bunkerkirche sei ein wichtiges Denkmal und ein gelungenes Beispiel für eine echte Rüstungskonversion, unterstreicht der Ordensgeistliche in seinem Grußwort für die Chronik. Die Kuratie-Kirche führe gut vor Augen, was der Prophet Micha vor 2700 Jahren verkündete und was die Friedensbewegung in den 1980er-Jahre aufgriff: „Schwerter zu Pflugscharen“.

Wer hat Bilder zur Kirchengeschichte

Stiegler und Oskar Klier sind für die Chronik noch dringend auf der Suche nach Fotomaterial. Die Chronisten freuen sich besonders über Bilder von verschiedenen Festlichkeiten aus der Gründerzeit. Wer mit Bildern aushelfen kann, soll sich mit Oskar Klier, Telefon 0 86 38/8 49 15, oder mit Pater Stiegler, Telefon 0 86 38/6 42 30, in Verbindung setzen.

Gebetsraum für Flüchtlinge

Lager für Sprengstoff: Der Bunker mit der Nummer 262 diente im Krieg als Lager für hochexplosive Stoffe. Danach hatte er zunächst keine Funktion. Teile des Rüstungswerks wurden demontiert und gesperrt. Erst einige Jahre später nahm der erste zivile Chemiebetrieb die Produktion auf, weitere Unternehmen der verschiedenen Branchen folgten.

Großer Industriestandort: Heute befindet sich in Aschau-Werk gleich neben Waldkraiburg ein zweiter großer Industriestandort. Das ehemalige Barackenlager, das ebenfalls zum Werk gehörte, diente seit dem ersten Nachkriegsjahr zur Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen. Wie bitter notwendig das war, zeigt das Ergebnis einer Volkszählung vom September 1950: 1080 Einheimische standen in der Gemeinde Aschau 925 Flüchtlingen und Vertriebenen gegenüber. Das entspricht 46 Prozent, weit über dem Landkreis- (29 Prozent) und Landesdurchschnitt (21).

Kirchliches Leben, fern der Heimat: Den gläubigen Christen war es wichtig, auch fern der Heimat am kirchlichen Leben teilzuhaben. Bald trafen sie sich deshalb in Privathäusern zu Gottesdiensten und Andachten. Bis sie auf das Gebäude Nummer 262 stießen, das in einen Gebetsraum umgewidmet wurde. 1954 kaufte die Kirche das Gebäude samt Umgebung und baute es mit Hilfe der Erzdiözese um.hg

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