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Schreinerei Wastlhuber vor 100. Geburtstag

Die Schreinerei der Bayernstars: Michael Obereisenbuchner (31) aus Mühldorf – Vom Gesellen zum Chef

Matthias Hoferer (links) und Michael Obereisenbuchner führen die Mühldorfer Traditionsschreinerei Wastlhuber in die Zukunft.
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Matthias Hoferer (links) und Michael Obereisenbuchner führen die Mühldorfer Traditionsschreinerei Wastlhuber in die Zukunft.

Michael Obereisenbuchner kam nichtsahnend zum Bewerbungsgespräch – heute leitet er eine der ältesten Schreinereien in Mühldorf. Wie es dazu kam.

Mühldorf„Und du möchtest mein Nachfolger werden?“ Das waren die ersten Worte, die Schreiner-Geselle Michael Obereisenbuchner, damals 24, bei seinem Vorstellungsgespräch von Sepp Wastlhuber 2018 hörte. „Ich bin dagesessen und wusste von nichts“, erzählt Obereisenbuchner sieben Jahre später – als Chef der Mühldorfer Schreinerei Wastlhuber, die nächstes Jahr einhundert wird.

Ein Dozent an der Meisterschule hatte ihn ins kalte Wasser geworfen, berichtet der 31-Jährige. Er habe damals den kaufmännischen Teil der Meisterschule gemacht, gleichzeitig suchten die Geschwister Wastlhuber nach einem Nachfolger für das Familienunternehmen, da es in der vierten Generation niemanden gab, der die Schreinerei übernehmen wollte.

Lehrer an der Meisterschule erkannte das Potenzial

Der Dozent an der Meisterschule wusste von der Suche, sah in dem damals 24-Jährigen Potenzial, fragte ihn aber nur, ob er sich dort nicht bewerben wolle. Von Nachfolge „hat er mir nichts gesagt“, schmunzelt Obereisenbuchner heute.

Obereisenbuchner bekam die Stelle, war zwei Monate Geselle, machte seinen Meister, kam zurück und arbeitete erst einmal ganz normal mit. Vier Jahre lang. Dann war klar: Er ist geeignet und willens.

Unternehmer braucht viele Kompetenzen

Der Mühldorfer Unternehmensberater Reinhold Wanner hat die Übergabe begleitet. Er weiß, ein Unternehmer muss viele Kompetenzen mitbringen, „die muss man abprüfen. Wenn ich Unternehmer bin, dann sind es nicht 40 Stunden in der Woche, dann betrifft es auch das Privatleben, vielleicht auch finanzielle Sorgen und so weiter.“

Unternehmer müsse ein Lebensziel sein, betont Wanner. „Es gibt viele, die sagen, jetzt werde ich Unternehmer, weil mein Vater hat eine Firma. Oder mein Chef bietet mir die Firma an. Jetzt mache ich das halt. Wenn ich das höre, sage ich stopp.“

Bei Obereisenbuchner passte alles. Er war der richtige Kandidat.

Verantwortung für 15 Familien

„Es war eine riesen Chance, es ist aber auch eine riesen Verantwortung“, wusste er schon damals. „Ich habe nicht nur 15 Mitarbeiter, ich habe 15 Familien, für die bin ich finanziell verantwortlich. Das ist eine gewisse Last, mit der muss man umgehen lernen. Man muss sich, sehr gut überlegen, ob man den Schritt geht.“ Für ihn war nach einem halben Jahr Bedenkzeit klar: Er will diesen Schritt gehen.

Dann ging es in die Details: Was passiert mit dem Firmennamen, dem Gebäude und den Maschinen? Was ist das Unternehmen wert? Wie soll die Übernahme finanziert und steuerlich gestaltet werden? Das dauerte noch mal gut zwei Jahre.

Gehen die Mitarbeiter den Weg mit?

Im Oktober 2022 war es so weit; die Mitarbeiter wurden in einer Betriebsversammlung informiert: ab 1. Januar 2023 habt ihr einen neuen Chef. Für Wanner genau richtig, „sonst bringe ich nur Unsicherheit in das Team und da geht vielleicht ein Mitarbeiter verloren.“

„Das war meine größte Sorge“, sagt Obereisenbuchner. Aber alle seien geblieben. „Vielen ist ein Stein vom Herzen gefallen. Es geht weiter und es geht nicht mit einem Fremden weiter, sondern mit jemandem, den sie kennen.“

„Für mich war es eine Erleichterung“, erzählt Matthias Hoferer (34). Es sei ja bekannt gewesen, dass die Chefs keinen Nachfolger hätten: „Da hat man sich Gedanken gemacht. Ich bin da schon auch nervös geworden.“ Heute ist er Obereisenbuchners Stellvertreter und Prokurist.

Vorgänger hilft bis heute mit – noch

„Wir haben die Stühle getauscht“, beschreibt Obereisenbuchner den Wechsel am 1. Januar 2023. Alexander Wastlhuber sei weiter im Betrieb geblieben. „Das war ein sehr, sehr großer Vorteil für mich.“ Als Chef gebe es vieles, „mit dem Du davor nie Berührungspunkte hast“, auf das keine Meisterschule vorbereitet. Zum Beispiel Verträge verhandeln, große Projekte kalkulieren. Da war es gut, dass er Wastlhuber fragen konnte: „Wie war das bei Euch? Habt ihr das schon mal gehabt?“

Es kristallisierte ein Dreierteam an der Spitze heraus: Obereisenbuchner, Wastlhuber und Hoferer. Sie beraten und entscheiden gemeinsam. „Wenn einer sagt, das funktioniert nicht, dann hat uns die Vergangenheit gelehrt, dann sollten wir drauf hören“, sagt Obereisenbuchner.

Die Schreinerei Wastlhuber feiert 2026 den 100. Geburtstag.

Damit wird es in absehbarer Zeit vorbei sein. Alexander Wastlhuber ist nur noch bis zu seinem Renteneintritt in der Firma tätig – und ist damit der letzte Vertreter der Familie. Dann lastet noch mal ein Stück mehr auf den Schultern des 31-Jährigen.

Ziele für die Traditionsschreinerei

Obereisenbuchner hat einiges angestoßen und verändert: mehr Digitalisierung, eine eigene Webseite. Bislang ist sein Unternehmen für hochwertige und hochpreisige Bau- und Möbelschreinerei bekannt, die Kunden leben in ganz Europa – „von Ibiza bis Nordholland, von der Steiermark bis nach Frankreich“. Kunden gab es vor allem auch in Grünwald, die Schreinerei Wastlhuber stattete auch schon Villen von FC-Bayern-Stars hochwertig aus. Das Angebot will Obereisenbuchner um Lohnarbeiten erweitern, um die Firma noch sicherer zu machen.

Bei allen Anforderungen, Herausforderungen und Belastungen: Obereisenbuchner bereut den Schritt nicht: „Mein Beruf ist meine Berufung, ich sehe das nicht als Arbeit.“

Hinweis: In einer vorherigen Version hieß es, in der dritten Generation habe sich kein Nachfolger gefunden; dabei war es in der vierten Generation. Der letzte verbliebene aktive Vertreter der Familie in der Firma heißt Alexander Wastlhuber, er ist nicht nur bis zum Jahresende, sondern bis zu seinem Renteneintritt noch in der Firma. Wir bitten um Entschuldigung.

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