Großes Risiko aus Liebe zum Verein
„Mehr als lebensgefährlich“– was Fußballfans entlang der Mühldorfer A94 anstellen
Die Liebe zum Fußballverein treibt oft seltsame Blüten: Entlang der A94 in den Landkreisen Mühldorf und Altötting verewigen sich Fans mit rot-weißen Schriftzügen und anderen Sprayattacken. Polizei und Autobahnbetreiber sind wenig begeistert – und warnen.
Mühldorf/Altötting/Töging – „Hier regiert der FCB!“ – dieser Schriftzug in mannshohen weißen Lettern auf rotem Untergrund thront geradezu über der A94 bei Töging. Gefährlich weit oben, an der höchsten Stelle der steilen Autobahnböschung verunstaltet dieses Graffiti mit dem Bekenntnis zum Fußballclub FC Bayern die graue Betonmauer. Ein paar Meter weiter steht im selben Stil geschrieben „Schickeria“ mit Münchner Kindl.
Viele Schmierereien, keine Festnahmen
„Wir registrieren eine Vielzahl von Schmierereien“, sagt dazu Robert Gierden, Chef der Autobahnpolizei Mühldorf. Seine Dienststelle beobachtet die Graffitis an der Autobahn in den Landkreisen Mühldorf und Altötting zusammen mit anderen Polizeiinspektionen. Festnahmen hat es aber noch keine gegeben. „Wir konnten noch keinen Täter auf frischer Tat ertappen“, bedauert er.
Was selbst für ihn unerklärlich ist: „Es muss doch jemanden geben, der die Sprayer bemerkt hat. Zum Teil sind sie auch recht gut gemacht, das nimmt ja einige Zeit in Anspruch. Aber wir haben bisher keine einzige Mitteilung, keinen Anhaltspunkt wann und um welche Uhrzeit das stattgefunden hat und keinerlei Zeugen, die auch nur verdächtige Wahrnehmungen entlang der Autobahn gemacht haben.“
Die Fan-Schmierereien und andere Graffitis müssten wohl nachts angebracht worden sein, wenn wenige Verkehrsteilnehmer unterwegs sind und die Lichtkegel der Scheinwerfer nicht ausreichten, um Verdächtiges zu sehen.
Waren Fans aus München am Werk?
„Bei der Tätergruppe handelt es sich wahrscheinlich um Hardcore-Fankreise, die ihren Ursprung wohl in der Landeshauptstadt München haben“, vermutet Gierden. In sechs Münchner Fällen konnte die Polizei 24 Tatverdächtige festnehmen, alles Männer im Alter zwischen 15 und 22 Jahren.
Rund um München sind diese Graffitis in rot-weiß, aber auch in blau-weiß für den TSV 1860 München zu sehen. Von Mühldorf in Richtung München kann man das an den Brücken über die A94 gut beobachten. Die eine haben Bayern-Anhänger für sich eingefärbt, die nächste dann die 60er-Fans. „An manchen Stellen in der Stadt wechseln diese Vereinsfarben täglich“, weiß Gierden von Münchner Polizeikollegen.
Ob es sich bei den Graffitis um Aufnahmerituale in Fanclubs handelt, darum das Revier zu markieren oder nur um auf seinen Verein aufmerksam zu machen, darüber kann er nur spekulieren. „Gemehrt haben sich Bayernfarben rund um das Champions League-Finale in München, an dem die Bayern selbst ja nicht beteiligt waren.“ Er rechnet damit, dass es bei dem nächsten größeren Fußballereignis wieder zu solchen „Farbanschlägen“ kommen könnte.
Schadensersatzanspruch gilt 30 Jahre lang
Eines ist klar: Strafrechtlich handelt es sich bei illegalen Graffitis um Sachbeschädigung, die von der Autobahn GmbH des Bundes auch regelmäßig angezeigt wird. Dazu kommt Hausfriedensbruch, denn die Täter müssen Absperrzäune, die eigentlich Wildtiere abhalten sollen, überwinden, um auf das Autobahngelände zu kommen. Und es entstehen Schadensersatzansprüche, für die der Verursacher 30 Jahre lang zur Kasse gebeten werden kann.
Damit nicht genug. „Was die da machen ist mehr als lebensgefährlich, diese Leute sind höchst unvernünftig“, stellt Anton Maier, Geschäftsführer der Isentalautobahn GmbH fest. Nicht umsonst seien Streckendienste, die an der Autobahn arbeiten, immer in Signalfarben gekleidet, ihr Arbeitsbereich mit Fahrzeugen zusätzlich gesichert.
Sprayer begeben sich in Lebensgefahr
„Gott sei Dank“, sagt er, „hat es noch keine Verletzten gegeben!“ Aber wer sich auf die steilen Böschungen neben der Autobahn begebe, könne leicht abrutschen und auf die Fahrbahn stürzen. Wer die riesigen Richtungsschilder neben der Fahrbahn bemalt, setze sich dem Risiko von einem vorbeifahrenden Fahrzeug erfasst zu werden, sogar noch direkter aus
Und wie die Fans es geschafft haben den untersten Betonstreifen der Autobahnüberführung bei Mößling einzufärben, kann man sich ohne Kopfschütteln gar nicht vorstellen. „Wir können und wollen ja nicht die komplette Autobahn mit Stacheldraht absichern“, Maier weiß nicht so recht, wie man die Täter von ihrem gefährlichen Treiben abhalten könnte.


