DNA-Spuren an totem Reh nachgewiesen
Wolf im Landkreis Mühldorf unterwegs: Welche Gefahr droht Menschen und Tieren?
Ist es ein Anlass zur Sorge – und für Vorsichtsmaßnahmen? Nach dem ersten Nachweis eines Wolfs im Landkreis Mühldorf schätzen Fachleute die Lage in der Region ein.
Mühldorf – Zum ersten Mal ist im Landkreis Mühldorf ein Wolf nachgewiesen worden. Das teilt das Landratsamt Mühldorf unter Berufung auf das Bayerische Landesamt für Umwelt (LFU) mit. Danach fanden sich DNA-Spuren eines Wolfs am Kadaver eines Rehs, das am 7. Juni 2025 gerissen wurde. Ob der Wolf für den Riss verantwortlich ist oder ein Hund, ist nach Angaben von Fachleuten offen, er hatte aber auf jeden Fall Kontakt mit dem Reh.
Landratsamt: ein Einzelfall
„Der aktuelle Wolfsnachweis im Landkreis ist ein Einzelfall, Hinweise auf einen etablierten Lebensraum im Landkreis Mühldorf existieren nicht“, betont eine Sprecherin des LFU. Nach Einschätzung des Umweltamts handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein durchwanderndes Tier, das sein Elternrudel verlassen hatte. „Vor allem junge Rüden wandern auf der Suche nach einem eigenen Territorium sehr weite Strecken und können täglich bis zu 70 Kilometer oder mehr zurücklegen.“
Das schätzt auch Sascha Schnürer so ein. Der CSU-Landtagsabgeordnete ist zugleich oberster Jäger im Landkreis. Alle Meldungen von Tierrissen hätten sich bisher als Taten von wildernden Hunden herausgestellt, sagt der Vorsitzende des Kreisverbands der Jäger. Dass es diesmal ein Wolf gewesen sein könnte, hätten seine Jagdkollegen aber geahnt. „Rund um den Riss hatten wir erhöhte Fallzahlen von Wildunfällen“, berichtet Schnürer über die Zeit an Pfingsten. Rehe seien außerordentlich aufgescheucht gewesen, sie hätten untypischer Weise Wälder gemieden und freie Felder gesucht.
Grund zur Beunruhigung sieht Schnürer aber nicht . „Es wäre fatal, daraus jetzt Panik zu machen“, sagt er. „Der Wolf hat bei uns nicht genug Deckung, um einen dauerhaften Lebensraum zu finden.“ Der Sprecher des Landratsamts betont: „Da der Wolf von Natur aus vorsichtig ist, weicht er dem Menschen grundsätzlich aus.“
Hunde immer an die Leine
Trotzdem mahnt Schnürer vor allem Hundebesitzer zur Vorsicht. Allerdings wegen eines anderen Tieres: Aufgestöberte Wildschweine könnten für den Hund und vor allem seinen Besitzer sehr viel gefährlicher werden. „Das ist der wahrscheinlichste Fall einer Gefahr im Wald“, sagt Schnürer. „Deshalb Hunde immer an die Leine.“ Ansonsten gilt: „Ich muss im Wald nichts besonderes beachten.“
Wer auf der Wolfsseite des LFU nachliest, entdeckt eine Vielzahl von Wolfsnachweisen in Bayern, nicht nur in Alpennähe oder dem bayerischen Wald. Für Jäger Schnürer ist es wahrscheinlich, dass sich die Tiere nach dem Überwinden der Autobahn A8 auf den Weg nach Norden machen und dabei große Waldgebiete wie den Ebersberger Forst nutzen.
Für diese Annahme spricht die Fundstelle des Wildtieres. Die wollen zwar weder Landratsamt noch LFU nennen, nach Informationen der OVB Heimatzeitungen befand sich das getötete Tier im westlichen Landkreis.
