Gedenkfeier im früheren KZ Mühldorf
KZ Mühldorf: Erinnerung an Nazi-Gräuel als Teil der Heimat verstehen
Die Zeitzeugen werden weniger, doch ihre Kinder und Enkel übernehmen die Verantwortung: Am 1. Mai erinnert Mühldorf an die Opfer des KZ im Mühldorfer Hart.
Mühldorf – Die Zeitzeugen, die Menschen also, die den Holocaust persönlich erlebt haben, werden weniger. Ihre Aufgaben übernehmen ihre Nachfahren. Auch in Mühldorf bei der Feier im ehemaligen KZ. Am 1. Mai erinnern dort Menschen aus der Region und viele Gäste an das Leiden und Sterben im Mühldorfer Hart.
Erinnerung an KZ-Greuel
Dort, wo die Nationalsozialisten in den letzten Kriegsmonaten eine riesige, halb unterirdische Flugzeugfabrik bauen ließen und dabei etwa 4000 Menschen ermordeten, steht das Gedenken im Zeichen der fortdauernden Verantwortung. Für Franz Langstein, Vorsitzenden des Vereins „Für das Erinnern“ geht es dabei nicht nur um die Vergangenheit.
Langstein sagt: „Wenn man mitbekommt, wie lapidar oder verächtlich über die Opfer oder wie verherrlichend über die NS-Zeit gesprochen wird, oder über die Juden, über die Ausländer, oder wie Politiker verbal herabgesetzt und beleidigt werden, wenn Demokratie lächerlich gemacht wird, wenn die Sprache verroht“, dann kommt für ihn die Verantwortung ins Spiel, die aus der Erinnerung an die Nazigräuel erwächst. „Unsere Verantwortung tragen heißt für mich: Zivilcourage zu zeigen und wahrhaftig zu bleiben.“
Die Gedenkfeier zeigt laut Langstein, „dass die Erinnerung an das KZ Mühldorf zu uns allen gehört, ja zu unserer Heimat gehört, nicht mehr wegzudenken oder wegzureden ist. Und das wird immer wieder von völkischen und rechten Zeitgenossen versucht.“ Es gehe um Humanität und Menschenwürde, Gerechtigkeit und Frieden, um Wahrhaftigkeit.
Gedenkfeier am 1. Mai
Die Erinnerung lebendig zu halten, wird schwieriger, weil die letzten von denen sterben, die die Zeit erlebt haben. Bei der Gedenkfeier in Mühldorf wird aber deutlich, dass deren Nachfahren helfen, Verantwortung in die Gegenwart zu tragen. So haben nach Angaben des „Vereins für das Erinnern“ neben dem KZ-Überlebenden Erich Finsches auch Judith Faessler, Enkelin von Max Mannheimer, und Laurence Steinmetz, Enkelin von Roland Thomas, ihre Teilnahme angekündigt.
Die Gedenkfeier am Bunkerbogen beginnt um 11 Uhr, Treffpunkt ist um 10.30 Uhr auf dem Parkplatz bei der Firma Innbau-Beton. Von dort geht es etwa eine viertel Stunde zu Fuß zum Gedenkort.
